Prozess am 19. September

Prozess am 19. September

Weil ich den Fehler begangen habe, nach einem erheblichen Übergriff eines münsterschen Tankstellenbetreibers mich nicht der hoheitlichen Gewalt der münsterschen Kraftfahrer zu beugen, sondern es gewagt habe, den Mercedes-AMG-Fahrer an seinem gottgegebenen Recht auf Weiterfahrt zu hindern und die Polizei Münster hinzuzurufen, wird mir am 19. September 2017 vor dem Amtsgericht Münster der Prozess gemacht.

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Der Tankstellenbetreiber hatte zugegeben, mich im Verlauf der Engelenschanze bzw. Schorlemerstraße angehupt und überholt zu haben. Der Sachverhalt ist weitgehend unstreitig (d.h. es steht eben nicht Aussage gegen Aussage). Die Beamten der Polizei Münster übersahen hierbei völlig, dass im gesamten Bereich die Fahrbahn durch eine durchgezogene Linie getrennt ist und sich auch wegen der erschwerten Einsehbarkeit des Gegenverkehrs faktisch ein Überholverbot ergibt. Überholen ohne Gefährdung des Gegenverkehrs oder des Überholten ist in diesem Bereich unmöglich.

Engelenschanze am Ort des Überholvorgangs in Fahrtrichtung. Kritische Überholvorgänge erlebe ich hier immer wieder – Münsters uniformierte Ignorantentruppe schaut weg.

Bereits während der Aufnahme des Sachverhalts durch die Polizei Münster zeigte sich (erneut), dass man anscheinend an der Durchsetzung der Rechte von Weichzielen nicht interessiert ist. Demgegenüber scheinen die Polizeibeamten keine Probleme damit zu haben, wenn selbsernannte Hilfssherrifs durch maßregelnde Übergriffe andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen: Der Tankstellenbetreiber konnte einen meiner Auffassung nach nötigenden Übergriff zugeben, ohne hier auch nur ansatzweise Konsequenzen seitens der Polizei Münster fürchten zu müssen.

Das Aufhalten wird mir jetzt von der Kavallerie der münsterschen Verkehrsmittelapartheid als Nötigung ausgelegt – die Gegenanzeige gegen den wertvollen Leistungsträger wurde hingegen durch die „Staats“-Anwaltschaft Münster eingestellt.

Die Polizei Münster kann zudem anscheinend nicht mit scharfer, zugespitzter Kritik umgehen und versucht, diesen Blog durch entsprechende Anzeigen zum Schweigen zu bringen. Ich hatte der Polizei Münster und auch einzelnen Beamten mehrfach chauvinistisches, auf unzutreffende Ressentiments zurückzuführendes Handeln gegenüber dem Radfahrerinnen und Radfahrern bei eigenem Pflichtversagen vorgeworfen – und dies mit dem Begriff Verkehrsmittelrassismus bzw. Verkehrsmittelapartheid zusammenfassend bezeichnet. Die Polizei Münster sowie die Staatsawaltschaft sehen hierin anscheinend eine Beleidigung.

Hierbei ist anzumerken, dass das Bundesverfassungsgericht gerade innerhalb der letzten zwei Jahre die Grenzen des Strafrechts im Bezug auf die Meiungsfreiheit deutlich enger gezogen hat. Beim Landgericht Münster hatte ich selbst in einem ähnlichen Fall eine Verfahrenseinstellung erwirkt. Bei der Staatswaltschaft Münster scheint man hiervon noch keine Kenntnis erlangt zu haben und verfolgt lieber Andersdenkende.

Gegenschuß: Übergang von der Engelenschanze auf die Schorlemerstraße. Überholer müssen wegen der Verkehrsinsel scharf reinziehen.

Meiner Auffassung nach zeigt dieser Sachverhalt bereits für sich genommen, dass die Strafverfolgungs- und Ordnungsbehörden in Münster zu massiver Autojustiz neigen und sich diesbezüglich von den Grundsätzen der rechtstaatlichen Ordnung entfernt haben. Als Radfahrer kann man in Münster nicht seine Rechte wahrnehmen, ohne in Gefahr zu laufen, mit einem Strafprozess belangt zu werden. Die Justiz in Münster ist im Bezug auf den Radverkehr nicht mehr funktionsfähig. Insbesondere die Staatsanwaltschaft Münster scheitert an ihrer rechtstaatlichen Aufgabe, ein faires Verfahren zu ermöglichen und gegen beide Seiten ausreichend zu ermitteln.

Die Verhandlung gegen mich findet am 19. September 2017 um 13 Uhr, Sitzungssaal 112 B am Amtsgericht Münster statt. Ich hoffe, dass sich der ein oder andere Leser meines Blogs einfinden wird, um Beistand zu leisten.

Eine Bitte:

Ich weiß sehr gut, dass ich häufig eine sehr schroffe, sehr scharfe Sprache wähle – ich mache das, weil ich wirklich davon ausgehe, dass es sich bei den Handlungen der Polizei Münster, aber auch von übergriffigen Kraftfahrern um eine Art chauvinistisch motivierten Gewaltakt handelt. Weder die Polizei und die Staatsanwaltschaft Münster noch die betreffenden Kraftfahrer nehmen Radfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahr. Ich nehme zudem den Unterschied zwischen Schmähung und Sachkritik sehr ernst und hüte mich, Polizisten, Ordnungsämtler oder andere Verkehrsteilnehmer etwa als Hurensöhne, Mutterficker, Bastarde oder Ähnliches zu bezeichnen, obwohl ich mir da manchmal wirklich auf die Zunge beißen muss, um nicht einfach so eine Hasskannonade loszulassen.

Etwa auf Höhe des „Blauen Lollies“ befindet sich die Einfahrt zum Firmenparkplatz meines Arbeitgebers. Das sind keine 100 Meter. Deswegen fahre ich dort nicht auf dem Radweg, sondern halte mich frühzeitig links.

Ich sehe es aber nicht ein, Mißstände nicht auch mit entsprechend deftigen, griffigen und zutreffenden Begriffen zu benennen. Wer Schwarze auf Grund der Hautfarbe anzündet, muss  damit leben, als Rassist bezeichnet zu werden. Wer mich von der Straße hupt, nur um ein paar Sekunden länger an der nächsten roten Ampel zu warten, den tituliere ich als Verkehrsfaschisten – weil er genau das tut, woraus sich später der Faschismus seinen Namen genommen hat: Sich den Weg freiprügeln.

Ich bitte daher, von Diskussionen bezüglich meiner Wortwahl abzusehen und sich zu vergegenwärtigen, dass es hier auch um das Recht der freien Meinungsäußerung geht. Vor allem „in freier Wildbahn“ ist dabei nicht immer eine sorgfältige Abwägung der Sprache möglich, wie man das etwa in einem Beschwerdebrief machen kann. Man muss meiner Ansicht nach in einem Rechtstaat auch Polizisten damit konfrontieren können, wenn ihr Handeln nicht mehr rechtstaatlichen Prinzipien genügt. Und eine Behörde in einem Rechtstaat muss auch mit solch scharfer Kritik leben und umgehen können:

Einen Staat, indem solche Äußerungen strafrechtlich sanktioniert werden, erachte ich nicht als erhaltenswert.

 

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Glosse: Astronauten gegen Killerschafe

Glosse: Astronauten gegen Killerschafe

Mitte August des Jahres bin ich uralubsreif bis zum Anschlag. Nach Wochen und Monaten im halsbrecherischen münsterschen Stadtverkehr, Rumärgerei mit denkfaulen Polizisten und faschistoiden Automachos will ich nur noch raus. Raus aus der Stadt, raus aus Münster, raus aus Nordrhein-Westfalen, raus, ach, raus eigentlich überall. Insofern habe ich es mit meiner Herkunft ganz gut getroffen. Denn ich komme ja eigentlich aus Ostfriesland und meine Familie wohnt dort immer noch. Wenn ich raus will, kann ich mich völlig unproblematisch in die nächste Westfalenbahn Richtung Norden setzen und bin in zwei Stunden an der Küste. Genau das habe ich am Anfang meiner zwei Wochen Sommerurlaub auch gemacht.

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Das alte Haus meiner Oma steht nur zehn Fahrradminuten vom Emder Außenhafen entfernt, und weil mein Bedürfnis an raus wirklich gigantisch ist, sitze ich einen Tag später auf der MS Ostfriesland Richtung Borkum. In deren Bauch steht mein altes Studentenrad, etwas rostig, die Schaltung nicht wirklich geschmeidig, aber grundsolide. Es ist ein Experiment. So einen Eintages-Insel-Trip habe ich schon etliche Male gemacht, meist in Begleitung eines alten Schulfreunds und seiner Frau, aber diesmal geht es allein los. Nicht nur, weil der Kumpel an diesem Tag, der in diesem verregneten Sommer einer der heißesten werden soll, bei Volkswagen Passate zusammenkloppen muß. Raus. Alleine raus. Kopf freikriegen, Luft durchpusten und vielleicht die Füße in die Nordsee halten.

Das Borkum-Virus ist übrigens so eine Familienangelegenheit: Mein Ur-Opa wurde dort geboren und hat seine beiden Töchter im Zweiten Weltkrieg dorthin in Sicherheit gebracht. Meine Oma hat uns dann alle damit angesteckt: Meinen Opa, meine Mutter und meine Tante, uns Enkel. Lange hatten meine Großeltern dort einen Wohnwagen stehen – und wenn Opa genug von Emden, der Firma und vielleicht auch von meiner Oma hatte, dann saß er auf der Fähre oder im Flieger nach Borkum. Raus, raus, raus.

Standard-Radweg auf Borkum: Sand, Sand, Sand, Dünengras…

Den Flieger oder ein Taxi kann ich mir nicht, will ich mir nicht leisten. Normalerweise schafft man es bei so einer Tagestour mit der Inselbahn gerade ins Inseldorf und an den Haupstrand. Der ist nett – aber in der Hauptsaison auch knüppelvoll. Für meinen Bedarf an raus ist das nicht ausreichend – ich brauche die weiten Dünen des Borkumer Ostlands, diesen endlosen Strand, wie man ihn an der Nordsee eigentlich so nicht findet. Deswegen das Experiment: Die zehn Euro, die sonst für eine wertvolle weitere Stunde Borkum für den Katamaran-Zuschlag draufgehen, investiere ich lieber in das Ticket für das Fahrrad. Und die Idee ist gut. Verdammt gut, wie ich bald merke…

Während die komplette Unterstufe des Emder Max-Windmüller-Gymnasiums, ebenfalls auf Tagesausflug, mit der Inselbahn Richtung Inseldorf und Hauptstrand abdieselt, prügele ich mein altes Studi-Eselchen erst die Reedestraße, dann den Inseldeich auf der Südseite der Insel entlang und liefere mir ein Wettrennen mit ein paar übermütigen Seeschwalben. Entschleunigung im Eilverfahren. Auf Höhe des Tüskendörsees dann hat mich die Insel genug runtergebracht, dass ich einen Schluck trinke und das erste Mal die Kamera heraushole, Salzluft atme und einer Segeljacht auf dem glitzernden Wattenmeer hinterherschaue. Etwas gemächlicher geht es weiter Richtung Steerenk-Klipp, wo Wernher von Braun die ersten Vorläufer der V2-Rakete Richtung Memmert gefeuert hat.

Nach und nach nähere ich mich dem Ostland, jener kleinen Siedlung, wo sich meine Oma auf dem Bauernhof ein paar Mark dazuverdient hat. Später hat der Bauer dann auf einer seiner Weiden einen Campingplatz eingerichtet. Dort stand der Wohnwagen meiner Großeltern. Dort, wo ich als Kind schon durch die Dünen getollt bin, lege ich mein Fahrrad in den Sand, klettere die letzte Düne vor dem Strand zu Fuß hoch, greife wieder nach der Kamera. Raus. Den Augenblick festhalten. Fokussieren. Horizont ausrichten. Auslöser, das Schnappen des Spiegels. Wieder der Augenblick. Ça-a-été!

Und dann:

Fahrradhelme.

Verdammt. Wer hat *HIER* seine Fahrradhelme abgelegt?

Ich stehe auf einer Düne auf Borkum, will mit der Kamera ein paar Aufnahmen für ein Panorama schießen und rechts vor meinen Füßen, natürlich im Blickbereich meines Weitwinkelobjektivs liegt ein kleiner, aber unübersehbarer Berg von Fahrradhelmen. Natürlich bin ich auch auf dem Borkumer Ostland nicht allein. Der Campingplatz, zwei Ausflugsgaststätten und das wirklich lohnende Ziel einer Radtour aus dem Inseldorf treiben natürlich auch ein paar andere Menschen hierher – man nimmt sie wahr, aber sie pflastern eben nicht den kompletten Strand zu. Damit hatte ich gerechnet.

Aber warum zur Hölle setzt jemand hier einen Fahrradhelm auf? Ich weiß ja, wie der Hase mit dem Marketing inzwischen läuft. Ich kann nachvollziehen, warum bei der ganzen Dauerberieselung mit Pseudo-Sicherheits-Propaganda jemand auf den Trichter kommt, im hektischen Münsteraner Stadtverkehr so ein Plastikdings auf den Kopf zu setzen. Noch besser verstehe ich es, wenn ein Mountainbiker das auf irgendwelchen abgelegenen Stock-und-Stein-Trails macht, wo so eine Kopfplatzwunde durch einen Ast oder bei einem Abflug wirklich fies sein kann.

Unter Schafen: Das Wollvieh ist nicht wirklich für seine Aggressivität bekannt.

Aber das hier ist Borkum. B-O-R-K-U-M. Ein Sandhaufen im ostfriesischen Wattenmeer. Mit einer einzigen Hauptverkehrsstraße, über die zwar ein paar Insulaner wie besoffene Henker gurken, die man aber auf all den kleinen Dünenpfaden und Fahrradwegen komplett umfahren kann, wenn man keinen Bock auf Konflikte mit Kraftverkehr hat. Ansonsten gibt es Sand, Sand, Sand, weiches Inselgras, ein paar Sanddornbüsche, Kühe, Schafe, Robben und Möwen – und noch mehr Sand. Ostfriesische Inseln gehören gemeinhin zu den Orten, wo man Dreijährige bedenkenlos umhertollen lassen kann.

Es ist nicht das erste Mal, dass mir in Ostfriesland Helmträger vorkommen, wie Astronauten von einem anderen Planeten. Niederländer erkennen Deutsche zuverlässig am Fahrradhelm. Ostfriesen geht das mit Touristen von südlich des Mittellandkanals ähnlich. Oft genug bin ich bei Sonntagsausflügen in all den kleinen Dörfern am Emsufer unterwegs gewesen. Für das kleinere Bedürfnis an raus reicht auch mal der Blick über die Ems an der Eisenbahnbrücke Hilkenborg oder ein Kurztrip ins Fischerdörfchen Ditzum. Beiderseits der Ems führen Wirtschatfswege den Deich entlang – ausgeschildert für das touristische Publikum als Dollartroute oder Ems-Radweg.

Mutter der Protected Bike Lane: Deich-Seitenweg in Mitling-Mark.

Diese Wege sind so etwas wie die Mutter der Protected Bike Lanes. Auf der einen Seite der Deich, auf der anderen Seite endlose Kuhwiesen. Für die Landwirte sind die Wege asphaltiert – oder zumindest mit großflächigen Zementplatten gepflastert. PKW verirren sich kaum dorthin – auch weil man Gefahr läuft, irgendwo nach ein paar Kilometern an einem Gatter nicht weiterzukommen. Ostfriesen befahren solche Strecken routinemäßig, sei es als schnelle Alltagsroute oder auch auf Fahrradtour mit ’ner Pulle Jever am Lenker: Natürlich machen sie das auch ohne Helm. Stürzen ist auf diesen Wegen nahezu unmöglich – vorausgesetzt, man hat sich zum Jever nicht zu viel Kruiden reingeballert. Anderen Verkehr außer andere Radfahrer und ab und zu einen Trecker gibt es nicht. Und Schafe sind nun nicht wirklich die aggressivsten Tiere – zumindest nicht die Weibchen (Böcke widerum können derart Randale machen, dass man sie erst gar nicht auf den Deich läßt).

Alle Mann an Bord: Die winzige Fähre zwischen Ditzum und Petkum. Fahrradhelm selbstverständlich. Hust.

Egal ob in den Borkumer Randdünen, endlosen Wirtschaftswegen durch den Hammrich, auf der aus der Zeit gefallenen Ems-Fähre zwischen Ditzum und Petkum – überall trifft man ihn an, diesen in der Regel nordrhein-westfälischen oder gar schwäbischen Astronauten in seiner neonfarbenen Überlebensausrüstung, mit Funktionsjacke, gepolsterter Radhose und Nudelsieb auf dem Kopf. An ihren Lenkern hängt das GPS-Navi, als sei es der Tricorder von Captain Kirk. Und auf der Rückfahrt Richtung Süden in der Westfalenbahn erzählen sie sich dann die neueste A-Helmet-Saved-My-Life-Geschichte, als hätten sie gerade als erste Vertreter der menschlichen Spezies den Mars erkundet – und nicht eine Strecke zurückgelegt, die manch  ostfriesischer Milchbauer mal eben am Vormittag mit seinem alten Hollandrad abklappert, um nach seinen Tieren zu sehen. Ohne Helm, wohlgemerkt.

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Stadtwerke Münster: Lizenz zum Pöbeln

Stadtwerke Münster: Lizenz zum Pöbeln

Neben ahnungslosen Polizisten und dilettantischen Verkehrsplanern scheint es nach Auffassung der Stadtwerke Münster noch ausreichend Platz für zusätzliche Hilfssherifs im münsterschen Stadtverkehr zu geben. Rein zufällig verfügt man dafür auch über bestens ausgebildete Fachkräfte: Die eigenen Busfahrer.

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Aber von Anfang an:

Vor etwa einem Monat war ich nach der Arbeit auf dem Heimweg vom Büro in der Schorlemerstraße Richtung Hauptbahnhof. Im direkten Umfeld des Haupbahnhofs reiht sich derzeit Baustelle an Baustelle. Bauherr in den meisten Fällen: Die Stadtwerke Münster.

In Sachen Baustellenabsicherung sind die Stadtwerke Münster völlig schmerzfrei unterwegs: Radfahrer und Fußgänger werden bedenkenlos in viel zu schmale, knochenbrechende Seitenraumghettos geschickt, damit die Herrenreiter in ihren Blechdosen freie Bahn bis auf den Prinzipalmarkt behalten. Dreijährige zeigen auf ’nem Verkehrsteppich mehr Verantwortungsbewußtsein, als Münsters wichtigstes Energie- und Transportunternehmen im Bezug auf Weichziele.

Als sicherheitsbewußter Radfahrer weiche ich in solchen Situationen selbstverständlich auf die Fahrbahn aus – auch wenn das manchen Verkehrsfaschisten und Hilfspolizisten in Busfahreruniform nicht passt. In meinem Fall war es die Fahrerin der Linie 10, die mich klingelnd und wild gestikulierend auf den Stummelradweg vor Burger King am Hauptbahnhof verfrachten wollte – den ich wohlweißlich seit einigen Wochen meide, weil dort regelmäßig Lieferverkehr parkt, gebaut wird und den an genau diesem Tag wegen einer weiteren kleinen Baustelle vor dem Parkhaus Engelenschanze überhaupt nicht anfahren konnte. Zudem halte ich mich nur äußerst ungern im Toten Winkel von Niederflur-Gelenkbussen auf, auch wenn Brilux die entsprechende Todeskreuzung mit einem Trixi-Spiegel bedacht hat.

Ich schrieb daraufhin der Geschäftsführung der Stadtwerke Münster einen ausführlichen Brief, dass ein solches Reviergehabe einer Busfahrerin gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern absolut indiskutabel ist. Die Fahrerin gab den Sachverhalt gegenüber ihrem Arbeitgeber zu. Und der reagierte absolut unprofessionell, was mich hochgradig wütend macht:

Antwort der Stadtwerke Münster

Die Geschäftsführung der Stadtwerke Müster duldet es anscheinend, wenn ihre Mitarbeiter in maßregelnder Absicht schwächere Verkehrsteilnehmer bepöbeln.

Wir können in diesem Fall kein Fehlverhalten der Busfahrerin erkennen, da sie das, was wir in regelmäßigen Schulungen vermitteln, umgesetzt hat: die partnerschaftliche Fürsorge nicht nur für unsere Fahrgäste, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer.

Ja ne, ist klar, liebe Stadtwerke. Erst die ohnehin schon völlig unzureichenden münsterschen Radverkehrsanlagen in einen Bikepark verwandeln, aber dann die Nigger von der Piste bimmeln, die sich diesen diskriminierenden Schrott nicht mehr bieten lassen – und natürlich alles zur Sicherheit der Radfahrer…

Mit Verlaub gesagt:

Leckt meine Kette, liebe Automachos.

 

 

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Urlaubsfund: Radfahrer absteigen!

Urlaubsfund: Radfahrer absteigen!

In meinem wohlverdienten Jahresurlaub mache ich gerade meine Heimatregion Ostfriesland mit der Leeze unsicher. Nachdem ich vorgestern mein altes, klappriges, aber zuverlässiges Studentenrad  durch die Borkumer Dünen gejagt habe, stand gestern eine kleine Fotosafari im Emder Hafen an. Dort traf ich auf ein wirklich bedenkenswertes Exemplar aus der Kategorie „Radfahrer absteigen!“ am Emder Seedeich.

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Parallel zur Schleuseneinfahrt der Großen Seeschleuse läuft dort ein Industriegleis durch den Seedeich, um bei Bauarbeiten an der Schleuse einfach großes Gerät heranschaffen zu können. Der Bau ist entsprechend aufwendig gestaltet, weil der Deich-Durchbruch bei Sturmflut mit einem Schott geschlossen werden muss. Gekostet hat der Spaß wohl einen hohen sechsstelligen, wenn nicht knapp siebenstelligen Euro-Betrag. Genutzt wurde das Gleis allerdings noch nie – zumindest nicht von einem Zug.

Die äußersten Ecken des Emder Hafens erfreuen sich ziemlicher Beliebtheit – nicht nur bei Wohnmobil- und Fahrradtouristen, sondern auch bei Einheimischen, die gerne mal mit dem Auto eine kurze Runde durch den Hafen drehen, um dann am Seedeich oder an der zwischen den beiden Emder Schleusen gelegene Landzunge Middelmantje ein paar Minuten auf den Dollart zu gucken. Der Legende nach wurde ein nicht unerheblicher Teil der lokalen Bevölkerung genau an diesem romantischen Fleckchen Emdens gezeugt…

Die Trägheit mancher Autofahrer oder vielleicht auch nur der Wunsch nach ein wenig Privatsphäre scheint jedenfalls so ausgeartet zu sein, dass die Deichacht vor einiger Zeit einige Poller im Deichdurchbruch aufgestellt hat, um ein unerwünschtes Befahren mit schweren Fahrzeugen zu unterbinden. Die Poller stehen jedoch jetzt so ungünstig, dass Radfahrerinnen und Radfahrer geradewegs in die Schienen geführt werden. Daher also der Griff in die ultimative Mottenkiste des StVO-Schilderwaldes: „Radfahrer absteigen!“.

Immerhin: An dieser Stelle ist das Schild durchaus sinnvoll aufgestellt. Sicherlich ginge das auch freundlicher, als im kasernenartigen Befehlston, aber hey, hier ist das nur ein einfacher Hinweis – und so lange, wie die Schilder hier stehen, kann damit nicht an anderer Stelle wirklich Unfug getrieben werden…

 

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Kanalverbreiterung: WSA Rheine liefert mustergültiges Provisorium

Kanalverbreiterung: WSA Rheine liefert mustergültiges Provisorium

Nachdem im Zuge der Kanalverbreiterung vor knappen zwei Jahren bereits die Schillerstraßenbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal (DEK) ersetzt wurde, nimmt sich das Wasser- und Schiffahrtsamt Rheine (WSA) seit Anfang des Jahres die nächste Brücke vor. Diesmal ist die Überführung an der Manfred-von-Richthofen-Straße dran, die Laerer Landweg-Brücke.

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Hatte das vorletztjährige Provisorium zum Ersatz der Schillerstraßenbrücke noch ein paar Schwachstellen. was vor allem ein Befahrverbot im Winter betraf, stellt das WSA Rheine als zuständige Behörde diesmal eine mustergültige Behelfsbrücke auf. Die Rampen sind etwas kompakter geworden und deren Oberfläche deutlich rauher, sodass im Winter eigentlich keine Probleme mehr auftreten dürften. Die Brückenfahrbahn ist nachts beleuchtet, die Drängelgitter an den Rampenenden diagonal aufgestellt, sodass man dort mit Rolli oder Lastenrad noch ordentlich durchkommt, aber gleichzeitig beispielsweise ein ungebremster Kinderwagen nicht ungehindert in den Kanal rollen kann. Fußgänger erreichen die Brücke alternativ zu den langen Rampen über deutlich kürzere Wendeltreppen.

Bereits, dass das WSA Rheine an dieser Stelle überhaupt eine Behelfsbrücke in dieser Ausführung hat aufstellen lassen, zeigt eine große Wertschätzung der Behörde gegenüber den Bedürfnissen nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer. Während ein Behelf während des Austauschs Schillerstraßenbrücke als südlichster Kanalquerung vor der Einmündung des münsterschen Stadthafens unumgänglich war, liegen die nächsten Querungsmöglichkeiten im Falle der Laerer Landweg-Brücke nur jeweils ein paar hundert Meter kanalab- und aufwärts bereits in Sichtweite. Für Fußgänger und Rollstuhlfahrer sind das schon ziemliche Umwege, mit dem Fahrrad aber eigentlich nicht wirklich problematisch.

Es ist bezeichnend, dass bei einer hochkomplexen Baumasnahme mit dem WSA Rheine ausgerechnet eine Behörde mit einer sinnvollen und fahrradfreundlichen Alternativlösung auftrumpft, die als Bundesbehörde in Münster lediglich mit einer Zweigstelle vertreten ist. Damit ist das WSA Rheine eben nicht in den typischen münsterschen (Fehl-)Planungsklüngel aus Stadtverwaltung, örtlicher Polizei, Stadtverwaltung und Politik verwoben. Es ist zweifelhaft, ob die münsterschen Hausbehörden in ähnlichen Fällen überhaut die Notwendigkeit einer Alternative erkannt hätten – bei alltäglichen Straßenbauarbeiten scheitern sie daran jedenfalls regelmässig.

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