Von Berlin über Budapest nach Wien, eine Dienstfahrt

Von Berlin über Budapest nach Wien, eine Dienstfahrt

Vorgeschichte

Irgendwann, es liegen Wochen zwischen der Frage und dem Start der Tour, fragte mich eine Bekannte mit der ich schon öfters Fahrradfahren war ob ich nicht Lust hätte sie ein Stück Wegstrecke mit dem Rad zu geleiten. Sie wollte mit Fahrradkurieren aus Berlin und Umgebung über Dresden, Prag und Brünn zur ECMC 2017, der Europameisterschaft der Fahrradkuriere, nach Wien fahren. Ich sagte spontan zu, ohne zu wissen was auf mich zukommen sollte.

Im Laufe der Zeit wurde die Angelegenheit konkreter und ich entwickelte meinen eigenen Plan um nach Wien zu fahren. Die Fahrradkuriere, denen sich meine Bekannte angeschlossen hatte, planten eine Vorbereitungsphase in Prag über drei Tage. So lange wollte ich mich in Prag nicht aufhalten. Deshalb entschied ich ab Prag alleine weiterzufahren. Ich wollte  von Prag über Wien und Bratislava nach Budapest fahren um einen guten Freund aus vergangenen Tagen zu besuchen. Wir hatten uns fast 15 Jahre nicht mehr gesehen. Nach dem Besuch in Budapest wollte ich dann zurück nach Wien fahren um dort der ECMC beizuwohnen. Soweit der Plan.

 

Dienstag, 11. Juli 2017 – Tag -1

Der Tag vor dem Start und es regnet. Das Rennrad ist überholt, die Tasche am Lenker und am Sattel sind befestigt und die Messenger-Tasche gepackt.

Die Tasche am Lenker war vollgestopft mit den Klamotten für die Reise. Die Satteltasche enthielt meinen Biwak-Sack, den Schlafsack und das Zelt, dazu noch eine Regenjacke, die ich hoffte nie nutzen zu müssen. Oben auf die Satteltasche befestigte ich meine Iso-Matte befestigt.

In meine Messenger-Tasche hatte ich mein iBook, die Kamera inkl. Teleobjektiv, Smartphone, Ladegeräte für Smartphone, Laptop, Kamera, Turnschuhe, „Kulturbeutel“, Bananen, Müsli-Riegel, Ersatzbatterien für’s Navi, Portemonnaie, Pass und jede Menge Kleinkram verstaut.

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Tag 1 – Mittwoch, 12. Juli 2017, von Berlin nach Dresden

Ich hatte mich mit meiner Bekannten und den Fahrradkurieren um 10 Uhr bei der ARAL-Tankstelle am Britzer Damm verabredet. Als ich pünktlich dort ankam war nur meine Bekannte da. Die Kuriere wollten am nächsten Tag mit der Bahn nach Dresden kommen da sie keine Lust verspürten bei Regen zu fahren. Ausserdem war es am Abend vorher beim Soli-Konzert wohl sehr spät geworden. Aber ab Dresden wollten sie dann auf jeden Fall mit uns zusammen bis Prag fahren.

Wie Recht die Berufsradfahrer haben sollten!

Wir schwangen uns auf unsere Rennräder und machten uns auf dem Weg raus aus Berlin und auf nach Dresden. Wir hatten optimales Radfahrwetter; die Luft hatte eine angenehme Temperatur, es war windstill und auf Grund des bewölkten Himmels machte auch die Sonne keinerlei Probleme.

Dieses herrliche Wetter für eine Fahrrad-Tour über 200 km hielt ungefähr zwei Stunden bis es anfing ganz, ganz fein zu nieseln. Es hörte kurz wieder auf um danach umso länger und stärker zu nieseln. Diese Steigerung der Nässe, die sich über uns ergoss, nahm kontinuierlich zu bis wir bei Kilometer 160 in Frauenhain einen kleinen Vorgeschmack auf das bekamen was noch auf uns zukommen sollte. Diesmal fanden wir vor dem Wolkenbruch Schutz unter dem Vordach eines Bauernhofes. Als der Regenschauer vorbei war bestiegen wir wieder unsere Fahrräder und rollten bis nach Großenhain um an einer Tankstelle einen kurzen Stop einzulegen. Was für ein Glück! Wir hatten gerade unseren Kaffee und ein Stück Kuchen auf den Tisch gestellt bekommen, als Draussen erneut ein Wolkenbruch sich austobte.

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Als es aufgehört hatte zu regnen setzten wir uns wieder auf’s Rad um die letzten 40 Kilometer bis Dresden zurückzulegen. Wir kamen kaum 10 Kilometer weit als es wieder anfing zu regnen. Unseren Plan am Ufer der Elbe zu biwakieren konnten wir vergessen. Als wir in einen Buswartehäuschen eine Pause eingelegten weil die Strasse unter Wasser stand nahm meine Bekannte Kontakt zu einem amerikanischen Fahrradkurier, nennen wir in Adam, auf. Er wollte ursprünglich mit uns fahren, musste dann jedoch umplanen, war eine Teilstrecke mit der Bahn gefahren und schon in Dresden angekommen, wo er in einem Hostel ein Zimmer bezogen hatte. Wie sich herausstellt hatte er ein Dreibettzimmer gemietet und so konnten wir bei im unterschlupfen. Als wir diese frohe Nachricht erhielten waren wir noch 20 Kilometer von unserem Ziel entfernt. Der Regen wurde immer schlimmer und zwischenzeitlich war es auch dunkel geworden. Es goss wie aus Kübeln und der Wind wurde immer stärker. Für einen Brillenträger wie mir wurde die Fahrt hinab nach Dresden-Neustadt zum Blindflug. Wir hatten einen Affenzahn drauf und rasten durch ungewiss tiefe Pfützen, durch Häufen von Laub und herabgefallenen Äste. Dazu kamen Sturmböen, die uns beide von der Seite immer wieder mehrere Meter zur Seite drückten. Dummerweise waren dort Strassenbahnschienen oder auch Baustellenabsperrungen. Als wir endlich bei Adams Hostel ankamen waren wir gebadet und hatten keinen trockenen Fetzen mehr am Laib. Glücklich genossen wir die heiße Dusche, hängten unsere Klamotten zum Trocknen auf und Stopften unsere Schuhe mit Toilettenpapier aus, in der Hoffnung sie mögen am kommenden Morgen halbwegs trocken sein.

Das mit dem Trocknen hat funktioniert! Auch erfuhren wir am nächsten Morgen, dass ein Unwetter über Dresden und Umgebung niedergegangen war und wir waren mittendrin gewesen.

 

Tag 2 – Donnerstag, 13. Juli 2017, von Dresden nach Prag

Bis um 8 Uhr haben wir Drei selig in unseren Betten geschlummert. Nach der Morgentoilette und dem Verstauen unseres Gepäcks auf den Rädern freuten wir uns  auf ein Frühstück. Wir suchten uns via Smartphone ein veganes Frühstücks-Café in der Nähe. In Dresden-Neustadt gibt es das „Tanteleuk“. Dorthin rollten wir um ausgiebig zu frühstückten und auf unsere Mitfahrer zu warteten. Und wir warteten ewig!

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Wir warteten und warteten auf die restlichen Fahrradkuriere aus Berlin und den Transporter für das Gepäck. Irgendwann hatten wir keine Lust mehr im Café herumzulungern und fuhren gemütlich zum Hauptbahnhof. Dort stand zumindest schon einmal der Transporter. Wir verstauten unsere Gepäckstücke im Transporter.

Mittlerweile war es 14 Uhr geworden und wir entschieden mit der S-Bahn von Dresden nach Bad Schandau zu fahren und dort unsere Tour nach Prag zu beginnen. Wir wollten auch nicht allzu spät in Prag eintreffen. In Bad Schandau trafen wir auf Daniel mit seinem Bullitt und wenig später auf Manfred. Jetzt waren wir zu Fünft!

Es wurde geheizt was die Beine hergaben. Wir hatten zwar unsere zu fahrende Strecke um 30 km verkürzt, trotzdem standen noch 140 km mit ein paar giftigen Anstiegen auf dem Programm. In Litoměřice machten wir in der Altstadtbei bei einem italienischen Restaurant Mittagspause und dann ging es auch schon weiter. Und obwohl wir, ich war das schwächste Glied der Truppe, wie die Berserker strampelten war es dunkel als wir Prag erreichten. Wir suchten uns durch die dunkle Nacht den Weg  zu unserer Unterkunft und erreichten endlich kurz nach 20 Uhr das Ziel. Zum Glück wartete dort  schon der Transporter und ein kühles Bier auf uns.

 

Tag 3 – Freitag, 14. Juli 2017, von Prag nach Wien

Ab heute ging es allein weiter. Deshalb stand ich um 5 Uhr auf und machte mich und das Rad reisefertig. Ich hievte das vollbepackte Rad über das abgeschlossene Tor zum besetzen Haus und machte mich auf den Weg nach Wien. Aber ich verließ Prag nicht ohne zum Wenzelsplatz zu fahren, das Mahnmal für Jan Palach und Jan Zajíc zu besuchen und ein paar Minuten an die Jahre 1968/69 und die Vorgänge in der damaligen Tschechoslowakei zu denken, die einen starken Einfluß auf mein weiteres Leben und meine politische Einstellung hatten.

Nach dem Besuch einiger allgemeinen touristischen Lokalitäten wie dem Jan-Hus-Denkmal und dem Altstädter Rathaus orientierte ich mich zur Moldau. Seit Dresden schien die Sonne und so auch an diesem Morgen. Auf einen breiten und gut ausgebauten Radweg radelte ich Richtung Süden aus der Stadt. Morgens gegen 7 Uhr waren sehr viele Pendler aller Altersgruppen unterwegs. Sie kamen mir auf MTBs, Rennrädern und Rollern entgegen. Die meisten waren auf dem Weg zur Arbeit und schienen täglich mit dem Fahrrad oder dem Roller in die Stadt zu pendeln. Der Radweg auf dem ich rollte verlief immer parallel zur Moldau  bis nach Vrané nad Vltavou. Hier verlies ich die flache Strecke und begab mich auf eine Berg- und Talfahrt quer durch’s Land. Ich hatte eine Vrané nach Vltavou bis nach Wien eine Route gewählt, die über Landstrasse, kleine asphaltierte Wege verlief und vor allem kein Tal und keinen Hügel, Berg oder sonstige Erhebung auslassen sollte.

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Nach knapp 130 km und 8 1/2 Stunden Fahrzeit erreichte ich die Ortschaft Dobrá Voda u Pacova. Bis dahin hatte ich fast 3.000 Höhenmeter erklommen. Nein, ich habe mich vielmehr bei fast 30 Grad die Rampen in den Tschechischen Mittelgebirgen hochgequält. Trotzdem war der erste Tag alleine in den Weiten und der Einsamkeit der ländlichen Gegend Tschechiens mit seinen kleinen Dörfern und der hügeligen Topografie wahnsinnigen schön. Kurz hinter Dobrá Voda u Pacova schlug ich auf eine Wiese mein Biwak auf.

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Tag 4 – Samstag, 15. Juli 2017, von Prag nach Wien

Nach einem heftigen Gewitter in der Nacht war ich froh im Zelt geschlafen zu haben. Als es am Morgen immer noch vor sich hin tröpfelte blieb ich einfach liegen bis es aufhörte zu regnen. Es wurde 12 Uhr bis ich startklar für diesen Tag war und ich verabschiedete mich von dem Plan heute noch Wien zu erreichen. Die meisten Berge hatte ich zwar erklommen, aber es warteten immer noch rund 230 km bis Wien auf mich. Folglich ging ich den heutigen Tag etwas ruhiger an, machte ein paar mehr Pausen unterwegs und doch schaffte ich an diesem Tag 113 km.

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Kurz vor der Grenze zu Österreich öffnete der Himmel die Schleusen und setzte die Landschaft unter Wasser. Ich suchte Zuflucht in einem Buswartehäuschen und wartete auf das Ende des Wolkenbruchs. Es dauerte gut eine Stunde bis es aufhörte zu regnen.

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Hier muss ich einmal eine Lanze für die Buswartehäuschen in den ehemaligen Staaten des „Ostblocks“ brechen. Sie sind geräumig, eignen sich wunderbar zum Übernachten, sind meist massiv gebaut mit einer Bank, die ihren Namen verdient, nicht so zugig wie die westlichen Konstruktionen und was ganz, ganz wichtig ist: sie sind sauber!

Nach dem Regenschauer bin ich noch gut eine Stunde gefahren. Zwischen Safov (CZ) und Riegersburg (A) überquerte ich die Grenze, die irgendwo quer durch die Felder verlief. Sonst war keine Grenzlinie zu erkennen. Nur die Markierungen auf der Strasse änderten sich. Auch dies ist Europa und zwar von seiner schönsten Seite! Kurz hinter Mallersbach fuhr ich an einem Holzlagerplatz vorbei und entschloss mich hier meine erste Nacht in Österreich zu verbringen.

Zwischen Stapel von Baumstämmen, Brettern und riesigen Bergen mit Ästen und Abfallholz schlug ich mein Biwak für die Nacht auf.



Tag 5 – Sonntag, 16. Juli 2017, von Prag nach Wien

Heute war der dritte Tag meiner Fahrt von Prag nach Wien und das Wetter war ein Traum. Auch die Landschaften der letzten Tage habe für die Mühen des Erklettern der Höhenmeter mehr als entschädigt. Erinnerte die Topografie Tschechiens mich an die Eifel, so fuhr ich jetzt durch eine weite, ganz sanft gewellte Landschaft mit Weinfeldern. Ich war im Weinviertel unterwegs.

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Als ich die Stadt Retz erreichte entschied ich mich einmal ein richtiges Frühstück zu mir zunehmen. Das Frühstück der vorherigen Tagen vorher bestand aus Vollkorn-Keksen mit Fruchtsaft und einer Banane. Heute gönnte ich mir Kaffee, Brötchen, Wurst, Käse und Marmelade. Ein bisschen Luxus tut hin und wieder richtig gut!

Nach dem Frühstück ging es Richtung Stockerau und weiter an die Donau. Die Strecke war flach und verlief weitestgehend auf Seitenstrassen. Aber auch auf den Bundesstrassen war es angenehm zu fahren. Nach der Überquerung der Donau bei m Kraftwerk Greifenstein hüpfte ich erst einmal in einen Seitenarm der Donau und nahm ein erfrischendes Bad. Ab jetzt ging es auf dem Donauradweg immer entlang der Donau  vorbei an Klosterneuburg Richtung Wien.

Ich hatte geplant an der Regattastrecke Nähe Kraftwerk Donaustadt mein Biwak zu errichten. Also radelte ich einmal quer durch Wien immer an der Donau längst bis ich den geeigneten Ort für die Nacht gefunden hatte.

Diesmal war es ein Ponton auf dem ich das Innenzelt als Insektenschutz aufbaute und eine Nacht mit traumhaften Sonnenuntergang verbrachte.



Tag 6 – Montag, 17. Juli 2017, von Wien über Bratislava nach Budapest

Am Morgen bekam ich Besuch von einer Schwanenfamilie und auch sonst begann rings um mich herum auf den Wiesen das Leben. Ich hatte die Nacht auf der Bereich der FKK-Freunde an der Neuen Donau verbracht. Die Wiener FKKler*innen scheinen sämtlich Frühaufsteher*innen zu sein. Um 7 Uhr war schon ein reger Betrieb, es wurden Liegen und Kühltaschen auf die Wiese an der Donau geschleppt, sich freigemacht und ins Wasser gehüpft. Also hüpfte ich auch nackert ins Wasser und beschloss mich zügig vom Acker zu machen. Kurz nach 8 Uhr rollte auf dem gut ausgebauten Radweg aus Wien hinaus und hinein in den Nationalpark Donauauen. In Schonau hielt ich an einer „Jausenstation“, so heißen ich Österreich die Fressbuden am Strassenrand, an. Da ich seit zwei Tagen Probleme mit dem rechten Knie hatte erkundigte ich mich bei den Wirtsleuten nach einem Arzt. In Orth an der Donau oder Hainburg sollte einer sein, wurde mir versichert.

Nach dem Verzehr meines Frühstücks, bestehend aus einer Tasse Kaffee und einer Wurstsemmel , schwang ich mich wieder auf’s Rad. Ich verließ den Donauradweg und fuhr auf der Landstrasse Richtung Orth an der Donau. Und wie es so ist, kam ich nach 25 km in Orth an der Donau an, das Knie war steif, sodass ich die letzten Kilometer nur mit dem linken Bein in die Pedale treten konnte. Ich fang auf Anhieb die Arztpraxis. Eine Landarztpraxis wie mensch sie sich vorstellt. Ich schilderte der Arzthelferin mein Problem und wurde zu meiner Freude an den anderen Patienten vorbei zum Doktor geschleust. Nach einem kurzen Informationsaustausch und der Erkenntnis beim Arzt, dass drei bis vier Tage Ruhe für das Knie mit mir nicht zu machen seinen, erhielt ich eine Spritze ins Knie und eine Salbe zum Einreiben gegen die Schmerzen. Kaum eine Stunde später sass ich wieder im Sattel.

Im Park von Schloss Eckertsau hielt ich an und machte meine Mittagspause.

Danach steuerte ich wieder den Donauradweg an. Bei Stopfenreuth, kurz vor der Brücke über die Donau, traf ich auf ein Paar (er aus Stuttgart, sie aus Australien), die auf dem Weg von Stuttgart nach Bratislava waren. Wir fuhren das kurze Stücke Strecke bis Hainburg an der Donau zusammen. Im Ort angekommen verabschiedeten sie sich ins nächste Café und ich fuhr alleine weiter. Ich wollte an diesem Tag soweit als möglich kommen. Ich hatte durch den Arztbesuch viel Zeit verloren, die es aufzuholen galt.

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Plötzlich war ich kurz vor Bratislava. Vorbei an den verlassenen, ehemaligen Gebäuden der Grenzkontrolle und schon war ich in der Slowakei. I love Europe! Es ist so wunderbar unbemerkt Ländergrenzen zu überschreiten, keine Schlagbäume passieren zu müssen, kein Geld zu wechseln und zu wissen, dass dies- und jenseits der Grenze die Menschen dir freundschaftlich begegnen werden. Ich habe es noch anders erlebt.

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Kurz vor Bratislava wurde der Radweg voll. Die Bewohner*innen von Bratislava scheinen begeisterte Radfahrer*innen und Skater*innen zu sein. Ob jung oder alt, egal ob mit Kinderanhänger hinter dem Rennrad oder Kinderwagen vor sich herschiebend, es tummelten sich Unmengen von sportlichen Personen auf dem Donaudamm oder der Strasse unterhalb des Damms. Zudem luden alle fünf bis sechs Kilometer Getränketempel zur Einkehr ein. Dieses Schauspiel ging bis zur Donau-Staustufe Areál Divoká voda.

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Danach wurde es ruhig und langweilig. Kilometer um Kilometer fuhr ich monoton auf dem Damm, links die aufgestaute Donau und rechts neben mir die nicht sehr spannende flache Landschaft. Der geeignete Ort um zu sich selbst zu finden. Fast zwei Stunden ging es so, bis ich zur Schleuse und den Kraftwerk Gabčíkovo kam. Dort angekommen entschied ich noch einige Kilometer zu fahren und dann nach einem geeigneten Biwakplatz für die Nacht zu suchen.

Es war ein Fuchs der aus einem Busch an der Donau herausschaute, der mir sagte: Hier ist der optimale Platz zum Schlafen.

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Ich baute nur das Innenteil des Zeltes gegen die unzähligen Insekten auf und hatte eine erholsame und ruhige Nacht.

 

Tag 7 – Dienstag, 18. Juli 2017, von Wien über Bratislava nach Budapest

Wie auch die letzten Tage stand ich um 7 Uhr auf, schmierte mein rechtes Knie mit der medizinischen Salbe ein, ass ein paar Kekse und eine Banane, trank meinen Multivitaminsaft und verpackte mein Gepäck auf dem Fahrrad. Gegen 8 Uhr saß ich wieder im Sattel und fuhr Richtung Budapest.

Es sollte ein harter Tag werden. Aber dies wusste ich noch nicht als ich aufbrach. Ich also fuhr total entspannt los, frühstückte in der Tankstelle kurz vor der Grenze zu Ungarn und dann passierte es: Das Navi war urplötzlich ohne Hintergrundkarte! Dies passierte just als ich die Donau zwischen der Slowakei und Ungarn überquerte. Also fuhr ich jetzt immer der pinkfarbenen Linie auf meinem geliehenen Garmin hinterher.

Auf Grund meiner Knieproblematik beschloss ich nicht die Strecke mit den Steigungen zu fahren sondern immer entlang der Donau zu rollen. Dies tat ich auch. Irgendwann begann es zu dämmern. Ich war mittlerweile auf einer vielbefahrenen Bundesstrasse in Ungarn unterwegs, hatte Tags zuvor mein Rücklicht verloren und der Strassenzustand wurde zunehmend schlechter. Das Ergebnis ein Plattfuß und zwar gleichzeitig am Hinter- wie beim Vorderrad. Zu meinem Glück passierte das Malheur innerhalb einer Ortschaft. Ich fand eine beleuchtete, wenn auch geschlossenen, Tankstelle und da meine Ersatzschläuche aufgebraucht waren und ich am Abend zuvor zu faul war die defekten Schläuche zu flicken, musste ich dies jetzt tun. Nach einer Stunde war das Problem behoben und ich konnte weiterfahren. Irgendwann in der Nacht erreichte ich endlich die Randbezirke von Budapest. Da ich wusste, dass mein Ziel der Campingplatz einmal quer durch die Stadt bedeutete, fragte ich an eine Tankstelle (übrigens, wie auch in der Slowakei, mit Free WiFi ausgestattet) nach dem Weg. Die Frau in der Tanke nahm mir mein Smartphone aus der Hand und einige Augenblicke später zeigte sie mir auf GoogleMaps die Strecke, die ich fahren sollte. „Über die Stadtautobahn?“, „Es ist der kürzeste Weg!“. Das war doch Mal eine Ansage, der ich mich nicht widersetzen konnte! Also düste ich kurz nach Mitternacht über die Stadtautobahn über die Donau und quer durch Budapest. Die restlichen Kilometer zum Campingplatz, den ich um 1.15 Uhr erreichte, waren dann nur noch ganz normale innerstädtische Schnellstrassen.

Am Campingplatz angekommen, traf ich auf einen Haufen von Abiturienten aus Köln, die mich in die Infrastruktur des Platzes einwiesen und mich mit kühlem Bier versorgten. So muss es sein!

Irgendwann gegen 2.30 Uhr war das Zelt aufgebaut. Nach einer Woche konnte ich mich auch endlich wieder einmal richtig duschen, so mit warmen Wasser, Seife und Haarshampoo. Nach der Dusche schlupfte ich in meinem Schlafsack und schlief tief und fest, trotz der Flugzeug im Landeanflug auf den Budapester Flughafen und den Rangierbahnhof direkt neben dem Campingplatz.

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P.S.: Der Platzwart des Campingplatzes erlies mir die Platzgebühren. Zum einen weil ich in sieben Tagen von Berlin nach Budapest gefahren bin, weil ich so spät angekommen bin und vor allem weil er Berlin liebt! Ich habe ihn umarmt!!!, den Platzwart auf einen Campingplatz in Ungarn, der aus der Slowakei stammt und neben der Muttersprache noch polnisch, ungarisch und französisch sprich, dafür kein Wort Deutsch oder Englisch. I love Europe! Mit solchen Freaks kann eigentlich nichts schief gehen. Europa, wir sind auf dem richtigen Weg! Lass die Herren Orban und Kaschinski reden was sie wollen, wir, das gemeine Volk sind schon viel, viel weiter als ihr jemals zu denken in der Lage sein werdet.

 

Tag 8 – Mittwoch, 19. Juli 2017, Aufenthalt in Budapest

Dieser Tag war sehr privat und gehört hier nicht hin.

Ich möchte jedoch auf die Entdeckung des Fahrradladens Bajnok in Budapest hinweisen.

 

Tag 9 – Donnerstag, 20. Juli 2017, Rückreise von Budapest über Bratislava nach Wien

Diesmal war es hell und ich fuhr eine andere Strecke durch Budapest als in der Nacht der Anreise. Auch entschied ich mich nicht an der Donau längst zu fahren sondern die hügelige Strecke quer durch das Land über Piliscsabe nach Dorog und Tát zurück an die Donau. Den ersten Teil aus Budapest raus fuhr ich eine andere Strecke als am Dienstag Nacht und ich fuhr auch nicht an der Donau längst sondern quer durch das Land bis nach Dorog und Tát zurück zur Donau. In Komaren (H) fuhr ich über die Donaubrücke nach Kormárno in die Slowakai. Jetzt fuhr ich auf bekannten Terrain. Diesmal fuhr ich bis zur Schleuse und Kraftwerk Gabčíkovo um mein Biwak aufzuschlagen. Vorher hielt ich jedoch noch an einer Dorfgaststätte um eine großes Staropramen vom Fass für schlappe 90 Cent zu trinken.

Tag 10 – Freitag, 21. Juli 2017, Rückreise von Budapest über Bratislava nach Wien

Die letzte Etappe stand an und ich freute mich auf Wien. Das Wiedersehen mit den Leuten, die ich in Prag verlassen hatte und das Chillen auf der ECMC 2017.

Aber zuerst ging es vom Rastplatz der Nacht entlang der aufgestauten Donau Richtung Hamuliakovo und danach nach Bratislava.

Von dort verlief die restliche Strecke bis Wien wie ein rückwärts abgespielter Film ab. Ich war die Strecke ja erst vor ein paar Tagen in der andere Richtung gefahren.

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In Wien angekommen fuhr ich durch den Prater als ich auf eine Gruppe von Fahrradkurieren traf. Ich frage sie, ob sie auf dem Weg zur ECMC seinen. Sie waren es und ich schloss mich ihnen an. So gelangte ich ohne große Umwege auf das Areal des ehemaligen Wiener Viehhof Sankt Marx. Hier fand die Europameisterschaft der Fahrradkuriere statt und ich traf meinen alten Bekannten, die als Teilnehmer*innen oder als Begleitpersonal in Wien weilten.

Die Nacht verbrachte ich wieder an der Neuen Donau. Diesmal nicht auf einem Ponton sondern genau auf der Wiese neben einem vom Biber angenagten Baum.

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Tag 11 – Samstag, 22. Juli 2017, Aufenthalt in Wien und Rückfahrt nach Berlin

Ich verbrachte den ganz Tag auf dem Areal des ehemaligen Viehhofes der Stadt Wien um den Fahrradkurier*innen bei ihren Wettbewerben zuzusehen. Die ECMC 2018 wird in Stettin (PL), also gleich um die Ecke von Berlin, stattfinden und ich werde natürlich dabei sein, wie auch später im Jahr auf der Weltmeisterschaft in Riga (LV).

Bilder zur ECMC 2017 gibt’s hier im Blog. Am Abend stand die Busfahrt von Wien nach Berlin ab 23.15 Uhr vom Vienna International Busterminal an.

 

Tag 12 – Sonntag, 23. Juli 2017, Ankunft in Berlin

Um 8.25 Uhr hielt der Bus aus Wien am Bahnhof Südkreuz in Berlin. Ich war noch keine 500 Meter gefahren als es zu regnen begann. Je näher ich meinem Zuhause kam desto übler schüttet es wie aus Eimern. Unwetter über Berlin. Auf den wenigen Kilometern vom Südkreuz bis Mariendorf wurde ich durchgespült und fuhr mir auf den letzten Metern auch noch einen Plattfuß. Nach einer heißen Dusche wurde erst einmal ausgiebig gefrühstückt und danach das Equipment ausgepackt und versorgt.

Fazit: Eine gelungene Dienstfahrt mit interessanten Kontakten, Erfahrungen und Einblicke in vier Staaten in kürzester Zeit.

 

Tag 1: von Berlin (D) nach Dresden (D), 215,55 km, Track

Tag 2: von Dresden (D) nach Prag (CZ), 140,64 km, Track

Tag 3: von Prag (CZ) bis kurz hinter Dobrá Voda u Pacova (CZ), 129,70 km, Track

Tag 4: von Dobrá Voda u Pacova (CZ) nach Mallersbach (A), 113,20 km, Track

Tag 5: von Mallersbach (A) bis an die Donau in Wien (A), 120,10 km, Track

Tag 6: von Wien (A) bis Medvedov (SK), 143,05 km, Track

Tag 7: von Medvedov (SK) bis Budapest (H), 189,01 km, Track

Tag 8: Ruhetag in Budapest (H)

Tag 9: von Budapest (H) bis zur Donau-Schleuse Gabčíkovo (SK), 170,33 km, Track

Tag 10: von Donau-Schleuse Gabčíkovo (SK) bis nach Wien (A) auf das Areal der ECMC 2017,  139,30 km, Track

Tag 11: Aufenthalt auf der ECMC und nächtliche Rückreise mit dem Bus nach Berlin


Termine im November 2017

Termine im November 2017

Auch für November habe ich wieder eine Reihe von Veranstaltungen gelistet, die meine Leser*innen interessieren könnten. Ich auf jeden Fall, werde zu einigen Veranstaltungen nicht entgehen lassen.

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Mittwoch, 1. November

————————————————————————————————————————————–Freitag, 3. November

————————————————————————————————————————————–Samstag, 4. November

————————————————————————————————————————————–Sonntag, 5. November

  • Schauen: 15 Uhr, The Bullitt’s Burden – Deutschlandpremiere im Xenon Kino, Kolonnenstrasse 5 – 6, 10827 Berlin
  • Schauen&Kaufen: von 10 bis 15 Uhr, Fahrradmarkt auf dem Winterfeldplatz, 10781 Berlin-Schöneberg, Informationen gibt’s: HIER
  • Schauen&Kaufen: von 11 bis 19 Uhr, Gütermarkt mit Berliner Fahrradmarkt, ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, Siemensstraße 27, 10551 Berlin, Informationen gibt’s: HIER

————————————————————————————————————————————–Montag, 6. November

————————————————————————————————————————————–Dienstag, 7. November

————————————————————————————————————————————–Mittwoch, 8. November

————————————————————————————————————————————–Donnerstag, 9. November

————————————————————————————————————————————–Freitag, 10. November

————————————————————————————————————————————–Samstag, 11. November

————————————————————————————————————————————–Sonntag, 12. November

————————————————————————————————————————————–Montag, 13. November

————————————————————————————————————————————–Dienstag, 14. November

————————————————————————————————————————————–Mittwoch, 15. November

————————————————————————————————————————————–Donnerstag, 16. November

————————————————————————————————————————————–Freitag, 17. November

————————————————————————————————————————————–Samstag, 18. November

————————————————————————————————————————————–Sonntag, 19. November

————————————————————————————————————————————–Montag, 20. November

————————————————————————————————————————————–Dienstag, 21. November

————————————————————————————————————————————–Mittwoch, 22. November

————————————————————————————————————————————–Donnerstag, 23. November

————————————————————————————————————————————–Freitag, 24. November

————————————————————————————————————————————–Samstag, 25. November

  • Schauen&Kaufen: 9 bis 17 Uhr, Berliner Fahrradmarkt, Waldemarstraße 57, 10997 Berlin-Kreuzberg, Informationen gibt’s HIER

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Sonntag, 26. November
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Montag, 27. November
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Dienstag, 28. November
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Mittwoch, 29. November
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Donnerstag, 30. November
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Lastenrad von Yuba

Lastenrad von Yuba

Als ich gestern am späten Nachmittag die LZB an der Breite Straße in Berlin-Mitte verliess traute ich meinen Augen nicht. Was stand dann da? Ein Mundo von Yuba mit zwei hellblau leuchtenden Kindersitzen.

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Die Lastenesel von Yuba Bikes aus Cotati in Kalifornien sieht mensch in Deutschland mehr als selten auf den Strassen. Ganz im Gegensatz dazu in den Städten und Ortschaften an der Westküste der USA. Dort gehören sie zum normalen Verkehrsbild wie hier in Berlin die familienfreundlichen, dreirädrigen Transportfahrräder von backfiets, Babboe, oder anderen.

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In Deutschland werden die Lastenräder von Yuba Bikes von Electric Bike Solutions GmbH aus Heidelberg verkauft.

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Termine im Oktober 2017

Termine im Oktober 2017

Auch für Oktober habe ich wieder eine Reihe von Veranstaltungen gelistet, die meine Leser*innen interessieren könnten. Ich auf jeden Fall, werde mir einige Veranstaltungen nicht entgehen lassen.

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Sonntag, 1. Oktober

  • Schauen&Staunen: von 11 bis 22 Uhr, 6. Bärlin Pedäl Bättle 2017 auf dem Gelände des Alten Kraftwerks Rummelsburg an Rummelburger Landstrasse 2-12

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Montag, 2. Oktober

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Dienstag, 3. Oktober – Tag der Deutschen Einheit

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Mittwoch, 4. Oktober

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Donnerstag, 5. Oktober

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Freitag, 6. Oktober

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Samstag, 7. Oktober

  • Fahren: 19 bis 22 Uhr, LightRide2017, ab Rosa-Luxemburg-Platz, 10178 Berlin

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Sonntag, 8. Oktober

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Montag, 9. Oktober

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Dienstag, 10. Oktober

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Mittwoch, 11. Oktober

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Donnerstag, 12. Oktober

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Freitag, 13. Oktober

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Samstag, 14. Oktober

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Sonntag, 15. Oktober

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Montag, 16. Oktober

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Dienstag, 17. Oktober

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Mittwoch, 18. Oktober

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Donnerstag, 19. Oktober

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Freitag, 20. Oktober

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Samstag, 21. Oktober

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Sonntag, 22. Oktober

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Montag, 23. Oktober

  • Schauen: WIENER FAHRRADSCHAU in der historischen Marx Halle in Wien (Österreich) Noch nicht bestätigt!

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Dienstag, 24. Oktober

  • Schauen:  17.30 bis 22.30 Uhr, SIX DAY London 2017, Lee Valley Velodrome, Olympic Park London (Groß Britannien)

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Mittwoch, 25. Oktober

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Donnerstag, 26. Oktober

  • Schauen:  17.30 bis 22.30 Uhr, SIX DAY London 2017, Lee Valley Velodrome, Olympic Park London (Groß Britannien)

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Freitag, 27. Oktober

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Samstag, 28. Oktober

  • Schauen:  17.30 bis 22.30 Uhr, SIX DAY Day London 2017, Lee Valley Velodrome, Olympic Park London (Groß Britannien)

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Sonntag, 29. Oktober

  • Schauen:  17.30 bis 22.30 Uhr, SIX DAY London 2017, Lee Valley Velodrome, Olympic Park London (Groß Britannien)

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Montag, 30. Oktober

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Dienstag, 31. Oktober
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Die Termine für November ’17 erscheinen am 29. September ’17

Wenn auch Sie Termine haben, die ich veröffentlichen soll, dann schreiben Sie eine Email an: radundkultur(at)gmail.com.


Die Rikscha auf dem THF

Die Rikscha auf dem THF

Neben dem Container der Fahrradwerkstatt der in Neukölln beheimateten Taschengeldfirma steht eine in die Tage gekommene Rikscha. Es ist eine Konstruktion des indischen Fahrradproduzenten KULAR CYCLE INDUSTRIES.

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