Es gibt viele Wege

Es gibt viele Wege

Seltsam, wenn es um die Planung für Radwege oder Radstreifen geht, höre ich immer wieder: "Aber wer noch XY will, fährt doch eher die Strecke AB." So als ob es nur eine Sorte Radfahrende gäbe, die nur einen Weg nehmen.

Als ob es nicht tausend verschiedene Radler mit zweitausend verschiedenen Zielen und Streckenentscheidungen gäbe.

Autofahrern stellt man in dieser Stadt viele Straßen zur Verfügung, die sie nehmen können, um an ein bestimmtes Ziel zu kommen, aber Radler sollen immer nur einen einzigen Radweg angeboten bekommen? Allen Radlern soll eine Strecke durch den Wald besser gefallen als Radstreifen entlang einer Hauptstraße? Alle Radler sollen eine Nebenstraße mit Steilstück bevorzugen?

Wahrscheinlich liegt es in unserer Natur, dass wir unsere eigenen Entscheidungen für oder gegen eine Radstrecke für allgemeingültig halten und glauben, alle müssten genauso empfinden wir wir, was das Gefühl von Sicherheit oder die Vorliebe für grüne Stecken oder - anders herum - das Fahrbahnradeln betrifft. Ist aber nicht so.

Viele Frauen fühlen sich bei Dunkelheit auf verkehrsfernen Strecken nicht wohl. Kinder und Ältere möchten nicht auf der Fahrbahn den Stellungskampf mit Autos austragen. Wer sich in einem Stadtteil nicht auskennt, folgt dagegen eher den Hauptstraßen. Manche möchten am liebsten nur auf Gehwegen, also Radwegen radeln, andere nur zwischen Autos, wieder andre wollen eine gesonderte Radinfrastruktur mit Vorteilen bei den Ampelregelungen. Und nicht alle radeln auf einer Pendlerstrecke, beispielsweise zwischen Esslingen und Stuttgart die ganze Strecke. Manche möchten vorher abbiegen. Oder ganz woanders hin.

Radfahrer/innen haben verschiedene Ziele und verschieden Vorlieben für Strecken. Deshalb ist es völlig unsinnig ein "Entweder-Oder" aufzubauen. Wenn die Alternative lautetet: Radstreifen oder Radweg entlang einer Haupstraße" und "Radroute über eine Nebenstrecke oder durchs Grüne verbessern", sollten wir uns nicht entscheiden, sondern beides machen.

Radfahrende haben nie nur das eine Ziel zu dem nur ein Weg führt.
Dass Radfahrer bei Rot halten müssen, ist Quatsch

Dass Radfahrer bei Rot halten müssen, ist Quatsch

Ungefähr so betitelt die Süddeutsche ihren Artikel über rote Ampeln und Radfahren. Der Artikel ist schön geschrieben und führt das auf, worüber auch ich schon oft geschrieben habe. 

Wir erinnern uns: Ampeln sind nur für den Autoverkehr sinnvoll. Sie sind auch nur für ihn gedacht. Ampeln dienen dazu, den Autoverkehr kurz anzuhalten, damit Fußgänger auch mal queren können. Und sie sind dafür da, ein hohes Autoverkehrsaufkommen zu bändigen und dafür zu sorgen, dass auch Autos aus Seitenstraßen fahren können oder dass es auf großen Kreuzungen kein Kuddelmuddel gibt.

Für den Radverkehr taugen diese Ampeln nicht. Radampeln übrigens auch nicht, denn sie zwingen Radfahrer oft, noch viel länger zu stehen als Autofahrer an ihren Ampeln. Und das, obgleich vom Radfahrer kaum Gefahr ausgeht für andere Verkehrsteilnehmer.

Lindau. Auch eine Lösung.
Der Artikel verweist auch auf den Idaho-Stopp. In einem der konservativsten US-Staaten müssen Radfahrer bei roten Ampeln nur kurz stoppen und gucken und dürfen dann weiterfahren, wenn alles fei ist. Das Argument, dort wohnen nur wenige Menschen, gilt nicht. Auch in Paris, sehr dicht besiedelt, dürfen Radfahrende an Ampeln mit gelbem Pfeil rechts abbiegen, manchmal auch geradeaus fahren, wenn für Autos rot ist.

Das Entscheidende: Die Unfallzahlen nehmen nicht zu, sie nehmen eher ab. Denn anders als Autofahrer haben Radler keine Blechhülle um sich herum. Das bedeutet zum einen, dass sie andere Verkehrsteilnehmerinnen nicht mit einem Panzer gefährden ohne sich selbst zu gefährden. Sie fahren also vorsichtiger und vorausschauender. Und zum zweiten, dass sie besser hören und sehen. An einer Kreuzung nehmen sie - anders als Autofahrer, die Radfahrer und Fußgänger gern mal übersehen - alles wahr, was ums sie herum passiert. Und sie sind langsamer unterwegs als Autos.

T-Kreuzung beim SWR. Warum sollen Radler hier
halten müssen? 
Wenn Radler bei Rot radeln dürfen, hat das sogar für Autofahrende einen Vorteil: Denn Radfahrende sind an solchen Ampeln oftmals schon weg, wenn die Autos starten. Das erspart Autofahrern die hektischen Überholmanöver auf der Kreuzung, um noch vor dem Radler in die schmale Straße jenseits der Kreuzung einfahren zu können. Es entlastet den Massenstart an der grün gewordenen Ampel, der Stellungskampf zwischen Radfahrer und Auto findet nicht mehr statt.

Verkehrswissenschaftler und grüne und linke Politiker/innen plädieren seit Jahren dafür, dass Radfahrer bei Rot fahren dürfen. Das Bundesverkehrsministerium prüft gerade, ob man in Deutschland den grünen Pfeil für Radler einführen könnte. Diese Prüfung dauert schon lange und wird wohl noch lange dauern, obgleich man nur auf Erfahrungen aus Frankreich zurückgreifen müsste. Auch Stuttgart möchte an einigen Ampeln Pilot-Grüne-Pfeile einrichten. Schön.

Ampelflucht. Kein Mensch auf dem Überweg
aber Fußgänger auf dem Gehweg. 
Aber ich meine, eigentlich bräuchten wir keine zusätzlichen Schilder. Es würde reichen, wenn man Radfahrenden generell erlauben würde, bei Autorot rechts abzubiegen und an T-Kreuzungen (wo es von der Geradeausfahrbahn nur links abgeht) geradeaus zu fahren. Und ganz entscheidend: Radfahrenden muss es vor allem erlaubt sein, an Fußgängerquerungen bei Auto-Rot weiterzuradeln, wenn kein Fußgänger quert. Wie oft habe ich bei Rot an einer Fußgängerampel gestanden, die kein Mensch überquert. Das ist eine harte Prüfung für Legalistinnen wie mich. Und wie oft habe ich gesehen, dass Radler Ampelflucht begehen, also über Gehwege ausweichen (die verboten sind)?

Neckarstraße: 3 Fußgängerampeln hintereinander.
Immerhin ein Fußgänger quert hinten.
Ein Radler bevorzug den Gehweg. 
Allem Radfahrerbashing zum Trotz: Deutsche Städte werden dann nicht gefährlicher, sondern fahrradfreundlicher. Für Stuttgart heißt das zum Beispiel, dass die Alternativroute zum Schlossgarten, die Neckarstraße, für Radler sehr viel attraktiver wird (stadtauswärts stehen mindestens sechs Ampeln, stadteinwärts sind es fünf). Das mindert den Radverkehr in Schlossgarten, wofür die Fußgänger und Spaziergänger dort sicher extrem dankbar wären. Und es kostet nicht mal was.



Last-Eselin

Last-Eselin

Und das hier sieht aus wie ein ehemaliges Postfahrrad. 

Es ist von seiner Besitzerin (ich bin fast sicher, es ist eine Frau) liebevoll für Einkaufsfahrten ausgerüstet. Regendichter Kasten hinten, vorne ein Korb, den man auf den Markt mitnehmen kann. Es hat einen stabilen Ständer.

Abgestellt wurde es während eines Markttags in Wangen im Allgäu.


Park-Rowdys – Liststraße

Park-Rowdys – Liststraße

Ich verstehe die Parknot im Stuttgarter Süden. Zu viele Einwohner haben zu viele Autos, die nachts irgendwo hin müssen: auf Gehwege und auf Radstreifen. 

Andererseits: Gehwege und Radstreifen sind nicht für Autos da. Wenn sie von Autos besetzt sind, müssen Fußgänger und Radfahrer auf der Fahrbahn drum herum.

Das kann an dieser Stelle gefährlich werden. Hier hat die Stadt die Einbahnstraße Liststraße  für Radler in Gegenrichtung freigegeben und einen Radstreifen auf die Fahrbahn gemalt. Die Linie ist durchgezogen, also darf kein Autoreifen sie überfahren. Platz zum Fahren ist genug. Nicht einmal die Parkplätze am Straßenrand mussten weggenommen werden.

Die Radspur wird zur Ecke hochgeführt, damit Radfahrer die Autos sehen, die von Rechts kommen, bevor sie selbst nach links auf die Liststraße einbiegen. Wenn dort ein Auto steht, müssen Radler über die gestrichelte Fläche und kürzen die Abbiegekurve ab. Geht vermutlich immer gut, weil Radler ja gewohnt sind, schwierige und unübersichtliche Situationen zu meistern.

Allerdings bedeutet das wieder einmal, dass Radler sich regelwidrig durchschlängeln müssen. Und dann heißt es wieder: "Radler halten sich an keine Regeln." An dieser stelle sieht man, warum das so ist. 

Es ist übrigens nicht so, dass dort nur manchmal Autos stehen, sie stehen vielmehr fast immer dort, wenn ich vorbei komme oder wenn Florian vorbei kommt. Manche Fahrzeuge stehen da sogar mehrere Tage hintereinander. Ihre Besitzer gehen nicht morgens los, um das Auto umzuparken, das sie am Vorabend in ihrer Verzweiflung auf den Radstreifen gestellt haben. Es ist ihnen egal.


Winnie, die Goldene

Winnie, die Goldene

Die alten Räder stehen in Stuttgart oft offen oder minimal gesichert an Abstellanlagen herum. Klaut eh niemand. 

Obwohl sie schön sind. Das hier dürfte ein Staiger-Damenrad sein. In Kleinanzeigen wird es als Commodore Staiger Damenrad angeboten. Dieses Exemplar hat eine Gangschaltung, die in den Lenkergriff integriert ist und eine anständige moderne Beleuchtung. Es stand am Schlossplatz, als ich es sah.

Winora-Staiger gibt es seit 1014 in Deutschland. Staiger-Fahrräder gibt es bis heute, in zwischen natürlich auch als Pedelecs.

Kann es sein, dass Gold eine Modefarbe in den Siebzigern war?