Radboxen in Wohngebieten – Essen macht es vor

Radboxen in Wohngebieten – Essen macht es vor

 So muss das nicht aussehen

In Essen bietet der ADFC jetzt Anwohner Fahrradboxen zum Abstellen an. Das berichtet die Stadt Essen auf ihrer Seite. 

Und das geht so: Zehn Anwohner/innen tun sich zusammen und bestellen beim ADFC eine Fahrradbox. Die Bezirksbeiräte gucken, wo ein geeigneter Ort ist, dann wird das Ding aufgestellt. Das ermöglicht es, auch Pedelecs nachts abzustellen, die man nicht in den Keller und wieder herauf tragen kann. Radabstellanlagen sind eine ausnehmend gute und billige Radverkehrsförderung.
Die etwa drei Meter breiten Minigaragen bieten zwölf Rädern Platz. Sie werden senkrecht in ein Karussell gehängt. So ein Lochblechpavillon kostet rund 8.000 Euro und wird in Essen von der Arbeitsgesellschaft EABG geliefert, einer Gesellschaft für Langzeitarbeitslose. Die ersten beiden Fahrradhäuschen wurden aus den Finanzmitteln der Stadt finanziert.

Also, liebe Radler/innen im Stuttgarter Westen, Süden und Osten oder wo auch immer viele Häuser stehen und viele Autoparkplätze sind aber keine Radparkplätze, tut euch zusammen, findet Plätze für Radboxen, geht damit in eure Bezirksbeiräte und wendet euch an eure Stadträt/innen. Was Essen kann, können wir auch.

Autofahrer bringt Radlerin zu Fall und begeht Fahrerflucht

Autofahrer bringt Radlerin zu Fall und begeht Fahrerflucht

Am Montagmorgen fuhr nach Angaben der Polizei eine 14-Jährige auf der Rohrackerstraße Richtung Hedelfingen, wurde geschnitten und stürzte.

Kurz vor der Einmündung in den Kreisverkehr mit der Heumadener Straße, so die Polizei, überholte sie ein Auto so knapp, dass sie auf den Gehweg lenkte und am Bordstein über den Lenker stürzte. Sie musste schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Nach meiner Rekonstruktion muss das hier gewesen sein.* (Siehe Foto, hell markiert.)

Der Autofahrer fuhr weiter. Es soll sich um eine schwarze Limousine handeln. Mehr hat die Radfahrerin nicht gesehen.


Der Unfall ereignete sich am Montag, den 15.5. um 8:05 Uhr. Die Polizei sucht Zeug/innen. Und selbstverständlich darf sich auch der Autofahrer oder die Autofahrerin bei der Polizei melden, der oder die den Unfall verursacht hat.

Ich finde, jetzt wird es langsam ernst für uns als Stadtgesellschaft. Wollen wir uns solche Unfälle wirklich leisten? Können wir es uns leisten, dass unsere Schülerinnen und Schüler auf dem Schulweg von Autos umgenietet werden? Eine auf Sicherheit bedachte Radinfrastruktur könnte Abhilfe schaffen. Sie schafft nämlich Raum für Radfahrende auf unseren Straßen. Ein Radweg oder Radstreifen, zeigen gerade auf solchen Hauptstraßen allen Autofahrenden unmissverständlich, dass hier Menschen auf Fahrrädern unterwegs sind und sein dürfen, und dass wir das auch wollen.

Dieses achselzuckende „Stuttgart ist halt eng“, taugt nicht mehr als Argument, wenn es immer nur zugunsten des Autoverkehrs eingesetzt wird, aber nie zugunsten des Radverkehrs. Wir wollen zwei Meter breite Gehwege haben, wir wollen den Autofahrenden keine Parkplätze und keine Rechtsabbiegespur an Hauptachsen wegnehmen. Und wo wollten wir da  den Radverkehr noch unterbringen? Für den reicht der Platz dann nicht mehr.

Der Radverkehr wird nach nach wie vor vielerorts in Stuttgart zermalmt zwischen Autos und Bordsteinen. Er bekommt nicht den Platz und die Sicherheit, die ihm zusteht, wenn man bedenkt, dass ein deutliches Plus an Radverkehr Stuttgart vor Luftverschmutzung (Feinstaub, Stickoxiden, CO2) rettet und am Ende sogar Fahrverbote unnötig machen könnte. Wenn viele Menschen Rad fahren, dann gibt es auf den Straßen mehr Platz für all diejenigen, die auf ihr Auto angewiesen sind.

Es fahren aber nur dann viele Menschen mit dem Fahrrad, wenn wir dem Radverkehr auch sichtbar Platz dafür geben,  durchgängig und klar geregelt. Wir brauchen Radwege und Radstreifen durchgängig an allen Hauptachsen durch die Stadt, die nicht an Kreuzungen oder vor Kreisverkehren enden. Wir wollen doch, dass sich Jugendliche selber zur Schule bewegen, statt vom Mama-Taxi gefahren zu werden. Dann müssen wir die Wege aber auch nach besten Kräften sicher machen.

Wir brauchen eine sichere und durchgängige Radinfrastruktur in Stuttgart mit sicheren Kreuzungs- und Kreisverkehrlösungen. Ganz dringend.  

Kreisverkehre gehören leider zudem ohnehin zu den unfallträchtigsten Verkehrsanlagen für Radfahrende. Autofahrer haben es oft unangemessen eilig, sie beschleunigen hinein, weil sie nicht anhalten wollen, sie gucken nicht richtig, weil sie mit ihrer Hast und dem dem Stress der Ampelfreiheit überfordert sind. Im vergangenen Jahr starb in Weilimdorf ein Radler auf einem Kreisverkehr. Der Kreisverkehr am Kernerplatz gehört zu unseren Radler-Unfallschwerpunkten. Und offensichtlich sind auch die Einfahrten in Kreisverkehre für Radfahrende gefährlich, wie dieser Unfall zeigt.

*Ich habe relativ lange überlegt, ob es diese Stelle ist oder die gegenüberliegende, denn der Kreisverkehr befindet sich eigentlich mitten in Hedelfingen, weshalb die Angabe „Richtung Hedelfingen“ etwas missverständlich ist. Logisch erscheint mir aber, dass die 14-Jährige von Rohracker kam. Entlang der Rohrackerstaße gibt es keine Radstreifen. Die beginnen erst auf der anderen Seite, nach dem Kreisverkehr. Sie enden in umgekehrter Fahrrichtung allerdings auch dort bei den geparkten Autos, kurz vor dem Kreisverkehr. Da verengt sich dann die Fahrbahn auch noch.

Schlechte Noten für Stuttgart beim Fahrradklima-Test

Schlechte Noten für Stuttgart beim Fahrradklima-Test

Stuttgart liegt im Gesamtranking auf Platz 33 von 39 und hat von den Radfahrenden, die an der Befragung durch den ADFC teilgenommen haben, die Note 4,2 bekommen, also gerade mal ausreichend. 

Es ergibt sich keine bessere Bewertung im vergleich zur Befragung 2014. Wenn man sich die Bewertung im einzelnen anschaut, dann sieht man, dass die Radler in Stuttgart das Angebot an öffentlichen Leihrädern gut finden und sich freuen, dass viele Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radler freigegeben sind. Auch mit der Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Befragten offenbar zufrieden. Stuttgart schneidet dagegen schlecht ab, bei der Radführung um Baustellen, beim Falschparken auf Radwegen und bei den Ampelschaltungen.

Mir macht ja das Radfahren in Stuttgart Spaß, sonst würde ich es nicht tun. Aber den Spaßfaktor haben die meisten derer, die bei der Umfrage mitgemacht haben, doch eher bei den Noten 4 und 5 angesiedelt. Und zwar, weil sie (Noten 4und 5) nicht als Verkehrsteilnehmer/innen akzeptiert werden.   Es wird zu wenig fürs Fahrradfahren geworben und in den Medien wird nicht wirklich positiv übers Radfahren berichtet. Auch hat man nicht festellen können, dass in jüngster Zeit viel für den Radverkehr getan worden sei (Noten 3 und 5).

Die Note 6 wählten die meisten für die Überwachung der Stadt beim Autoparken auf Radwegen (Durchschnittsnote 5) Die Durchschnittsnote 5 gab es auch für die Ampelschaltungen, die nicht auf Radfahrer abgestimmt sind, wobei die meisten hier die Note 6 vergaben. Auch Konflikte zwischen Autofahrern und Radlern werden negativ vermerkt, und zu viele Hindernisse gibt es ebenfalls auf Radrouten.

Erfreulich verhält sich die Lage in Stuttgart beim Fahrraddiebstahl (Note 3,6) und bei der Mitnahme in den öffentlichen Verkehrsmitteln (Note 3,4).

Hier noch mal der Link zur Auswertung von Stuttgart

Wer denkt sich so was aus?

Wer denkt sich so was aus?

Noch fahren nicht wirklich viele zum Milaneo mit dem Fahrrad. Die Klientel kommt hauptsächlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und mit dem Auto. 

Doch der Bereich ist für Radfahrende freigegeben. Und der Radverkehr nimmt zu.

Man hat auch großzügig Radbügel aufgestellt. Allerdings ist dieses Ensemble mit Bank und Podest eher ein Witz.  Räder hochheben müssen über einen (und keinen kleinen) Absatz, das ist total gaga. Ältere Menschen kriegen ihre schweren Pedelcs da gar nicht hoch. Aber auch jüngere Radler dürften sich hier verarscht vorkommen. Merke: Fahrrad und Stufen passen nicht zusammen.

Auf FB hat Leser Michael kommentiert, es handle sich um ein Kunstwerk mit dem Namen „Insel der Glückseligen“, das man für 450.000 Euro auf der Art Basel gekauft habe und das man unter erschwerten Bedingungen nutzen könne. Die Bank sei falsch herum aufgestellt. Wirklich? Ach nein, das war ein Witz. Gut gemacht, Michael. Ich habe mich köstlich amüsiert.

Heute – Ride of Silence

Heute – Ride of Silence

Treffpunkt ist  heute Abend 19:30 Uhr der Marienplatz. 

Mit dem Ride of Silence gedenken heute in Stuttgart und ganz Deutschland Radfahrende an die getöteten und verletzen Radfahrer des vergangenen Jahres. In mehr als 450 Städten auf sieben Kontinenten fahren wir schweigend – wenn wir wollen auch weiß oder schwarz gekleidet – mit unseren Rädern durch die Stadt.

Im vergangen Jahr haben wir für einen auf einem Kreisverkehr in Weilimdorf getöteten Radfahrer selbst einen Ghost Bike Ride  veranstaltet und ein weißes Fahrrad aufgestellt.
Auch die  Stuttgarter Zeitung hat darüber berichtet. In Stuttgart sind tödliche Unfälle mit Radlern bisher zum Glück selten. Aber Unfälle mit Verletzten und Schwerverletzen passieren auch hier, oft an Stellen, wo man damit rechnen muss: Auf Radwegen, über die Ein- und Ausfahrten queren und auf Kreisverkehren.

In Berlin sind 2016 unfassbare 17 Radler im Staßenverkehr getötet worden, oftmals, weil sie von rechts einbiegenden Radfahrern nicht gesehen wurden. In ganz Deutschland starben rund 200 Radfahrende. In  Baden-Württemberg starben im vergangenen Jahr nach den Zahlen des Innenministeriums, über die der SWR berichtet, 53 Radfahrer, elf mehr als 2015. Das liegt sicher auch daran, dass mehr Menschen Fahrrad fahren.

Der Ride of Silence ähnelt einer Ausfahrt der Critical Mass, ist aber eine stille Fahrt. Er ist auch nicht organisiert. 

Wir sehen uns.