Focus Transalp36: Mit dem Pedelec in Rekordzeit über die Alpen!

Focus Transalp36: Mit dem Pedelec in Rekordzeit über die Alpen!

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Spektakulärer Rekordversuch mit dem E-Mountainbike: Nonstop, ohne Schlaf und in maximal 36 Stunden wollen Flo Vogel (SUI) und Markus Schulte-Lünzum (GER) vom Focus XC Team ab 25. September die Alpen auf der legendären Heckmair-Route überqueren.

Flo Vogel und Markus_Schulte-Luenzum wollen in 36h mit dem Pedelec über die Alpen (Klicken zum Vergrößern)

400 Kilometer und 16.000 Höhenmeter müssen sie auf der Strecke von Oberstdorf nach Riva del Garda bewältigen. Die Crosscountry-Profis setzen dabei das neue E-Mountainbike Focus Project Y ein, das lediglich 13 Kilogramm wiegt.

Normalerweise benötigt man für die klassische Heckmair-Transalp mit der häufig empfohlenen Umfahrung des Passo di Campo fünf bis sieben Tagesetappen.

Der amtierende Crosscountry-Europameister Flo Vogel aus Rapperswil und Markus Schulte-Lünzum aus Haltern wollen die 400 Kilometer nonstop in höchstens 36 Stunden absolvieren – ohne Schlafpause geht es auf Schotterwegen und Trails über Pässe, die teilweise höher als 2600 Meter liegen. Sie wollen zwischen 25. und 29. September 2017 starten und dafür die besten Wetterbedingungen abwarten.

Das Bike: „Project Y“-E-MTB

Das Focus-Bike zum Abenteuer (Klicken zum Vergrößern)

Die Focus XC Teamfahrer führen die Aktion mit dem „Project Y“-E-Mountainbike durch, das mit dem auf der Eurobike mit dem Gold-Award ausgezeichneten evation-Antrieb von Fazua ausgerüstet ist.

Dank des in Deutschland entwickelten Carbon-Leichtbaurahmens sind selbst Tragepassagen bergauf möglich. Auf den Downhills sind die Fahreigenschaften identisch zu „traditionellen“ Bikes.
 

Trotz des E-Antriebs ist die Herausforderung nicht zu unterschätzen:

Dauerbelastung, Müdigkeit und Schlafdefizit zermürben die Fahrer während der langen Zeit im Sattel. Ihre Konzentration und Reaktionsfähigkeit lassen nach, obwohl sie auf der ihnen unbekannten Strecke besonders aufmerksam sein müssen. Zudem sind die Wege während der Nacht trotz der Stirnlampen deutlich schwieriger zu fahren als bei Tageslicht.

Eine ausreichende Energiezufuhr ist daher extrem wichtig. Im Vergleich zum „täglich Brot“ des Crosscountry-Weltcups bedeutet der Rekordversuch eine komplett neue Challenge für die Fahrer!

Hintergrund Heckmair-Route

Die ursprüngliche Heckmair-Route wurde 1989 von Andreas Heckmair vorgestellt, dem Sohn des Eiger-Nordwand-Bezwingers Anderl Heckmair. Die Route gilt als erste Alpenüberquerung mit dem Mountainbike und führt über

Dank Carbonrahmen und leichtem Antrieb von Fazua sind auch Tragepassagen möglich (Klicken zum Vergrößern)

drei Landesgrenzen: Zunächst den Schrofenpass (1688 m) zwischen Deutschland und Österreich, dann das Schlappiner Joch (2202 m) zwischen Österreich und der Schweiz, und schließlich den Chaschaunapass (2694 m) nach Italien. Die Strecke endet mit einer Abfahrt von über 1600 Höhenmetern vom Tremalzopass nach Riva am Gardasee.

Auf der Website zu Focus Transalp36 kann man den Rekordversuch im Live-Tracking verfolgen: www.focustransalp36.com 

[Text & Fotos: Focus]

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Kommentar:

Wow! Auf der Eurobike wurden von Fazua einige spannende News rund um den evation-Antrieb angekündigt, dieser Rekordtrip ist wohl der erste Paukenschlag! Vor der Leistung von Flo Vogel und Markus Schulte-Lünzum ziehe ich jetzt schon den Helm!

Das Rad der beiden habe ich auf der Hausmesse von Derby Cycle im August schon kurz probefahren dürfen – natürlich nicht ahnend, auf was ich da sitze…

Erster Eindruck Tern GSD

Erster Eindruck Tern GSD

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[at] Das GSD, erst kurz zuvor vorgestellt, war auf der Eurobike der Mittelpunkt am Stand von Tern. Und natürlich habe ich mir die Chance nicht nehmen lassen, damit mal eine Runde zu drehen.

Das GSD von Tern auf der Eurobike: Über die „Last“ meines Rucksacks kann es nur müde lächeln. (Klicken zum Vergößern)

Tern schafft mit dem GSD die Klasse des „Compact Utility E-Bike“: Mit einer Länge von weniger als 180cm kann man tatsächlich von einem kompakten Lastenrad sprechen. Die Abkürzung „GSD“ steht übrigens für „Getting Stuff Done“ (zu deutsch in etwa: „Kram erledigt bekommen“) und von dem „Stuff“ kann das GSD bis zu 180 km tragen.

Bei dieser Zuladung ist ein Pedelec-Antrieb, in dem Fall die Bosch Performance-Variante, natürlich sehr sinnig. Und bei Tern hat man, sehr vorausschauend, wie ich finde, direkt eine Möglichkeit vorgesehen, mit zwei Akkus unterwegs zu sein.

 

 

Stabiler Rahmen

Kräftige hydraulische Bremsen von Magura (Klicken zum Vergrößern).

Die Akkus sind vom beeindruckenden Fachwerk des Rahmens gut geschützt und schwerpunktgünstig tief hinter dem Sattelrohr untergebracht. Die kleinen 20-Zoll-Räder sorgen dabei ebenfalls für einen tiefen Schwerpunkt, was der Fahrt mit viel Zuladung zu Gute kommen dürfte. Ebenfalls angepasst und kräftig dimensioniert wurden die Bremsen von Magura.

Kunstvoll versteifter Rahmen (Klicken zum vergrößern)

Überhaupt, das Rahmenfachwerk: Diesem kunstvoll geschweißten Rohrverbund am Heck nehme ich seine Tragfähigkeit ohne zu Zögern ab.

Und auch im vorderen Rahmenbereich versprechen die Rohre Stabilität, trotz des tiefen Einstiegs: Das Thema „Verwindung bei Beladung“ sollte hier keines sein.

 

Kompaktreiserad?

Auf der Eurobike war das GSD am Stand mit 6 (!) Ortlieb-Taschen versehen: Zwei vorne am gegen Aufpreis verfügbaren Lowrider und vier am Gepäckträger (je zwei an einer Seite). Ich persönlich finde diese Taschenalternative besser als die ebenfalls von Tern verfügbaren Großraumtaschen: Die Ortliebs sehen einfach aufgeräumter und auch sportlicher aus. Aber da gehen die Meinungen sicher auseinander. 

Das Tern GSD als Reiserad, warum nicht? Reichweite und Zuladung passen.(Klicken zum Vergrößern)

Was die Ortliebs aber noch zeigen ist: Das GSD wäre auch ein prima Reiserad: Bei dem man sich um die Reichweite (bis 250 km mit zwei Akkus) und die Gepäckunterbringung keine Sorgen machen müsste. Eigentlich müsste auf den Gepäckträger auch noch eine große 90l-Ortlieb-Gepäckrolle längs passen…

Testfahrt, leider unbeladen

Leider stand keine Last zur Verfügung, so fuhr ich das GSD eben unbeladen. Nach dem Anpassen von Lenker- und Sattelhöhe (das GSD passt für Personen bis 195cm Körpergröße) ging’s raus auf die Teststrecke. 

Das GSD fährt sich sehr souverän, der Geradeauslauf ist sehr gut und auch bis in höhere Geschwindigkeiten ohne Tadel. Das Ziehen enger Kreise klappt gut, die Handlichkeit ist fast kompaktradtypisch, auch wenn das GSD etwas länger als „normale“ Kompakträder ist.

Der Clou: Das Rad kann auf den speziell geformten Enden des Gepäckträgers aufrecht gestellt werden! Eine Super Idee, beispielsweise für enge Flure, wie ich finde.

Das Tern GSD macht beim Fahren richtig Laune. Die Reichweite und Tragfähigkeit sind enorm, es passt mit einer Länge von etwa 180cm problemlos ins Fahrradabteil der Bahn.

Also nicht nur ein prima Familienrad sondern auch ein tolles Reiserad für Menschen, die etwas mehr mitnehmen wollen?

Platzsparend: Senkrechte Parkposition

Speziell vorgesehene Aufstandspunkte für die…
…spezielle Parkposition des Tern GSD (Klicken zum Vergrößern)

Die Möglichkeit, das Rad auf dem Gepäckträger stehend aufrecht zu parken, ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Das vergleichsweise geringe Packmaß durch die klappbare Lenkereinheit und das zweiteilige Sattelrohr sorgen auch dafür, das es ohne großen Aufwand auch mal im Auto transportiert werden kann.

Und da das TERN GSD nicht länger ist als ein normales Fahrrad passt es auch auf herkömmliche Fahrradträger oder ins Fahrradabteil der Bahn.

Fazit 

Das GSD machte auf mich einen sehr guten Eindruck.

Es ist erwartungsgemäß wertig verarbeitet, bietet eine enorme Zuladung und mit zwei Akkus auch eine hervorragende Reichweite. Die allerdings im angedachten urbanen Einsatz möglicherweise gar nicht nötig ist. Deshalb bietet Tern sinnvollerweise den zweiten Akku auch als Sonderausstattung an.

Ebenfalls gegen Aufpreis zu haben sind u.a. der vordere, rahmenfeste Gepäckträger, Lowrider oder auch die hintere Gepäckreling mit Holzboden.

 

Das Tern GSD wird im ersten Quartal 2018 zum Preis ab rund 4.000€ im Handel erhältlich sein.

[Fotos: VeloStrom]

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Pedelec-ABS: Braucht’s das?

Pedelec-ABS: Braucht’s das?

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[at] Auf der diesjährigen Eurobike konnte das neue Pedelec-ABS von Bosch erstmals getestet werden. Doch braucht’s das wirklich?

Rückblick: Anfang der 80iger Jahre des letzten Jahrtausends habe ich das erste ABS in einer Mercedes S-Klasse gesehen: Das Steuergerät war so groß wie ein Aktenkoffer und der Aufpreis war enorm. Nur wenige konnten sich deshalb das Fahrzeug und das Sicherheitssystem leisten.

ABS beim Auto…

Ende der 80iger Jahre begann das ABS auch im Auto für Normalverdiener zur Normalität zu werden. Doch viele Menschen vertraten die Meinung „Ein guter Fahrer bremst doch immer besser!“ Heute gehört selbst bei Kleinwagen das ABS so selbstverständlich zur Grundausstattung wie Fahrersitz oder Lenkrad.

beim Motorrad…

Mitte der 90iger Jahre des letzten Jahrtausends war das ABS, vor allem bei BMW-Motorrädern, im Markt angekommen.  Doch auch hier hielt sich jahrzehntelang die Meinung vor allem bei sportlichen Fahrern, dass ein Mensch immer besser bremsen würde. Heute gehört das ABS auch beim Motorrad zum serienmäßigen Ausstattungsumfang dazu.

Und trotz der nachgewiesenen Vorteile des ABS fühlen sich noch immer viele Motorradfahrer bevormundet.

und beim Pedelec.

Jetzt kommt also von Bosch und Magura das ABS am Pedelec. Und wieder regt sich die Frage: Braucht’s das wirklich?

 

Im Gespräch auf der Eurobike sagte Claus Fleischer (Geschäftsführer Bosch eBike Systems): „Wir haben uns bei der Entwicklung des ABS die Unfallstatistiken genau angeschaut. Deshalb führen wir das ABS zunächst ausschließlich an Trekking- und Citybikes mit 28 Zoll Reifen ein. Denn gerade Neu- und Wiedereinsteiger sowie Gelegenheitsfahrer sind oftmals mit den heutigen, hoch effektiven Bremssystemen überfordert.“

Damit entkräftet Claus Fleischer gekonnt den zu erwartenden und auch schon geäußerten Spruch „vom routinierten Fahrer, der immer besser bremsen“ würde.

Im Laufe der Zeit habe ich persönlich auf einigen Sicherheitstrainings sowohl beim PKW als auch beim Motorrad die Vorteile des ABS kennen und schätzen gelernt: Stets reproduzierbar gute Bremssleistungen auf  höchst möglichem, an die aktuellen Fahrbahnbedingungen angepasstem Niveau. Und trotzdem bin ich beim Einsatz von ABS auf dem Pedelec skeptisch.

Ausführliches Probebremsen

Aber ich weiß auch: Gerade beim ABS gilt der Spruch „Versuch macht kluch“ und so habe ich natürlich das Pedelec-ABS auf dem eigens von Bosch aufgebauten Test-Parcours auf der Eurobike ausprobiert.

Zum Test standen Trekking-Pedelecs bereit, die Funktion des ABS wurde von kundigen Bosch-Mitarbeitern vor den Probebremsungen erläutert:

Die ABS Kontrolleinheit ist am Vorbau des Pedelecs (blauer Kreis) befestigt. (Klicken zum Vergrößern)

Das System besteht aus der ABS Kontrolleinheit die am Vorbau des Pedelecs befestigt ist, einer separaten ABS Kontrollleuchte, den ABS Radgeschwindigkeitssensoren und der von Magura neu entwickelten Bremse „CMe ABS“.

Das Antiblockiersystem wirkt nur auf das Vorderrad und aktiviert sich ab einer Fahrgeschwindigkeit von sechs Kilometern.  Das Gewicht aller Komponenten beträgt etwa 800 Gramm.

Der Parcours bestand aus zwei gegenüberliegenden Geraden, eine davon mit Asphalt, die Gegengerade über einige Metern mit Splitt belegt.

Die Strecke ohne Splitt diente dazu, die Funktionsfähigkeit, insbesondere der Überschlagskennung, des ABS auch auf trockener, griffiger Strecke zu demonstrieren.

Und auf dem Splitt sollte das ABS sein Können unter Beweis stellen.

Bei meinen Bremsversuchen wurde ich übrigens darum gebeten bewusst nur vorne, aber dafür mit aller Kraft, zu bremsen. In der Praxis würde der geübte Radler selbstverständlich auch hinten bremsen. Doch hier ging es ja weniger um den geringst möglichen Bremsweg als darum, die Leistungsfähigkeit des Systems zu testen.

Griffiger Asphalt

Auf der Eurobike 2017 konnte das Pedelec-ABS erstmals getestet werden (Klicken zum Vergrößern).

Jetzt neigt ein Trekking-Pedelec mit relativ langem Radstand, vergleichsweise flachem Lenkkopf und langem Nachlauf ja prinzipiell weniger dazu, sich beim starken Bremsen zu Überschlagen.

Trotzdem ist auch beim heftigen Ankern auf griffigem Belag bei einem Rad ohne ABS und Überschlagskennung deutlich zu spüren, dass das Heck leichter wird.

Nicht so allerdings beim mit ABS ausgestatteten Pedelec:

Beim starken Bremsen auf dem griffigen Asphaltstück ist nicht zu spüren, dass das Heck leichter wird oder gar nach oben kommt. Das ABS regelt die Bremskraft automatisch an der maximal möglichen Verzögerung entlang und macht unmerklich „auf“ sobald die Sensoren melden, dass das Hinterrad beginnt abzuheben. Das alles passiert in solch kurzen Intervallen, dass man als Mensch nur einen durchgängigen Bremsvorgang wahrnimmt.

 

Splitt

Wie bereits gesagt, war die Gegengerade zum griffigen Asphaltstück üppig mit Splitt bestreut und zwar bis kurz vor dem Ende der Testrecke, die an dieser Stelle in das Standzelt auslief. Bei einer Schreckbremsung bei diesen Bedingungen in einer Gefahrensituation würde ein blockierendes Rad beim ungeübten Radfahrer sicher zum Sturz führen und auch der geübte Radler sicher seine Mühe haben. 

Meine erste Bremsung fällt noch moderat aus, mit relativ geringer Geschwindigkeit bremse ich vorne mit aller Kraft…und merke deutlich, dass das System kurz vorm Blockieren aufmacht, direkt wieder bremst, wieder aufmacht und so weiter bis ich zum Stehen komme. Dabei ist von einem pulsierenden Bremshebel, wie ich es vom frühen Motorrad-ABS kenne, nichts zu spüren. Beeindruckend.

Also gleich noch ein Runde, diesmal mit mehr Geschwindigkeit. Das Ergebnis ist nicht weniger beeindruckend: Kein Blockieren, kein Rutschen sondern kontrollierte, maximal mögliche Verzögerung. Toll!

Dritter Versuch. Ich bin so schnell, dass mich das ABS auf der Splittstrecke nicht zum Stehen bringt! Und jetzt kommt der gleiche Effekt wie beim Motorrad-ABS zum Tragen: Ich sehe das Ende der Teststrecke auf mich zu kommen und denke, dass ich gleich im Zelt zwischen Besuchern und Bosch-Mitarbeitern einschlagen werde, halte aber die Bremse weiter gezogen.

Am Ende der Splittstrecke steigt die Haftung zwischen Reifen und Boden stark an, ohne ABS und mit gezogener Bremse wäre jetzt ein Abstieg über den Lenker wahrscheinlich. Nicht aber hier: Das Pedelec-ABS kann mit maximaler Verzögerung bremsen. Und das tut es auch, langt, unterstützt von der Überschlagskennung, voll in die Eisen und bringt mich mit deutlich kürzerem als von mir berechneten Bremsweg zum Stehen, lange bevor ich mit der gesamten Fuhre im Zelt stehe! Wow, eine wirklich beeindruckende Vorstellung! 

Diese Bremsperformance funktioniert momentan jedoch nur bei Geradeausfahrt, wie mir eine Technikerin von Bosch bestätigt. Bis das Kurven-ABS serienreif ist dauert es noch ein bisschen. Aber das war beim Motorrad auch nicht anders und tut dem System meiner Meinung nach grundsätzlich keinen Abbruch.

Pedelec-ABS, braucht’s das?

Die Frage aller ABS-Fragen bleibt: Bremst der geübte Fahrer besser?

In einer kontrollierten Situation, beim Testen oder bei einem Rennen, vielleicht. Doch, Hand aufs Herz: Bei wie vielen von uns ist das der Fall? Der Alltag sieht doch meist anders aus: Der Hase, der kurz vorm Rad über den Weg läuft, der Ball der aus einer Einfahrt hervorrollt… 

Ich denke, das ABS ist auch beim Pedelec ein klarer Sicherheitsgewinn. Nicht nur für die zunächst avisierten Wiedereinsteiger, sondern auch für den versierten Pedelec-Fahrer. Denn man ist eben nicht immer zu 100% auf’s Bremsen konzentriert. Vor allem nicht, wenn man sich beispielsweise mit einem Mitfahrer unterhält oder gar zwischendrin mal am Smartphone rumhantiert…

Klar, beim MTB ist ein blockierendes Rad möglicherweise sogar gewollt und von Vorteil, aber dann doch eigentlich eher das hintere. Und das könnte bei der momentanen Auslegung auch weiterhin der Fall sein. 

Wohl nicht ganz umsonst hält sich Claus Fleischer von Bosch mit seiner Aussage alle Optionen offen: Es sei durchaus denkbar, wenn die technische Entwicklung und der Markt es zulassen, das Pedelec-ABS auch auf andere Radgattungen zu adaptieren. Chapeau Bosch, tolle Leistung!

Meine Prognose

Das Pedelec-ABS wird den gleichen Weg wie das Motorrad- und davor das PKW-ABS beschreiten: Zunächst nur für eine bestimmten Kundenkreis gedacht und von vielen kritisch beäugt wird es in wenigen Jahren zum selbstverständlichen Ausstattungsumfang von Pedelecs gehören.

Reden wir in 10 Jahren nochmal drüber?

[Fotos: VeloStrom, Video: Bosch]

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Monnem Bike: Die große Show

Monnem Bike: Die große Show

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[at] Am Samstag, 16.09.2017, gingen die Feierlichkeiten zum 200sten Fahrradjubiläum in Mannheim mit der großen Show von „Monnem Bike“ in die Schlußphase. VeloStrom war vor Ort.

Vor 200 Jahren fuhr Karl Drais in Mannheim (im Dialekt: „Monnem“) das erste Mal mit seinem Laufrad: Von seinem Wohnhaus zum etwa 7 km entfernten Schwetzinger Relaishaus. Was daraus wurde ist bekannt.

Diese Jubiläum wurde in Mannheim mit vielen Veranstaltung über das gesamte Jahr begangen, die große Abendshow vor dem Schloss am 16.09. läutete das Finale ein.

Rahmenprogramm

Von 16:30 Uhr an gab es direkt vor der Schloss ein Rahmenprogramm mit Ständen verschiedener Organisationen sowie einem Straßentheater. Dessen Performance erschloss sich mir nicht unbedingt, manch einer dachte zunächst, es sei nur ein reines Kindertheater. Jedoch waren auch Gäste sehr angetan vom Spiel des aus einer Frau und einem Mann bestehenden Ensemble.

Die Abendkasse öffnete um 17 Uhr und Kurzentschlossene konnten noch Tickets zum Preis von 20€ erwerben. Die Show selbst sollte um 20:45 Uhr beginnen, Einlass war um 19 Uhr.

Die Infrastruktur war von den Veranstaltern sehr großzügig geplant.Leider schienen nicht so viele Besucher wie erwartet den Weg zum Schloss gefunden zu haben, der Platz um die Bühne füllte sich nur spärlich. Was vor allem schade für die mehr als 200 Akteure, viele davon Laien aus und um Mannheim, der Veranstaltung war.

Let the show begin!

Endlich wurde es gegen 20:45 Uhr dunkel genug um die Show beginnen zu lassen. Der Anfang erschien mir zunächst etwas holprig und bemüht: Eine Bänkelsängerin (Barbara Zechel), die als Erzählerin durch das ganz Programm führen würde, erläuterte in Mannheimer Dialekt (was für manchen Auswärtigen etwas schwer zu verstehen war) die Ursachen, die zur Erfindung des Karl Drais führten:

Historie

Karl Drais rollt auf die Bühne (Klicken zum Vergrößern).

Durch die Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 kam es im darauffolgenden Jahr zum „Jahr ohne Sommer“. Die Hunger leidende Bevölkerung schlachtete nach und nach auch das Vieh, das sonst zum Ziehen von Pflügen, Karren und Kutschen genutzt wurde und musste sich nun selbst vor den Karren spannen. 

Gleichzeitig zur Erzählung der Bänkelsängerin kam es auf der Bühne zu Bewegung: Viele Personen in zeitegenössischer Kleidung visualisierten das von der Sängerin vorgetragenen. Im Hintergund waren immer mal wieder Geräusche wie von einer Säge zu hören und bei den hin und wieder erfolgenden Hammerschlägen hielten die Akteurinnen und Akteure inne.

Karl Drais wird verhaftet (Klicken zum Vergrößern).

Schließlich rollte Karl Drais mit seiner Laufmaschine auf die Bühne, gewandet in Frack und Zylinder.

Den gesellschaftlichen Abstieg Drais‘ wurde durch die Bedrohung durch die Obrigkeit und später durch eine Tanzeinlage von Schicksalsgöttinnen (Profitänzer und Nachwuchsschüler aus den Reihen von Annett Schädlich-Hendrix Team von „dance professional“ in Mannheim) verdeutlicht.

Und auch das Schmähgedichts der Kinder im damaligen Mannheim wurde nicht ausgelassen:

„Freiherr von Rutsch
zum Fahre kei Kutsch
zum Reite kein Gaul
zum Laufe zu faul.“

 

Bis zu diesem Zeitpunkt erschien das Gebotene noch ein wenig bemüht. Doch als am Ende des Tanzes einige der dargestellten Göttinnen in den offenen Fenstern des Schlosses erschienen, kam durch die wirklich atemberaubenden interaktiven Projektionen auf der Fassade des Gebäudes echte Begeisterung, die auch weiter anhielt.

Radparade, BMX, Streetdance, Freestyle

In der Folge wurde die Entwicklung des Fahrrades anhand einer Parade verschiedenster Räder demonstriert, die am staunenden Karl Drais vorbeifuhren: Vom Hochrad über das Sicherheits-Niederrad, Dreirad, Liegerad, Bonanza-Rad, Klapprad, Tandem, Lastenrad und Pedelec war fast alles dabei.

Kurz darauf wurden im Hintergrund der Bühne Rampen installiert, doch zunächst zogen Streetdancer (Hip-Hop & Breakdance Crew der Flying Steps) sowie BMX-Radler (Chris Böhm & Friend) mit ihrem artistischen Können die Zuschauer in ihren Bann.

Freestyle vor dem Schloß in Mannheim (Klicken zum Vergrößern).

Salti aus dem Stand, ein Sprung über liegende Menschen oder Pirouetten mit dem BMX-Rad, bei dem einem schon beim Zuschauen schwindelig werde konnte, brachten auch den im Vordergrund stehenden Karl Drais mehr als einmal zum Staunen. Als der BMX-Radler zum Ende dieses Teils Karl Drais auf seinem BMX-Rad eine Pirouette drehen liess, war das anerkennende Gelächter aber auch der Applaus groß.

Die Handlung zog nun die Aufmerksamkeit der Gäste in den hinteren Bereich der Bühne. Dort stürzten sich in einem schier nicht enden wollenden Reigen Freestyle-Biker (Yannik Romswinckel – und das Team Airtime) die Rampen hinunter, katapultierten sich gegenüber wieder hinauf um in der kurzen Flugphase ihre atemberaubende Kunst zu zeigen:  

Da waren u.a. Tabletops (das Rad wird in der Luft „auf die Seite gelegt“), 360° (Three – Sixty, Drehung in der Luft um 360° um die eigene Achse), Nofoot (im Sprung werden beide Füße von den Pedalen herunter genommen) und sogar mancher Backflip (Rückwärtssalto) zu sehen. Besonders letzterer war angesichts der doch beengten Platzverhältnisse auf der Bühne mit kurzen An- und wenig Auslauf eine besondere Herausforderung.

Entsprechend begeistert waren die Zuschauer und spendeten viel und völlig berechtigten Applaus.

„Radkunst“ und

Im jetzt folgenden Abschnitt wurden von „Karl Radlagerfeld“ einige sehr gewagte und kuriose Kreationen gezeigt, deren Hauptbestandteile allesamt mit dem Rad zu tun hatten: Entweder wurde Lenker und  Laufräder zu Röcken vereint oder aus alten Schläuchen und Schutzblechen Kleider gestaltete.

 

Da staunte nicht nur einmal mehr der im Mittelpunkt stehende Karl Drais, sondern auch die Gäste der Veranstaltung zeigten sich sehr überrascht ob dieser Radkunst und der Kreativität der Macher.

…Kunstrad!

Artistik auf dem Rad:… (Klicken zum Vergrößern)

Der eher ruhigen, wenn auch teils bizarr anmutenden Modeschau ließ die Dramaturgie nun einen weiteren im wahrsten Sinne kunstvollen Programmpunkt folgen:

Ein junges Mädchen auf dem Kunstrad kurbelte die Bühne entlang auf den Erfinder des Fahrrades zu, überreichte ihm in einer anrührenden Geste eine Blume und eröffnete im Anschluss den Kunstradteil  mit einer beeindruckenden Darbietung.

Da staunte nicht nur Karl Drais (Klicken zum Vergrößern)

In der Folge kamen einige Kunstradlerinnen und -radler (u.a. Lena & Lisa Bringsken – Amtierende Vizeweltmeister im Zweier der Frauen aus der Pfalz und Sarah Seidl & Team vom RC Vorwärts Speyer) auf die Bühne und zeigten ihre Fertigkeiten, die manches Mal der Physik Hohn zu sprechen schienen und auch vom Publikum immer wieder mit wohlverdientem Applaus bedacht wurden. 

Zum Abschluss fuhr Karl Drais selbst auf einem Kunstrad einige Runden; bei jeder neuen Runde stiegen weitere Kunstradler auf und schließlich verließ er inmitten einer beeindruckenden Pyramide auf dem Kunstrad fahrend die Bühne.

Großes Finale

Finale mit wohlverdienteKarl Drm Applaus für alle Akteure (Klicken zum Vergrößern).

Zum Abschluss der Show betraten noch einmal alle Teilnehmer des Abends zu den eingängigen Klängen des eigens für dieses Show von Ruben Rodriguez komponierten und von Katja Friedenberg (bekannt aus The Voice of Germany, 2014 „Best Newcomer“ bei Wahl der Bauer Media Group) professionell vorgetragenen Songs die Bühne und erhielten den verdienten Applaus vom begeisterten Publikum.

Den Initiatoren und Akteuren ist eine beeindruckendes Show gelungen, die mit dem Mittel einer Zeitreise in einer mitreißenden Art die Geschichte des Rades erzählt. Zum Gelingen des Abends trug auch das stabile, trockene Wetter bei, was angesichts der ergiebigen Regenfälle in der Umgebung keinesfalls selbstverständlich schien.

Sehr schade, vor allem für die zahlreichen Akteure auf der Bühne und dahinter: Es fanden recht wenige Zuschauer den Weg zum Schloss. Ob das vielleicht an zurückhaltender Werbung, oder an fehlenden Hinweisschildern lag? Wer weiß…

Zumindest hatten alles Anwesenden einen einen gelungenen Abend mit einer großartigen Show voller berührender und erstaunender Momente rund ums Rad.

Herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten und vielen Dank für dieses tolle Event!

[Fotos und Video: VeloStrom]

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Riese und Müller: Preise auf der Eurobike und erster Spatenstich des neuen Unternehmenssitzes

Riese und Müller: Preise auf der Eurobike und erster Spatenstich des neuen Unternehmenssitzes

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Der Weiterstädter Hersteller von Premium-E-Bikes, machte gemeinsam mit seinen fast 250 Mitarbeitern den ersten Spatenstich des neuen Unternehmenssitzes in Mühltal.

Damit startet der offizielle Baubeginn, die Fertigstellung des neuen Gebäudes ist für 2019 geplant.

Start in der Garage

Vor fast 25 Jahren haben Markus Riese und Heiko Müller in einer Darmstädter Garage das legendäre Faltrad Birdy entwickelt. Seitdem ist das Unternehmen stetig gewachsen und konnte in den letzten Jahren Wachstumsraten von bis zu 50 Prozent erzielen.

Traum vieler Radpendler: Delite GT von Riese und Müller (Klicken zum Vergrößern)

„Für uns ist dieser erste Spatenstich mehr als ein Symbol. Wir freuen uns besonders, dass nicht nur lokale Vertreter der Politik vor Ort waren, sondern alle unsere Mitarbeiter diesen Tag gemeinsam mit uns feierten. Es ist für uns bedeutend und wichtig, alle Mitarbeiter während der gesamten Bauphase mitzunehmen und die einzelnen Bauabschnitte offen zu kommunizieren. Den neuen Firmensitz gestalten wir frei nach unseren Bedürfnissen und schaffen damit einen Ort, an dem kreatives und freies Arbeiten gefördert wird. Mit der neuen Unternehmenszentrale setzen wir auch ein klares Signal für den Zukunfsstandort Deutschland, den wir als wichtigen Baustein in unserer Internationalisierungsstrategie sehen“, so Heiko Müller, Gründer und Geschäfstführer von Riese & Müller.

Preisgekrönt auf der Eurobike

Kurzer Laster: Packster 40 (Klicken zum Vergrößern)

Aber nicht nur die neue Firmenzentrale ist ein Grund zum Feiern. Auf der Eurobike, der wichtigsten internationalen Messe der Fahrradbranche, wurde das Unternehmen gleich zweimal mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet.

Die Leser des Magazins E-BIKE wählten Riese & Müller unter 133 Mitbewerbern zur besten Marke. Zusätzlich gewann Riese & Müller mit dem Packster 40, dem kompaktesten E-Cargo-Bike einer neuen Generation, den Eurobike Award.

Riese & Müller überzeugte also nicht nur die Leser, sondern auch die Fachjury von der besonderen Qualität und dem völlig neuen und kraftvollen Fahrgefühl seiner E-Bikes.

Über Riese & Müller

Riese & Müller ist ein deutscher Premium-Hersteller von E-Bikes, E-Cargo-Bikes und Falträdern. 1993 von Markus Riese und Heiko Müller gegründet beschäftigt das Unternehmen heute ca. 250 Mitarbeiter am Standort Weiterstadt bei Darmstadt. Neben den beiden Gründern ist Dr. Sandra Wolf seit 2013 Geschäftsführerin. Mit seinen Produkten prägt Riese & Müller die E-Mobilität von morgen und steht für eine anwendungsorientierte Produktentwicklung, für innovative E-Bike-Technologien und die Riese & Müller-typische kraftvolle Fahrdynamik. Die Marke ist weltweit präsent und vertreibt über ein exklusives Fachhändlernetz.

[Text: Riese und Müller, Fotos: Riese und Müller (1), VeloStrom (2)]

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