Ra(n)dnotizen #101

Ra(n)dnotizen #101

Die Niederlande sind ja bekannt dafür, das sie in Sachen Fahrrad immer eine Nasenlänge voraus sind. Was jetzt allerdings für Töne zu hören sind, klingt hingegen recht, sagen wir eigenartig. Man stimmt, so die Frankfurter Allgemeine, einen Abgesang aufs klassische Herrenfahrrad an. Also das Ding mit dem Oberrohr, welches bei Frauen ja entfällt, da hier einerseits Platz für einen Rock gelassen werden soll und andererseits ein Einstieg anstelle des beinschwingenden Aufstieges ermöglicht werden soll.

Begründet wird das mit Verletzungen. Auf einem Damenrad ist angeblich das Risiko schwerer Kopfverletzungen geringer.

Demnach hat, wer hoch zu Rad und mit Querstange daherkommt, ein größeres Risiko von Kopfverletzungen durch Stürze als Benutzer von Damenrädern. Besonders gilt dies offenbar für ältere Radler und – meist jüngere – Väter, die ihren Spross auf einem montierten Kindersitz transportieren. Erschwerend kommt dazu, dass bei klassischen Tourenrädern – anders als bei Rennrad oder Mountainbike – Schutzhelme in den Niederlanden nur selten zur Standardausrüstung zählen. Bei Stürzen mit Damenrädern treten im Allgemeinen eher Verletzungen am Becken oder den Schultern als am Kopf auf.

Ähh, ja. Muss wohl. Oder eben auch nicht, denn es gibt selbstredend Gegenstimmen und die stellen ganz treffend fest, das höhere Geschwindigkeiten – und die fahren Männer wohl unstrittig zu einem größeren Anteil – eher mal zu KOpfverletzungen führen. Mir selbst erschließt sich auch nicht wirklich, weshalb das fehlende Oberrohr nun kopfverletzungsrisikominimierend (Geiles Wort! :D) wirken soll, aber hey, die Niederländer werden schon wissen von was sie da reden. 😉

Einem anderen Unfallrisiko will sich dabei die Firma Bosch widmen. Nämlich dem gefürchteten „Abstieg über den Lenker“. Speziell für Pedelecs bzw. deren Bremsen entwickelt Bosch gerade ein Antiblockiersystem. Ob das nun wirklich nötig ist, mag man durchaus bezweifeln können, ich persönlich fände es maximal für S-Pedelecs interessant. Eben weil damit höhere Geschwindigkeiten gefahren werden, bei denen Vollbremsungen durchaus mit etwas Kontrolle versehen werden können.

Wobei natürlich auch mit Rennrädern sehr hohe Geschwindigkeiten gefahren werden und sich dort ebenfalls Scheibenbremsen immer mehr durchsetzen. Und die beißen ja nicht schlechter als ihre Brüder am Pedelec, könnten also durchaus ebenfalls eine Kraftdosierung vertragen. Allerdings sieht das dann wohl etwas blöd aus, denn so ganz unscheinbar ist das wohl, wie man beim Spiegel lesen kann, nicht.

Die Hardware für das ABS ist überschaubar und wiegt gerade einmal 800 Gramm. Unterhalb des Lenkers sitzt eine schwarze Steuerbox. Klar, der klobige Kasten könnte etwas hübscher und dezenter gestaltet sein. Doch ein Blick auf andere Zweiräder lässt für die Zukunft hoffen: 1994 wog das Steuergerät eines Motorrads 4,5 Kilo, heute sind es 0,5. Dementsprechend unauffällig kann die Technik mittlerweile ins Fahrzeug integriert werden. Auch die ersten Handys sahen im Vergleich zu Smartphones wie Dinosaurierknochen aus.

Also doch besser nur am Pedelec, das ja ohnehin etwas „umfangreicher“ aussieht und somit auch so ein Steuergerät vertragen kann. Von der Dekra gibt es übrigens noch ein paar Bewegtbilder, die das Ganze demonstrieren. Und wie groß die Geschichte ist.

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Tübingen ist ja in letzter Zeit immer mal wieder in Sachen Radverkehr im Gespräch, schon allein weil man dort mit Boris Palmer einen Oberbürgermeister hat, der dem Fahrrad sehr positiv gegenüber steht. So positiv, das er bei zu hoher Auslastung der zuständigen Verwaltung auch mal selbst Hand anlegt.

Zur Förderung des Radverkehrs hat das Bundesumweltministerium im Februar zum zweiten Mal den Wettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ ausgeschrieben. Bis 15. Mai mussten dafür die Bewerbungen eingegangen sein. Palmer verfasste die Bewerbung selbst, denn die zuständige städtische Abteilung Verkehrsplanung war nur dünn besetzt und zudem mit laufenden Projekten beschäftigt. Auf den letzten Drücker reichte der OB den Antrag ein und gab dies dem Gemeinderat zur Kenntnis.

Nun, sein Alleingang hatte dann im Juli auch noch Erfolg, das Bundesumweltministerium gab 5 Millionen Euro für drei Fahrradbrücken frei. Soweit, so fein. Nur wurde dann festgestellt, das bis September konkrete Pläne gefordert sind, um die Gelder auch wirklich zu bekommen. Eine Sache, die wieder an der Verwaltung zu scheitern drohte.

Und um das zu verhindern, hat er nun einfach mal eben per Eilentscheid einen Planungsauftrag vergeben. Zack, fertig! Nun gibt es wohl noch etwas Zoff, denn selbstredend sind nicht alle im Rathaus vertretenen Fraktionen damit einverstanden, aber so ist es ja immer. Ich persönlich finde das toll, endlich mal ein Politiker der sich seiner Verantwortung bewusst ist, der seine Visionen umsetzt und eben auch mal selbst Entscheidungen trifft. Klasse!

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Einen ziemlich coolen Vorstoß gibt es gerade in Köln. Mittels Bürgereingabe fordern nun eine Leute aus den Reihen des ADFC die eine oder andere bauliche Veränderung an Kölner Kreuzungen. Im Detail geht es darum, nach Kopenhagener Vorbild Haltestangen zu installieren, an denen sich Radfahrer bei Rot festhalten können.

Die Bürgereingabe fordert eine Offensive für Köln: „Bei allen anstehenden Straßensanierungen, -markierungen und ähnlichen Arbeiten werden im Bereich von Ampeln Haltestangen für Radfahrer angebracht.“ Unabhängig davon sollen „alle Straßen, die für Radler wichtig sind“, in den nächsten zwei Jahren mit Anlagen bestückt werden, die mindestens Platz für zwei, drei Radler bieten müssten.

So etwas könnte Berlin ebenfalls gebrauchen, denn gerade Radler mit Systempedalen stehen ja immer wieder vor dem Problem, an roten Ampeln ausklicken zu müssen. Grundsätzlich ein nicht sonderlich großes Problem, aber aus eigener Erfahrung weiß ist, das sowas auf Dauer auch ins Geld geht. Denn wer wie ich mir SPD-SL unterwegs ist, der stellt gerade beim häufigen Abstellen des Fußes hohen Verschleiß an den Kunststoffcleats fest. Da sind doch solche Haltestangen eine feine Sache. Ich unterstütze also diesen Antrag. 🙂

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Zum Schluß noch eine weitere recht spannende Sache. In den letzten Tagen schwappte es durch allerlei Kanäle – im niederländischen Utrecht entsteht derweil das größte Fahrradparkhaus der Welt. Nun ja, die Niederlande. In Utrecht ist der Radverkehrsanteil landestypisch enorm hoch, 43% aller Fahrten unter 7,5km und ca. 60% aller Fahrten ins Stadtzentrum werden mit dem Fahrrad erledigt. Satte Werte!

Dabei gibt es aber ein echtes Problem. Es stehen nicht ausreichend Fahrradparkplätze zur Verfügung. Und hier wird nun Abhilfe geschaffen. Am Utrechter Bahnhof wird eine Parkgarage für Fahrräder gebaut. 6.000 Räder passen jetzt schon hinein, bis Ende 2018 sollen es noch einmal 6.500 sein, so dass dann 12.500 Fahrräder auf 17.000m² und drei Etagen Platz finden. Und man sollte es kaum glauben, aber es gibt bereits ernste Zweifel, das diese Kapazitäten – von denen wir hierzulande noch nicht einmal zu träumen wagen – ausreichen. Aber da halte ich es ganz mit dem Schlusswort bei Utopia.de:

In vielen europäischen Städten ist Fahrradfahren nach wie vor lebensgefährlich und daran muss sich etwas ändern. Die Niederlande gehen, was den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur angeht, schon lange mit gutem Beispiel voran. Ob die Fahrrad-Parkplätze letzten Endes ausreichen oder nicht – mit dem Fahrrad-Parkhaus unterstützt Utrecht aktiv den Fahrradverkehr in der Stadt. Damit setzt die Stadt ein wichtiges Zeichen für umweltfreundlichen Verkehr und wird zum Vorbild für viele andere Städte.

RadlerTweet der Woche: Richtig vs. Falsch

RadlerAllerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.
Radeln im Rheinsberger Land: Rundfahrt südlich des Stechlin

Radeln im Rheinsberger Land: Rundfahrt südlich des Stechlin

Die Radtour von Zechlinerhütte in Richtung Neuruppin führte ja zuweilen über eine stark befahrene Bundesstraße. Das ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, weshalb wir uns in dieser Gegend noch einmal nach einer Runde umsahen, die uns über etwas ruhigere Straßen führen sollte.

Ein Blick auf die Karte ließ uns fündig werden, es sollte wieder Richtung Kagar, dann aber in West-Ost-Richtung nach Menz und auf dem Stechlinsee-Radweg wieder zurück nach Rheinsberg gehen. Und bis auf eine klitzekleine Kleinigkeit klappte das dann auch so…

Mit dem Rad im Rheinsberger Land unterwegs…

Von Zechlinerhütte ging es also den gewohnte Waldweg nach Kagar und Kagar-Ausbau, anschließend auf dem Bahntrassenradweg weiter Richtung Rheinsberg. Diesen Radweg verließen wir dann auf halber Strecke bei Linow um dann weiter Richtung Zühlen zu radeln. Wie erwartet war es dort sehr ruhig, nur auf der Weiterfahrt zwischen Schwanow und Zechow brach im Wald wohl die „Rush-Hour“ aus.

Und das mit enormem Tempo, denn gleich mehrere PKW rasten mit irrsinniger Geschwindigkeit an uns vorbei. Und das bei zuweilen wirklich – für PKW – miesen Asphaltverhältnissen. Da geht einem dann schon mal die Muffe. Allerdings war das dann auch die Ausnahme. Weiter ging es nach Zechow recht unbehelligt bis nach Köpernitz und von dort aus durch den Wald bis Dollgow.

Kurz vor Dollgow folgte eine sehr fiese Betonstreifenstraße. Quer liegende, gefühlt hundert Jahre alte Betonstreifen aus „Russenbeständen“. Das schüttelt ordentlich. Aber nach wenigen hundert Metern lag Dollgow und damit eine bessere Straße vor uns. Nur das die geplante Route jetzt abzweigte.

Kartenausschnitt: Grünes Herz Fahrradkarte Müritz-Nationalpark und Rheinsberger LandUnd laut Karte sollte hier ein Radweg mit guter Oberflächenbeschaffenheit auf uns warten. Was da abzweigte und laut Beschilderung tatsächlich unser Weg war, war aber ein ziemlich robuster Feldweg. Ein Blick in die Karte ließ aber die Vermutung aufkeimen, das es sich nur um einen kurzen Abschnitt handelt, der dann bald in eine richtige Straße überging.

Screenshot: Kartenansicht auf Garmin Edge 1000Nur irgendwie kam besagte Straße nicht in Sicht. Also mal kurz den Garmin auf Kartenansicht umgeschaltet. Hmm, irgendwo im vor uns liegenden Wald sollte eine Straße beginnen. Also hielten wir durch und schinderten den sandigen Feldweg weiter bis zum Wald. Etwa 100 Meter hinter der Stelle, an der laut Garmin eine Straße beginnen sollte, fing dann auch etwas ähnliches an. Unter viel Gras verborgen gab es dort arg zerklüftetes Pflaster. 😯

Im weiteren Verlauf trat das Pflaster immer deutlicher hervor, bis es sich tatsächlich um eine Pflasterstraße handelte. Allerdings eine der eher ruppigen Art. zwei- bis dreihundert Meter vor Menz tat sie uns dann wenigstens den Gefallen, von einem recht glatt gefahrenen Trampelpfad begleitet zu werden, der sich halbwegs gut befuhr.

Übler Straßenbelag kurz vor Menz

Nach Menz ging es dann wie erwähnt auf dem Stechlinsee-Radweg wieder Richtung Rheinsberg zurück, der in gewohnter Rheinsberger Radwegequalität zwar reichlich von Wurzelaufbrüchen durchsetzt, aber insgesamt recht gut befahrbar ist. Ich jedenfalls habe es mit dem Rennrad überlebt. 😉

Nach Rheinsberg dann noch der übliche Ritt zurück nach Zechlinerhütte, ebenfalls wie üblich auf der Bundesstraße, denn dieser Abschnitt ist Wurzelaufbrüchen sei Dank nun wirklich nicht anders zu befahren. Insgesamt waren es dann am Ende lockere 56 Kilometer. Wer die Strecke nachfahren möchte, der Track dazu ist wie üblich bei Garmin zu finden. Ich empfehle dann nur, zwischen Dollgow und Menz auf die Strecke über Güldenhof und die L222 auszuweichen.

Ra(n)dnotizen #100

Ra(n)dnotizen #100

Dreistellig, soso. Eigentlich eine Zahl, zu der man auch mal etwas ändern kann. Inzwischen ist es zeitlich nämlich gar nicht mehr so einfach, hier Woche für Woche ein wenig Leben in die Bude zu bringen. Und so trage ich mich mit dem Gedanken, die Frequenz ein wenig zu lockern und nicht mehr fest am Wochenrhythmus festzuhalten. Also die Sache eher so zu drehen, das es mit meiner freien oder vielmehr verfügbaren Zeit korreliert. Und heute fange ich gleich mal damit an, denn das Cyclassics-Wochenende hat irgendwie erfolgreich verhindert, das ich die Nummer 100 rechtzeitig fertig bekommen habe. Na mal schauen, was das demnächst so wird.

Gleiches gilt übrigens auch für die inhaltliche Gestaltung. So langsam drehen sich ja die Fahnen und während es zu Beginn der Ra(n)dnotizen noch Woche für Woche viele Aufreger gab, die Politik eine Steilvorlage zu geäußertem Entsetzen nach der anderen lieferte, stehen die Zeichen inzwischen sehr gut für den Radverkehr. Aufreger sind inzwischen eher kleinteiliger Natur, lokale Gemetzel und regionale Probleme. Und da lohnt es nicht immer, die Sache auch zu kommentieren. Aber auch hier werden wir mal schauen.

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In Köln gab es dieser Tage eine Aktion der Polizei, bei der neben diversen Autofahrern auch etliche Radfahrer angehalten und kontrolliert wurden. Soweit also alles ziemlich normal, immerhin ist der Radfahrer recht flott und vor allem gefahrlos angehalten, Autofahrer die das sehen applaudieren und am Ende stimmt die Quote.

Nun hat sich allerdings der Verein Radkomm zu Wort gemeldet und diese Aktion kritisiert. Zu Recht wie ich finde, denn wie schon geschrieben: Wenn es schon eine gezielte „Aktion“ gibt, dann sollte die sich doch besser ausschließlich gegen die richten, die mit gefährlichen Fahrzeugen tun und lassen was sie wollen und im Alltag ohnehin so gut wie nie für Vergehen bestraft werden. Das Ganze ging dann mittels offenem Brief an Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Uwe Jacob:

Anstatt Radfahrer als die schwächeren Verkehrsteilnehmer zu schützen, so der Vorwurf, würden Polizei und Stadtverwaltung diese vielmehr ständig „willkürlich und fern von Gefahrenpunkten“ kontrollieren, „oft an Punkten, an denen die Regeln uneindeutig oder besonders unsinnig sind“. Radarkontrollen für Autofahrer würden dagegen angekündigt, Überholabstände oder Schulterblick beim Rechtsabbiegen gar nicht überprüft, Falschparken viel zu häufig nicht geahndet. […] „Damit wird die Straße zum rechtsfreien Raum.“

Klar, auch Radfahrer müssen zuweilen kontrolliert und bei Verstößen bestraft werden. Aber trotzdem bin ich hier ganz bei Radkomm, denn man erlebt es ja jeden Tag in der Großstadt. Autofahrer schneiden Radfahrer, überholen ohne Sicherheitsabstand, parken Radwege zu und gefährden somit täglich tausende Radfahrer. Und ein Radfahrer, der mal eben fix die leere Kreuzung bei rot überquert, wen gefährdet der? Genau.

In Berlin kauft man sich dann aber eben lieber den Radler, während 50 Meter weiter, unter den wachsamen Augen der Polizei, ein anderer Radfahrer wegen eines Radwegparkers in den fließenden Verkehr gezwungen und fast tot gefahren wird. Und so sieht es eben – leider – in allen deutschen Großstädten aus.

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Ein ziemlich interessantes Ding ist Bikesharing. In China geht das gerade richtig ab, aber auch aus meiner kalten Heimat, aus Potsdam, hört man da durchaus positive Zahlen. Aktuell berichtet die PNN von einer ordentlichen Steigerung der Verleihzahlen von Nextbike:

19 176 Mal wurden die Fahrräder des Verleihsystems Nextbike bis Juni dieses Jahres bereits ausgeliehen. Im ersten Halbjahr 2016 lag die Zahl noch bei 16 873 – das entspricht einer Steigerung von 14 Prozent. Damit erreicht Nextbike einen Ausleihrekord. Das teilte die Stadt jetzt mit.

Interessant ist auch, das Abokunden der Potsdamer Verkehrsbetriebe täglich bis zu zwei Stunden so ein Nextbike nutzen dürfen. Wenn da jetzt wirklich noch ein paar Verleihstationen hinzukommen, dann wird der Weg vom Bahnhof zum Büro eine echt bequeme Sache. Denn die Verleihstationen sind der Knackpunkt: Man muss das Bike immer an festen Punkten zurückgeben. Mal eben einfach so irgendwo abstellen ist nicht. Und auch der Wechsel in benachbarte Berlin ist ungünstig gelöst. Zwar ist er machbar, kostet aber gleich 20,– € Servicegebühr. Ein ziemlich satter Tarif. 😕

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Dann mal etwas richtig witziges. Letzte Woche hatte ich ja auf das Interview beim Helmholtz-Zentrum verwiesen, in dem die Behauptung aufgestellt wurde, ein Fahrrad würde mehr Feinstaub emittieren als ein Diesel-PKW. Das ganze mit Verweis auf Felgenabrieb beim bremsen, wobei dann unterschlagen wurde, das auch ein Auto bremsen muss. Man muss da ja nicht sonderlich schlau sein, um das zu erkennen.

Nun gibt es aber den Bund der Onsabrücker Bürger. Der wiederum findet es falsch, das die Grünen gegen die von ihm geforderte Abschaffung der Umweltzone sind. Denn nicht nur, das die Grünen ohnehin „ihren Zenit als ernstzunehmende Partei überschritten“ hätten, PKW sind so dermaßen sauber, das sogar Fahrräder deutlich mehr Schmutz machen. Und beruft sich dabei, so liest man in der Osnabrücker Zeitung, auf das Interview des Helmholtzzentrum.

So habe das Helmholtz-Institut errechnet, schreibt BOB, dass ein Fahrrad einen Felgenverschleiß von 0,1 Millimeter auf 1000 Kilometer habe. Beim Bremsen würden Metalloxide in die Umgebung entweichen. Das seien auf einen Kilometer umgerechnet drei bis vier Milligramm. Der Partikelausstoß aus dem Auspuff eines Diesels liege bei 0,2 bis 0,5 Milligramm, heißt es in der Mitteilung. „Sollte Herr Bajus nicht dann lieber eine Feinstaubplakette für Fahrräder fordern?“ Und weiter: „Fakt ist: Beim modernen Diesel gibt es kein Feinstaubproblem mehr“, schreibt BOB.

Muss man eben auch erstmal drauf kommen. Wenn ich doch nur früher gewusst hätte, was ich da für Dreckschleudern fahre… 😯

Bei SpOn findet sich derweil ein ganz netter Kommentar, der angesichts der aktuellen Dieselkrise darauf hinweist, das es doch ohnehin sinnvoller bzw. vernünftiger wäre, mit dem Fahrrad zu fahren. Und dabei hätte man dem Spiegel doch sogar noch eher zugetraut, sich der kruden Theorie aus dem Helmholtz-Interview zu bedienen.

Aber dass die deutschen Hersteller jahrelang miteinander kungelten, Absprachen trafen, Einfluss auf die Politik nahmen und bei den Abgaswerten mogelten, kurz: ihre Kunden systematisch betrogen, sollte nicht dazu führen, sie für ihr Tun auch noch zu belohnen, indem man jetzt neue Autos kauft. Und das Streben danach, die Umwelt zu schonen, sollte Anlass sein, einmal grundsätzlich darüber nachzudenken, wie wir uns eigentlich fortbewegen wollen.

RadlerTweet der Woche: #buschfreude

RadlerAllerlei liegengebliebene Links

Da es kaum zu schaffen ist alle (oftmals kommentierenswerten) Fundstücke hier in den Radnotizen redaktionell zu „verwursten“, gibt es hier noch eine kurze Übersicht über weitere Artikel zum Thema Radverkehr. Dabei handelt es sich meist um kleinere, lokale Meldungen oder Dinge, die hier in ähnlicher Form schon zu Sprache kamen und nicht unbedingt noch einmal aufgewärmt werden müssen. Einen Klick dürften die meisten davon dennoch wert sein.

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Die Ra(n)dnotizen bei FacebookRa(n)dnotizenDie Ra(n)dnotizen sind ein einmal wöchentlich erscheinendes Sammelsurium von Meldungen rund um das Fahrrad. Dabei geht es oft um den Radverkehr in Berlin, aber auch um kurioses oder bemerkenswertes aus anderen Städten. Hast auch Du ein Fundstück zum Thema Fahrrad, dann bin ich für sachdienliche Hinweise dankbar. Die Ra(n)dnotizen sind ebenfalls als RSS-Feed verfügbar.
Die Hamburg Cyclassics 2017

Die Hamburg Cyclassics 2017

Hach, da waren sie wieder, die Cyclassics. Für mich persönlich das absolute Highlight des Rennjahres. Und immer sehr schwer zu organisieren, denn Wechselschichtdienst sei Dank muss da am Wochenende Urlaub her, was wegen der Sommerferien gar nicht so einfach zu bekommen ist.Schließlich ist die Ferienzeit den Kollegen mit schulpflichtigen Kindern vorbehalten.

NUn denn, es hat aber geklappt und so konnte ich auch dieses Jahr in Hamburg antreten. Neu waren dabei die Strecken, denn während es für mich im letzten Jahr noch 100 Kilometer waren, mussten dieses Jahr nochmal 20 Kilometer mehr bewältigt werden. Im Vorfeld wirkte das aber durchaus gemütlich zu machen, denn noch vor ein paar Tagen versprach der Wetterbericht sonnige 20 Grad und sehr wenig Wind.

Nun, da hatte sich der Wetterbericht ganz satt geirrt. Aber später mehr dazu. Erstmal zum Wochenende selbst. Samstags machten wir uns gleich ganz früh auf den Weg Zum Einen, weil wir uns noch ein wenig in Hamburg umsehen wollten, zum Anderen, weil hier direkt bei uns an der Haustür die geplante Strecke des Spandauer Neonaziaufmarsches vorbeiführte. Und so waren wir dann schon vor neun Uhr im Hotel, das wir als erstes Ziel angesteuert hatten.

Dort konnten wir nämlich das Auto in der Tiefgarage abstellen und dann mit den Öffis weiter, die – wie auch hier in Berlin – in der Stadt einfach deutlich bequemer sind. Gleich als erstes ging es zur Akkreditierung. Die war in diesem Jahr auf dem Gänsemarkt. Oder irgendwo in dessen Nähe. Wir kamen nämlich direkt aus der U-Bahn auf ein paar Zelte des Veranstalters zu, aber es dauerte noch eine ganze Weile bis und endlich jemand sagte, das wir a) falsch sind und wo wir b) erstmal hinmüssen.

Startnummer

Aber auch dieses Problem war fix gelöst und ich konnte meine Startnummer in Empfang nehmen. Noch ein wenig shoppen im Merchandise-Zelt und weiter in die Hamburger City. Vor dem Rathaus haben wir dann noch die Messe in Augenschein genommen, aber nichts wirklich brauchbares für uns entdecken können. Lediglich bei den Messeständen an der Binnenalster gab es einen Stand, der echt leckere Gels vertickte. Und so etwas hatte ich gesucht, seitdem Taxofit keine mehr produziert.

Nun war auch dieser „Pflichtteil“ erledigt und wir machten noch etwas Sightseeing inklusive zweistündiger Hafenrundfahrt mit der Barkasse. Entgegen allen Ankündigungen gab es dabei keinen Regen, so dass wir auf dem Sonnendeck sitzen und reichlich fotografieren konnten. Hinterher ging es nicht allzu spät ins Hotel, um dann Sonntag wenigstens halbwegs ausgeschlafen starten zu können.

Der Sonntag ging dann mit einer Beinahekatastrophe einher. Wir machten uns wieder auf den Weg zur U-Bahn, ein schneller Marsch von 15 Minuten. Kaum saßen wir in der U-Bahn, fiel mir auf das ich mein Handy im Hotelzimmer vergessen hatte. Dumm nur, das wir auch schon ausgecheckt hatten und nur noch das Auto in der Tiefgarage lassen durften.

Wir also ganz schnell wieder raus aus dem Zug und ich wie ein geölter Blitz mit dem Rad zurück ins Hotel. Dort fertigte man mir schnell eine neue Schlüsselkarte und ich konnte das wichtigste aller Geräte sicherstellen. Zum Glück hatte ich bei der Zugplanung eine Bahn früher avisiert als nötig – man will ja nicht zu spät kommen – und so konnten wir dann noch rechtzeitig im Startblock auftauchen.

Startaufstellung

Genaugenommen rechtzeitig genug, um noch ganz vorn zu stehen, was mir persönlich immer am liebsten ist. Es bringt nämlich den Vorteil mit, das der Rest des Startblockes, der ja in aller Regel aus ungefähr gleich starken Fahrern besteht, hinter einem ist und die besseren überholen. Und da kann man sich dann diejenigen der etwas schnelleren aussuchen, mit denen man mithalten zu können meint. Schließlich muss man sich als Alleinfahrer ja erstmal ein passendes Grüppchen suchen, was so eben am elegantesten funktioniert.

Nun, die Katastrophe des Tages war mit dem Handy erledigt und so konnte nichts mehr passieren. Irgendwann ging es los und erwartet flott machte sich die Meute auf den Weg. Am Anfang der Strecke wartet ja mit dem Hafen und der Köhlbrandbrücke quasi das große Highlight der Strecke und weil ich mal wieder mehr in der Gegend herumstaunte und darüber weder den Anstieg sonderlich ernst nahm, noch den Gegenwind der uns über die Köhlbrandbrücke entgegen blies, war ich am Scheitelpunkt der Brücke auch schon gleich auf maximaler Herzfrequenz.

Herzfrequenzdiagramm

Mist eigentlich, denn das kostet jede Menge Reserven nach hinten raus. Aber egal, jetzt musste ich da durch und es stand ja direkt die Bergwertung vor der Tür. Die zog sich mal wieder endlos dahin, der Berg nahm schier kein Ende und hatte nebenbei auch wieder einiges an Gegenwind in petto. A pro pos Wind. Der sollte ja ganz gemächlich sein. Also ein paar Tage vorher. Am Renntag selbst hingegen hat er dann Vollgas gegeben. Dummerweise zumeist von vorn. 😯

Aber es nutzte nichts, da mussten wir durch. Immerhin war wieder, typisch für die Cyclassics, der Straßenrand gesäumt von allerlei jubelnden Anwohnern, so dass wenigstens auf diese Weise jede Menge Motivation entstand, die man nun dem Wind entgegen stellen konnte. Und irgendwann ging es dann ja auch wieder auf den Rückweg Richtung Hamburg, wo der Wind dann von hinten kam und man etwas Zeit bekam, sich zu erholen.

Was dringend nötig war, denn das letzte Viertel der Überlandstrecke ging am Elbdeich entlang. Fahrtrichtung Nordwest, der Wind stürmte aus West bis Nordwest und verfing sich am Deich. Und kam damit selbstredend wieder von Vorn. Am Deich selbst standen wieder jede Menge Menschen und feuerten und an. Und wo keine Menschen standen, standen Schafe. Ohne Locken übrigens, damit man sich mal ein Bild vom Wind machen kann. Die Worte, die überall auf dem Feld zu hören waren, gebe ich hier mal lieber nicht wieder, da wurde nur selten jugendfrei geflucht.

Die neue Streckenführung entlang des Deiches hatte aber auch einen Vorteil. Damit wurde der Stadtteil Harburg ganz gut umfahren. Dort gibt es nämlich einerseits nur sehr wenig Publikum, der Harburger mag offenbar keinen Radsport, und andererseits jede Menge schlechte Straßen. Und da ist die glatte Bundesstraße am Deich deutlich besser zu befahren.

FinishermedailleNun denn, irgendwann waren wir wieder in Hamburg, es gab einen ordentlichen Endspurt durch den Hafen um noch einmal ein wenig Zeit aufzuholen, die am Deich liegen geblieben ist und zum Abschluss kam der Ritt durch die City. Jubelnde Massen auf beiden Seiten der Strecke peitschen dann die letzten 4 Kilometer so richtig nach vorn und ich selbst konnte nach 3 Stunden und 39 Minuten die Ziellinie überfahren.

UrkundeIn der Summe machte das dann den 2573. (von 6.874) Platz in der Gesamtwertung und den 875. (von 2.112) in der Altersklassenwertung. Die Durchschnittsgeschwindigkeit über alles lag bei 32,8 km/h, gegenüber 33,3 im Vorjahr. Auch das ist in Ordnung, hatte ich mir doch 28 km/h als Minimalziel gesetzt. Und erstaunlicherweise war ich am Ende weniger kaputt als zunächst angenommen. Auch gut. 🙂

Nach dem Rennen ist es immer ein wenig komisch. Irgendwie kommt – bis auf literweise Freibier – nichts weiter und so haben wir dann auch ganz fix die Kurve gekratzt. Umso schneller wir wieder auf dem Heimweg sind, umso weniger Stau gibt es. Also nur fix mit der U-Bahn zum Hotel, Auto geschnappt und los. Rennwochenende vorbei. Uff. 🙂

Habe fertig! :-)

Radeln in Mecklenburg: Rund um den Nationalpark Müritz

Radeln in Mecklenburg: Rund um den Nationalpark Müritz

Westlich der Müritz befindet sich der Nationalpark Müritz, den wir – mehr oder weniger – mit dem Fahrrad umrundet haben. Umrundet ist dabei vermutlich nicht der richtige Begriff, wir haben uns eher so grob an seinen Grenzen orientiert, aber wer will da schon Haare spalten? 🙂

Start sollte zunächst Kratzeburg sein, aber auf dem Weg dorthin fanden wir einen Ort vorher, in Dalmsdorf, einen ganz guten Parkplatz und so ging es dann eben genau dort los. Planmäßig fuhren wir also weiter Richtung Kratzeburg, von wo aus wir dann in nördlicher Richtung weiter gen Pievertstorf radelten.

Von Pievertstorf aus ging es dann über Ankershagen nach Friedrichsfelde, wo sich das Heinrich-Schliemann-Museum befindet. Auch im Video gut zu erkennen am großen Trojanischen Pferd im Vorgarten. Die Landstraßen bis dorthin und auch im weiteren Verlauf lassen sich übrigens richtig gut befahren. Es gibt zwar wenige Radwege, aber der Verkehr hält sich in Grenzen und so kommt man durchaus bequem voran und könnte durchaus auch mal mit Kindern unterwegs sein, ohne groß Angst um die Kleinen haben zu müssen.

Ab Federow geht es dann direkt in den Nationalpark und damit dann weiter auf für Radlern ausgewiesenen Wegen. Das bedeutet, das bis Schwarzenhof ein mehr oder weniger gut befahrbarer Waldweg angesagt ist, danach ging es auf einem besseren Trampelpfad neben der Landstraße weiter bis Speck. Hinter Speck folgte dann wieder der Waldweg.

Also alles nicht unbedingt fürs Rennrad geeignet, aber damit trotzdem zu schaffen. Hab ich jedenfalls so gemacht. Im Wald südlich von Speck gibt es dann wieder glatte Betonplattenwege, die dort eher als Wirtschaftswege und für eine lokale Buslinie gedacht, sonst aber für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt sind. Dort kann man also in aller Ruhe radeln.

Kurz nach Speck kommt man übrigens am Käflingsberg vorbei, auf dem sich ein Aussichtsturm befindet. Wir haben den allerdings nicht besucht, denn da kommt man mit dem Rad nicht wirklich bequem raus und ich wollte mein Rennrad nicht unten an der Straße stehen lassen, nicht das ich hinterher plötzlich zwei davon habe.

Im weiteren Verlauf stößt man dann auf den Verbindungsweg zwischen Granziner und Boeker Mühle, wo es in Richtung Granzin weitergeht. Auf halber Strecke endet hier die Sperrung für den Kraftfahrzeugverkehr und es geht auf der Landstraße weiter. Allerdings ist auch hier kaum Verkehr, höchstens mal ein Bauer oder ein paar Urlauber sind unterwegs, also kann man auch hier gemütlich radeln.

In Granzin haben wir dann noch eine kurze Futterpause eingelegt, bevor es dann auf dem Radweg nach Dalmsdorf weiterging, wo die Runde dann zu Ende war. Insgesamt sind es dann 51 Kilometer, die zum selbst nachfahren wie üblich bei Garmin Connect heruntergeladen werden können.