Zeit für Veränderungen – QUASI OUT zieht um!

Zeit für Veränderungen – QUASI OUT zieht um!


Mit diesem Blogpost sind genau drei Jahre vergangen als ich hier zu bloggen begann, aber nun ist es Zeit für Veränderungen und neue Wege einzuschlagen - QUASI OUT zieht um! 

Somit wird hier nichts mehr passieren, aber bei einem anderem Hoster fahre ich auf meinem Blog https://quasiout.de mit frischem Layout weiter 🚲 


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Wildcat Gear Lioness im Test – Eine clevere Lenkertasche für das Bikepacking-Cockpit Made in UK

Wildcat Gear Lioness im Test – Eine clevere Lenkertasche für das Bikepacking-Cockpit Made in UK

Wildcat Gear Lioness am Bikepacking-Cockpit

Die Wildcat Gear Lioness ist eine systemintegrierte Lenkertasche für das Bikepacking-Cockpit. Wie bei meinem Leopard Full Custom Frame Bag, Tiger und Lion habe ich mich auch hierbei wieder für Wildcat Gear entschieden. Die smarten Bikepacking-Produkten waren für mich nicht nur ein Grund für die sympathische "Inselschmiede". Diese Wildcat Gear Lioness ist das dritte Teil aus meinem bestellten Bundle. Hier folgt nun meine Testbericht zu der schicken Löwin am Bikepacking-Cockpit.


Wildcat Gear Lioness


 Lioness auf Lion und vor Drybag

Kamera, Ministativ, Smartphone, Sonnenbrille, Portemonnaie, Pass, Notizblock, Erste Hilfe, Tempos, Snacks, Schoki usw. - all die Sachen, worauf man schnell mal zugreifen möchte und die zur Identifikation der eigenen Person dienlich sind. Der Wildcat Gear Lioness ist quasi der Wertsachen-"Beutel" für den Bikepacker.

Lioness Formsprache

Konzipiert ist die Lioness zur Verwendung an/vor einem Drybag. Durch ihren speziellen Schnitt schmiegt sie sich dort hervorragend an.



Material und Ausstattung



Von allen Seiten betrachtet

Die Wildcat Gear Lioness ist ausschließlich in Schwarz erhältlich. Hauptsächlich ist der Bag aus Dimension-Polyant X-Pac VX21 gefertigt. Die Rück -und gelbe Innenseite bestehen aus Ballistc-Nylon mit gepolsterter Zwischeneinlage. Innen befinden sich vorn und hinten jeweils eine flexible Netztasche. Alle Nahtstöße innen sind mit Kanteneinfaßband versäubert. Verschlossen wird die Lioness mit einem wasserfestem 2 Wege YYK-Zipper. Zum verspannen am Cockpit sind Gurte mit beidseitig verstellbaren Steckschließen eingenäht. Auf jeder Seite befindet sich unten eine Schlaufe. Das Volumen beträgt ca. 2L


Innenraum und Netzfächer

Die Breite verringert sich von 23cm unten auf 20cm oben. Ähnlich verhält es sich mit der Tiefe oder auch Stärke der Lioness; im unteren Bereich sind es 4cm und nach oben erstreckt sich der Bag auf 13cm, was durch den bogenförmigen Schnitt bedingt ist. Das Gewicht beträgt 133g

Die Montage der Lioness am Lenker erfolgt über zwei dazugehörige Lioness Strap, welche zusammen 26g wiegen.



Lieferumfang



Montageanleitung

Neben der Lioness selbst gehören zwei Lioness Strap zum Lieferumfang, welche nicht separat gekauft werden müßen. Die obligatorische Montageanleitung liegt sowieso bei. Die Anleitung ist hier wirklich sehr hilfreich, da gerade die Gurtführung des Lioness Strap aus dem Stand nicht gleich einleuchtend, aber fertig montiert sehr durchdacht und funktionell ist. Dafür schon wieder mal ein dicken Daumen! 



Montage

 

Lioness Strap am Lenker montiert

Die Lioness wird lediglich über die Steckschließen an den Lioness Straps ein geklickt und abgespannt. Daher gilt die Aufmerksamkeit mehr der Montage der Lioness Straps.


Lioness Straps im Detail

Einfach gesagt sind die Lioness Straps Positions -und Gegenhalter für die Lioness zugleich.


Lioness Strap mit und ohne Lioness

Am Lenker montiert können so die Steckschließen der Lioness einfach ein geklickt werden, ohne das sich die Position vor dem Drybag ändert.


Gurtführung unter dem Drybag


Gurtführung hinter dem Drybag. Zusätzlich angebrachte Gurtenden aus Kunststoff

Über die fest montierten Lioness Straps kann man die Lioness einfach ab -und anlegen. Clever gelößt!



Performance auf Tour


Lioness im Regen

Wenn es mal richtig aus den Wolken bricht, bekommt die Front während der Fahrt immer das meißte ab. Klaro. Das Material wie auch der Zipper sind wasserabweißend und halten auch heftigen Regen über längere Zeit stand. Die Nähte sind hingegen nicht abgedichtet und hier sucht sich die Feuchtigkeit irgendwann ihren Weg. Trotzdem war es selbst nach stundenlanger Regenfahrt im Inneren der Lioness nur leicht klamm. Dafür das die Nähte nicht versiegelt sind, geht das für mich absolut in Ordnung.


Lioness befüllt

Die Lioness sitzt in guter Reichweite der Arme vor bzw. auf dem Drybag. Für den schnellen Zugriff hat man so alles auch während der fahrt schnell zur Hand. Der Zipper läuft durch seine wasserfeste Konstruktion am Anfang nicht besonders leicht, was normal ist und sich mit der Zeit gibt. Die Zweiwege-Schieber sind sehr praktisch, gerade wenn man z.B. die Kamera mir angeschraubten Ministativ schnell verstauen möchte und das Stativ ober noch raus schaut. Einfach den Zipper von beiden Seiten schließen - safe! Regen sollte es aber nicht :- >


Lioness in Parkposition bei entnommenen Drybag

Wenn man den Drybag bei einer Pause entnehmen möchten, könnte man die Steckschließen der Lioness unter dem Lenker lösen, aber dort sitzen meine Alpkit Stem Cell und das Ganze artet dann meißtens in Verrenkungen aus und das mache ich daher nur, wenn es wirklich nötig ist.


Steckschließen-Kombination. Praktisch!
 
Um das Gefummle bei kurzen Pausen unterwegs zu umgehen löse ich den Lioness oben und klicke ihn bei entnommenen Drybag in die Steckschließen des Lion ein. So hängt nichts im Dreck und der Zugriff funzt immer noch prima. Lediglich wenn ich das Bike zum einkaufen oder einkehren angeschloßen stehen lasse, wird halt ein bisschen gefummelt, ich mache die Lioness komplett ab und hab so meinen "Wertsachenbeutel" immer am Mann.


Lioness auf Abstand

Durch den Abstand zum Lenker und je nach Beladung tänzelt die Lioness auf Wurzel gespickten Singletrails oder Kopfsteinpisten selbstredend etwas am Drybag umher, was sich durch die Trägheit der Masse und dem flexiblen System aus Lion, Drybag und Lioness nun mal nicht verändern läßt. Daher ist das für mich definitiv im grünen Bereich!



Unterm Strich


Die Wildcat Gear Lioness ist ein cleverer "Wertsachenbeutel" oder besser gesagt eine Lenkertasche für das Bikepacking-Cockpit. Über den bogenförmigen Schnitt legt sie sich geschmeidig auf den Drybag. 

Über die durchdachten Lion Straps kann sie einfach ab und eingeklickt werden. Das ist für das längere "Verlassen" des Bikes beim einkaufen unterwegs oder zum abnehmen abends ins Zelt total praktisch und komfortabel. So wie ich es mag.

Die inneren Netzfächer sind für die Sortierung des Inhaltes hilfreich und die gelbe Innenseite sogt für ein besseres Auffinden von Kleinkram bei dunklen Lichtverhältnissen. Das Gesamtgewicht geht für mich mit 159g völlig in Ordnung. 

Von Montage kann man bei der Lioness nicht sprechen, da sie nur per Steckschließen in die Lioness Straps ein geklickt wird. Die Montage bzw. das richtige Einfädeln des Gurtes durch den Ovalring und die Klappschnalle sind hier beim erstem Mal etwas verwirrend, aber mit der gut bebilderten Montageanleitung ist das dann problemlos erledigt. 

Durch die bogenförmige Schnittführung des Lioness ist er für die Verwendung an einem rundlichem Drybag konstruiert und harmoniert damit am besten. Hierbei ist die von mir verwendete Kombination aus Wildcat Gear Lion und Alpkit Airlok 13L Dual Drybag nur ein Beispiel. Über die cleveren Lioness Straps kann die Lioness auch mit nahezu jedem anderen Drybak oder einer Sweetroll verwendet werden.

Ein bisschen Tuning konnte ich mir auch hier nicht verkneifen. Die Abschlüße der unteren Gurte habe ich mit Gurtenden aus Kunststoff gesichert, da mir die Steckschließen bei der ersten Nutzung und dem hantieren schon mal komplett von den Gurten gerutscht sind. Die ungespannten Gurte in den Steckschließen waren dafür ein Grund und ein weiterer wahrscheinlich meinem Handling generell. 

Auch die Gurte in der oberen Steckschließe sind am Anfang durch die Vibrationen ein wenig gerutscht und der Lioness ist etwas nach vorne gewandert. Das hat sich im Bereich von einem Zentimeter bewegt. Mittlerer weile haben sich die Gurte in den Steckschließen gesetzt und verrutschten nicht mehr. Daher habe ich an der Verarbeitung nichts auszusetzen, betrachte das mal als "einfahren" und somit neutral ;- )


Die Wildcat Gear Lioness hatte ich ebenfalls im Bundle  für £168.74 geordert. Der Einzelpreis des Lioness betrug so damals £40.00/~47 welcher für die schöne Systemintegration und Made in UK durchaus fair ist. Für die gebotene Leistung finde ich den Preis somit absolut angemessen und kann die Wildcat Gear Lioness durchweg empfehlen.


Hier geht es zu den einzelnen Testberichten meiner Wildcat Gear Bike Bags:




Bikepacking auf dem 66 Seen Weg rund um Berlin – Meine Abrechnung mit Sand und Wurzeln

Bikepacking auf dem 66 Seen Weg rund um Berlin – Meine Abrechnung mit Sand und Wurzeln


Sand und Wurzeln - war da nicht schon mal was? Richtig! Auf meiner Suche nach Gravel im letzten Jahr hatte ich bei der Tourenplanung den E11 Fernwanderweg für meinen Graveller absolut unterschätzt und derbe mit Sand und Wurzeln zu kämpfen. Schon hach kurzer Zeit stellte sich heraus, daß diese Wegebeschaffenheit mit einem Starrbike und schmalen Gravelreifen quasi unfahrbar ist. Für mich zumindest!

Dieser Tatsache mußte ich leider ins Auge schauen und für den restlichen Tourenverlauf auf spontan alternative Routen zurück greifen. Trotzdem rumorte es die Zeit danach immer wieder in mir. Wenn nicht mit den vglw. schmalen Pneus des Graveller, dann sollte es doch mit breiteren Reifen und Vollfederung machbar sein, die sandigen Wurzeltrails in Brandenburg unter die Stollen zu nehmen und quasi zu bezwingen.

Das Ganze brauchte etwas Zeit um zum reifen. Knapp ein Jahr später fiel Mitte Juni für mich dann die Entscheidung die Bags an mein Fully zu schnallen und mir die Gegend nochmal vorzunehmen. Quasi eine Rechnung begleichen...

Dafür habe ich mir ganz unkompliziert den Berlin umrundenden 66 Seen Wanderweg ausgesucht und 5 entspannte Tage dafür Zeit gegeben. Daß es sich hierbei grundsätzlich um einen Wanderweg handelt, war mir völlig bewußt. Anderer seits wird der Weg auch als fahrbar bewertet, aber das mußte ich wohl oder übel herausfinden. Ein hartes Stück Arbeit also mit Schiebepassagen, Schweiß und vielen Mücken sollte es so oder so werden, aber ich hatte ja eine Mission. Der Start war wieder wieder in Potsdam geplant. Mit dem Einstieg auf dem E11 sollte meine Berlin Umrundung beginnen. Bei der Routenwahl vor Ort wollte ich mich  je nach Befahrbarkeit und Verfassung zwischen Wander -und Radroute entscheiden. Nach mal wieder einem ausgefallenen Zug der DB kam ich erst gegen Mittag in Potsdam an und habe mich ohne groß Zeit zu vertrödeln auf den Weg gemacht. Also los gehts!

Vorab: Diesmal ist der Tourenbericht weniger Text und mehr Foto lastig - viele Fotos!




Bikepacking auf dem 66 Seen Weg rund um Berlin


Tag 1  Potsdam - Egsdorf


Gleiche Stelle wie letztes Jahr, aber anderes Bike
Der Einstieg in die 66 Seen Tour war mir ja bekannt. Erst mal wieder ein paar Kilometer auf dem E11 mit einem Dejavu vom letzten Jahr und nach dem Verlassen des Europaweges ging es in südöstlicher Richtung durchs Nadelgehölz. Die Route schlängelte sich teilweise direkt an Seeufern entlang, an welchen die Mücken nur so auf einen verschwitzten Biker wie mich warteten. Lange stehen bleiben war also nicht und das Mückentötolin hatte ich natürlich vergessen, was mir genau dort mit Nachdruck einfiel. Grrr. Also weiter treten, wobei sich das Fully über die ersten Wurzeltrails schon als deutlich tauglicher zeigte wie der Graveller und ich nicht mehr ganz so sehr durch geschüttelt wurde. Der Sand legte sich trotz der breiteren MTB-Schlappen immer noch garstig bremsend auf den Weg, aber ein besseres Vorankommen war schon deutlich spürbar. Mehr aber auch nicht. Es war trotzdem Arbeit, richtig Arbeit. Ohne treten, kein Vortrieb. Mit einfachem rollen auf solchen Pisten war Essig. Einzig auf den seltenen Schotter -oder Feldwegen ging es auch mal ohne permanentes Treten voran, wenn es denn bergab ging. Die Höhenmeter taten ihr übriges. Ein stetiges auf und ab. Kaum zu glauben. Eine Entspannung für die Muskeln war somit kaum drin und die Temperaturen mit über 30C° taten in den schwülen Waldabschnitten ihr übriges dazu. In diesem Wechsel zog sich dieser Abschnitt nun bis oberhalb von Egsdorf am Teupitzer See, wo ich meine erste Nacht verbrachte.

Gerade aus auf dem E11

Kiefernzapfen als stetige Begleiter


Erste Höhenmeter sammeln


Raus aus dem Wald! 


Am Templiner See die Füße erfrischen


Wasser und Wolken im Dialog


Noch fahrbarer Sandweg


Langer Sandweg


Zugewucherter Weg


Wassernachschub auf dem Friedhof in Stücken


Schloßpark Blankensee


Erste Pause nach 6h mit Kaffee und Kuchen vom Bäcker in Trebbin


Zum Entspannen mal ein Stück auf Asphalt


Farbenspiel zwischen Himmel und Erde


Zurück auf gewohnter Sandpiste


Mühsames Vorankommen im Sand


Motivation ist, wenn man trotzdem lacht :- )


Wassernachschub in den Toiletten einer Badestelle am Wünsdorfer See


Alte Streckenführung? Hier kommt man als Wanderer wesentlich einfacher durch


Paradox! Eine "66 Seen Wanderweg" Bank direkt an der Landstraße


Curry-Kartoffelpüree und Porridge als Nachtisch runden den Tag kulinarisch ab


Sunset
Gegen Abend kam ich am Großen Wünsdorfer See bei einer öffentlichen Badestelle vorbei und hab dort gleich mal meinen Wasservorrat aufgefüllt. Einfacher gehts wohl kaum und ich konnte nun nach nem Plätzchen für die Nacht Ausschau halten. So einen romantischen Platz direkt und mit Blick auf den See habe ich mir gleich mal geschenkt. Darauf hätten die Mücken nur gewartet, aber das wollte ich mir nicht antun. Glücklicher Weise verlief die Route nun wieder durch ein Waldstück Richtung Egsdorf am Teupitzer See. Hier ging es nochmal unerwartet knackig bergan, was mir um mich der Mückenplage zu entledigen mehr als recht war. An einer Lichtung fand ich doch schon nach 21Uhr auf einem bemostem Fleck am Waldrand den perfekten Platz für mein Biwak. Viel Zeit bis zur Dämmerung blieb nicht mehr. Die Biwakroutine mußte quasi im Schnelldurchlauf umgesetzt werden und mit dem Einbrechen der Dunkelheit war auch die Portion Kartoffelpüü und der Porridge Nachtisch fertig - ich aber auch! Mit 94km und vor allem 1530hm hatte ich doch etwas mehr in den Beinen wie geplant. Gerade über die vielen kleinen Anstiege gesammelte n Höhenmeter hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Höhendiagramm der Route hin oder her. Damit hatten auch meine Knie nicht gerechnet und mir das zwickender Weise immer wieder mal signalisiert. Nunja, bin ja keine zwanzig mehr. Gut gefüllt und müde hatte es dann gerade noch für ein wenig Internetzeit und ein paar Notizen des Tages gereicht, bis mich die schweren Augenlieder in die Waagerechte forderten.

Tarptent Stille



Tag 2  Egsdorf - Althangelsberg


Bikepackers Home
Die Nacht verlief in einer Stille, daß ich als hellhöriger Leichtschläfer selbst ohne Ohropax durch schlafen konnte und erst von den Strahlen des Sonnenaufganges geweckt wurde. Gelungener Einstieg würde ich mal sagen. Nach meinem klassischen Frühstück konnte ich gut gelaunt in den Tag starten. Heute sollte es bis nach Althangelsberg in den östlichsten Teil des 66 Seen Weges gehen. Der Weg verlief wieder in großen Teilen durch bewaldetes Gebiet, was selbstredend jede Menge Wurzeln und Sand in sich barg. Lediglich einige wenige Abschnitte auf den klassischen Forstwegen boten mal etwas Entspannung für Körper, Geist und Beine. Teilweise verwandelte sich der Weg in eine große Sandkiste und selbst das Schieben war eine Herausforderung. Hatte die gar nicht mal so flachen Anstiege dazu erwähnt? Oft in Verbindung mit dem Sandkastenfeeling, aber aus dem Alter bin ich ja eigentlich auch raus ;-  ]
Wie so oft dachte ich wieder mal es ginge nicht heftiger, aber weit gefehlt. Nun gut, ich wollte es ja so und eine Mission gilt es zu erfüllen. Gelle. Bei dem Geackere hab ich doch gerne den Waldimbiss "Gulaschkanone" direkt am Weg wahrgenommen und eine ausgedehnte Mittagspause zelebriert. Im Laufe des Nachmittages ergab sich an einer leeren Badestelle am Springsee nun auch mal die Möglichkeit in einen See abzutauchen. Also raus aus den verschwitzten Klamotten und zackig ab ins kühle Nass! Gut runter gekühlt mit neuer Energie ging es wieder aufs Fully und der Weg zog sich weiterhin übers sandige und mit der Wahl zwischen Wander -und Radtrack habe ich mir zum Ausklang des Tages die etwas einfacher zu befahrenden Abschnitte gegönnt. Also nur durch kleine Sandkisten quasi...

Absolute Ruhe am Morgen


 Naan Brot, Salami, Knoppers und nen Kaff - bewährtes Frühstück auf Tour


Entspannter Start in den Tag


Die ersten Kilometer gleich wieder über die Sandpiste


Kurze Pause am Tornower See


Beruhigender Blick übers Wasser


Den Weg im Fokus


Königskerzen als stimmige Wegesäumung


Weicher Waldboden und Kiefernzapfen


Schiebepassage


Die Wolken wieder zum greifen nahe an einer der wenigen Lichtungen


Schiebepassage extrem aka großer Sandkasten!


Seltene, aber angenehme Abwechslung auf Gravelpisten zu rollen


Wegeführung entlang des Feldrandes 


Kleine Pause im Schatten


Linsensuppe mit Bockwurst und eiskalter Cola. Mahlzeit!


Mittagspause im Waldimbiss "Gulaschkanone" am Neuendorfer See


Ein Stück auf Asphalt gefällig? Gerne doch!


Wieder rein ins Vergnügen mit kleinen Anstiegen


Abkühlung im kühlen Nass - Badepause am Springsee


Wegeführung über Asphaltradweg durchs Gehölz


Hinter Karlslust durch kanarische anmutende Vegetation


Zurück in vertrauter Vegetation und kurzem "Speed" Abschnitt


Wassernachschub auf dem Friedhof Althangelsberg


Gravel!


Nachtisch fast ohne Mücken im Biwak
Heute wollte ich mein Biwak etwas früher einrichten um den Abend in der Natur mit wohliger Sonnenuntergangsstimmung ausgiebiger genießen zu können. Halb Acht - Punktlandung! Paßender hätte sich zu dem Zeitpunkt der Friedhof in Althangelsberg direkt an der Strecke nicht auf tuen können. Wohlschmeckendes, eiskaltes Wasser für die erste Erfrischung und der Rest zur Sicherung des Wasserbedarfes für die Nacht. Perfekt.
Nach einem ehr langweiligen, aber zur Abwechslung mal leicht zu tretenden Forstwegabschnitt, war es nicht mehr weit bis zum nächsten Ort und ich verließ bergan die Route. In der Hoffnung den Mücken zu entfliehen und ein leicht luftiges Plätzchen weiter bergauf zu finden, stand ich plötzlich am Rande einer Gastrasse mit Weitblick dieser bergan folgend. Keine Zwei Kilometer weiter oben bot sich ein ebenes Stückchen wieder mitten im moosigen Untergrund an und ein leichtes Lüftchen wehte auch. Kaum zu glauben, mal wieder der Nase nach offenbaren sich die feinsten Plätzchen. Diesmal kam ich tatsächlich schon kurz nach Acht an und konnte mich entspannt einrichten, eine gepflegte Bikepacker Dusche nehmen und nach einer Portion Mama Handi Rice bei einem Schlemmer-Pause Pudding den epischen Sonnenuntergang genießen. So empfand ich es zumindest in diesem Moment. Hier "oben" war es absolut still, niemand außer mir weit und breit und das Düdellidüü hatte auch kein Netz. So kam ich erst gar nicht in Versuchung, die wertvolle Zeit an dieser wunderbaren Location, mit Email & Co zu verbringen, zuckte nur noch den Bleistift für ein paar Aufzeichnungen vom Tag und genoß den Abend mit einem für mich glücksseligem Sonnenuntergang.
Trotz des sehr anstrengenden Tages mit 101,4km und 1505hm ein äußerst harmonischer Ausklang. So zufrieden den Tag zu beenden zu dürfen, gehört zu meinen absoluten Highlights und dafür bin ich sehr dankbar!

Episch? Durchaus!




Tag 3  Althangelsberg - Lanke


Guten Morgen!
Erneut verbrachte ich eine ruhige Nacht. Wenn man mal von den Flugzeugen und deren offensichtlich östlichen Einflugschneise zum Berliner Flughafen ab sieht. Mit dem Nachtflugverbot ab 23Uhr wurde es dann wirklich sehr still, aber die ersten Flieger holten mich gegen halb Sieben am Morgen doch aus dem Schlaf. Es war mit deutlich unter 10C° ziemlich frisch. Die Sonne stand noch tief hinter den Bäumen und ich war froh, meine Isojacke doch eingepackt zu haben. Die Beine können hier schon mehr ab - ne lange Hose hatte ich sowieso nicht dabei. Ist doch Sommer, oder wie? Nunja, nach meinem üblichen und ausgedehnten Frühstück ging es ans verpacken des Getüdels und gegen halb Zehn war ich startbereit.
Heutiges Ziel war die ehemalige DDR-Staatsoberaupts Residenz Wandlitz nördlich von Berlin. Das entspräche in etwa der gleichen Streckenlänge, wie am Tag zuvor. Wahrscheinlich noch etwas länger. Ob ich soweit kommen würde, hielt ich ehr für unwahrscheinlich, aber irgend ein Ziel muß man ja haben.

Frühstück mit geröstetem Naan Brot


Wieder unterwegs - Blick entlang der Gastrasse


Feuchtbiotop im Locknitztal


Singletrail 


Liese sich gut fahren, aber die Kiefernzapfen versetzen die Räder ständig


Typischer Wurzeltrail am Seeufer


Fluffige Singletrails entlang des Locknitztalweg


Zweites Frühstück am Kalksee mit Kaff und Kuchen vom Bäcker in Woltersdorf


Knackig berghoch


Knackig bergab


Singletrail


Mahlzeit! Kartoffelpüü und Porridge als Nachtisch - Mittag am Mittelsee


Angenehm schattig - der sandige Boden kostet aber Körner


Langer See - Pumpengebäude


Und wieder hoch


Abwechslung nicht nur fürs Auge


Feldsichten


Sand = Arbeit!


Urig - ein Paradies für Mücken


Auf Biwak Suche über verwucherte Trails 
Der Routenverlauf zog sich fast ausschließlich durch bewaldetes Gebiet. Mehr Wald wie die Tage zuvor; deutlich mehr. Zur Abwechslung mal weniger tiefer Sandboden, aber Wurzeltrails umso mehr und knackige Anstiege ja sowieso. Hatte ich mich am dritten Tag etwa schon daran gewöhnt und womöglich noch damit arrangiert...einfach mal durch den Wald "rollen" war auch heute nicht. Wanderweg eben. Ausnahme bildete hier ein Kilometer langer und perfekt zu flowender Singletrail durch und über den Löcknitztalweg. Gleich ein paar Kilometer nach dem Start konnte ich kaum besser in den Tag kommen. Kaum Sand, wenig verwurzelte Abschnitte mit fluffigen Trailverlauf immer entlang der Alten Löcknitz. Längere Pausen - also über 10sec ;- ) - sollte man sich allerdings ersparen. Die Mücken waren dort äußerst zahlreich vorhanden und extrem garstig!
Es ging immer wieder an den Hochufern der Seen vorbei, aber meißtens von vielen Bäumen gesäumt. Blicke aufs flächige Wasser waren ehr selten und die Lichtungsquerungen boten ebenfalls kaum Weitblicke. Ein Tag im Wald quasi. Zum einen waren die Temperaturen so wesentlich erträglicher, wie unter der mit gut 35C° brennnenden Sonne, aber eben auch langweilig und kaum was füs Auge.
Gegen Abend nahm ich ortsauswärts von Biesenthal ein typisches Fußballplatz Getöne wahr. Es war schon wieder kurz vor Acht und kurzum habe ich die Gelegenheit mit einem Abstecher dort hin gleich mal genutzt, um meine Wasservorräte für die Übernachtung aufzufüllen. Fragen kostet ja nüscht, womit ich bisher auch immer gut gefahren bin. So wurde ich beim Einrollen zum Vereinsheim mit meinem ganzen Geraffel erst mal neugierig beeugt, aber mir auf Nachfrage und völlig selbstverständlich der Wasserhahn vom Tresen zur Verfügung gestellt. Über mein Vorhaben, was ich alles so ans Bike gebunden habe und wo es denn noch hin gehen soll, hat sich noch eine nette Konversation ergeben und ich verließ zufrieden gut gelaunt den "Bolzplatz".
Nun konnte ich entspannt auf Biwak Suche gehen, was sich als nicht sonderlich einfach heraus stellte. Da ich mich noch in Seenähe und inmitten von Feuchtbiotopen bewegte, fiel ein Übernachtungsplatz allein schon wegen der Vielzahl von Mücken dort aus. Gut Wasser bepackt also erst mal wieder berghoch, aber guten Gewissens. Leider hatte sich nicht wirklich eine akzeptable Gelegenheit für mein Tarptent ergeben wollen und die Zeit verging wie im Flug. Nach halb Neun habe ich dann kurz vor Lanke, einem Ortsteil von Wandlitz, ein Plätzchen am Waldrand für gut befunden. Mit gerade mal 200m nahe einer Landstraße gelegen nicht wirklich optimal, aber immer noch ruhig genug um mit Ohropax ausreichend schlafen zu können. Routiniert War alles aufgebaut, der gepflegte Bikepacker wieder sauber und fertig für eine Belohnungsmahlzeit am Abend! Diese erfolgte ehr unfreiwillig mit nur kurz geöffnetem Moskitonetz aus dem Tarptent heraus, da die Mücken hier oben zwar nicht mehr so zahlreich am Start, aber trotzdem beharrlich anwesend waren.
Zufrieden aber auch ziemlich kaputt hab ich nochmal den Bleistift für die Tagesaufzeichnungen gezückt, die Mails gecheckt und war dann echt durch für den Tag. Letztendlich bin ich meinem Tagesziel Wandlitz mit 109km und 1489Hm dann doch recht nahe gekommen, war aber auch ganz schön durch und dementsprechend schnell in der Waagerechten.

Kompromißplatz am Waldrand



Tag 4  Lanke - Potsdam


Der Tag erwacht
Bis auf den leicht abschüßigen Boden war der Platz gar nicht so schlecht. Dank Ohropax schlief ich ganz gut, aber die ersten lauteren LKW Geräusche ließen mich dann doch trotz Dämpfung gegen Sieben auch den Penntüte krabbeln. Gleich am Morgen schon direkt im Tarptent von der aufgehenden Sonne gebruzzelt zu werden mag ich überhaupt nicht und so erwieß sich der Kompromißplatz am Abend, am Morgen für mich als sehr angenehm. Das östlich gelegene Waldstück bot mir Schutz vor der aufgehend brennenden Sonne am Morgen. Und so war es hinter den Bäumen noch recht frisch, aber mit Isojacke weider angenehm. So kann ein Morgen beginnen. Allerdings nicht ohne Naan Brot oder Brötchen, die ich am Vortag vergessen habe beim Bäcker zu kaufen. Also gab es nur ein Stück Salami und Knoppers mit Käffchen zum munter werden. Bis Wandlitz war es ja nur noch ein Katzensprung und das zweite Frühstück stand dort somit fest!
Trotz Straßennähe war es a.G. des drehenden Windes erstaunlich ruhig und die Mücken quasi auch nicht existent. Naja fast. Zeit genug um diesen angenehmen Morgen mit nen Kaff in der Hand ausgiebig zu zelebrieren. Trotzdem hatte ich schon vor Neun alles zusammen gepackt und war startklar, was für meine Verhältnisse eine gute Zeit ist.
Bis Potsdam waren es nur noch ca. 100km und an einem Tag natürlich zu schaffen. Bedeutete aber auch, daß ich eigentlich schneller war wie geplant war. Daher wollte ich den Tag auf mich zu kommen lassen und unterwegs entscheiden, ob ich noch eine Nacht dran hänge oder durch fahren werde. Der Blick auf die Karte zeigte im östlichen Teil wenig Wald und großteils Felderein. Quasi das Gegenteil der gestrigen Flora und Fauna. Bei bestem Wetter ging es also erst mal Richtung Wandlitz, aber das sich der Tag etwas anders gestaltete hatte ich so auch nicht erwartet...

Kaffee & gute Laune


Wandlitzer See


Beruhigende Stille


Wurzeltrails am Wandlitzer See


Einfahrt nach Wandlitz


Mondäne Willen am Wandlitzer See


Zweites Frühstück beim Bäcker in Wandlitz


Kleine Sandvermeidungsabkürzung über Landstraße - (K)EIN RADWEG!? Auf dieser Straße...


Grün in Grün


An der Brise entlang durch Birkenwerder


Gulasch & Nudeln vom Markt - Mittag im Stadtpark von Henningsdorf


Melone als Nachtisch - Erfrischung pur!


Zunehmend schwüles Klima - deutliche Anzeichen für das nahende Unwetter


Entlang des Havelkanales


Der Himmel zieht sich zu


Havelkanal - erste Ausläufer des nahenden Unwetters


Geteilter Himmel


Havelbrücke am Ortsausgang von Brieselang


Das Unwetter war binnen Minuten angekommen - die Autobahnbrücke als "Rettung"


Das Unwetter ziehen lassen, aber Aufklarung war in Sicht


Im Nieselregen über nun verschlammte Feldwege Richtung Potsdam


Gerade noch staubtrocken und nun eine einzige Schlammpiste


Kühle, windige und feuchte Nachwehen des Unwetters
Wie geplant gab es in Wandlitz ein zweites Frühstück beim Bäcker, wovor ich erst den stark Wurzel überzogenen Ufertrail am schönen Wandlitzsee wuppen mußte. Die elitäre Vergangenheit dieser Gegend aus DDR Zeiten spiegelte sich anhand der Seengrundstücke mit deren aufgereihten und sich gegenseitig übertrumpfenden Villen nunmehr fast schon mondän wieder. Natürlich schön anzuschauen, aber nach der Zeit auf den Trails durch die Wälder fast schon ein wenig erschlagend. Gut gestärkt ging es erst mal weiter wie gewohnt durch bewaldetes Gebiet. Richtung Henningsdorf wurden diese Abschnitte zunehmend weniger und der Blick in die Ferne war zur Abwechslung durchaus angenehm. Die Sonne brannte leider auch vom Himmel und die Temperaturen stiegen in Windstille mit drückend schwüler Luft. Beim durchfahren von Henningsdorf hab ich fix die Gelegenheit genutzt, mir auf dem Markt ne ordentliche Mahlzeit Hausgemachtes und etwas Obst zur Erfrischung zu gönnen. Hier murmelte die Dame am Stand ein wenig vor sich hin, ob sie besser jetzt schon alles zusammen packen solle, bevor sie vom Unwetter überrascht würde. Na klar, das Klima deutete auch ganz klar darauf hin, auch wenn die Sonne noch ordentlich ins Gelände brannte. Über das Wetter hatte ich mir die wenigsten Sorgen gemacht und mit Regen erst zwei Tage später gerechnet. So der Wetterbericht zumindest vor dem Start der Tour. Nach der Mittagspause im Stadtpark hab ich dann doch mal den Regenradar auf dem Düdellidüü bemüht. Das Regentief zog sich fast über die gesamte Breite des Landes, aber vor allem Richtung Süden! Nebenher waren schon die ersten Posts vom Unwetter über Hamburg online und ich hatte lt. Radar kaum noch zwei Stunden bis zum Wetterumschwung. Richtung Brieselang zog sich der Himmel immer mehr zu und es begann zu nieseln. Unterlegt von zunehmenden Wind, welcher nun auf dem Trail über freie Feldflächen selbstverständlich von vorn kam und wieder ordentlich Arbeit auf den Pedalen angesagt war. Beim verlassen von Brieselang ging plötzlich alles ganz schnell. Orkanartiger Wind mit Hagel vom Feinsten drückte mich fast von der Straße und mit einer kurzen aber heftigen Dusche habe ich es gerade noch so unter eine Autobahnbrücke geschafft. Uff. In letzter Sekunde quasi und wieder mal ne Punktlandung. In der nächsten Stunde ging das Unwetter über mir runter. Vor Nässe war ich weitestgehend geschützt, aber der stürmische Sog unter der Brücke ließ mich leicht durchnäßt ziemlich schnell auskühlen. Meine Isojacke hat in dieser Situation wieder mal für die nötige Wärme und mich womöglich auch vor einer Erkältung geschützt. Nachdem es etwas aufklarte und es nur noch nieselte, beschloß ich die letzten 30km bis bis Potsdam durchzudrücken und die Runde um Berlin heute schon zu schließen. Ziemlich schnell hatten sich die gerade noch Staub trockenen Feldwege des 66 Seen Weges in klebrige Schlammpisten verwandelt. Einige Kilometer hab ich noch dagegen angekämpft, bin aber die letzten Kilometer bis nach Potsdam auf Asphalt ausgewichen, was ich in dieser Situation als durchaus angenehm empfand :-  )

Abschluß der Tour mit Baustelle und Sperrung des Fußweges am Bahndamm Templin ;-  (


Unterm Strich


Meine "Abrechnung" war natürlich nicht ganz ernst gemeint und mit einem Augenzwinkern belächelt. Vielmehr interessierte es mich, wie ich mit den breiteren Reifen des Mountainbikes, im Vergleich zu den schmaleren Schlappen meines Gravelleres, auf Sand und Wurzeln zurechtkommen würde. Erfahrungen auf solchem Untergrund habe ich mit dem Fully tatsächlich kaum. Einzig mit dem Reiserad und fett bepackten Panniers bin ich vor vielen Jahren mal auf Rügen im Sand versunken, aber das ist ja kein Vergleich.

Da ich mir einen Wanderweg ausgesucht habe, möchte ich auch gar nicht die zermürbenden Wurzelteppiche und teilweise knöcheltiefen Sandpisten monieren. Das war mir vorher klar, aber selbst für Wanderer ist dieser Untergrund schon sehr fordernd. So stand ich nicht selten fluchend und ziemlich kaputt wieder mal vor einem Anstieg im Sand. Im Wald ist der Weg meißtens sandiger verwurzelt und auf den schmalen Wegen direkt an den Seen war es meißt ein böses Gepoltere über Kilometerlange Wurzelpassagen. Ein gleichmäßiger Tritt war auf solchen Abschnitten kaum möglich, ich mußte oft aus dem Sattel gehen und aktiv das Fully bewegen. Für Mountainbiker sind die langweiligen Abschnitte auf den Forstautobahnen zum gähnen, aber mir kamen diese zur Abwechslung und nach dem Geackere sehr gelegen.

Mit dem Mountainbike aka Fully ist der 66 Seen Wanderweg schon irgendwie zu bewältigen, aber dabei fordert die Wegebeschaffenheit jeden Muskel des Körpers. Mit der An -und Abfahrt vom HBF Potsdam bis zum Weg waren es 413km und erstaunliche 5905hm! Der Topographie hatte ehrlich gesagt kaum Beachtung geschenkt und die Gegend ehr als relativ flach abgehakt. Stimmt schon, denn über 150m Höhe kommt man kaum, aber das häufige auf und ab bringt schnell und gar nicht mal wenig Höhenmeter zusammen.

Spaß macht das nicht immer, wenn man dazu nicht richtig vom Fleck kommt und sich auf langen Sandpisten mit jedem Tritt voran kämpfen muß. Ich wollte es halt wissen und hab diese Erfahrungen auf der Strecke gemacht, hatte aber auch jede Menge schöne Momente über die Tage. Die Abende an den Übernachtungsplätzen haben jeden Tag trotz Mücken immer wieder harmonisch und entspannt ausklingen lassen. Das das Geiere durch Sand und poltern über Wurzeln nichts für mich ist, stand ja schon vorher fest. Ich wollte es halt noch mal mit meinem Fully wissen und habe nebenher dann doch irgendwie eine Rechnung beglichen ;-  )


Challenge Gravel Grinder Race im Test – Ein komfortabler Gravelreifen für den All-Arround Einsatz

Challenge Gravel Grinder Race im Test – Ein komfortabler Gravelreifen für den All-Arround Einsatz

Challenge Gravel Grinder Race 38-622 / 28"


Die italienische Firma Challenge wurde 2003 als eigenständiger Reifenhersteller ins Leben gerufen, hatte ihren Ursprung aber schon 1985 in der italienischen Fahrradbranche.

Mit der Spezialisierung auf Fahrradbereifung ab 2003 wurde das Reifensortiment sukzessive ausgebaut. In den folgenden Jahren entwickelt Challenge eigene Verfahren zur Herstellung wie auch Gummi -und Latexmischungen für ihre Reifen. Diverse Modelle für Straße und gerade den Crossbereich folgten. Viele weltweite Erfolge bei Cyclocross-Weltmeisterschaften bestätigen bis heute die superbe Funktion ihrer Reifen und Challenge ist mittlerer Weile eine feste Größe beim Cyclocross.

Das hat mich bei der Suche nach den paßenden Reifen für mein Gravelbike auf Challenge aufmerksam werden lassen. In den letzten Jahren habe ich immer wieder unschöne Erfahrungen mit den Reifen des wohl größten Fahrradreifen-Hersteller im hierzulande gemacht. Das zog sich wie ein Fluch über verschiedene Reifenmodelle. Waren es der fast schon standardisierte unrunde Lauf, die sich der lößenden Reflexstreifen, Weichmacher verflüchtigende poröse Reifenflanken und das mit nicht mal 500km - das ging vor Jahren noch viel besser.

Darauf hatte ich keine Lust mehr und wollte einfach mal was neues ausprobieren. Also habe ich einfach mal ein Paar Challenge Gravel Grinder Race geordert, welche meine Anforderungen an einen Schotter tauglichen Straßenreifen erfüllen sollten. Nach 3400km mit den Reifen möchte ich nun ein Resümee ziehen



Challenge Gravel Grinder Race 38-622 / 28"


Gravel Grinder Race am Vorderrad

Die Gravelgrinder Race habe ich in der komfortablen Breite von 38-622 geordert. Komfort und Grip auf unbefestigten Untergrund waren mir wichtiger wie ein Quäntchen mehr Speed auf Asphalt, was man von so einem Reifen sowieso nicht erwarten sollte.

Aufgezogen wurde die Reifen auf DT TK 540 Felgen mit  einer Felgenbreite von 24mm außen und 19mm innen. Darauf kam (anders wie auf dem Foto unten zu sehen) Gewebefelgenband von Velox. Bei den 700c Schläuchen vom Großen Reifenhersteller bin ich geblieben, denn diese finde ich ich nach wie vor immer noch sehr haltbar. Mehr Fotos zu den Laufrädern im Detail gibt es in dem Artikel zum Aufbau meines Salsa Vaya Custom Gravelbike Laufräder & Bereifung zu sehen. Gefahren habe ich die Gravel Grinder Race je nach Tour mit komfortablen 2,5-2,8 bar.



Material & Aufbau


Gravel Grinder Race 38-622, Schwalbe 28"/700c Schläuche und Schwalbe Felgenband

Der Gravel Grinder ist ein All-Arround Gravel-Faltreifen mit fein profilierter, diamantförmig "pigmentierter" Lauffläche für Asphalt und groberen Y-förmigen Seitenstollen für unbefestigtem Untergrund. Gravelground, Forstautobahnen, Singletrails oder eben alles was abseits von asphaltierten Straßen verläuft.

Es gibt ihn in zwei verschiedenen Breiten von 33 oder 38mm; als Plus oder Race Version. Ich habe mich für den Gravel Grinder Race in 38mm Breite entschieden. Mit 2,8 bar auf der DT Felge befüllt habe ich 37mm Breite gemessen.

Die Lauffläche besteht aus Naturkautschuk. Darunter befindet sich eine Gewebeschicht aus Double PPS (Puncture Protection Strip) eingearbeitet, welche die gleiche Flexibilität der Lauffläche bei höherem Durchstichschutz der Karkasse gewährleisten soll. Abschließend die Karkasse aus Polyester.  Die Gewebedichte beträgt 120tpi (Fadenzahl).

Durch ihre eigene Technologie verzichtet Challenge auf die Vulkanisierung der Kautschukreifen und die einzelnen Lagen werden unter hohem Druck verklebt. So soll die Flexibilität und Geschmeidigkeit des verwendeten Naturkautschuk erhalten bleiben.

Für einen Faltreifen typisch verlaufen an den Reifenflanken gebündelte Kevlarfäden, welche den Reifen im befüllten Zustand im Felgenhorn halten. 

So wiegt ein Gravel Grinder Race Faltreifen auf meiner Waage 372g was schon mal eine Ansage ist. 

Zur maximalen Tragfähigkeit der Reifen macht Challenge keine Angaben.

Nur 37mm Breite trotz breiter DT 540 TK Felge



Performance Offroad & Straße


Gravel Grinder Race im Gravel Einsatz

Der Einsatzzweck war für mich klar definiert: In erster Linie ausreichend Grip auf schottrigen Wegen aka Gravelpisten und Trails bei Bikepacking -und Graveltouren. Auf Asphalt sollte er natürlich auch nicht patzen und bei flotter Gangart auf Trainingsfahrten eine gute Figur machen.

Gravel & Road

Wenn es möglich war, habe ich dem Forstweg immer Vorrang gegeben und dabei keine Rücksicht auf das schwarze Gummi bzw. den Kautschuk genommen. Egal ob auf Bikepacking-Touren oder bei Trainigsfahrten.

Gravelpiste - guter Grip

Hier hat sich der Gravel Grinder durchweg neutral verhalten. Den Grip empfand ich auf losem Untergrund meistens als ausreichend. Bei höheren Tempi auf Abfahrten hat der Reifen spürbar seinen Grenzbereich angekündigt und ist nicht schlagartig ausgebrochen.

Selbstredend sind einem Reifen in dieser Breite auch Grenzen gesetzt und der Verstand sollte über dem Adrenalinrausch stehen. Nicht immer einfach wenns flicht; trotzdem war selbst das Anbremsen vor Serpentinen talwärts nie wirklich ein Problem und ich konnte das Bike mit voraus schauendem Blick und sensiblen Finger am Bremshebel sauber abbremsen ohne irgendwann mal zu stürzen. Das Y-förmige Seitenprofil in Kombination mit dem weichen Kautschuk hat sicherlich einen guten Teil dazu beigetragen.

Asphalt - softes rollen

Eben über dieses Y-Profil an den Seiten der Reifen hatte ich Anfangs so meine Bedenken was den Seitenhalt in flotten Asphaltkurven betrifft. Ich vermutete sogar, daß der Reifen in Schräglage lautstark zu rubbeln beginnt und über die Seiten nach außen wandert.

Aber hier habe ich mich getäuscht! Die weiche Kautschukmischung klebt förmlich am Asphalt: auch in schnell gefahrenen Kurven mit größerer Schräglage.

Nässe im Herbst ist kein Problem - schmierige Blätter schon

Selbst bei Nässe haftet der Gravel Grinder Race noch sehr gut auf Asphalt. Den Grenzbereich habe ich scheinbar noch lange nicht ausgelotet, denn für meine Verhältnisse war immer genügend Grip vorhanden. Bei Laub bedeckten Wegen kann der Reifen schon mal leicht weg schmieren, aber das möchte ich ihm nicht anlasten. Mir ist es zum Glück noch nicht passiert. Bei solchen Verhältnissen kommen wohl die meisten solcher Reifen mit wenig profilierter Lauffläche ins schlingern.



Haltbarkeit & Verschleiß


Gravel Grinder Race - Blick aus dem Tarptent nach einer regnerischen Nacht

Wie schon erwähnt, habe ich die Reifen nicht geschont und sie mußten bei mir ordentlich herhalten. Auf Bikepacking-Touren mit etwas mehr Last, auf Gravelpisten und spitzen Schotter, lediglich auf Asphalt durften sie ein wenig entspannen.

Vorderer Reifen nur wenig Verschleiß

Am Vorderrad sieht das Profil nach 2600km noch sehr gut aus; fast neuwertig, obwohl der vordere Reifen beim Anbremsen die größte Energie aufnehmen und ordentlich arbeiten muß, ist der Verschleiß vergleichsweise wirklich gering.

Hinterer Reifen recht hoher Verschleiß

Ganz anders sieht es beim hinteren Reifen aus. Hier ist das Profil der Lauffläche fast komplett abgefahren. Solch eine hoher Verschleiß, gerade im Vergleich mit dem vorderem Reifen, hatte mich etwas überrascht

Der unterschiedliche Verschleiß liegt in der Natur der Sache und ist nicht ungewöhnlich; eigentlich normal. Gerade mit mehr Körpergewicht nach vorn in den Hörnern hängend ist das Gewicht auf dem Hinterrad und Reifen um einiges geringer, wie bei einem Mountainbike mit aufrechterer Sitzposition ist. So hat das Hinterrad gerne mal kurz bei leichtem Anbremsen blockiert, wozu noch der Abrieb durch die Reibung am antreibenden Rad kommt. Naja, alles zusammen hat am Ende für ordentlich Abrieb gesorgt. Trotzdem finde ich diesen nicht unerheblich.

Hinterer Reifen mit abgefahrenem Laufflächen-Profil nach 3400km

Nach 3400km war der hintere Reifen dann wirklich blank. Die seitlichen Y-Stollen haben sich vergleichsweise wenig abgenutzt. Am Vorderrad konnte ich insgesamt keinen weiteren - zumindest sichtbaren - Verschleiß feststellen.

Aufgerissene Reifenflanke am Hinterrad

Zu dem Zeitpunkt kam der Gravel Grinder Race an seine Verschleißgrenze und hat diese mit einer aufgerissenen Reifenflanke im Bereich des Felgenhornes quittiert.

Durchgescheuerte Reifenflanke im Detail

Es fühlte sich beim fahren an, als würde ein Schlammklumpen am Reifen kleben, welcher bei jeder Umdrehung des Rades für einen leichten "Schlag" sorgt - das habe ich zumindest in der Situation gedacht und auch gehofft - aber die Realität sah leider anders aus.

Abrieb durch das Felgenhorn deutlich ersichtlich

Abgeriebene Beschichtung auf dem Felgenhorn
 
Das Felgenhorn hat dauerhaft an der Reifenflanke gerieben und die äußere Lage war nun durch. Der Abrieb der Beschichtung ist ein deutliches Indiz dafür. Die Reifenflanke am vorderen Reifen sah im Vergleich noch etwas besser aus, aber es wäre sich eine Frage der Zeit, bis diese dann durch gerieben auch ihren Dienst quittiert.

Einziger Platten durch kleinen Nagel

Kaum zu glauben, aber meine Pannenstatistik belief sich lediglich auf nur einen Platten! Hier hat sich genau in der Mitte des Reifen ein kleiner Nagel den Weg ins Innere gesucht als ich hinter einer Kleingartenanlage entlang fuhr. Diese Art von Kleingartenanlagen, wo sämtlicher Baumüll nur ein paar Meter weiter im Wald entsorgt wird und auf dem Weg einiges verloren geht. Ätzend!

Gravel Grinder Race & Salsa Vaya in Harmonie



Unterm Strich


Bisher habe ich nur Erfahrungen mit verschiedenen Mountainbike -und Reiseradreifen gemacht. Diese haben einen völlig anderen Profilaufbau. Daher war der Gravel Grinder Race mit seinem Profil absolutes Neuland für mich.

Die Performance hat mich durchweg begeistert. Egal ob auf losem Untergrund, Asphalt und selbst bei Nässe war er immer gut zu kontrollieren. Der Grip war für meine Anforderungen meistens ausreichend. Selbst bergauf über Wiesen hatte ich genügend Halt und selten ein durchdrehendes Hinterrad. Auch quer übers Feld hat er eine gute Figur gemacht; allerdings sinkt der Reifen hier etwas mehr ein und das Vorankommen ist sehr mühsam.

Schlammige Wege hingegen mag er nicht. Hier dreht das Hinterrad gerne mal durch und gefühlvolles treten ist Pflicht. Durch die wenig profilierte Lauffläche schmiert er immer wieder mal seitlich weg, fängt sich aber schnell durch die Y-Seitenstollen wieder. Wenn man das verinnerlicht hat, kommt man auch unter solchen Verhältnissen mit dem Reifen zurecht.

Eines kann er aber überhaupt nicht: Sand! Das ist a.G. seiner Breite nicht sein Terrain. Dabei taucht er zu weit in den Sand ein und begräbt sich quasi selbst. Meistens war nach ein paar Metern Schluß mit "fahren", aber so eine Quälerei will man auch nicht wirklich. Auf meiner Suche nach Gravel mußte ich allerdings unter solchen Bedingungen ganz schön kämpfen...

Da der Reifen im Spätherbst seinen Geist aufgegeben hat, kann ich leider nichts zur Performance unter winterlichen Bedingungen sagen, obwohl mich diese sehr interessiert hätte. 

Den vorzeitigen Verschleiß der Reifenflanke möchte ich Challenge nur zum Teil anlasten, da ich die Reifen außerhalb der Herstellervorgaben benutzt habe. Alles andere wäre unfair!


Was heißt das jetzt?


Der Gravel Grinder Race ist von Challenge für die Montage auf einer Felge von maximal 23mm und minimalem Reifendruck von 3 bar freigegeben.

Ich hingegen habe die Reifen auf 24mm breite Felgen aufgezogen und mit maximal 2,8 bar gefahren!

Die einen Millimeter breiteren Felgen würde ich nicht unbedingt dafür verantwortlich machen, aber den zu geringen Reifendruck schon. Dadurch legt sich die Reifenflanke mehr auf das Felgenhorn und scheuert so vorzeitig das Material flächiger durch. Gerade bei meinem Systemgewicht von bis zu 110kg auf Bikepacking-Touren und meinen oft ruppigen Fahrstil erhöht sich die Belastung noch zusätzlich. Das sollte mit Sicherheit vom Hersteller - zumindest weitestgehend - durch die Angabe des minimalen zu fahrenden Reifendruckes verhindert werden.

Die Tragfähigkeit betreffend hält sich Challenge leider bedeckt und bleibt diese dem Nutzer schuldig. Zumindest konnte ich keine Informationen dazu in Erfahrung bringen. Wenn ich die Tragfähigkeit grundsätzlich überschritten habe, wäre das mit Sicherheit ein zusätzlicher Grund des frühen Verschleißes der Reifenflanke. Meine "vorsätzliche" Nutzung außerhalb der Herstellervorgaben wäre dann "nur" noch on top...die Angabe der maximalen Traglast fände ich daher nur fair!

Laufflächenverschleiß im Reifenquerschnitt

Da der Reifen sowieso fertig war, habe ich ihn aus Neugierde mal durchgeschnitten. Beim Betrachten des Querschnittes ist die flach abgefahrene Lauffläche schon zu gut erkennen, aber trotzdem wäre noch genug Gummi bzw. Kautschuk für viele Kilometer vorhanden.

Wie lange die Reifenflanke im empfohlenen Luftdruckbereich mit passender Felgenbreite gehalten hätte, steht in den Sternen. Ein Vergleich zu einem Reiseradreifen mit der dreifachem Lebensdauer und doppelten Gewicht wäre hier fehl am Platz. Ich gehe einfach davon aus, daß die Haltbarkeit der Reifenflanke bei einhalten der Herstellervorgaben um einiges höher ist. Man darf hierbei auch nicht vergessen, daß der Faltreifen mit seinen 372g ein absolutes Leichtgewicht für das vorgesehenes Einsatzgebiet ist.

Für ~30€ online ist der Challenge Gravel Grinder Race ein gut funktionierender All-Arround Gravel-Faltreifen im mittleren Preissegment. Die versprochene Geschmeidigkeit der Kautschukmischung läßt den Reifen sanft abrollen und bietet in den meisten Situationen ausreichend Grip. Das bezahlt man mit einem ziemlich hohen Verschleiß; zumindest am Hinterrad. Das frühzeitige durch scheuern der Reifenflanke nach schon 3400km ist trotz meiner Nutzung ärgerlich, denn die Lauffläche hatte trotz abgefahrenen Profil noch genug Material für viele weitere Kilometer. Ohne die Angabe der maximalen Traglast bleibt es leider nur beim sinnieren und ein Blick in die Glaskugel...

 
Warum organisierte Abenteuerfahrten nichts für mich sind – Eine Selbsterkenntnis und mein Weg zurück zum entspannten Bikepacking

Warum organisierte Abenteuerfahrten nichts für mich sind – Eine Selbsterkenntnis und mein Weg zurück zum entspannten Bikepacking


Es gibt für alles im Leben einen Auslöser oder Grund. Meißt offensichtlich, aber manchmal auch schleichend. Oft nimmt man die Auslöser dafür nicht wahr, aber die Folgen umso prägnanter. Nach meinem Gefühl kann ich immer recht schnell für mich selektieren, was mir gut tut und wobei mein Spaß an der Sache nicht auf der Strecke bleibt. Noch viel deutlicher spüre ich das Unbehagen, wenn mir etwas überhaupt nicht zu sagt, ich mich dazu aufraffen und motivieren muß. Über die Jahre immer bezeichnender, deutlicher und klarer. Mit der Zeit habe ich mehr und mehr über mich erfahren, von dem was ich möchte und was ich nicht will!
Gerade bei sportlichen Aktivitäten ging ich bisher oft an meine persönlichen Grenzen und versuchte diese für mich zu erkunden. Vielleicht auch auszuloten, aber definieren möchte ich diese für mich nicht (mehr), denn Grenzen verschieben sich. Bei der stetigen Hatz danach und dem krampfhaften Erreichen dieser, geht für mich oft der Freude an der Sache und die Gelassenheit mit ausreichendem Raum für den Genuß, verloren. Trotz des eigenen sportlichen Anspruches möchte ich nicht auf Biegen und Brechen als Produkt meiner eigenen überzogenen Planung für eine Tour oder einem Sportevent und meine Freude daran aufs Spiel setzen um am Ende den Spaß dabei zu verlieren. Definitiv nicht oder nicht mehr, denn das geht bei mir recht schnell. Mit schwindender Motivation und in dem Kontext wäre es schade um eine eigentlich gute Zeit bei der Sache.
 
Als ich mit Mitte Zwanzig immer öfter an diversen Mountainbike-Marathons teilnahm, hatte ich am höher, schneller und weiter richtig Blut geleckt. Es konnte nicht knackig genug bergauf oder besser noch in ordentlicher Downhill Manier bergab gehen. Rahmenbrüche, Stürze auf Downhills mit folgenden Krankenhausaufenthalten, OP’s an überbelasteten Gelenken und ständig entzündeten Muskeln. Es hat immer irgendwo im Bewegungsapparat geschmerzt. Aber egal, es ging irgendwie und die nächste heftige Tour stand schon wieder an. Immer möglichst am Anschlag und besser darüber hinaus. Meine eigenen Grenzen habe ich so sehr blauäugig, oft über den Schmerz hinweg und in der Gruppendynamik mit den Kumpels auf Tour, immer wieder neu definiert und überschritten. Zu dieser Zeit war es für mich jedes Mal eine neue Erfahrung und ich konnte zwar völlig platt, aber zufrieden mit mir den Tag abschließen. Das ist nun schon über Zwanzig Jahre her…

 

Über die Jahre hat sich langsam aber auch sehr deutlich für mich heraus kristallisiert, was mir gut tut und woran ich Freude im Leben habe. Dazu gehört für mich eindeutig der Sport, welcher mir ein solides Fundament und in der richtigen Dosis Zufriedenheit und Entspannung bietet. Sei es das Radfahren oder der Laufsport. Selbst sportliche Trekkingtouren zähle ich dazu. In jeder Hinsicht ein Lernprozeß über die Jahre, welchen wohl viele auch schon selbst durchschritten haben. Erfahrungen sind nun mal prägend. Nicht immer positiv, aber gerade daraus resultierend und mit der gewissen Sensibilität zeichneten sich für mich über die Zeit ziemlich klar meine eigenen Präferenzen ab. 

 
Auch wenn ich von Freunden immer wieder mal für die Auslegung meiner übertriebenen Präferenzen im Sport wie im Lebensalltag ein Kopfschütteln erhalte, habe ich meine Ausgewogenheit im Sport gefunden. Nicht immer linear, aber in der Gesamtheit nun schon über Jahrzehnte beständig. Dabei hat sich ziemlich früh abgezeichnet, was ich möchte und vor allem, was ich nicht will! Nicht wollenen und es trotzdem zu tun bedeutet für mich generell Druck, ein gewißer Zwang, Komforteinbusen und daraus resultierendes Unbehagen mit der schwindenden Freude am Sport oder einer Tour. Nein! Das habe ich für mich mit den Jahren mehr und mehr auszuschließen gelernt, wenn gleich es nicht immer funktioniert. Manchmal falle ich eben wieder in alte Raster, wohl wissend und mit dem ungutem Gefühl im Bauch, ob es die richtige Entscheidung war.
 
Ein gutes Beispiel dafür ist der Candy B. Graveller 2017 bei welchem ich kürzlich voller Vorfreude, aber eben mit diesem unguten Gefühl im Bauch gestartet bin, ob solche „Massen“-Veranstaltungen mit diesem gewissen Druck in einem zeitlichen Rahmen das Ziel über mehrere Tage zu erreichen, überhaupt etwas für mich sind. Das mich eine mitgebrachte Erkältung, welche sich immer mehr intensivierte und mich am vierten Tag mit Fieber abbrechen ließ, ist eine andere Sache. Solche Unpäßlichkeiten sind immer böld, aber diese kann man genauso wenig ändern, wie das Wetter. 
Nach dem Start hatte sich bei mir schnell wieder dieser unterschwellige Druck eingestellt, pro Tag eine bestimmte Kilometerleistung drücken zu müßen um in einem vertretbaren Rahmen die gesamte Strecke absolvieren zu können. Dieser Rahmen betrug bei mir 5 Tage, was ich nicht für überzogen hielt. Und klar, hier setzt jeder für sich selbst die eigenen Maße des fahrbaren, ob nun mit weniger oder mehr Komfortanspruch. Mit letzterem bin ich gestartet und hatte trotz des besagtem Druck in mir verspürt, auf Teufel komm raus treten und Kilometer reißen zu müßen. Das ist natürlich mein eigenes Ding, mein Umgang mit Druck und Zwang, was aber eben auch zu Lasten des entspannten Fahrens und dem Spaß für mich auf Tour geht. Nebenher waren etwaige Umstände rund um den Candy B. für mich oft nicht nachvollziehbar, was der Fahrer Joachim mit seinem kritischen Kommentar quasi nochmal auf den Punkt gebracht hat. Absolut konform in seinen Anmerkungen spare ich mir einen weiteren Kommentar. Einen Tourenbericht meiner seits aus der Enttäuschung resultierend wird es daher auch nicht geben. Das nur am Rande.

Positiver Nebeneffekt war hier wiederum meine Erkenntnis, daß ich mich einem solchen Druck – wenngleich auch selbst aufgebaut – nicht mehr aussetzen muß und will! In dem Zusammenhang ist für mich auch die Entscheidung gefallen, meine Teilnahmen an organisiert geplanten Abenteuerfahrten in Zukunft zu känzeln. Eine Entscheidung über den Bauch und vom Kopf bestätigt!


Ich ziehe es doch lieber vor, Bikepacking-Touren mit guten Freunden oder auch immer wieder gern alleine zu machen. Kein Druck, kein Zwang. So lange fahren wie ich möchte, mein Tempo ohne irgendwelche virtuellen Vorgaben, Pause so oft und lange machen wie es mir gut tut und dabei die Natur mit tiefen Atemzügen zu genießen. Klingt etwas pathetisch, aber das ist die Art, wie ich mich auf Touren wohl fühle und Spaß daran habe, worum es doch letztendlich geht. Für mich zumindest und dazu gehört auch mal alle Fünfe gerade sein zu lassen :-  )