Geht in die Hose. Teil VII.

Geht in die Hose. Teil VII.

Genaugenommen wollte ich gar keine neue Radhose kaufen. Aber dann ist es doch passiert. Wirklich zufällig! Alles begann damit, dass ich mir im Rapha-Sale ein hübsches Trikot gegönnt habe (Das dunkelblaue mit den zwei Streifen, Ihr wisst schon. Das, das jeder hat). Dann fiel mir auf, dass es nicht perfekt zu meiner Radhose passt. Das geht natürlich gar nicht.

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Die Farbe nennt sich übrigens navy. Der Beinabschluss ist wunderbar pink – hier ein bisschen schlecht zu sehen. (Foto: Rapha)

Außerdem, so redete ich mir (naja, in erste Linie C.) den Kauf schön, führe ich doch so viel Rennrad, da brauche ich dringend eine weitere Hose, bla, immer nur waschen doof, blabla, in gutes Material investieren, blubb, und schau, wie hübsch sie ist! Aufgrund der Farbe und des bodyartigen Schnitts bestellte ich also munter drauflos:

Produkt
Women’s Brevet Bib Shorts von Rapha, Größe S (eher eine Nummer kleiner wählen)
Model
Radflaminga Annette

Fazit
Oh. Yeah. Sie sitzt ganz wunderbar! Obenrum: perfekt! Untenrum: fantastisch. Sie schmiegt sich angenehm eng an den Körper, und ich bilde mir sogar ein, dass sie der Figur schmeichelt. Vielleicht machen mich die dezenten pinken Unterlegungen und die weißen, reflektierenden (!) Punkte auch ein bisschen schummrig. Übrigens mag ich es sehr, wenn etwas reflektiert. Ein Argument, das ich C. vortrug: “Ich kaufe die Hose für meine Sicherheit! Das ist sehr tüchtig im Straßenverkehr! Ich werde besser gesehen.”

Wer vom vielen Radfahren coole Oberschenkelmuskeln entwickelt hat, könnte eventuell Probleme bekommen, weil die Hose am Bein recht eng sitzt. Bei mir aber noch ganz angenehm. Allerdings ist sie etwas länger als meine geliebte Protective-Hose. Schreck! Ich werde ein tanline-Problem bekommen. C. sah das übrigens als Vorteil: “Jetzt kommt ja der Herbst, dann passt das doch.”

Meine Abschlussbemerkung: Das Material fühlt sich wirklich sehr hochwertig an. So. Damit sollte ich mich als Rapha-Ambassador qualifiziert haben.

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I’m a sucker for reflektierende weiße Pünktchen.

Hosen-Zeugnis
Preis/Leistung: unverhältnismäßig! (210,00 Euro!) Sind da Goldfäden eingewebt?
Passform: herausragend
Polster: sehr gut (nicht zu dick, schwarz)
Umwelt: ich hoffe das Beste
Werbung: leider cool
Bestellabwicklung: sehr gut (direkt über den Shop)

Links
www.rapha.cc

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Ein Klassiker

Ein Klassiker

A wie Anmeldung
“Hat noch jemand Lust, beim LBL Ardennen Klassiker im August mitzufahren?”, fragte Nicole in der Rennradfrauengruppe auf Facebook. Also Lüttich-Bastogne-Lüttich! Voll cool! “Ich!”, schrieb ich also und meldete mich sofort an. Danach checkte ich den Streckenverlauf: 125 Kilometer und 2200 Höhenmeter. Herr im Himmel, hilf! Schick Beinmuskeln! Und Realitätssinn, falls ich mich jemals wieder für irgendeinen Quatsch anmelden will. Ich wage keinen Rückzieher, weil ich überall herumposaune, wie sportlich ich sei. Außerdem scheinen meine Mitfahrerinnen sehr nett zu sein.

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Wer nicht vorher lesen will, sollte Nairo Quintana sein.

B wie Belgien
Immerhin: meine Mitfahrerinnen Nicole, Fatma, Dani, Beatriz und Veronique sind wirklich total nett. Wir gönnen uns am Freitagabend in Lüttich (die Stadt, die auf meiner Hässlichsten-Städte-der-Welt-Rangliste den ersten Platz belegt) eine Pizza und fühlen uns wie bei einer Klassenfahrt. Aber nur bis Samstagmorgen um 6 Uhr. Dann stehen wir nämlich auf, damit wir pünktlich losrollen können.

Bonnie hat vorn ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Ich fühlte mich damit sehr professionell.

Bonnie trägt vorn ein kleines Schild mit meinem Namen drauf. Ich fühle mich sehr professionell.

Gestern herrschten tolle Radfahrbedingungen: Bedeckt, windstill, 18 Grad. Für den Großen Tag ist eine Regenwahrscheinlichkeit von 30 bis 99 Prozent angesagt, je nach Wetter-App. Um 8 Uhr stehen wir am Start, und natürlich beginnt es zu regnen. Dünne, leichte Tropfen. Aber davon viele. Und stetig mehr. Und dann eine Regenwand, die waagerecht auf uns zukommt. Aber alle tragen es mit Fassung und finden den Regen genau so bescheuert wie ich. Meine Laune ist gut, meine Füße trocken, mir ist warm, es geht sanft bergab, und die Landschaft außerhalb von Lüttich ist wirklich wunderschön. Soweit ich das durch die Dunstschwaden erkennen kann. Herrlich also.

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Lüttich, 8 Uhr, leichter Regen. Die Helme sitzen.

C wie Chillig ist anders
Herrlich bis Kilometer 3,4. Anstatt dass meine Füße nach und nach feucht werden, wie ich es mir ausgerechnet hatte, ergießen sich auf einmal mehrere Liter Wasser mit einem Schwall in meine Schuhe. Immerhin nicht kalt. Und meine Wind-Schrägstrich leicht wasserabweisende Jacke hält sogar noch bis Kilometer 10. Ich bin komplett nass. Jetzt ist auch alles egal. Noch 115 Kilometer. Wann kommen eigentlich diese Steigungen, vor denen ich mich so fürchte (und deretwegen ich im Toskanaurlaub aus Übungszwecken Berge unter größter Hitzschlag-Gefahr hochgeächzt bin)?

D wie demoralisierend
Oh. Hier. Ich versuche recht erfolgreich keine Schlangenlinien zu fahren. Dass ich überhaupt fahre, gleicht einem Wunder. Vielleicht doch ganz gut mit dem Wetter, denke ich. Bei Hitze bin ich zum Bergauffahren kaum zu gebrauchen. Dann geht es bergab. So ein Mist mit dem Wetter, denke ich. Einmal auf dem nassen Asphalt wegrutschen und ich bleibe länger in Lüttich als mir lieb ist.

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Das ist ja der Gipfel! Dani, ich und die halbe Nicole freuen uns darüber sehr.

Die Anstiege haben eine Zeitmessung, und oben warten schon Dani und Nicole. Letztere legt eine fantastische Gesamtzeit bei den Frauen hin. Da ich ihre Strava-Aktivitäten heimlich gestalkt habe, wundert mich das nicht: “Acht mal Schweineberg hoch und runter”, steht da zum Beispiel. Und sie verrät, dass ein älterer, passionierter Rennradler sie und ein paar Freundinnen ab und zu trainiert: “Hände flach auf die Bremshörnchen legen und ab, den Berg hoch! Schön aus der Hüfte arbeiten.”

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Die Folgen der Ardennenschlacht

An der Verpflegungsstation tropfen alle vor sich hin und frieren. Wir beschließen, abzukürzen. So richtig toll ist das nun doch nicht. Warum ich Bonnie nicht in den Graben schmeiße, “Scheißregenbergekeinbock!” brülle, erschließt sich mir nicht. Ich kurbele fast fröhlich vor mich hin, irgendwann ganz allein. Es ist alles sehr grün, und manchmal hört es sogar auf zu regnen. Und manchmal wird es sehr steil. Die Schwerkraft zieht mich am Côte de la Combe nach unten, und ich eiere in eine halbwegs ebene Hauseinfahrt, um mich panisch auszuklicken. Und zu schieben. Aber sonst geht’s.

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Nicole und Veronique lachen die Strapazen einfach weg.

E wie am Ende
Mein Garmin zeigt 99 Kilometer und 1800 Höhenmeter an, als ich über die Ziellinie rolle. Ich bekomme eine Kappe und eine Medaille! Meine erste überhaupt.

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Sehr nass, sehr erschöpft und ziemlich stolz.

Als ich sie später C. zeige, guckt er anerkennend, glaube ich. Ich verrate ihm nicht, dass jeder eine Medaille bekam und trage sie sogar beim Abendessen.

PS. Tiersichtungen
– 1 Fuchs (tot)
– 1 Esel
– mehrere Zwergseidenhühner

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Unser Jubel ist gerechtfertigt. Yay!

“Schneller, schneller, wie ein Propeller!”

“Schneller, schneller, wie ein Propeller!”

Mittwoch auf Facebook:
Maren von Ich hasse laufen nimmt an der Veranstaltung “Radrennen rund um Bockum” teil.
Den Radflamingos gefällt das.
Nachricht an Maren: “Mensch, klasse. Wer kommt alles mit?”
Nachricht an die Radflamingos: “Du!”
Natürlich. Was frage ich auch so blöd.

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Ein Kriterium fahren?! Klar, super Idee. Nicht, dass uns noch langweilig wird.

Donnerstag auf Facebook:
Die Radflamingos nehmen an der Veranstaltung “Radrennen rund um Bockum” teil.
Ichhasselaufen.de gefällt das.
Nachricht an Maren: “Also ich wär der Marcel und du wärst der John.”
Nachricht an Maren: “P.S. Hilfe!”
Nachricht an die Radflamingos: “Nico sagt, wir müssen einfach gut in die Kurven kommen und dann hart antreten. Und wir sollen uns darauf einstellen, dass es anstrengend wird.”
Na dann. Klingt ja total einfach. 

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Ich habe mich vorsichtshalber ganz hinten angestellt. Am Rand.

Freitag im real life, Krefeld-Bockum:
34 Fahrer und drei Fahrerinnen. Ich fühle mich jetzt schon langsam. Alle sehen sehr professionell aus. Sogar die Zuschauer. An der 900 Meter langen Strecke in einem Wohngebiet haben die Anwohner Bierbänke, Tische, Gartenstühle, Grills und Fähnchen in ihre Vorgärten geschafft. Tour-de-France-Stimmung!

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Noch wenige Sekunden bis zum Start

Ich mache mir extrem viele Sorgen (sie haben alle etwas mit Asphalt zu tun) und lächele betont tapfer. Es hilft ein bisschen, dass der Ansager wenige Sekunden vor dem Start verkündet, dass Marcel Kittel soeben seinen dritten Etappensieg eingefahren hat. 40 Runden muss ich fahren. 38 Kilometer. Ich denke, dass ich schon sehr oft mehr als 38 Kilometer gefahren bin, außerdem denke ich, dass ich von den Regeln dieses Rennens gar keine Ahnung habe, und dann höre ich nur “…3, 2, 1 …los!”

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Ein sehr schmeichelhaftes Foto, denn zufälligerweise befinden sich gerade zwei Fahrer hinter mir

Auf keinen Fall möchte ich mir bereits auf den ersten paar Metern die Blöße geben, einsam hinten als Letzte zu fahren und schicke mich deshalb an, das Tempo der Gruppe mitzuhalten. Diesen Plan halte ich eine Runde durch. Ich muss einsehen, dass es keine gute Idee ist, mit 37 km/h durchballern zu wollen. Noch 39 Runden. Stirbt man eigentlich wenn man einen monsterhohen Puls hat? Maren ist meinem vernebelten Sichtfeld bereits entschwunden.

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Ob Maren heimlich geübt hat?

Ich bin mehrere Runden damit beschäftigt, langsamer zu fahren und trotzdem in den Kurven hart anzutreten. Gott sei Dank finde ich zwei Fahrer, denen es ebenso geht wie mir, und wir spenden uns abwechselnd Windschatten. Wir sind ganz hinten. Die Letzten. Es fällt eventuell nicht ganz so auf, weil es ja ein Rundkurs ist. Und: die Zuschauer jubeln uns zu, als wären wir Tony Martin in der Zielgeraden beim Einzelzeitfahren.

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Das Auto im Hintergrund bedeutet: Überrundung

Nach vier Kilometern falle ich vor Schreck fast von Bonnie: “Huuuup!” Das Führungsfahrzeug kommt herangesaust und bereitet den schnellsten Fahrern Platz. Die erste Überrundung. Egal. Ich habe mich eingegroovt, habe schon eine Lieblingskurve und  fahre außerdem nicht allein. An einer Ecke steht ein kleiner Junge, der mir jedes Mal begeistert zuruft “Schneller, schneller, wie ein Propeller!” Weil dann eine schöne, lange Gerade folgt, nehme ich mir seinen Vorschlag immer zu Herzen.

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Es hat mich ein bisschen beruhigt, dass alle anderen auch ziemlich gequält geguckt haben.

Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Rücksichtslos. Tatsächlich ist es einfach nur schnelles Gruppenfahren (wenn man es denn schafft, an einer Gruppe dranzubleiben), und alle haben gute Laune. Die Düsseldorfer, die ebenfalls mitfahren, feuern mich sogar ab und zu an. Also jedes Mal, wenn sie mich überholen. Aber es ist in der Tat anstrengend. Meine Zunge schleift am Boden. Ich ignoriere die enttäuschend niedrige Kilometeranzahl auf dem Garmin und überlege, wie peinlich es wäre, eine kleine Pause am Getränkestand einzulegen.

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Ich wie ich Körner lasse

Zu peinlich, entscheide ich und trete weiter. Jede Runde, immer gleich: Windschatten auf der Geraden. Kurve. Hart treten. Wieder in den Windschatten. Schlaglöchern ausweichen. Vorsausen, auch mal ein bisschen spenden. Den Wind verfluchen. Quäl dich du Sau. Oh Gott, der Grill stinkt. Das war Maren. Wie kann die so schnell sein? Krass. Komisch, dass es trotzdem Spaß macht. Das ist kein Hallensport. Dranbleiben. Bleib dran.

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Frederick hat nicht nur coole Socken, sondern fährt auch ziemlich schnell.

Ich bleibe dran. Ich habe gute Laune. Allerdings bin ich so geschafft, dass ich eine Gänsehaut habe. “Letzte Runde”, sagt der Ansager, als ich mit “meinen” Fahrern den Startbereich durchquere. Wie? Warum? Ich habe doch erst 25 Kilometer. Sollte meinem Leiden etwa durch mir unbekanntes Regelwerk frühzeitig ein Ende gesetzt werden? Halleluja! Vorsichtig frage ich nach. Ich verstehe nur, dass dies tatsächlich unsere letzte Runde ist. Na aber dann! Rasch ins Ziel sprinten!

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Ich bin am Ende

Ich gebe Gas, die beiden überholen mich doch noch (knapp) und wir lassen uns noch ein Ründchen ausrollen. Ich winke den Zuschauern zu und Naomi, die plötzlich am Rand steht (“Du sollst fahren, nicht winken!”), steige schließlich ab und schiebe auf dem Gehweg zurück, während der flinke Rest weiter kämpft.

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Zieh, zieh – und gewonnen! Mit einem Durchschnitt von knapp 42 km/h (ähem, das sind zehn Stundenkilometer mehr als bei mir. Ächz!)

Irgendwo treffe ich Maren, wir tanken Cola und freuen uns, weil das Rennen so cool war. Außerdem ist sie Erste geworden und ich Zweite. Also bei den Frauen, genau genommen. Bei den Männern gewinnt Ralf Wörmer vom Team FC Deutsch Post. Glückwunsch! Aber Frauenwertung ist Frauenwertung, finden wir und richten uns darauf ein, gleich auf die Stockerl-Plätze zu treten.

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Schnell fahren lohnt sich. Die Pokale glitzerten verheißungsvoll

Doch daraus wird nichts. Frauen sind bei Rund um Bockum absolut gleichberechtigt, erfahren wir. Wie bei “anderen Sportveranstaltungen auch”. Wir müssen wohl schneller fahren. Oder vielleicht müssen mehr Frauen antreten?

Das Podest war in Sichtweite

Das Podest war in Sichtweite, immerhin

Egal. Hauptsache Spaß. Ich weiß auch schon, wie ich beim nächsten Rennen schneller werden kann. Ehrenflamingo Martin hat da einen Tipp für mich (und wird mir wahrscheinlich mehr bei der Umsetzung helfen als mir lieb ist): “Mehr Training.”

P.S. Tiersichtungen (!)
– ein hübscher, bunter Hahn, der absichtlich langsam vor mir über die Straße stolziert

PPS. Die Fotos
Die sind natürlich der Hammer. Richtig genial. Und deshalb sind sie auch nicht von mir, sondern von Christian Siedler, der Sportfotograf ist. Besucht unbedingt seine Seite!  Danke, dass ich die Fotos hier benutzen darf.

Radsport is great again!

Radsport is great again!

Ich heiße Annette und habe ein Radsportproblem. Sogar C., der höchst rennradaffin ist, wünscht sich manchmal, ich würde das Thema wechseln. Keine Chance. Die Tour, der Grand Départ war hier! In Düsseldorf! Und ich hautnah dabei. Ich bin immer noch vollkommen geflasht.

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Ich wie ich mein Radsportproblem auslebe.

Vom 29. Juni (Teampräsentation) bis zum 1. Juli (Einzelzeitfahren) war ich als Tourmaker in Düsseldorf unterwegs – zusammen mit Maren von ichhasselaufen (der ich jetzt einfach auch mal ein Radsportproblem unterstelle).

Was mich zuerst fasziniert hat, waren gar nicht die Räder, Tourbusse, Fahrer, Hubschrauber, Tourautos und Ausrüstungslaster, sondern die Tatsache, dass in Düsseldorf ständig und blitzschnell Absperrgitter auf- und abgebaut wurden. Zum Beispiel für die Teampräsentation am Donnerstag.

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Diese Männer tragen gelbe Trikots – zu Recht!

Und weil die Bilder der Teams natürlich die perfekten Kamerawinkel brauchen, wenn sie in die ganze Welt gesendet werden, hat die ARD das vorher geprobt. Mit Düsseldorfer Rennradfahrern. Davon gibt es mittlerweile eine ganze Menge. Maren zum Beispiel.

Der Kameramann erklärt, worauf es ankommt ("Schön mittig fahren. Lächeln.")

Der Kameramann erklärt, worauf es ankommt (“Schön mittig fahren. Lächeln.”)

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Maren, Martin und Co. üben.

Der nette Kameramann war mit Chris Froome bestimmt zufrieden, auch wenn er und sein Team sich verirrt haben und von der falschen Seite anrollten. Nur der Bodyguard hat sich leider nicht wirklich in das harmonische Ganze gefügt.

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Chris Froome macht das ganz gut.

Auch André Greipel konnte überzeugen. Weiter links parkten die Fahrer ihre Räder wieder auf den Autos und wurden in den Teambussen zurück ins Hotel gekarrt. Manche Teams wählten jedoch die schlauere Variante und radelten im Minipeloton zurück.

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Das Foto stammt von einer Katrin Schmidt. Danke! Sie wusste nicht, wen sie da fotografiert hatte, sondern ließ sich einfach von der “tollen Atmosphäre mitreißen”.

Während C. weiter vorn stand und reihenweise Fahrer abklatschte, habe ich völlig vergessen, Marcel Kittel zu fotografieren, weil ich eventuell ein bisschen begeistert gekreischt habe, als er vorbeifuhr.

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Maren hat den peinlichen Moment meiner Begeisterung festgehalten. Immerhin rechts im Bild: Der Sieger der 2. Etappe!

Am Freitag einfach mal am Hotel Nikko vorbeizuradeln erwies sich als hervorragende Idee. Das Team BORA hansgrohe war gerade damit beschäftigt, die Räder für eine Trainingsrunde herzurichten, die Zeitfahrräder zu überprüfen und Reiskuchen zuzubereiten.

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Flicken, putzen, pumpen… Ich hätte Bonnie dazuschmuggeln sollen.

Die getapten Stellen auf den Reifen mancher Zeitfahrmaschinen fand ich ganz interessant. Müssen die noch geflickt werden? Und Erinnerungsstützen auf dem Vorbau sind sowieso sympathisch.

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Das heißt wahrscheinlich, dass er schnell fahren soll.

Mein geheimer Hotel-Team-Übersichtsplan verriet mir, dass Katusha Alpecin im Hyatt residierte. Tony Martins Zeitfahrmaschine würde ich ja schon gern mal genau unter die Lupe nehmen. Schnurri und ich sausten also los.

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Lassen Sie mich durch, ich bin Tourmaker!

Die Profis befanden sich wahrscheinlich gerade auf unserem niederrheinischem Home-Turf für ein lockeres Training, ließen sich massieren oder verschlangen Rote-Bete-Avocado-Gedöns. Trotzdem wurde ich nicht enttäuscht. Denn auch hier waren die Mechaniker schwer beschäftigt.

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Ich habe es nicht angefasst und auch keine heimliche Proberunde gedreht. Echt!

Tony Martins Zeitfahrrad hat mich schwer beeindruckt. Die anderen auch. Einer hat es sogar hochgehoben und stellte fest: “Es ist sehr leicht.” Dann wandte er sich an einen Fan (Düsseldorfer Radsportszene, eindeutig weiß er das ein oder andere über Rennräder) und erklärte großzügig: “Das ist eine Zeitfahrmaschine, kein Straßenrad. Darum hat es eine sehr aerodynamische Form.” Ach. Ach was. Zum Sattel ist ihm allerdings nichts eingefallen. Mir auch nicht. Sandpapier?! Vielleicht schlage ich das demnächst mal in einer Rennrad-Facebookgruppe vor, wenn mal wieder die Sattelfrage aufkommt.

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Tony, wie geht es deinem Hinterteil?

Der letzte Abend vor der Tour klang bei einer fantastischen Hinterhofparty in der noch fantastischeren Schicke Mütze aus. Coole Musik, Leckeres, Fahrräder und vor allem Menschen, die Fahrräder lieben – eine tolle Atmosphäre. Besonders toll: Ich habe endlich Carolyn kennengelernt, die auf www.ciclista.net über unser liebstes Thema bloggt und im wunderschönen Rosenheim lebt.

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Jetzt auch im real life: Maren, Carolyn, Annette, Naomi und David.

Samstag, die Tour und das Regenwetter beginnen. Doch Radsportfans sind hart im Nehmen. Wir feiern, als ob die Sonne scheinen würde, wie Marcel Kittel es begeistert formuliert hat. Die coolste Fankurve hat der Cycling Club Düsseldorf gebildet. Ich schleiche mich hin, falle gar nicht auf und gerate sofort mit Stefans und Martins ins Fachsimpeln und Anfeuern. Ebenso löblich und nicht minder laut: die Niederländer (natürlich) mit Pavillon und Grill rechts und links daneben.

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Hupen sind sehr nützlich.

Dank meiner schlauen Fahrer-Liste weiß ich genau, wer als nächstes durchsaust. Greipel, Kittel und Co. fahren ziemlich am Ende, fast hintereinander. Es dauert immer ein bisschen, bis der nächste, angekündigt von Motorrädern, ankommt. Jetzt ist Tony Martin dran. Wir hüpfen, schreien, schwenken, hupen. Mit viel viel viel geringerem Zwischenabstand als alle anderen kommt Tony im Dauerregen angerauscht. Ich glaube, ich kreische mich wirklich heiser. Das muss doch reichen!

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Dieses megacoole Foto hat Sigrid Lehmann geschossen.

Leider reichte es nicht. “Nur” Platz 4, aber es war trotzdem ein wirklich besonderes Zeitfahren, finde ich. So wie überhaupt der ganze Grand Départ. Danke an alle, die es möglich gemacht haben.

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Dieses Foto hat Maren gemacht und passt zu diesem leicht pathetischen Dankeschön-Moment. Hach.

Schade, dass alles vorbei ist. Doch bevor sich C. oder sonst jemand zu früh freut: die Tour de France dauert noch drei Wochen. Vive le Tour!

P.S. Und das sagen die Profis
– Marcel Kittel: Düsseldorf, danke für den geilen Auftakt!
– Simon Geschke: Super Auftakt der Tour in Deutschland. Soviele Fans trotz Regen an der Strecke. Ich hab jede Sekunde auf dem Kurs genossen! Danke!
– Marcel Sieberg: Unglaublich!! Gestartet mit Gänsehaut und im Ziel mit tauben Ohren. Was für ein Auftakt. Danke an alle die es möglich gemacht haben.

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In Stimmung für die Tour

In Stimmung für die Tour

Ich habe eine Mission. Beim Grand Départ in Düsseldorf bin ich für das Social Media Team als Volunteer unterwegs. Für diese spannende Aufgabe wurde ich am Wochenende mit meinen Mitstreitern aus dem Bereich Presse gebrieft.

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Ob ich das alles auswendig lernen muss? Nun, Streckenkenntnis kann auf keinen Fall schaden.

2000 Journalisten aus der ganzen Welt kommen nach Düsseldorf, um brühwarm vom Grand Départ aus der LHD zu berichten. “LHD” ist übrigens cooler Insider-Sprech für “Landeshauptstadt Düsseldorf”. Ich hoffe auf Schlagzeilen wie “Souveräner Tony Martin holt den Sieg im Einzelzeitfahren” oder “Deutsche Fahrer tragen weißes, grünes, gepunktetes und gelbes Trikot”.

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Löblich: Die Grundlagen der Streckenführung habe ich verstanden. Die Tour beginnt in Düsseldorf!

Steffen Weigold und Tanja Tschurer vom Grand-Départ-Eventteam versorgen uns mit beeindruckenden Informationen zur Tour. Zum Beispiel, dass 285 Fahrzeuge und Motorräder vor dem Peloton herfahren. Für Kamerateams, Ersatzreifen, prall gefüllte Musettes, Verbandszeugs und Polizisten. Doch vorher hupt sich die Werbekarawane über die Strecke – für Stimmung und Kamelle. Das sind auch nochmal 200 Fahrzeuge. Das ist ein bisschen wie Karneval. Perfekt für uns Düsseldorfer also.

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Auch die Rheinbahn ist bestens vorbereitet.

Später spezifiziert Steffen die Mission “seiner Social-Media-Schäfchen”: die Stimmung einfangen! Ausschwärmen und die Atmosphäre, den Jubel, die gute Laune der Menschen fotografisch festhalten. Das klingt super. Finden die anderen auch. Steffen nickt: “Sowas klappt, wenn man Spaß an der Sache hat und sich wahnsinnig auf die Tour freut.”

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Ich wie ich mich auf die Tour freue.

Mir nahestehende Menschen können das für mich bestätigen. Ich warte auf die erste Ermahnung, die Worte “Rennräder” und “Tour de France” doch bitte nicht mehr in den Mund zu nehmen. Stundenlang könnte ich über die Tour plaudern: “Wusstest du, dass ein Fahrer während der Tour 123.000 Kalorien verbrennt?” oder “Die erste Bergwertung ist übrigens der Col de Grafenberg.”

It’s le Countdown final!bildschirmfoto-2017-06-13-um-16-55-11… und bis zu dem Tag, an dem die Düsseldorfer Radsportszene wohl “Au revoir Strava-Kronen” sagen muss. Ein Aspekt, der bis dato völlig an mir vorbeigegangen ist.

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Die tollen Fotos stammen alle von Steffen. Er ist ehemaliger Profifahrer und natürlich habe ich mich auch an ihn fangirlmäßig für ein Selfie herangeschlichen.

 

 

 

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