Fahrradstraße verschwunden, Radweg auch weg.

Fahrradstraße verschwunden, Radweg auch weg.

Nur drei Tage lang war der Radweg Holzstraße zu befahren. Ich fand ihn nicht angemessen für eine Hauptradoute 1. Heute ist er bereits wieder verschwunden.

Er ist komplett gesperrt für Radfahrende. Breuninger hat dort einen Kran aufgestellt.

Ich will nichts unnötig skandalisieren. Die Umleitungsschilder stehen alle. (Man muss sie nur auch sehen.) Der Weg durch die Münzstraße ist frei.

Na gut … falls er frei ist.

Denn als ich da herumkurvte, war er das nicht, wie man im Video sehen kann. Im Prinzip aber – also wenn sie frei ist – ist die Strecke gut befahrbar. Halt nur keine Radroute mehr.

Denn Fußgängerzonen sind kein Teil einer Hauptradroute. Die Münzstraße ist jetzt Fußgängerzone, die für Radler nur freigegeben ist, auch wenn vom Marktplatz her die Beschilderung noch fehlt. Hier war vorher eine Fahrradstraße. Wir haben sie hergegeben für einen guten Radweg auf der Holzstraße. Der aber ist nicht so gut wie erwartet, zu schmal, zu winkelig und mit zu vielen Autoquerungen, (wie man in diesem Video vom Donnerstag sehen kann). Heute sieht es schon wieder ganz anders aus.

An der Ein- und Ausfahrt der Tiefgarage steht heute dieses Schild (obgleich gar keine schnellen Radfahrer unterwegs sein dürfen, sondern nur langsame Fußgänger). Man fragt sich, wer eigentlich auf wen achten soll. Werden die Autofahrer auch vor Fußgängern und Radfahrern gewarnt, oder müssen wir wieder mal die Kopflosigkeit von Autofahrenden ausgleichen: Immerhin wurden wir ja gewarnt, gell.

Auch Motorradfahrer haben bereits entdeckt, dass man die Ein- und Ausfahrten zum Parkhaus und der beiden Seitenstraßen nutzen kann, um in den Fußgängerbereich zu tuckern und Motorräder in Radständern abzustellen (verboten).

Hier das Video, aufgenommen in einer halben Stunde am Montag gegen 11 Uhr.

Im Baustellenkalender der Stadt Stuttgart wird diese Baustelle, die den Radweg der Hauptradroute 1 vollständig unterbricht, nicht eingetragen. Deshalb weiß ich nicht, wie lange der Kran da steht und wie lang das Ganze dauert.

Nicht gut.

Aber die Totalsperrung könnte man ja jetzt nutzen, um den Radweg Holzstraße ganz auf die Fahrbahn zu verlegen. Auch mal probeweise. Die Baufahrzeuge stehen eh oben auf dem Gehweg.

Die Waldfriedhofstrecke fürs Fahrrad?

Die Waldfriedhofstrecke fürs Fahrrad?

Es gibt noch keine Radwegverbindung zwischen dem Kessel und Degerloch oder Sonnenberg, die keine mordsmäßige Steigung hat.

Die Straßen mit mäßiger Steigung sind den Autos vorbehalten, etwa die Neue Weinsteige oder die Karl-Kloß-Straße, die am Waldfriedhof hinauf führt.

Als Radfahrer kann man die beiden Straßen natürlich auf der Fahrbahn hochradeln. Das allerdings erfordert starke Nerven und stößt bei Autofahrenden nicht unbedingt auf Verständnis.
Die Neue Weinsteige ist deshalb unproblematischer, weil Autos eine zweite Spur zum Überholen haben (und Radler auf halber Höhe auf den Gehweg ausweichen müssen). Die Waldfriedhofstrecke ist aber nur zweispurig. Autofahrer, die einen Radler überholen wollen, müssen den Gegenverkehr abwarten.

Ich habe mir schon oft überlegt, ob ich nicht auch mal diese Straße nach Degerloch hochradeln könnte. Sie ist zwar kurvig, aber lange nicht so steil, wie sie aussieht. Für ein Pedelec kein Problem, aber auch für Nomalradler leichter zu bewältigen als die Alte Weinsteige oder der Schimmelhüttenweg.

Kürzlich habe ich zum ersten Mal vom Beifahrersitz eines Autos aus, einen Radfahrer gesehen, der dort herauf kam (Foto oben). Das spricht dafür, dass es mehr Radler gibt, als ich bisher dachte, die diese Strecke befahren. Dieser Radler war schon fast ganz oben in Degerloch/Sonnenberg angelangt, wo die Straße Heinestraße heißt. Man sieht, die Fahrbahn ist abwärts breit, aufwärts etwas weniger breit. Es gibt eine durchgezogene Linie, die nicht überfahren werden darf und das Überholen erschwert.

Rechts verläuft ein verkrauteter Gehweg, den man in einen Radweg umwandeln könnte, wenigstens bis zu den Friedhöfen. Das könnte man auch an der Aufwärtsfahrbahn machen. Platz genug gibt es hier. Weiter unten lässt die Topographie der Hänge keinen Raum mehr für Radwege oder Radstreifen.  Radler, die hier runter oder rauf fahren, brauchen starke Nerven.

Eigentlich müsste man deshalb hier Radstreifen planen und anlegen. Für Radler aus dem Süden oder Westen (vom Schwabtunnel oder Erwin-Schoettle-Platz her) ist das die direkte Verbindung nach Degerloch und Möhringen etc. hinauf. Aber da müsste man dann vermutlich auch echt Geld in die Hand nehmen, um die Fahrbahnränder dafür zu ertüchtigen. Hangabwärtsseitig neigt die Fahrbahn nämlich dazu abzusacken. Radler würden allerdings nicht so viel Gewicht auf den Fahrbahnrand bringen, dass er abbricht.

Diese Strecke war übrigens in den Sechziger Jahren Teil der Planung einer monumentalen Straßenanlage, die eine autobahnarige Verbindung zur B27 Richtung Tübingen und A8 schaffen sollte, deren gigantische Auf- und Abfahrt in Sonnenberg liegt, heute noch. Wenn man dort lang fährt, sieht man, wie überdimensioniert alles angelegt wurde, um einen riesigen Verkehr aufzunehmen, der aber nie kam. Am Dreieck Laustraße/Peregrinastraße sind in alle Richtungen Fahrspuren stillgelegt.

Foto: Blogleser Gerhard

Eine Spur aus Sonnenberg hinaus Richtung Heinestaße/Waldfriedhof hat man letztes Jahr in eine Radspur umgewidmet, die aber hinter der Ampel schon wieder endet. Man sieht links im Hintergrund die Sperrbake für die zweite Fahrspur nach Sonnenberg hinein. Rechts ist die Auffahrt zu B27, wo normalerweise Autos parken.

Ein schönes Beispiel, dass es in Stuttgart durchaus auch vom Autoverkehr ungenutzten Raum gibt, den man in Flächen für Aufenthaltsqualität für Anwohner und für Radfahrende umwandeln könnte. Wenn es dann auch noch eine Radverbindung am Waldfriedhof gäbe, hätte man plötzlich eine lebendige Radverkehrsanlage geschaffen, die hier auch deutlich mehr Radverkehr produzieren würde, weil sie Durchgängigkeit und Sicherheit signalisiert.

Eine Fahrradstraße ist verschwunden

Eine Fahrradstraße ist verschwunden

Es ist keine Überraschung, jedenfalls nicht für die, die meinen Blog lesen. Vor gut einem Jahr habe ich geschrieben, dass die Hauptradroute 1 umorganisiert wird, wenn das Dorotheenquartier rund um Breuninger fertig ist. 

Diesen alten Artikel haben in den letzten Tagen erbitterte Radfahrende kommentiert. Aus gutem Grund. Zwar ist der Verlust der Fahrradstraße vorhergesagt, aber nun halt doch eine Überraschung. Vor allem aber ist die Alternative, der Radweg Holzstraße keine Verbesserung, sondern eher ein schlechter Witz. Radfahren durch die City bleibt ein Hindernislauf, wie das Video unten auch wieder zeigt.

Vor gut einem Jahr hatte ich verstanden, es werde für uns Radfahrende eine Verbesserung geben.  Die Münzstraße vom Markt zum Karlsplatz wird zu einer Fußgängerzone mit Fahrradfreigabe umgebaut. Und dafür wird der Radweg auf der Holzstraße zwischen Breuninger und der B14 breit und schön werden und gegen Aufparker geschützt sein. Denn, um ihn gut zu machen, könne man von der zweispurigen Fahrbahn eine wegnehmen. So ist das aber nicht umgesetzt worden.

Die Fahrradstraße ist nun weg, auch wenn die Schilder noch etwas uneindeutig sind und den Abschnitt, wenn man vom Rathaus kommt  für Radler als gar nichts ausweisen (außer, das sie gegen eine für sie freigegebene Einbahnstraße radeln). Es gibt zwar einen Absatz und eienn Pflasterwechsel, aber das Schild Fußgängerzone mit Radfreigabe fehlt. Kommt man von oben, vom Karlsplatz, sieht man jedoch an der Beschilderung, dass man in eine Fußgängerzone mit Radfreigabe hineinfährt (Foto oben).

Ich finde, das die Münzgasse auch früher schon als Fahrradstraße eher von Fußgängern beherrscht war, die nicht gemerkt haben, dass sie auf einer Fahrradstraße spazieren. Das hat Ärger und Geschrei und Gebimmel provoziert. Insofern finde ich die jetzige Regelung besser. Fußgänger haben Vorrang, Radler kurven friedlich durch sie hindurch. Geht. Geht vielleicht nur an einem Samstag nicht, wenn viel Volk unterwegs ist.

Dafür hat man den Radweg Holzstraße. Den bin ich früher schon lieber gefahren. Er war vor der Baustelle schnurgerade, aber schmal und wurde von Fußgängern oft nicht erkannt und war oft von Autos ganz oder halb zugestellt, die dort senkrecht drauf zu parken durften. Diese Parkplätze sind weg, auch respektieren die Fußgänger den Radweg, weil sie sehr viel Fläche entlang der Gebäude haben.

Doch der Radweg erweist sich jetzt als kümmerlich, zudem noch verschwenkt, hoppelig und eng. Es ist ein Zweirichtungsradweg, der an manchen Stellen nicht mal zwei Meter breit ist. Aupßerdem kreuzen ihn eine Tiefgarageneinfahrt und zwei Straßeneinmündungen. Er hat deshalb zwei Blutstreifenabschnitte (Siehe Video unten).

Wie ich in den wenigen Tagen beobachten und auch im Video festhalten konnte, dienen diese Einfahrten Autofahrern als Auffahrt zum Abstellen von Fahrzeugen auf dem Radweg. Jetzt sind es noch Baufahrzeuge oder Fahrzeuge von Baustellenleuten, aber diese Möglichkeit wird bald von anderen Autofahrern, Lieferanten und Postautos entdeckt werden. Die Holzstraße, von der man gut eine Spur hätte wegnehmen können (da fährt nich viel Verkehr), hat die alte Breite zurückbekommen, was in dem kurzen Beobachtungszeitrum bereits zwei Autofahrer dazu genutzt haben, auf der rechten Spur zu halten und auf eine einkaufende Ehefrau zu warten. Hier das Video, gedreht am Donnerstag gegen 13 Uhr (ergänzt am Freitagabend um Schilderdetails).

Das heißt: Wir haben eine Fahrradstraße verloren – übrigens die einzige hier in Stuttgart, auf der keine Autos fahren durften (aber natürlich Taxis und der City-Tourismusbus gefahren sind), und dafür keine gute Alternative gewonnen. Die alten Mängel bleiben erhalten, neue kommen dazu. Noch immer ist das auf ihn Einbiegen nur regelwidrig über eine durchgezogene Linie möglich. Und noch immer ist die Ampelanlage am Charlottenplatz dreizügig, und man wartet drei Mal bei Rot, bis man drüben ist. Und das auf der Hauptradroute 1. Neu ist, dass man drei Einfahrten kreuzt und zudem Kurven fahren muss. Solche Autoeinfahrten sind das, was Radwege generell gefährlich für Radfahrende macht. Zudem stoppt ein Großlaster, der Breuninger beliefert den gesamten Radverkehr., wie radelnde Kolleg/innen berichten und mit Fotos dokumentiert haben.

Nicht gut!

Das muten wir Müttern mit Kinder zu, wenn sie nicht Auto fahren?

Das muten wir Müttern mit Kinder zu, wenn sie nicht Auto fahren?

Manchmal frage ich mich, ob wir eigentlich noch richtig ticken. Haben wir denn komplett vergessen, worum es in unserer Gesellschaft geht? Um Menschen. 

Da drängeln Autos durch eine schmale Straße. Eine Mutter ist mit ihren beiden Kindern unterwegs. Sie fährt Fahrrad mit einem Kinderanhänger. Ihre etwas ältere Tochter sitzt auf einem Kinderfahrrad.

Schön, dass die Mutter sich diese Reise so zumutet, statt mit dem SUV hier durch zu rammeln. Aber sie kommt kaum vorwärts, weil ihr ständig Autos den Raum nehmen. Ständig hält sie an, guckt sich nach ihrem Kind drüben auf dem Gehweg um.

Das Kind muss auf dem Gehweg radeln. Die Mutter dürfte zwar auch, aber der Gehweg ist schmal. Und mit dem Hänger kommt sie vermutlich auch nicht gut zwischen den Pollern durch, die man gegen Autos aufgestellt hat, die hier sonst auch noch parken würden.

Das Kind fährt  auf dem linken Gehweg. Was den Vorteil hat, dass die Mutter keine parkenden Autos zwischen sich und dem Kind hat, sondern es immer sehen und dirigieren kann. Die Straße ist allerdings schmal. Rechts parken Autos im Parkverbot. Und Autofahrer nutzen die Straße als Schleichweg, um den Ampelstau zu umgehen. Also kommen der Mutter in ständige Folge Autos entgegen. Immer wieder muss sie ausweichen.

Sie weiß, dass sie die Hindernisse – die parkenden Autos, die hier gar nicht parken dürfen – auf ihrer Seite hat, also den entgegenkommenden Autos Vorrang lassen muss, und schwenkt immer wieder in eine Parklücke oder Einfahrtlücke ein und hält an, um die Autos durchzulassen. Das Kind auf der anderen Seite des Gehwegs hält dann ebenfalls und wartet. Dann geht es wieder ein paar Meter weiter.

Diese Szene habe ich in Möhringen auf der Maierstraße bobachtet, die am Bezirksamt vorbeiführt. Diese Maierstraße ist eine der typischen Nebenstrecken, die Radfahrende nutzen, die nicht über die Hauptstraßen (Hechinger Str., Vaihinger  Str.) fahren möchten, die gar keine Radinfrastruktur haben.

Wie viele Nebenstraßenstrecken, hat sie stellenweise ein für Räder und Kinderanhänger ekliges Kopfsteinpflaster und natürlich auch gar keine Radinfrastruktur.

Muss das so sein? 

Da frage ich mich schon: Wie ticken wir eigentlich, dass wir Müttern mit Kindern solche Hindernisreisen zumuten? Dass wir es nicht schaffen, Wege für Mütter mit Kinderwagen, mit Rädern mit Kinderanhängen und für Kinder befahrbar zu machen. Dass wir nicht wenigstens auf ein paar wichtigen Fußgänger- und Radstrecken die Autos wegräumen. Und zwar ernsthaft.

Elektrische Minifahrzeuge – die noch nicht bedachte Zukunft

Elektrische Minifahrzeuge – die noch nicht bedachte Zukunft

Künftig werden noch mehr Geräte mit weniger als vier Rädern durch unsere Straßen rollen als nur Fahrräder.

Nämlich Geräte für eine elektrisch unterstützte Mobilität auf städtischen Strecken, die man in der Stadtbahn mitnehmen kann, schnell ins Auto hebt, mit denen man Treppen hochkommt.

Zum Beispiel so was wie dieser Scooter SXT light. Sein Besitzer findet das Teil praktischer als ein Fahrrad. Man kann es blitzschnell zusammenklappen und in der Stadtbahn unter den Sitz schieben. Mit so einem Teil kann man durch ganz Deutschland (durch die Welt) reisen und hat in jeder Stadt ein niederschwelliges individuelles Fortbewegungsmittel. Der Tretroller ist mit einer mächtigen Antriebselektronik ausgestattet, die den Fahrer zügig voranbringt. Nur fahren darf er damit eigentlich nirgendwo, weder auf der Fahrbahn, noch auf Radwegen, noch auf dem Gehweg.

Das gleiche gilt im Grunde für Segways. Man sieht sie ab und zu in der Fußgängerzone in der Königstraße und auf Gruppenausflügen auf dem Neckardamm. Für die hat man immerhin schon mal eine rudimentäre Regelung geschaffen, verkehrsrechtlich werden sie Fahrrädern und deren Infrastruktur zugeordnet, Ausnahmeregelungen gibt es für touristische Nutzung, also Stadtführungen. Weil sie so teuer sind (ca. 5.000 Euro) rechnet derzeit niemand damit, dass sie zu von Privatleuten in nennenswerter Menge gekauft und gefahren werden. Übrigens braucht man für sie einen Mofa-Führerschein.

Airwheels

Airwheels haben den Lenker des Segways schon nicht mehr und auch nur noch ein Rad,  und sie kosten nur ein Zehntel, doch gibt es für sie weder eine Zulassung auf unseren Straßen oder Gehwegen, noch eine Versicherung, ohne die man sie nicht fahren darf.

E-Board Wikpedia Link

Hoverboards oder auch E-Boards darf man ebenfalls im öffentlichen Raum nicht fahren.

Für all diese elektrischen Kleinfahrzeuge gibt es schlicht kein Regeln. Wer erwischt wird, muss zahlen, und wer einen Unfall baut oder erleidet, ist nicht versichert. Auf den künftigen Bundesverkehrminister kommt da also ein ordentliches Stück Arbeit zu, um diese Mobilität mit elektrischen Kleinfahrzeugen in den jeweils unterschiedlichen Geschwindigkeitsbereichen mit gesetzlichen Regelungen zu versorgen. Bremsen lässt sich die Entwicklung mit Sicherheit nicht. Diese Geräte werden in ein paar Jahren das Bild in den weitgehend autofreien Innenstädten prägen.