Urlaub mit dem soci.bike

Urlaub mit dem soci.bike

Es ist Sonntag, der 6. August 2017. Die Sonne scheint über Bakkum, es ist kurz nach 18 Uhr Abends und in Enschede hat gerade Frau Spitse zur 3:2 Führung eingenetzt, weshalb sich auf dem Campingplatz Jubel erhebt, als ich zur Receptie laufe und dort Bill treffe, der ein Bakfiets für uns hat: das elektrisch unterstützte soci.bike.

Das soci.bike in der Bakkumer Abendsonne

Ich werde mich bemühen, nicht den ganzen Artikel über vergleiche zum Urban Wheelz Cargo anzustellen, welches wir im Sommer 2016 in Bakkum ausprobieren konnten, aber da die beiden Räder sich den gleichen Antriebsstrang – bestehend aus Bafang Mittelmotor mit NuVinci N380 inklusive Harmony teilen, drängen sich Vergleiche natürlich auf. Das Urban Wheelz im letzten Jahr war ein Vorserienmodell, dieses Mal hatten wir es mit einem fertigen Produkt zu tun – da wirkte der Antrieb noch runder, als er es zuvor schon tat. Der Bafang Motor zieht mit bis zu 90 Newtonmetern in der Spitze, die Unterstützung lässt sich in fünf Stufen einstellen, aber mehr als Stufe 3 braucht man eigentlich nicht, da geht es schon wuchtig nach vorn.

Der Bafang Max Drive

Dazu ist der Bafang Max Drive sehr leise. Der Bosch Active Line, den wir Zuhause in unserem Urban Arrow haben, ist deutlich lauter, und auch die neueren Bosch Motoren, die mir begegnet sind, unterscheiden sich da kaum.

Auf dem Weg zum Strand

Der Rahmen des soci.bike besteht aus Aluminium, die Box hat allerdings ein Skelett aus Stahl, das die eigentliche Kiste aus Polypropylen – woraus auch Fahrradhelme sind – einfasst. Im Unterschied zum Urban Arrow sind jedoch nicht nur die Seitenwände aus diesem Material, sondern auch die Sitzbank. Das warf die Frage auf, ob sich wohl auch ein Erwachsener auf die Bank setzten könnte – Bill sagte mir später, 150 Kilogramm solle die Bank aushalten. Also ja. Probiert haben wir es trotzdem nicht.

Große Klappe

Von der ersten Sekunde an sehr beliebt bei unseren Jungs war die große Rampe zum Einstieg. Das ist etwas besonderes, und die beiden Stifte lassen sich nur von außen ziehen, die Fahrgäste können die Klappe also nicht ungewollt während der Fahrt öffnen. In manchen Momenten hätten wir uns gewünscht, die Klappe ließe sich einhändig öffnen, besonders, weil wir im Moment einfach in vielen Situationen ein Baby auf dem Arm halten – Nico, unser Jüngster, wurde im Urlaub vier Monate alt. Wir waren mit diesem Wunsch nicht die ersten, entsprechende Ideen liegen bei soci.bike bereits auf dem Schreibtisch.

Radkästen schützen Kinderhände

Ebenfalls sehr gut gefallen haben uns die Radkästen, die verhindern sollen, dass die Kinder in die Speichen der Räder greifen können. Auch optisch machen sie was her – ich finde, sie geben dem Laufrad fast so etwas wie eine Frisur, ein bisschen sehen sie aus, wie die abnehmbaren Haare der Playmobil-Figuren von früher.

It’s got the look!

Wo wir gerade dabei sind: auch insgesamt ist das soci.bike sehr hübsch anzusehen. Die für ein Dreirad kompakten Maße von 2,12m Länge und 80cm Breite lassen es geradezu zierlich wirken, die Kontraste und die schöne Linienführung tun ihr Übriges. Ein echter Hingucker, auch in den an Bakfietsen gewöhnten Niederlanden.

Ausfahrt in den Wald

Platz bietet das soci.bike für zwei Kinder auf der Bank, ein weiteres kann im Fußraum platznehmen – dann ist’s aber auch voll. Wenn man noch Dinge wie Einkäufe oder in unserem Fall zum Beispiel Strandsachen mitnehmen will, sollte das dritte Kind entweder auf einem Kindersitz auf dem Gepäckträger sitzen, oder aber – wie in unserem Fall – selber fahren.

Allerdings hatten wir in diesem Urlaub ja eben auch noch ein viertes Kind dabei, Baby Nico. Das war auch der Grund, warum wir keine riesengroßen Radtouren unternommen haben. Eine Maxi Cosi Halterung wie den BabyMee könnte man sicherlich auch im soci.bike unterbringen, aber die hatten wir natürlich nicht mitgebracht.

Stets sehr lecker: Broodjes bei der Gasterij Kruisberg

Unsere weiteste Tour führte uns daher in einen idyllisch gelegenen Gasthof in den Dünen – etwa fünf Kilometer pro Weg. Dabei hatte ich meine drei jüngsten Söhne dabei, Levi und Milan auf der Bank und Nico im Tragetuch.

Bei der Tour fiel mir direkt wieder auf, wie stark der Bafang Motor schiebt. Stufe drei und wir flogen nur so über den Radweg. Bisweilen musste ich mich zügeln, denn ich fuhr einhändig, die andere Hand stützend an Nicos Kopf, und das ist bei einer Drehschemellenkung gar nicht so einfach. Stärkere Lenkungsdämpfer würden helfen – und schon wieder war uns soci.bike einen Schritt voraus: bereits bei der Übergabe hatte Bill mir angekündigt, dass künftige Modelle in dieser Hinsicht anders ausgestattet sein würden, als unser Rad.

Das soci.bike hat zwei Anschnallgurte mit sehr guten Verschlüssen. Zuhause benutzen wir die Gurte in unseren Lastenrädern kaum noch, zum einen, weil die Kinder alle groß genug sind, um auch so auf ihren Sitzen zu bleiben, zum anderen aber auch, weil die Gurte eben nicht so toll sind – das Urban Arrow zum Beispiel hat erst in spät in der dritten Generation überhaupt konkurrenzfähige Gurte bekommen. Ich sehe kein großes Risiko darin, Kinder im Lastenrad nicht anzuschnallen (genau so wenig wie darin, sie ohne Helm fahren zu lassen) – allerdings wurde die Gurtfaulheit mit Sicherheit auch aus den sich ständig verdrehenden Gurten unseres Urban Arrow geboren, und das muss ja nicht sein.

Gute Gurte machen das Anschnallen leicht

Mittlerweile gibt es für das soci.bike auch ein Regendach – das ich nur auf Fotos zu sehen bekam, das mich aber an das Dach des Butchers & Bicycles Mk-1 erinnert und einen guten Eindruck macht.


Und dann ist durchaus noch erwähnenswert, wer hinter dem soci.bike steckt. Die Firma soci.com ist ein Dienstleistungsunternehmen: jemand hat einen technischen Auftrag, der seine Kapazitäten übersteigt? Er kann soci.com beauftragen, und die erledigen das für ihn. Aber: soci.com bemüht sich dabei, Menschen „mit Abstand zum Arbeitsmarkt“, wie es im Niederländischen so schön formuliert wird, einzustellen. Du hast eine fünfzehnjährige Lücke im Lebenslauf? Oder eine Behinderung? Dann ist soci.com dein Arbeitgeber.

Natürlich kann ich nicht bewerten, wie konsequent das ganze umgesetzt wird. Aber es fühlt sich gut an. Das soci.bike entstand, nachdem man für einen Auftraggeber Bakfietsen montiert hatte und in der Firma dabei zahlreiche Ideen entstanden, wie man ein Bakfiets besser machen könnte.

Es werde Licht

Und zum Schluss fällt mir noch ein, dass ich noch auf die Beleuchtung eingehen muss. Statt einer Standard-Lampe aus dem Zubehör-Regal wurden in den Rahmen links und rechts zwei LED-Leuchten eingebaut. Das sieht gut aus und ist auch mehr als ausreichend für die Fahrt im Dunkeln. Geschaltet wird das Licht über die Konsole des Motors, und hier begeisterte mich schon wieder, wie im letzten Jahr, die Tatsache, dass die innere Uhr des Systems das Licht automatisch einschaltet, wenn man es Nachts aktiviert. Kleines Detail, feines Detail.

Wie schön, dass wir das soci.bike für unseren Camping-Urlaub bekommen konnten. Danke an Bill, der es gebracht und abgeholt hat. Ein schnuckeliges kleines Ding, rundum gelungen. Bei Fragen: fragen. Oder direkt hier gucken: www.soci.bike

Fahrradtour im Münsterland

Fahrradtour im Münsterland

Wir waren mal wieder mit dem WDR unterwegs. Redakteur Christian plante für eine Reihe einen Beitrag über eine schöne Familien-Radtour, und so fuhren am Brückentag nach Fronleichnam fünf Männer aus drei Generationen auf zwei Rädern durch’s westliche Münsterland.

Von Schloss Nordkirchen in die Stever-Auen bei Olfen – rund 20 Kilometer Radtour mit der WDR Lokalzeit


Eine schöne Route stand auf dem Programm: vom Schloss Nordkirchen, bisweilen als das „westfälische Versailles“ bezeichnet, ging es Richtung Westen über Stever und Dortmund-Ems-Kanal in die Stever-Auen bei Olfen. Etwa 20 Kilometer, auf denen ich mich für unser Bellabike entschied. Mit von der Partie waren meine Söhne Julius, Milan und Levi und mein Vater Hermann. Baby Nico blieb mit Mama zu Hause – mit seinen neun Wochen ist er, sagen wir mal, „landschaftlich noch nicht so interessiert“.

Schickes Schlösschen

Als der WDR anrief hatte ich zunächst Zweifel, ob ich vielleicht nur Julius, meinen größten Sohn (noch so gerade eben 7 zum Zeitpunkt des Drehs) mitnehmen sollte. Zwanzig Kilometer einfach nur Fahrrad fahren, im Bellabike also gerne anderthalb Stunden unterwegs – das Klang für mich zunächst so, als könnten sich die beiden Brüder (5 und 3 Jahre) unterwegs langweilen. Zum Glück zerstreute meine Frau diese Sorgen.

Und was mir da auch noch nicht klar war: was für ein schönes Programm Christian uns vorbereiten würde. So begann die Tour in Nordkirchen sogar mit einer kleinen Besichtigung mit einer Dame im barocken Gewand, und wir kamen alle ordentlich ins Staunen.

Ich fühlte mich ein wenig wie auf Downton Abbey

Von dort fuhren wir durch den Ort Richtung Stever. Ich hatte den Hunger meiner jungen Fahrgäste unterschätzt, konnte aber glücklicherweise in Nordkirchen noch ein paar Brötchen und Laugengebäck erstehen. In der Zwischenzeit hatten sich Redakteur, Kameramann und Tonfrau auf den Weg gemacht, um uns entlang der Landstraße aufzulauern und eine Vorbeifahrt zu filmen. Doch ach: selbst mit unserem Brötchen-Stopp waren wir zu schnell. Als wir um die Kurve kamen, wedelte Christian mit den Händen – die Kamera stand noch nicht. Also kehrten wir schnell noch mal um, bis wir hinter der Kurve verschwunden waren. Ab hier lief unser Katz und Maus-Spiel dann aber besser: das Team überholte uns immer wieder, baute auf und filmte, bis sich unsere Wege am Dortmund-Ems-Kanal für ein paar Kilometer trennten.

Blick vom ehemaligen Kanalübergang auf die Stever bei Olfen

Für diese Etappe bekamen wir ein paar GoPros ans Bellabike, aber auf dem Schotterweg wackelten die nur, und so beging ich den Frevel und griff in die Aufnahme ein. Ich filmte ein bisschen aus der Hand am Kanal entlang, mal schauen, ob sich das Material im Beitrag wieder findet.

Kurz vor Olfen überquerten wir die Stever über die Drei-Bogen-Brücke, erbaut 1893, wie Julius sichtlich beeindruckt vorlas, ehemals die Überführung der alten Fahrt des Dortmund-Ems-Kanals über den Fluss.

Kurz dahinter in den Stever-Auen erwartete uns das nächste Highlight: bei den Poitou-Eseln gab es Nachwuchs, und wir durften auf die Weide, streicheln. Eselchen Heidi ließ sich aber noch nicht wirklich locken, schon gar nicht mit Futter – sie war nur scharf auf Mutters Milch.

Lauf, Heidi, lauf!

Müßig zu erwähnen, dass hier die Jungs ganz hingerissen waren. Heidis Galopp sah aber auch einfach zu süß aus. Und doch war unsere Tour noch nicht ganz am Ende: ein paar Kilometer fehlten noch zum Bauernhofcafé Schulze.Kökelsum. „Kökelsum“, was für ein Name. Es lebe Westfalen!

Bei den Eseln sah es kurz mal so aus, als könne es regnen. Tat es dann aber nicht.

Der Bauer beschreibt uns die jetzt noch zu fahrenden, letzten Kilometer. Kurz vor dem Ziel gibt es noch einen Abstecher an der Kökelsum-Brücke. Von hier fährt ein Elektro-Floß flüsterleise über die Stever, so dass man die Natur rundherum bewundern kann. Wir fahren zwar nicht damit, drehen aber einen schönen Schwenk vom Floß auf’s Fahrrad, bevor wir die letzten hundert Meter zum Bauernhofcafé fahren.

Kaninchen! Der krönende Abschluss!

Direkt an der Einfahrt zum Bauernhof liegt eine Wiese mit freilaufenden Kaninchen. Hier verschwinden Julius, Milan und Levi sofort und lassen sich nur noch mit Kuchen und Torte kurz hervorlocken.

Eine sehr gelungene Fahrradtour – danke WDR, danke Christian. Und wer den Beitrag dann sieht und Fragen zum Bellabike oder zu Lastenrädern generell hat: ihr wisst, wo ihr mich findet.

Bakfietsbaby

Bakfietsbaby

Sandra, Julius, Milan, Levi und Jan Steinberg freuen sich über die Geburt von Nico Steinberg
* 15.04.2017 - ab jetzt sind wir zu sechst unterwegs :)

Nico auf großer Fahrt

Von den Freuden, Lastenrad-Blogger zu sein

Von den Freuden, Lastenrad-Blogger zu sein

So, jetzt aber! Es ist still geworden im Bakfietsblog, der letzte Beitrag ist von Mitte Dezember und den hat auch noch meine Frau geschrieben - das allerdings meisterhaft. Was ist da los? Ich könnte viele Erklärungsversuche liefern. Zum Beispiel, dass wir bald noch ein Baby bekommen und das sehr spannend ist. Oder, dass ich zu viel "No Man's Sky" spiele (ich betreibe eine lukrative Eiweißperlen-Zucht), anstatt zu bloggen. Oder, dass der Austausch mit der Community in den letzten Wochen und Monaten eben auch auf Facebook, Instagram und Twitter, insbesondere auf Twitter, sehr gut läuft, und daher das Bedürfnis nach einem ausufernden Post gering erscheint.
Kaum hatte ich meine Nijnte Illustration gemalt, verstarb deren Schöpfer Dick Bruna. Das ist traurig. Ich kann nichts dafür, echt!
Da habe ich zum Beispiel meine Nijntje Illustration zwischenzeitlich in die USA, nach Kanada und nach Berlin weitergeleitet, wo sie wohl bald auf T-Shirts oder Bakfietsen oder beidem auftauchen werden. Ich halte diesbezüglich meinen Instagram-Account im Auge, hey, und außerdem muss ich mich beruflich gerade mit Snapchat beschäftigen, die sind ja jetzt auch an der Börse. Also bald auch Bakfietsblog-Snaps? Die CargobikeMonkeys Kommen wir doch schnell wieder zum Kernthema Transportrad zurück. Rainer von Traix hat im letzten Jahr den Vertrieb für ein wunderbares Lastenrad aus Athen übernommen, und kürzlich hat mein Nachbar via Jobrad.org einen Monkey - den größten aus der Reihe, dessen Name mir noch unbekannt ist, von klein nach groß heißen sie "Turbolader", "Radlader" und [hier Namen einfügen], bestellt, und ich bin sehr gespannt darauf, wenn der bald hier eintrifft.
Einer der ersten Turbolader, beim Bakfietstreffen 2016 in Nijmegen
Ich hätte auch sehr gerne einen, und ich arbeite auch dran, aber zunächst mal musste ein neuer Computer her, mein über zehn Jahre altes MacBook schwächelte zuletzt in Sachen Performanz, inbesondere dann, wenn es Videos zu bearbeiten galt. Nach zehn Jahren darf man einen Computer auch mal in Rente schicken. Der Urban Arrow Trailer Auf der Eurobike letztes Jahr blieb der Trailer im Transporter, er tauchte nicht auf dem Messestand auf. Auch sonst ist es still um den von mir erfundenen, einspurigen Anhänger geworden - aber das Projekt ist noch nicht tot. Warum ich das weiß? Ich habe angefragt, ob ich den Prototypen haben kann. Das geht aber leider noch nicht, weil sie eben noch nicht entschieden haben, wie es weiter geht. Na dann - ich weiß ja nicht, was mir lieber wäre, die Serienreife eines Tages oder zeitnah ein Unikat für mich?
Oh, look, it's a prototype!
Im Moment würde es gerade ja so gut passen: vier Kinder im Urban Arrow sind im Alltag doch eins zu viel, vor allem, wenn man auch noch deren Zubehör, Spielzeuge oder Einkäufe dabei hat. Überhaupt, die Überleitung: Transporträder für viele Kinder. Das HNF-Heisenberg CD1 Cargo Das große Ding auf der letzten Eurobike. Plötzlich noch ein Dreirad mit Neigetechnik, und ich hatte noch nie davon gehört. Folgerichtig hatte ich einen Artikel geschrieben, in dem stand, wie toll ich das Rad finde, und nun bin ich sehr, sehr gespannt, denn im April oder Mai wollte man die Katze aus dem Sack lassen, welche Aufbauten man denn so für den Kindertransport in petto hat.
Das HNF-Heisenberg CD1 Cargo hat viel, viel Potential
In Sachen Nutzfahrzeug haben sie direkt nach der Eurobike schon was rausgehauen und zusammen mit dem Partner Sortimo ein Fahrrad für Handwerker präsentiert, das den Lieferwagen alt aussehen lässt - wie schön wäre da ein ähnlicher Wow-Effekt für den Familientransport. Doch ach, ich bin nur verhalten optimistisch, denn: unter der Hand durfte ich erfahren, welche Firma für den Kindertransport als Ausrüster mit ins Boot geholt werden konnte, und vielleicht ist es längst kein Geheimnis mehr, aber das letzte Mal, als es eine ähnliche Zusammenarbeit gab - auf Fahrradseite war es Pedalpower aus Berlin - kam nichts besonders großartiges dabei heraus. Wenn man einfach nur einen Fahrradanhänger ohne Räder auf ein Lastenrad schraubt, bleibt man doch irgendwie hinter den Möglichkeiten zurück. Aber: noch wissen wir nicht, was HNF-Heisenberg vor hat. Ich wünschte mir ja eine Ausführung mit zwei Sitzbänken und zusätzlichem Stauraum auf der Fläche zwischen den Vorderrädern, entweder einem Korb für Klimbim, oder aber einer Maxi-Cosi-Halterung - das wäre der optimale Ort für eine Babyschale. Das Veleon Irgendwann im Frühjahr 2016 hatte ich endlich die Möglichkeit gehabt, auch mal ein Veleon _mit_ Transportbox auszuprobieren und auch mit Testkindern zu beladen. Ich war nicht so hingerissen vom Platzangebot und der Tatsache, dass die Kinder bei der Fahrt leicht in die Laufräder greifen könnten.
Zwei Testkinder im Veleon
Neun Monate später rief dann tatsächlich der Hersteller bei mir an und wollte das Rad gerne etwas positiver dargestellt haben. Dazu zählte man mir viele Aspekte der passiven Sicherheit auf, und ich überlegte mir tatsächlich, was ich denn machen könnte. Aber ich kam zu dem Schluss: ich bin nicht unfair gegenüber dem eigentlich sehr feinen Veleon gewesen, und so blieb alles, wie es ist. Und als Randnotiz: der Hersteller hatte darauf beharrt, dass die Gefahr mit den Kinderhänden in den Speichen nicht bestehe, wenn man nur die Bedienungsanleitung des Fahrrades lese und stets das Dach mit Seitenwänden montiert habe. Ich fand das nie ganz hinreichend, aber ein Freund brachte es dann auf den Punkt: Wenn Spielgeräte auf Spielplätzen es zunächst erforderten, die Bedienungsanleitung zu lesen, bevor man sicher darauf spielen könnte - es gäbe keine Spielplätze. Und so muss es auch beim Fahrrad sein. Fehlverhalten des Anwenders muss so gut es geht ausgeschlossen werden. Noch was? Social Media? Und demnächst dann mal wieder was spezifischeres. Sage ich jetzt. So bin ich ja jetzt auch im "Wrider's Club", einer Bloggerinitiative der Eurobike. Vielleicht bringt das ja mal ein wenig Bewegung in die Bemusterung mit Testrädern ;) oder ähnliche Dinge. Auf Twitter hatte ich ja zum Beispiel vorgeschlagen, ich könnte gegen ein (attraktives) Transportrad für dessen Hersteller ein Jahr die Betreuung seiner Social Media Bemühungen übernehmen. Nachdem der Tweet rausgehauen war, hab' ich mal nachgerechnet, was ich da gesagt habe, und eigentlich - ja, je nach Transportrad wäre es ein guter bis sehr guter Deal, für beide Seiten. Also bitte, wer hat noch nicht, wer will noch mehr? Influencer Marketing ist eben das nächste große Ding, da sind sich die Experten einig. Und morgen habe ich Geburtstag, daher jetzt: Feierabend! Schöne Grüße!
Alter, wie geil, Michelmobil!

Alter, wie geil, Michelmobil!

von Sandra Steinberg

Drei Tage Berlin mit den beiden Kitakindern und einen Haufen Freunde treffen, das stand auf dem Programm. Bei solchen Aktionen vermisse ich immer wieder unser Transportrad. Für's eigene Gefühl, eine Stadt selber zu erfahren, für die Kinder zum runterkommen und überhaupt. Ich finde, es gibt nichts schöneres, als durch eine (weitestgehend) fremde Stadt zu fahren, an interessanten Orten (z.B. Kopfstand machenden Bären) kurz anzuhalten und die Pläne spontan zu ändern, den Moment zu genießen und dabei noch selber aktiv zu sein.

Also ganz klarer Fall: ein Mietrad musste her. Google spuckt jetzt nicht unbedingt hilfreiche Tipps für den Verleih von Transportfahrrädern in Berlin aus.

Da hilft es, mit dem Herrn Bakfietsblog verheiratet zu sein, der mir den Kontakt zu Steffen, dem Erfinder des Michelmobils, vermittelt hat und von dem ich heute das wunderschön kompakte und außerordentlich stylishe und dazu noch nigelnagelneue Fahrrad ausleihen durfte.

Steffen übergibt das Michelmobil und stellt noch die Gurte richtig ein. Den Jungs gefällt's!

Tag 1:

Die erste kleine Tour führte uns über ruhige Straßen zu einem Spielplatz. So konnte ich erstmal in Ruhe das Rad ausprobieren, bevor ich mich in den echten großen Radverkehr begab. Hier fiel auf jeden Fall schon mal die super Wendigkeit sehr positiv auf und auch das Ab- und Anschließen an einen stinknormalen Fahrradständer stellte mich vor kein Problem. Das Michelmobil ist so schön schmal, dass es sogar mühelos durch das kleine Tor zum Spielplatz fahren konnte.

Auch das Fahrgefühl ist super - nix klappert und rattert, selbst auf ziemlich kaputten Straßen oder auf Kopfsteinpflaster. Mit meinen/unseren Münsterfahrrädern undenkbar.

Besonders gut gefällt mir, dass sich der Stauraum für Gepäck (was man halt immer alles so mit sich rumschlört... Snacks, Trinkflaschen, Wickelkram, Ersatzkkamotten etc., in unserem Fall wurde alles in die Freitag Tasche Bob reingestopft) direkt hinter der Kindersitzfläche befindet, sodass man als Fahrerin nicht mal vom Rad Absteigen muss, um in der Tasche rumzukramen, was ich zugegeben recht häufig während der Fahrt mache. Die Tatsache, dass das Michelmobil dreirädrig ist, macht das Ganze noch praktischer, denn man muss weder absteigen, noch das Rad balancieren.

Gewöhnungsbedürftig war für mich zunächst, dass die Kinder so tief sitzen, dass ich sie nur zum Teil sehen kann während der Fahrt. Ich sehe also auch nicht, wer wen zuerst getreten hat, sondern nur, wer wem zuerst den Kopf an den Kopf gedötzt hat. Trotzdem hat man die Kinder durch ein praktisches Sichtfenster im Blick und kann im akuten Hungerfall auch noch Snacks nach vorne reichen, wenn man zum Beispiel gerade an einer Ampel wartet - hier erweist sich wiederum die griffbereite Tasche als außerordentlich praktisch.

Der Fakt des Tiefsitzens hat - mal abgesehen von dem klitzekleinen Nachteil, dass ich nicht erkennen kann, wer wen getreten hat - den enormen Vorteil, dass die Kinder sich problemlos allein ins Rad setzen können. Gerade aktuell ist das von sehr großem Nutzen, da ich nämlich eigentlich keinen über 5 kg hochheben soll.

A propos: Große Bedenken hatte ich zunächst,ob ich das Fahrrad überhaupt zu verkehrstauglicher Geschwindigkeit durch Berlin bewegt bekomme oder ob ich nicht permanent ein Verkehrshindernis darstellen würde, so wie derzeit mit unserem nichtmotorisierten Dreirad in Münster. Aber Jan hatte mir diese Sorge bereits im Vorfeld genommen und sollte recht behalten. Ich kann jetzt zwar nicht behaupten, dass ich irgendjemanden auf dem Radweg überholt hätte. (Dafür war aber auch echt zu wenig los, sonst hätte das bestimmt geklappt ;) ). Fakt ist, dass ich teilweise so viel Tempo draufhatte (Berlin ist stellenweise ganz schön hügelig, und was man sich mühsam erstrampelt hat, geht irgendwann auch wieder bergab), dass ich abbremsen musste, aus Sorge, sonst aus der Kurve zu fliegen. Das wäre vermutlich gar nicht passiert, dennoch ist es schließlich nicht mein Rad und nach ein paar Kilometern ist das Fahrverhalten ja auch noch nicht 100 % abschätzbar.

Eindeutig Berlin!


Neidische Blicke und erstaunte Kommentare gab es natürlich auch :) Ich bin schon gespannt auf den morgigen Tag! Das Wetter bleibt uns wohlgesonnen und ich freue mich schon auf die große geplante Radtour durch die Hauptstadt. Ich werde berichten. Gute Nacht!

Tag 2:

Heute starteten wir gegen 9:30 Uhr bei strahlendem Sonnenschein unsere große Berlin-Radtour. Im Gepäck heute auch unser Buggy GB Pockit, der exakt neben die Tasche passte (als hätte Steffen vorher ausgemessen, wie breit Freitag und GB Pockit sind)!

Das großartige Staufach des Michelmobil - da geht ordentlich was rein!


Begonnen haben wir am Ostkreuz mit dem ersten Ziel Bergmannkiez. Google und die nette Mitarbeiterin in der Jugendherberge empfahlen uns eine Strecke, die 8 km betrug und angeblich 32 Minuten dauern sollte.


Wir brauchten etwas länger, hatten aber auch ganz schön Gegenwind und auch nach wenigen Metern schon das Problem, dass der Weg plötzlich endete bzw. so schmal wurde, dass wir selbst mit dem Michelmobil nicht mehr durchpassten. Wir mussten also auf die Straße ausweichen, was angesichts des hohen Bordsteins leider eine echte Herausforderung war, da ich das Rad runterheben musste. Zwischendurch ging mir bei den Steigungen ganz schön die Puste aus und ich dachte, ich schaff nicht mal die erste Etappe unserer Tour.

Kleine Pause auf der Elsenbrücke

Hier zu sehen: Berlin. Und das Sichtfenster im Dach des Michelmobil, durch das man die Kinder stets im Blick hat


Mit ein paar kleinen Pausen und sehr langsamem Tempo kamen wir dann aber doch am ersten Ziel an.

Am Ziel


Gegen Mittag traten wir Teil zwei der Route an - diesmal knappe 10 km, vorbei am Brandenburger Tor und einigen anderen Sehenswürdigkeiten.

Gegen Nachmittag erreichten wir wieder den Prenzlauer Berg. Unterwegs hat alles gut geklappt, bis auf die üblichen Tücken, die einem beim Radfahren immer passieren - geparkte Fahrzeuge auf dem Radweg an erster Stelle, zum Teil sehr schmale Streifen, die es nicht erlaubten, dass mich jemand überholen konnte und zum Teil Fahren auf der Straße, was immer ganz besonders viel Aufmerksamkeit erfordert. Alles in allem will ich mich aber nicht beschweren und kann zusammenfassen, dass Michelmobil fahren in Berlin großen Spaß bereitet hat.

Obwohl es wirklich eiskalt war, wollten die Kinder ohne Dach fahren, und aufgrund des schönen sonnigen Wetters konnten wir es jetzt - zum Glück - auch nicht bei Regen testen.

An einem geheimen Ort


Das Dach ist meiner Meinung nach wirklich ganz großartig durchdacht (und handgenäht). Es muss nicht kompliziert verstaut werden, sondern wird je nach Bedarf einfach nach hinten geklappt und mit zwei Verschlüssen befestigt, sodass auch nichts rutschen kann. Es befindet sich auch in einer Höhe, in der die Kinder nicht plötzlich anfangen, daran rumzuspielen. Im Fall von schlechter Witterung ist das Sichtfenster aber immer noch so groß, dass die Kinder gut rausgucken können.

Was ist mir noch aufgefallen? Auch noch schwangerer sollte das Fahren nicht zum Problem werden, da der Abstand zwischen Bauch und Lenker groß genug ist (anders sieht das zum Beispiel beim Gazelle Cabby aus). Bloß dann wäre die Version mit Motor vermutlich auf den etwas hügeligeren Strecken doch bequemer.

Fazit: für eine Familie mit ein bis zwei Kindern in einer einigermaßen flachen Gegend absolut zu empfehlen! Vielen Dank nochmal, dass wir dieses wunderbare Rad testen durften. Es hat uns viel Freude gemacht.