Lastenrad-Service von Ikea: Saubere Sache, aber saulangsam

Lastenrad-Service von Ikea: Saubere Sache, aber saulangsam

Einkaufen bei Ikea. Ein Klassiker. Gehasst, geliebt, viel diskutiert. Und es passiert fast immer mit dem Auto. Auch bei mir sieht das in der Regel so aus: rein in die Karre, zwölf Kilometer zur Ikea-Filiale in Hamburg-Allermöhe dirket an der Autobahn. Rauf auf die riesigen Parkplatz. Oder hoch in den runden Stellplatz-Silo. Anschließend ab in die Ausstellung. CO2-Bilanz der Aktion mit einem Mittelklasse-Kombi: rund 3500 Gramm Kohlendioxid in die Atmosphäre gepustet.

Fahrrad-Café Hamburg: Tolles Service auf St. Pauli

Fahrrad-Café Hamburg: Tolles Service auf St. Pauli

Willkommen: Der Eingang zum Fahrrad-Café

FCSP – dieses Kürzel steht eigentlich für den Fußball-Kultclub FC Sankt Pauli. Direkt um die Ecke vom Millerntorstation, dem Freudenhaus der 2. Liga, gibt es aber eine weitere Pilgerstätte, die mit den vier Buchstaben lockt: das Fahrrad-Café St. Pauli! Gehört hatte ich von diesem Café schon öfter; nun war ich zum ersten Mal da. Und sehr angenehm überrascht.

So muss es sein: Eine junge Radlerin schiebt ihr Peugeot-Vintagerennrad durch die Tür und wird freundlich von Razak begrüßt: „Na, was hast Du für Sorgen“, fragt er. Razak ist Chef des Cafés und möchte bei seinen Kunden vor allem mit gutem und schnellem Service punkten. Das scheint ihm heute gut zu gelingen. Draußen regnet es und vom Peugeot-Renner fallen ein paar Wassertropfen auf den Boden. Für Razak kein Problem. Freundlich widmet er sich der Peugeot-Fahrerin. Sie steht direkt vorm Tresen, auf dem leckere Crossaints in einer Etagere locken.

Einen Fahrradverleih bietet das FCSP auch. Kosten: 10 Euro pro Tag

Genau so stelle ich mir ein gutes Fahrrad-Café vor: leckeres Essen und Schrauberservice unter einem Dach! „Mit dem Reifen stimmt was nicht“, sagt die Peugeot-Frau. Raza erkennt das Problem sofort. Der Schlauch hat sich beim Aufpumpen zwischen Decke und Felgenhorn verklemmt und bildet dort einen störenden Wulst. Ab in die Werkstatt damit. Die liegt direkt neben dem Cafébereich. Schrauberabteilung und Gastrobereich bilden eine gelungenen Einheit. Während der Kunde sein Rad repariert bekommt, kann er mit Sichtkontakt zum Monteur einen Kaffee trinken. In diesen Genuss kommt die Rennrad-Dame heute nicht, denn das Peugeot-Problem ist blitzschnell gelöst und sie kann wieder raus, um durch den Hamburger Bindfaden-Regen zu strampeln. Durch das Wetter ist es heute auch relativ ruhig in Razaks Laden. Zehn Minuten dauert es, bis eine Kundin ihren Beachcruiser ins FCSP schiebt. Ein Platten am Hinterrad. Lässt sich schnell machen, aber die Pannenpilotin will nicht warten und lässt das Rad für die Reparatur in der Werkstatt.

Liebevolle Tischdeko im Fahrradcafé St. Pauli

Der Reparaturbetrieb scheint gut zu laufen. In der Caféabteilung bin ich heute der einzige Kunde. „Die Speisekarte wird gerade überarbeitet“, erklärt mir Razak. „Ich entwickle ein neues Konzept.“ Mehr mag er momentan nicht verraten. Aber ich bin gespannt. Auch ohne Mittagstisch finde ich seinen Ansatz gelungen. „Pick-Up-A-Coffee“ und „Grap-A-Beer“ steht auf seinen Flyern. Genau das richtige für einen Zwischenstopp, wenn Du mit dem Fahrrad auf dem Kiez unterwegs bist. Und natürlich gibt es auch Ersatzteile: Ob Abus-Schloß, neue Kette oder Kleinteile – an einer Verkaufswand hängt, was der gemeine Alltagsbiker so braucht. Über der Ladentür hängt außerdem ein altes Hercules-Rennrad, im Übergang zur Werkstatt ein grünes Peugeot-Mixte aus prominenten Vorbesitz. „Hat mal einem hochrangigen Mitarbeiter der ZEIT gehört“, erklärt Raza. Auch das mag ich: Kleine Storys rund um die schönen Räder, die ich hier sehe. Was will man mehr?

Razak Steinbrich ist Chef des FCSP

Standort, Konzept, Inneneinrichtung, Service – all das finde ich sehr gelungen. Für meinen Geschmack fehlen nur spezielle Fahrradrariäten. Das wäre das I-Tüpfelchen für Hamburgs einziges und echtes Fahrradcafé.

Die Werkstatt liegt direkt neben dem Café
Fahrradkalender für Genießer: Der gehört an die Wand oder "Wer mag schon Katzenkalender?"

Fahrradkalender für Genießer: Der gehört an die Wand oder "Wer mag schon Katzenkalender?"

Verflucht, schon 4. Januar und eigentlich wollte ich diesen Post schon vor Weihnachten schreiben. Mir ist eine Kleinigkeit dazwischen gekommen… Trotzdem: Was nun folgt, ist eigentlich ein ideales Geschenk: ein Kalender! Aber was heißt hier schon Kalender. Ist es ist der Kalender. Zumindest wenn man auf alte und schöne Fahrräder steht. Name: One year of bicycles. Wer ihn nicht kennt, sollte unbedingt weiter lesen. Oder das Ding gleich bestellen. Denn für das Meisterwerk ist es nie zu spät. Auch wenn schon 4. Januar ist. Hinter dem Projekt stecken Nico Thomas vom Altonaer Bicycle Club und Fotograf Peter Rüssmann. Achtung, natürlich bin ich nicht objektiv. Ich kenne beide. Und ich schätze beide. Darum mag ich auch ihren Kalender. Und darum ist dieser Beitrag auch sehr positiv. Nicht, weil ich ein Exemplar geschenkt bekommen habe, sondern weil knallharte Kritik an so einem Herzensprojekt unmöglich ist. Darum: Dieses Ding gehört bei jedem Fahrradfan an jede Wand.

Kalender gibt es ja viele. Hundekalender, klar. Boote, Berge, Bauwerke, logisch. Und natürlich Autos- Sportwagen, Oldtimer, E-Autos… you name, we have it. Inzwischen gibt’s die waldreduzierende Massenare wahrscheinlich auch im Schlussverkauf zu Dumpingpreisen. Mit Fahrradkalendern sieht das schon anders aus. Ein richtig großes Angebot ist nicht vorhanden. Echte Perlen noch viel weniger. Dieser hier ist eine. Die Auswahl der Fahrräder und ihre Darstellung ist einfach richtig gut gelungen. In ästhetischer wie technischer Hinsicht bietet er dem Auge jeden Monat ein Fest. Da kann man jeden Tag länger drauf gucken, ohne das es langweilig wird. Ein echtes Kunstwerk eben.

Nur Vorsicht, wer technische Faszination nur über Carbonrahmen und elektronische Kettenschaltungen definiert, wird sich in der stählernen Welt von vorgestern möglicherweise wie im falschen Film vorkommen. Interesse an Details und solider Mechanik sollten schon vorhanden sein, um mit diesem Werk den vollen Genuss zelebrieren zu können.

Schon mal von einem Diamant gehört? Oder einem Crescent? Klar, der Kenner nickt zustimmend und diskutiert fröhlich mit über ostdeutsche Sporträder und unverwüstliche Velos aus Schwedenstahl. Aber was ist mit einem Tandem von La Perle? Oder das Gladiator Damenrad? Oder der Stadion Halbrenner?

Schon diese Namen machen neugierig. Und was dann lichttechnisch meisterhaft von der Wand strahlt, fesselt den Blick mit fast magischer Kraft. Besonders Hintergrund, Lichtstimmung und Schärfe der Motive sind von überragender Qualität.

Da gibt es absolut nichts zu meckern. Doch wenn ich mir von Nico und Peter etwas wünschen dürfte, dann das: Wer sind die Typen hinter den Rädern? Wem gehören oder gehörten sie? Wer hat sie restauriert, gefunden oder gekauft? Will sagen: Wenn bei „One year of bicycles 2018“ mehr Leben in die Bude kommt, dann wird aus der glatten eins eine eins plus mit Sonnenschein und fünf Sternen. Macht weiter so Jungs.

Und wer das gute Stück jetzt bestellen will, finde diese Möglichkeit hier. Der Kalender kostet 39,95 und 5,95 Euro Versand. 

Squire Snaplok: Originelles Fahrradschloss mit Stil

Squire Snaplok: Originelles Fahrradschloss mit Stil

Firmen, die nach vorne denken, verlassen gerne gewohnte Pfade und wenden dich mit neuen Produkten zunehmend an Blogger. So ist es mir jetzt mit dem Fahrradschloss von Squire ergangen. Die britische Firma fertigt schon seit 1780 Schlösser. Nun möchten die Engländer mit einem besonders coolen Fahrradschloss in der Form eines Karabinerhakens punkten. Mir wurde ein Probeexemplar geschickt. Der Kurztest fällt durchwachsen aus.
Zwei Dinge stören mich als Radfahrer am meisten: schlechtes Wetter und die Notwendigkeit, Fahrräder fast überall ab- und anschließen zu müssen. Ich empfinde dicke und schwere Fahrradschlösser als echte Abturner – ja, als so schlimm, dass sie einem den Spaß am Radfahren nachhaltig verderben oder erst gar nicht aufkommen lassen können. Und über Fahrradklau will ich an dieser Stelle erst gar nichts sagen. Es soll Leute geben, die deswegen das Radfahren aufgegeben haben. Darum: Fahrradschlösser – oder besser Fahrradsicherungssysteme – sind eine hochrelevante Materie.

Wie einfach ist das doch beim Auto: Ein kurzer Druck auf den Schlüssel und klack, schon ist die Kiste per Funk verschlossen. Ach, wie schön wäre das, wenn der Radfahrer auf solchen Komfort zurückgreifen könnte! Kann er aber nicht. Die Realität sind dicke, fette und schwere Ketten, Seile oder Stahlbügel. Design? Nee, steht meist definitiv nicht an erster Stelle. Sondern Sicherheit! Die wird bei Fahrradschlössern in verschiedenen Klassen angegeben und gemeinhin als kaufentscheidend dargestellt. Nach Optik kaufen hier und da ein paar Hippster und Designfreaks. Und das auch nur zähneknirschend. Denn schöne Fahrradschlösser gibt es eigentlich nicht.

Das möchte die Firma Squire gerne mit ihren Snaplock ändern. Das Schloss sieht aus wie ein großer Karabinerhaken. Es öffnet an einer Seite. Der Zahlenschlossmechanismus verschiebt sich dazu als Einheit und lässt sich dann nach außen klappen, wie ein Karabiner eben. Das macht das Teil ungewöhnlich und hebt es positiv von anderen Bügelschlössern ab.

Im Alltagseinsatz bleib bei mir ein zweischneidiger Eindruck. Einerseits mag ich die Gestaltung und die Kompaktheit des Snaplocks, andererseits nervte mich die Bedienung mal mehr mal weniger. Hauptnachteil des Snaplocks ist der geringe Bügeldurchmesser von nur rund 26 Zentimetern. Das schränkt vor allem die Abschließmöglichkeiten an Fahrradständern, Lichtmasten und anderem Stadtmöbiliar stark ein. Das Rad muss sehr nah am zu befestigenden Gegenstand geparkt werden. Und dieser sollte seinerseits eher dünn und filigran sein. Straßenlaterne? Vergiss es! Das Snaplock sucht eher Anschluss an schmale Rohre.

Selbst dann will der Umgang mit dem Schlosskarabiner geübt sein. Mann sollte schon genau wissen, mit welcher Seite und welcher Drehbewegung man den geöffneten Bügel ums Rad und beispielsweise Treppengeländer führt. Wer dabei vergisst, die richtige Seite für die Einstellung der Zahlenkombination nach oben zu legen, wird besonders im Dunkeln fluchen weil er sich zur Eingabe des Öffnungscodes heftig verrenken muss.  Also merke: Einstellmarkierung immer oben und gut sichtbar positionieren.

Ansonsten ist das Schloss solide und handlich. Vor allem der Drehmechanismus für die Zahlen wirkt hochwertige und arbeitet mit satten Klickgeräuschen – das hat was von einem Tresor. Den Code kann man übrigens mit zwei mitgelieferten Werkzeugen beliebig selber einstellen.

Und: Mit dem dazugehörigen Kunststoffhalter am Rahmen befestigt sieht es auch gut aus. Das kann man nicht von besonders vielen Fahrradschlössern behaupten. Mit einem Verkaufspreis um 60 Euro allerdings gehört das Schloss auch zu den teureren Vertretern seiner Art.

Kaufen ja nein? Ja und nein! Ja, wenn mit dem Snaplock ein Vintage-Rennrad oder Singlespeed mit dünnen Stahlrohren gesichert werden soll. Nein, wenn das Schloss an dickrohrigen Mountainbikes, Pedelecs oder modernen Trekkingrädern zum Einsatz kommt. Für diesen Zweck zeigt es sich zu unflexibel und gibt sich sperrig beim Handling.

Geheimtipp: Ein Teileparadies für Fahrradschrauber

Geheimtipp: Ein Teileparadies für Fahrradschrauber

Ein buntes Sammelsurium an Vintage-Fahrradteilen zu günstigen Preisen

Normalerweise geben Fahrradschrauber und -sammler Quellen für Bikes und Teile ja nicht preis, sondern hüten sie wie einen heiligen Gral. Doch manche Geheimtipps sind so gut, dass sie veröffentlicht gehören, weil sie einem guten Zweck dienen. Genau so eine Insideradresse habe ich in Bad Oldesloe etwas nördlich von Hamburg entdeckt und ich wünsche mir, dass der Geheimtipp nicht länger so geheim bleibt wie er mir momentan erscheint. Denn wer hier Fahrräder und -teile kauft, kann sich nicht nur über Vintageteile und schöne „New Old Stock“ (NOS)-Raritäten freuen, sondern tut damit auch gleich etwas für den guten Zweck. Und der hat ja besonders in der Vorweihnachtszeit Hochkonjunktur.

Kaufhaus Mehrwert mit Siebensitzer auf dem Dach

Das „Kaufhaus Mehrwert“ versteckt sich in einem Gewerbegebiet im Südwesten der Kreisstadt Bad Oldesloe. Wer in der Straße Rögen landet, fährt Lkw, ist Vertreter, Lieferant, Abholer, Handwerker oder hat sich verfahren. So wie ich. Durch Zufall bleibt mein Blick an einem Fahrrad mit sieben  Plätzen hängen, das auf dem Dach eines verglasten Industriegeländes steht, hängen. Was ist das bitteschön? Wie kommt das Siebensitzer-Fahrrad dahin?

Ich bin neugierig und parke vor dem Gebäude. In dem stehen weitere Fahrräder. Es handelt sich um das Kaufhaus Mehrwert und gehört zu den Förderwerkstätten Forsthaus, also zu einer Einrichtung für behinderte Menschen. Das macht die Sache doppelt interessant: Fahrradteile shoppen und damit gutes tun. Also schnell rein in den Schuppen. Was ich im Inneren entdecke ist ein großes Sortiment an Ersatz- und Anbauteilen für Fahrräder aller, aber meist älterer Art. Da gibt es einen großen Vorrat an Neuteilen aus längst vergangenen Zeiten. Alte Union-Lampen, hängen neben Campa-Pedalen und Bonanzaradspiegeln, darüber jede Menge Schutzbleche und Streben. Ein Gang weiter unzählige  Reifen in ungewöhnlichen Größen, dazu uralte Schläuche von Conti und Phönix. Und das Schönste daran: Die Preise sind meist okay.

Etwas weiter hinten finden sich Gabeln, Züge Halterungen für Kindersitze wie den längst aus dem Programm verschwundenen Römer Sulky. Mein Sammlerherz schlägt immer schneller und es dauert sehr lange, bis ich das Angebot einigermassen gesichtet habe. Was brauche ich wirklich, was ist überflüssig – wie immer eine schwierige Frage. Ich stelle mir ein buntes Sammlersammelsurium zusammen und eile kurz vor Ladenschluss zur Kasse. Von dem freundlichen Mitarbeiter erfahre ich, dass das meiste Material aus Ladenauflösungen stammt und der Erlös der Behinderten-Einrichtung zu Gute kommt.

Geöffnet ist von Montag bis Freitag zwischen 8 bis 18 Uhr. Adresse: Rögen 18, 23843 Bad Oldesloe. 

Preiswerte fahrradreparaturen gibt es auch