Hätte hätte… Dixitoilette

Hätte hätte… Dixitoilette

Samstag
Heute hat C. mich, unsere Gasttochter Jocelyn und meinen Glücksbringer-Plüschflamingo Klaas nach Rotterdam kutschiert. Wir treffen alle Teilnehmer vom Projekt Dein erster Marathon und holen unsere Startnummern ab. Wir diskutieren unseren Trainingsstand (mehr geht nicht), Zielzeiten (4:30) und Nervositätslevel (tiefenentspannt) und freuen uns.

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Der erste Schritt zum erfolgreichen Marathon: Wir sind im Besitz der Startnummern.

Dann folgt die erste Herausforderung: Ich muss mich am Pasta-Buffet beherrschen. Sonst ist morgen rollen angesagt. Auf ein Glas Rotwein verzichte ich sicherheitshalber auch. Von wegen “Pasta-Party”. Aber das hole ich nach, wenn ich eine Finisherin bin. Dafür folge ich den Anweisungen erfahrener Marathonis und schütte sehr viel Wasser in mich hinein: “Morgen wird es heiß und anstrengend. Nur ein hydrierter Körper kann volle Leistung erbringen.” Ich tanke mich leider derart auf Leistung, dass ich kaum schlafe und ständig zum Klo rennen muss.

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Viel zu laufen ich noch habe.

Sonntag. Raceday
Ich denke, ich werde demnächst einen Marathonratgeber schreiben. Meine Vorbildfunktion lässt mir keine Wahl! Gestern Wasser statt Rotwein, und heute starte ich den großen Tag mit einer Runde Yoga! Außerdem verhalte ich mich am üppigen Frühstücksbuffet äußerst diszipliniert. Dafür sollten hinterher Minuten gutgeschrieben werden.

Kilometer 0
Ich bin gerüstet und immer noch tiefenentspannt. Ehrenflamingo Martin (der heute den langsamsten Marathon seines Lebens laufen wird) steht neben mir. Ich habe meinen durchgeplanten Energiegelvorrat in meiner Energiegelvorratsgürteltasche verpackt und den Rest mit Magneten am T-Shirt befestigt.

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Ein bisschen Radsport muss sein.                                                                                                       (Foto: C.)

An den Dixieklos ist mächtig was los. Ha. Das habe ich erfolgreich gelöst. Zwei Stunden vor dem Start nichts getrunken und soeben noch die Vorteile der Hoteltoilette genutzt. Jetzt kritzele ich meinen Lieblings-Motivationsspruch auf den Arm. Spätestens ab Kilometer 30 werde ich mir den mal anschauen müssen. So. Bereit. Es kann losgehen.

Kilometer 1
Und es geht los. Die Kulisse auf der Erasmusbrug ist der Wahnsinn! Tausende Läufer, Zuschauer, Hubschrauber kreisen, Wasserfontänen spritzen. Und da steht C. und winkt!

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Nicht im Bild: Ich, wie ich mit offenem Mund staune.

Kilometer 3
Ich glaube, ich muss mal.

Kilometer 4
Die Lage ist ernst. Gibt es auf der Strecke denn gar keine mobile Toiletten?

Kilometer 5
Da sind Dixiklos! Ich kann nicht anders. Ich reihe mich in die meterlange Warteschlange ein. Nach einer zweistelligen Minutenzahl entfleuche ich der blauen Plastikhölle. Ihr 42 Kilometer, ich bin sowas von ready für Euch, kommt doch! Und sie kommen. Mit Lichthupe. Es ist der Besenwagen.

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C. hat meine fantastische Laune auf Kilometer 0,8 eingefangen.

Kilometer 6 bis 17
Das hatte ich mir ein klein wenig anders vorgestellt. Martin verzieht keine Miene. Wir rollen den Marathon in unserem niederrheinischen-Feldwege-Lauftempo von hinten auf: Die Allerletzten, die Letzten, der 5:00-Pacemaker, immer weiter. Nicht zu schnell am Anfang – lautet so nicht der ultimative Marathontipp? Ehrenflamingo Martin fragt nach meinem Puls (166) und beruhigt mich. “Bis 170 ist alles im grünen Bereich.” Also weiter.

Kilometer 18
Das niederländische Staatsfernsehen filmt, wie meine Mutter und Jocelyn meinen Namen kreischen, ich zurücklaufe und wir uns in die Arme fallen, küssen, herzen und rasch ein paar Selfies schießen. Ich habe meine Mutter im Verdacht, dass sie am liebsten nebenher radeln würde, um meine Nahrungsaufnahme zu überwachen (“Kind, bitte, nimm noch ein Butterbrot!”). Bei Kilometer 20 würde sie das Fahrrad quer vor mich stellen und resolut sagen: “Das reicht jetzt aber! Die Hitze!”

Kilometer 19 bis 24
Die Hitze macht mir nicht so arg zu schaffen, wie ich befürchtet habe. Dabei habe ich den letzten langen Lauf bei -5 Grad und Schneetreiben absolviert. Allerdings bin ich voll gewappnet: Mütze, Sonnenbrille, UV 50, Israel-abgehärtet, hervorragend hydriert, und ich nehme jeden Schwamm, Schlauch und Verpflegungsstand mit.

Kilometer 25 bis 29
Das ging jetzt aber irgendwie schnell. Ich wundere mich ein bisschen, dass alles soweit in Ordnung ist. Magen, Waden, Knie, Kopf – check. Ich freue mich jedes Mal sehr, wenn ich die Stationen mit den Wasserbechern sehe, also alle fünf Kilometer. Gehen, trinken, ein Gel schlürfen, Wasser über den Kopf gießen, langsam weitertraben. Ich gucke nicht auf die Pace oder die Zeit, sondern nur ab und zu auf meinen Puls. Grüner Bereich. Weiter.

Kilometer 30 bis 32
Bin ich schonmal gelaufen. Kann ich.

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I guess we’re not in Kempen anymore.

Kilometer 33
Warum eigentlich weiter? Ach ja. Ich habe monatelang dafür trainiert. Sehr diszipliniert sogar. Doch ich habe nicht den kompletten Winter auf matschigen Feldwegen anstatt auf der Couch verbracht, um jetzt aufzuhören!  Außerdem tut nix weh. Es ist nur einfach sehr – anstrengend.

Kilometer 34
Ja, die Beine sind schwer. Aber das ist wirklich alles. Reiß dich z’amm, zefix! Woanders müssen Sportler gerade übers Pavé brettern und du jammerst.

Kilometer 35
Duuuurst! Aber wenn ich zuviel auf einmal trinke, gluggert es im Magen.

Kilometer 36
Ich lese, was auf meinem Arm steht. Fremde Menschen feuern mich an “Hup Annette! Dat ziet mooi uit! Goed gedaan!” Konfettiraketen, Gartenpartys, Musikbands, coole Schilder (“Chuck Norris never ran a marathon!”) und Jubelschreie tragen mich weiter.

Kilometer 37
Jemand reicht mir ein Orangenviertel! Oh mein Gott! Es ist die leckerste Zitrusfrucht, die ich je gegessen habe!

Kilometer 38
Da sind meine Eltern, Jocelyn und C.! Wir feiern! Leider kann ich nicht viel sagen, weil eine halbe Apfelsine in meinem Mund steckt.

Kilometer 39
Meine Beine. Herr im Himmel. Meine Füße sind ziemlich lädiert, aber ich glaube, das tut erst später weh. Moment. 39 Kilometer sind ja fast 40 Kilometer! Also quasi schon 42. Theoretisch bin ich bereits im Ziel!

Kilometer 40
Theoretisch. Praktisch klebe ich auf dem Asphalt. Hebe ich meine Beine eigentlich noch?

Kilometer 41
Noch 1195 Meter. Ein Klacks. Renne ich beim Intervalltraining im 4er-Pace. Warum geht es hier so lange geradeaus? Das Ziel müsste längst in Sicht sein! Die haben sich doch vermessen!

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500 Meter vor dem Ziel und die Erkenntnis: Ich schaffe es tatsächlich!

Eine Rechtskurve. Ziel in Sicht. In Sicht! Ja Wahnsinn. Menschenmassen säumen den Straßenrand und jubeln wie bescheuert! Da steht schon wieder meine Familie! C. drückt mir Klaas, den Glücksbringer-Flamingo in die Hand, und ich fliege fast.

Marathon
4:51:13. Ich habe es geschafft! Noch etwas ungläubig falle ich Ehrenflamingo Martin um den Hals. Es ist vorbei. Ich darf wieder gehen. Wenn ich denn nur könnte. Eine unfassbar große Goldmedaille, eine Rose und soviel Getränke wie ich will, lenken mich kurzzeitig von meinen Schmerzen ab.

Meine Garminuhr, die nur die reine Bewegungszeit erfasst, bescheinigt mir sogar eine Zeit von 4:38. Aber das ist mir egal. Der Rotterdam Marathon 2018 und der Weg dorthin waren ein unglaublich tolles Erlebnis! Vielen Dank an das Bunert Team, New Balance und unser #DeinersterMarathon-Team. Und ganz besonders an Ehrenflamingo Martin und C.! Und nicht zu vergessen Christian Siedler, von dem die fantastischen Fotos sind (falls nicht anders gekennzeichnet). Danke!

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Das trägt man jetzt so.                                                                                                                          (Foto: C.)

Fazit
Vorteile eines Marathons: Riesige Goldmedaille. Ruhm für immer. Nachteile eines Marathons: Man kann Paris-Roubaix nicht live gucken und verpasst die RTF Grefrath. Große Schmerzen während des Laufs. Die Frage nach dem Warum. Große Schmerzen nach dem Lauf. Ergo: Nie wieder!

 

Ich mache eine Ausnahme

Ich mache eine Ausnahme

Ich bin ein echtes Glückskind. Im letzten Sommer habe ich bei einem Gewinnspiel auf Facebook einen Startplatz für den Rotterdam Marathon 2018 gewonnen – inklusive Leistungsdiagnostik, Trainingsplan und Ausstattung mit tollen Klamotten von New Balance und Laufsport Bunert. Hurra! Wie cool!

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Gleich fließt Blut. Wegen der Leistungsdiagnostik.

Was ich nicht bedacht habe: Marathonvorbereitung findet nicht auf dem Rennrad statt. Außerdem ist sie anstrengend und zeitintensiv. “Jetzt heißt es wohl ‘Quäl dich, du Sau!'”, denke ich, als ich meinen meterlangen Trainingsplan an den Kühlschrank klebe. Das findet auch der beste Läufer der Welt, Ehrenflamingo Martin. Ich hege den Verdacht, dass es ihm a) große Freude bereitet, mir bei der Umsetzung der Trainingskilometer behilflich zu sein und b) mich dabei leiden zu sehen.

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Seit ein paar Monaten verläuft mein Leben nach Plan.

Zu meinem großen Bedauern lässt er keine einzige meiner ständigen und sehr kreativen Ausreden, warum das Training heute unbedingt ausfallen muss, gelten.
“Zu dunkel!” – “Super, dann kriegen wir keinen Sonnenbrand.”
“Es regnet!” – “Die meisten Tropfen fallen daneben.”
“Zu kalt!” – “Dann trainierst du nicht hart genug.”
Kurz gesagt: Ich profitiere enorm von Ehrenflamingo Martins Laufenthusiasmus und seiner Erfahrung.

Außerdem kommt mir während meiner Marathonvorbereitung zugute, dass C. Lehrer ist. Ihn haut nichts um, und sogar Engel beneiden ihn ob seiner Geduld. Das ist sehr praktisch. Zum Beispiel, wenn ich abends nach Hause komme und direkt meine Laufklamotten anziehe, anstatt mit ihm und unserer Gasttochter zu kochen. “Nur rasch ein bisschen Fartlek in hügeligem Gelände”, sage ich und verschwinde mit Ehrenflamingo Martin auf niederrheinische Feldwege. Wenn ich dann eine Stunde später – geplättet, ausgehungert, muskelverkatert – zuhause auftauche, steht das Essen auf dem gedeckten Tisch.

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Voll gelenkig. Vielleicht hilft das ja.

Meine Erwartungen: Als ich im Juli die frohe Botschaft erhielt, eine von den “Dein erster Marathon”-Gewinnerinnen zu sein, malte ich mir mein tägliches Training aus: in fantastischen Sportklamotten schwebe ich mühelos und in vorbildlicher Lauftechnik kilometerweit über Straßen und Wege. Im Sonnenschein, versteht sich. Vögel singen. Menschen am Wegesrand klatschen Beifall. Mein perfekt frisiertes Haar flattert leicht im Wind, eine sanfte Röte umschmeichelt meine Wangen, und ein zufriedenes Lächeln ob meiner Tüchtigkeit umspielt meine Mundwinkel. Ich bin das fleischgewordene Model aller Laufmagazine, die neue Lauf-Fluencerin am Instagram-Himmel. Jaaaa! Herrlich wird das!

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Immerhin: die Stimmung in unserer Marathon-Truppe ist fantastisch.

Reality-Check: Im Dezember ist es um 18 Uhr sehr dunkel. Nach Hause geradelt, im bescheuerten Regen klatschnass geworden und fast erfroren. C. liegt auf dem Sofa und netflixt. Umziehen. Lampen und Reflektorgedöns anschnallen. Weinen. Gleich kommt Martin. 75 Minuten GA1. Es gibt kein Entrinnen. Ich platsche in Pfützen. Da vorne ist Schlamm. Im Lauf-Delirium male ich mir aus: “Wenn ich darin versinke und umknicke, dann muss C. mich abholen und die Qualen haben ein Ende.” Aber ich werde nur dreckig und schwitze. Naja, immerhin das mit den fantastischen Sportklamotten stimmt – auch wenn die im Dunkeln niemand sehen kann.

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Eiseskälte! Aber in bester Gesellschaft.

Plötzlich sind es nur noch 4 Wochen! Kreisch! Panik! Laufe ich schnell, weit, intensiv genug? Sind die Bauchmuskeln stabil? Meine Psyche gefestigt, damit ich nicht an der ersten Versorgungsstation versehentlich in einen Liegestuhl gleite? Drückt mir die Daumen.

Fazit: Ich bin eine echte Ausnahmeläuferin, denn ich mache das bestimmt nie wieder. Doch mehr dazu kann ich wohl erst nach dem 8. April berichten… See you in Rotterdam and see you soon, Bonnie!

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Lassen Sie mich durch! Ich muss 42 Kilometer laufen!

P.S. Die fantastischen Fotos hat natürlich Christian Siedler gemacht. Danke!

 

Cross. Krass.

Cross. Krass.

Der Storck Store Düsseldorf hat zum Biken mit anschließendem Cyclocross-WM-gucken eingeladen. Storck-Crosser testen inklusive! Ich bin begeistert und melde mich sofort an. Außerdem “überrede” ich Ehrenflamingo Martin ebenfalls mitzukommen, und so nehmen wir am Sonntagmorgen um halb zehn unsere coolen Leihräder in Empfang.

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Ich habe mich natürlich direkt in meinen kleinen Storck Crosser verliebt.

“Crosser sind die Härtesten und deshalb wird bei jedem Wetter gefahren”, lautete die Ansage. Einerseits: Ha! Ich gehöre zu den Härtesten! Andererseits: Ich werde erfrieren! Null Grad. Bis ins Flachland ist Schnee angesagt! Ich ziehe mich so dick an wie möglich. Die Kanada-Kälte und frühe Uhrzeit interessieren jedoch niemanden. Wir sind so viele, dass ich beim heimlichen Durchzählen immer durcheinander komme. Noch ein Schluck Kaffee, Helme zurechtrücken, Garmins anwerfen – und schon rollen wir in einem riesigen Pulk Richtung Hamm.

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Grill-Suchbild. Geschickte Motivation vor der Tour.                                                             (Fotos: Martin)

Wir düsen durch einen Park, und mein erster Cross-Einsatz erfolgt dort auf einem unbefestigten Weg. Easy! Kann ich! Herrlich! Außerdem sind alle total nett. Marc vom Storck Store fragt, ob alles passt, Ich schwärme, dass der Crosser sich wunderbar fährt und verschweige meine bereits geschmiedeten Entführungspläne. Ich fühle mich wie ein alter Hase, als ich erwähne, dass ich den Sattel niedrig genug eingestellt habe, um im Gelände rasch die Füße auf den Boden setzen zu können. Marc nickt bestätigend. Ich verspiele meine Profi-Credits sofort wieder, als ich erzähle, dass ich mit Rennradschuhen- und Pedalen unterwegs bin. Eher ungünstig sei das, meint Marc vorsichtig. Ach. Ach was. Das funktioniert doch super!

Dann erreichen wir den Deich. Anstatt oben den Weg zu benutzen, stürzen sich die ersten lemminggleich den Deichabhang hinunter. Willkommen auf der aufgeweichtesten Wiese der Welt. Ich trete wie bescheuert, komme aber trotzdem kaum vorwärts. Inzwischen bin ich sehr sauer auf die Wiese und kämpfe mich schiebend auf den Weg zurück. Und los! Oha… wie ungünstig. Ich habe Einklick-Probleme, weil sich der Matsch natürlich in meinen Cleats festgesetzt hat. Rauspopeln, lächeln und weiter.

Bei einem Cross-Rennen müssen auch Tragepassagen gemeistert werden.

Er sieht aus wie ich mich fühle.                                                                 (Foto: Felt/Pressedienst Fahrrad)

Endlich erreichen wir einen Wald. Winzige Schneeflocken rieseln auf uns herab. Alles ist sehr romantisch und so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Wir cruisen über Wege und Wurzeln, weichen Sträuchern aus, umfahren Baumstämme. Dann kommt der Schlamm. Weil ich bestrebt bin, meine Füße nie wieder auf den Boden zu setzen, um keinen weiteren Matsch-Cleat-Gau mehr anzurichten, pflüge ich stumpf überall durch. Das klappt hervorragend und ich lobe mich selbst für meine fantastische Radbeherrschung. Es macht enorm Spaß!

Allerdings bin ich sehr froh, dass ich momentan recht fit bin. Warum hat mir vorher kein Mensch (nicht mal Maren!) erzählt, wie unglaublich anstrengend Cyclocross ist? In einem Feld von ungefähr 30 Männern und einer Frau (die ich alle im Verdacht habe, sich hier nur für Valkenburg warmzurollen) gebe ich alles, um sowohl geschickt als auch schnell zu wirken.

Das gelingt wohl nur mäßig. Ich werde geschoben. Geschoben! Ich! Immer wieder mal ein Stückchen. Ich schnaufe. Aber nicht aus Empörung, sondern aus Erleichterung. Denn das hier haut wirklich rein, weil ich nicht einfach mal entspannt ein paar Meter Windschatten lutschen und rollen kann. Die Miniaturflocken haben sich inzwischen in einen Schneesturm verwandelt, und wenn ich je braver than the elements war, dann heute. Nachdem wir eine steile Schlammrinne überwunden haben, fahren wir auf einem rutschigen Wurzelstocksteinedamm kilometerweit geradeaus. Mein Schiebeheld heißt Jörn, und sein Arm liegt zuverlässig auf meinem Rücken (an dieser Stelle noch einmal: Danke, lieber Jörn!).

Ah, die Vorhut hält an. Toll. Einmal durchatmen. Ich bremse, möchte ausklicken. Ausklicken. Ausklicken! Panisch greife ich nach Jörn und in das blaue Trikot des netten Radlers neben ihm – und reiße beide zu Boden. In den Schlamm. Welch Schmach. Wahrscheinlich bietet mir gleich jemand Stützräder an. “Alles ok”, versichern sie mir glaubhaft. Ich liege käfergleich im Dreck und strecke den Crosser an meinen vermatschten Pedalen in die Höhe, als mich gleich mehrere Retter wieder in die richtige Position hieven. In die Fahrposition nämlich.

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Ich bin sehr dreckig und kann noch lachen. Tour gelungen!

Nur noch eine halbe Stunde im fiesen Hagelschauergegenwind trennen uns jetzt von unserem Ziel im Hafen. Nach 60 Kilometern und 300 Höhenmetern klicke ich mich dort (unfallfrei) aus und schaffe es, mich auf dem Weg zu meiner Tasche sowohl an den Keksen, Salz- und Käsestangen zu bedienen, bevor ich zu Cola und Fruchtquetschbeutel wechsele und dann nahtlos zu den Bratwürstchen übergehe.

Fazit
Das war eine ziemlich coole Aktion, und ich will das unbedingt nochmal machen. Außerdem: Crosser sind die Härtesten!

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Erst die Crosser kärchern, danach gibt’s Bratwürstchen.

 

 

Schnurri, Schlamm und Schweinehund

Schnurri, Schlamm und Schweinehund

Gut, mein Rennrad habe ich aus wettertechnischen Gründen vernachlässigt. Aber weder Winter noch Marathontraining können eine Entschuldigung dafür sein, mein Mountainbike in der Garage hängen zu lassen. Zumal ich auch für Schnurri einen megabreiten Specialized-Sattel bestellt habe. Und schon länger spielte ich mit dem Gedanken, endlich mal an der Mädelsrunde teilzunehmen, die die Duisburger Cycle Culture Company samstags anbietet.

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Claudia, Claudia und ich sind abenteuerlustig. Und sehr sauber.

Diesen Samstag also, beschließe ich. “Regen! Schneeschauer! Arktische Kälte! Auf keinen Fall!”, beschließt mein Schweinehund. Dann weht und wütet auch noch Orkan Friederike. “Findet die Tour überhaupt statt?”, frage ich deshalb vorsichtig nach. Holger von der Cycle Culture Company schreibt zurück, dass “unser” Waldgebiet freigegeben sei und die Mädelsrunde deshalb stattfinde. “Auch bei Regen.”

Und so treffe ich in Duisburg Claudia und Claudia, die genauso nett wie fahrtechnisch versiert sind. Holger schießt noch ein Vorher-Foto, und in weniger als zehn Minuten sind wir bereits über die Autobahnbrücke hinweg gesaust und mitten im Wald. Schon nach den ersten Metern müssen wir Bäumen ausweichen, die entwurzelt auf den Wegen liegen. Friederike hat ganze Arbeit geleistet. Stöcke, Äste, Zweige, Stämme – immer wieder müssen wir uns einen neuen Weg suchen, weil wir nicht weiterkommen.

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Der Beweis: ich bin gefahren wie die Sau.

Dass Claudia die Strecke improvisiert merke ich eh nicht, weil ich absolut keine Ahnung habe, wo ich mich befinde. Könnte auch Bayern sein: Berge, Wald, grüne Hänge. “Das ist alles Duisburg?”, wundere ich mich zwischendurch dann doch. “Nee, hier ist Mülheim”, antworten die Claudias. Oder: “Das gehört zu Essen.” Ich versuche die Aussicht zu genießen, muss mich aber viel zu sehr konzentrieren, um das ganze Grün (so viel Landschaft! Mitten im Ruhrgebiet!) adäquat anerkennen zu können.

Denn merke: Mountainbiken ist anstrengend! Zumal bei komplett aufgeweichtem Untergrund. Oder wenn die letzte Ausfahrt (auf trockenen, breiten, festgestampften Waldwegen) mehr als ein Jahr zurückliegt. Wir fahren auf den Grand Canyon zu, laubbedeckt. 90 Grad runter, drei Wurzeln, 90 Grad hoch. Die Claudias flitzen runter. Und wieder hoch. Ich wähle die Option Schieben und Schlittern. Und weiter. Durch Schlammlöcher und metertiefe, lange Pfützen, nasse Wiesen und immer wieder über friederikegewehte Hölzer.

Wir halten vor einer wurzeligen, steinigen, laubigen Schlammrinne. Oh je. Da runter? Jawohl. Da runter. Claudia fragt, ob mir die “Grundposition” etwas sagt. Ich nicke erleichtert. Mein Fahrtechnikkurs liegt zwar etwas länger zurück, aber die Grundlagen sind noch da. In selbiger Position solle ich ihr einfach folgen, auch einfach über die Wurzeln fahren. Geschwindigkeit stabilisiere. Und wenn es nicht klappt – schieben. Macht ja auch nichts. Die Claudias fahren vor. Ich verteile mein Körpergewicht, versuche, nicht zu bremsen und rolle hinterher. Ich komme an! Es hat geklappt! Yay!

Mittlerweile sehe ich mit den ganzen Schlammspritzern im Gesicht aus wie das Sams, und Schnurri und meine Klamotten tragen eine Modderschicht. Das macht einen Schweinespaß! Allerdings haben die Pfützen, die wir ständig durchtauchen, für klatschnasse Füße gesorgt. Hmm, ob wir vielleicht doch bald ankommen?

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Nass, kalt und sehr dreckig. Kurz: eine gelungene Tour.

Ich fahre tapfer weiter, verpasse vor lauter auf-den-Weg-achten zwei Rehe und überlege, wo wir wohl sein mögen. Es geht jetzt ständig leicht bergab. Ein gutes Zeichen, glaube ich. Claudia warnt mich vor fiesen Querrillen. Eine sehe ich zu spät, bin aber gerade ziemlich in Fahrt. Mein Glück. Es rummst nur kurz, ich federe ab und fahre weiter. Passt doch.

Da, die gelbe Brücke und die “Keksdosen” der Uni Duisburg. Ich kenne mich wieder aus! Der Asphalt hat uns wieder. Wie einfach man hier doch fahren kann. Wenn die Autos nicht wären. Im Hof der Cycle Culture Company wartet bereits Holger auf uns.

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Fazit: 29 Kilometer, 333 Höhenmeter und ein paar Kubikmeter Schlamm.

Er schießt ein Nachher-Foto und serviert uns Pfefferminztee. Herrlich! Wir schlürfen Heißgetränke, wärmen uns die Finger an den Tassen und merken erst jetzt, dass es tatsächlich regnet und ziemlich kalt ist. Dann rollt Holger ein paar Meter Schlauch aus und befreit unsere Mountainbikes von ihrer Schlammschicht. So sauber wie selten hieve ich Schnurri in den Kofferraum.

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Gibt es auch Helme, die nicht wie halbierte Bowlingkugeln das komplette Outfit zerstören? Frage für eine Freundin.

Holger gibt mir noch Tipps fürs nächste Mal: Reifen nicht zu prall aufpumpen; Sattel (extreme Begeisterung ob dieses Sattels, übrigens!) erstmal waagerecht ausrichten und von da weiterarbeiten. A propos “nächstes Mal” – ich freue mich schon riesig auf die nächste Mountainbiketour!

 

Gestatten, Bonnie

Gestatten, Bonnie

Ich habe Bonnie in den letzten Monaten ein bisschen vernachlässigt. Ein bisschen sehr. Aus Gründen. Doch im April machen wir wieder den Niederrhein unsicher. Bis dahin bekommt Bonnie schon mal einen eigenen Blogpost, schließlich habe ich sie noch gar nicht richtig vorgestellt. Also: Bonnie – Blogleser, Blogleser – Bonnie.

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Der DHL-Bote weigerte sich übrigens zu glauben, dass das Paket ein Fahrrad enthalten sollte: “Viel zu leicht!”

Nachdem ich im vergangenen Jahr einsehen musste, dass Nessi (Corratec RT Corones) eine Nummer zu groß für mich war, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an, dass ich ein neues Rennrad brauchte. Ich wälzte ein paar Kubikmeter Rennradzeitschriften (wenn ich nicht gucke, versucht C. sie als „Altpapier“ deklariert in die Mülltonne zu schmuggeln) und verlor mich recherchierte in Rennradinternetforen.

Mein Vorteil: dank des fantastischen Bikefittings bei Ralf Kleckers wusste ich buchstäblich auf den Millimeter genau, wie mein zukünftiger Renner gebaut sein und worauf ich achten sollte. Meine Wahl fiel deshalb auf ein Rennrad von Rose (Rose Xeon Team GF-300/Ultegra) Bezahlbar! Top-Qualität und Ausstattung! Toller, kompetenter Service! Und vor allem konnte ich direkt meine Sonderwünsche (z.B. den Ritchey Steem Lenker, gaaanz schmal) konfigurieren.

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Ich vertrieb mir die Wartezeit damit, dieses Foto anzustarren und mir herrliche Touren auszumalen.

Dann kam der schlimmste Teil des Rennradkaufs: das Warten. Eeeendlich, irgendwann im April, erreichte mich schließlich ein großes, federleichtes Paket. Bonnie! Noch in der Agentur drehte ich stolz und glücklich grinsend eine Runde zwischen den Regalen. Fantastisch! Und so schön! Ich radelte verliebt nach Hause und meldete mich direkt, wie mit Ralf vereinbart, zum Bikefitting an.

“Perfekt, das sieht doch gleich ganz anders aus”, begrüßte er mich, noch bevor er mit seinen Lasermessschwertern hantieren konnte. Pedalen, Spacer, Lenker – Ralf kümmerte sich um das Feintuning, montierte den Sattel, den er mir empfohlen hat (in der Konfigurierung bei Rose leider nicht zu haben, deshalb bei bike24 bestellt) und guckte so zufrieden wie ich mich fühlte, bevor er uns auf die Straße entließ.

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I found my Sattelglück! (Foto: bike24)

Ich flitzte kittelgleich nach Kempen und präsentierte C. mein Rennrad. Er lobte alles sehr fachgerecht, dann blieb sein Blick am Sattel hängen. “Hast du dir da einen Spaten drangeschnallt?” Zugegeben, die länglichen Sattel sehen etwas schnittiger aus. Aber das hier ist das beste, bequemste und tollste Teil ever, auf dem mein radelndes Hinterteil je Platz genommen hat! Und dann noch die Carbon-Sattelstütze! Ich feiere das mal in einem Klischee ab: Ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Genau wie Ralf es vorhergesagt hat (“Mit einem richtig eingestellten Rad wirst du locker zwei Kilometer pro Stunde schneller”) bin ich tatsächlich schneller geworden. Ich bringe mehr Energie auf die Straße, denn ich muss nicht mehr irgendwelche Körperteile in Position rücken oder meine Schultern zusammenkrampfen, weil meine Hände auf den weit entfernten Bremshörnchen liegen. Und ich kann mich so richtig in den Unterlenker hängen.

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Auch wenn es Bonnie mir sehr leicht macht, treten muss ich immer noch selber. Zum Beispiel beim 1. Kendel Radrennen in St. Hubert. Ächz. (Foto: Ehrenflamingo Martin)

Inzwischen habe ich zirka 2000 Kilometer auf Bonnie zurückgelegt. Hoch, runter, weit, kurz, schnell, sehr schnell. Mein Fazit: Fantastisch! Und falls Ihr Euch wundert – nein, Rose bezahlt mich für diese Lobhudelei nicht (ähm, Ihr Bocholter, falls Ihr mitlest: ich teste aber gern mal einen Crosser für Euch. Oder habt Ihr ein Team? Ich fahr mit! Voll schnell, versprochen!)

P.S.
Und das Aussehen?! Bonnie ist matt schwarz und die Lackierung sehr unempfindlich. Außerdem ist das Rad so leicht, dass sich mir die Carbon-Alu-Gretchenfrage erst gar nicht gestellt hat. Zudem befindet sich die hintere Bremse hübsch versteckt recht weit unten am Rahmen, für den cleanen Look.

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Und zu schwarz kann man ja alles tragen. #sockdoping #buyallthesocks #idid