Cross. Krass.

Cross. Krass.

Der Storck Store Düsseldorf hat zum Biken mit anschließendem Cyclocross-WM-gucken eingeladen. Storck-Crosser testen inklusive! Ich bin begeistert und melde mich sofort an. Außerdem “überrede” ich Ehrenflamingo Martin ebenfalls mitzukommen, und so nehmen wir am Sonntagmorgen um halb zehn unsere coolen Leihräder in Empfang.

img_5672

Ich habe mich natürlich direkt in meinen kleinen Storck Crosser verliebt.

“Crosser sind die Härtesten und deshalb wird bei jedem Wetter gefahren”, lautete die Ansage. Einerseits: Ha! Ich gehöre zu den Härtesten! Andererseits: Ich werde erfrieren! Null Grad. Bis ins Flachland ist Schnee angesagt! Ich ziehe mich so dick an wie möglich. Die Kanada-Kälte und frühe Uhrzeit interessieren jedoch niemanden. Wir sind so viele, dass ich beim heimlichen Durchzählen immer durcheinander komme. Noch ein Schluck Kaffee, Helme zurechtrücken, Garmins anwerfen – und schon rollen wir in einem riesigen Pulk Richtung Hamm.

img_5677

Grill-Suchbild. Geschickte Motivation vor der Tour.                                                             (Fotos: Martin)

Wir düsen durch einen Park, und mein erster Cross-Einsatz erfolgt dort auf einem unbefestigten Weg. Easy! Kann ich! Herrlich! Außerdem sind alle total nett. Marc vom Storck Store fragt, ob alles passt, Ich schwärme, dass der Crosser sich wunderbar fährt und verschweige meine bereits geschmiedeten Entführungspläne. Ich fühle mich wie ein alter Hase, als ich erwähne, dass ich den Sattel niedrig genug eingestellt habe, um im Gelände rasch die Füße auf den Boden setzen zu können. Marc nickt bestätigend. Ich verspiele meine Profi-Credits sofort wieder, als ich erzähle, dass ich mit Rennradschuhen- und Pedalen unterwegs bin. Eher ungünstig sei das, meint Marc vorsichtig. Ach. Ach was. Das funktioniert doch super!

Dann erreichen wir den Deich. Anstatt oben den Weg zu benutzen, stürzen sich die ersten lemminggleich den Deichabhang hinunter. Willkommen auf der aufgeweichtesten Wiese der Welt. Ich trete wie bescheuert, komme aber trotzdem kaum vorwärts. Inzwischen bin ich sehr sauer auf die Wiese und kämpfe mich schiebend auf den Weg zurück. Und los! Oha… wie ungünstig. Ich habe Einklick-Probleme, weil sich der Matsch natürlich in meinen Cleats festgesetzt hat. Rauspopeln, lächeln und weiter.

Bei einem Cross-Rennen müssen auch Tragepassagen gemeistert werden.

Er sieht aus wie ich mich fühle.                                                                 (Foto: Felt/Pressedienst Fahrrad)

Endlich erreichen wir einen Wald. Winzige Schneeflocken rieseln auf uns herab. Alles ist sehr romantisch und so, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Wir cruisen über Wege und Wurzeln, weichen Sträuchern aus, umfahren Baumstämme. Dann kommt der Schlamm. Weil ich bestrebt bin, meine Füße nie wieder auf den Boden zu setzen, um keinen weiteren Matsch-Cleat-Gau mehr anzurichten, pflüge ich stumpf überall durch. Das klappt hervorragend und ich lobe mich selbst für meine fantastische Radbeherrschung. Es macht enorm Spaß!

Allerdings bin ich sehr froh, dass ich momentan recht fit bin. Warum hat mir vorher kein Mensch (nicht mal Maren!) erzählt, wie unglaublich anstrengend Cyclocross ist? In einem Feld von ungefähr 30 Männern und einer Frau (die ich alle im Verdacht habe, sich hier nur für Valkenburg warmzurollen) gebe ich alles, um sowohl geschickt als auch schnell zu wirken.

Das gelingt wohl nur mäßig. Ich werde geschoben. Geschoben! Ich! Immer wieder mal ein Stückchen. Ich schnaufe. Aber nicht aus Empörung, sondern aus Erleichterung. Denn das hier haut wirklich rein, weil ich nicht einfach mal entspannt ein paar Meter Windschatten lutschen und rollen kann. Die Miniaturflocken haben sich inzwischen in einen Schneesturm verwandelt, und wenn ich je braver than the elements war, dann heute. Nachdem wir eine steile Schlammrinne überwunden haben, fahren wir auf einem rutschigen Wurzelstocksteinedamm kilometerweit geradeaus. Mein Schiebeheld heißt Jörn, und sein Arm liegt zuverlässig auf meinem Rücken (an dieser Stelle noch einmal: Danke, lieber Jörn!).

Ah, die Vorhut hält an. Toll. Einmal durchatmen. Ich bremse, möchte ausklicken. Ausklicken. Ausklicken! Panisch greife ich nach Jörn und in das blaue Trikot des netten Radlers neben ihm – und reiße beide zu Boden. In den Schlamm. Welch Schmach. Wahrscheinlich bietet mir gleich jemand Stützräder an. “Alles ok”, versichern sie mir glaubhaft. Ich liege käfergleich im Dreck und strecke den Crosser an meinen vermatschten Pedalen in die Höhe, als mich gleich mehrere Retter wieder in die richtige Position hieven. In die Fahrposition nämlich.

img_5679

Ich bin sehr dreckig und kann noch lachen. Tour gelungen!

Nur noch eine halbe Stunde im fiesen Hagelschauergegenwind trennen uns jetzt von unserem Ziel im Hafen. Nach 60 Kilometern und 300 Höhenmetern klicke ich mich dort (unfallfrei) aus und schaffe es, mich auf dem Weg zu meiner Tasche sowohl an den Keksen, Salz- und Käsestangen zu bedienen, bevor ich zu Cola und Fruchtquetschbeutel wechsele und dann nahtlos zu den Bratwürstchen übergehe.

Fazit
Das war eine ziemlich coole Aktion, und ich will das unbedingt nochmal machen. Außerdem: Crosser sind die Härtesten!

img_5680

Erst die Crosser kärchern, danach gibt’s Bratwürstchen.

 

 

Schnurri, Schlamm und Schweinehund

Schnurri, Schlamm und Schweinehund

Gut, mein Rennrad habe ich aus wettertechnischen Gründen vernachlässigt. Aber weder Winter noch Marathontraining können eine Entschuldigung dafür sein, mein Mountainbike in der Garage hängen zu lassen. Zumal ich auch für Schnurri einen megabreiten Specialized-Sattel bestellt habe. Und schon länger spielte ich mit dem Gedanken, endlich mal an der Mädelsrunde teilzunehmen, die die Duisburger Cycle Culture Company samstags anbietet.

img_5573

Claudia, Claudia und ich sind abenteuerlustig. Und sehr sauber.

Diesen Samstag also, beschließe ich. “Regen! Schneeschauer! Arktische Kälte! Auf keinen Fall!”, beschließt mein Schweinehund. Dann weht und wütet auch noch Orkan Friederike. “Findet die Tour überhaupt statt?”, frage ich deshalb vorsichtig nach. Holger von der Cycle Culture Company schreibt zurück, dass “unser” Waldgebiet freigegeben sei und die Mädelsrunde deshalb stattfinde. “Auch bei Regen.”

Und so treffe ich in Duisburg Claudia und Claudia, die genauso nett wie fahrtechnisch versiert sind. Holger schießt noch ein Vorher-Foto, und in weniger als zehn Minuten sind wir bereits über die Autobahnbrücke hinweg gesaust und mitten im Wald. Schon nach den ersten Metern müssen wir Bäumen ausweichen, die entwurzelt auf den Wegen liegen. Friederike hat ganze Arbeit geleistet. Stöcke, Äste, Zweige, Stämme – immer wieder müssen wir uns einen neuen Weg suchen, weil wir nicht weiterkommen.

img_5568

Der Beweis: ich bin gefahren wie die Sau.

Dass Claudia die Strecke improvisiert merke ich eh nicht, weil ich absolut keine Ahnung habe, wo ich mich befinde. Könnte auch Bayern sein: Berge, Wald, grüne Hänge. “Das ist alles Duisburg?”, wundere ich mich zwischendurch dann doch. “Nee, hier ist Mülheim”, antworten die Claudias. Oder: “Das gehört zu Essen.” Ich versuche die Aussicht zu genießen, muss mich aber viel zu sehr konzentrieren, um das ganze Grün (so viel Landschaft! Mitten im Ruhrgebiet!) adäquat anerkennen zu können.

Denn merke: Mountainbiken ist anstrengend! Zumal bei komplett aufgeweichtem Untergrund. Oder wenn die letzte Ausfahrt (auf trockenen, breiten, festgestampften Waldwegen) mehr als ein Jahr zurückliegt. Wir fahren auf den Grand Canyon zu, laubbedeckt. 90 Grad runter, drei Wurzeln, 90 Grad hoch. Die Claudias flitzen runter. Und wieder hoch. Ich wähle die Option Schieben und Schlittern. Und weiter. Durch Schlammlöcher und metertiefe, lange Pfützen, nasse Wiesen und immer wieder über friederikegewehte Hölzer.

Wir halten vor einer wurzeligen, steinigen, laubigen Schlammrinne. Oh je. Da runter? Jawohl. Da runter. Claudia fragt, ob mir die “Grundposition” etwas sagt. Ich nicke erleichtert. Mein Fahrtechnikkurs liegt zwar etwas länger zurück, aber die Grundlagen sind noch da. In selbiger Position solle ich ihr einfach folgen, auch einfach über die Wurzeln fahren. Geschwindigkeit stabilisiere. Und wenn es nicht klappt – schieben. Macht ja auch nichts. Die Claudias fahren vor. Ich verteile mein Körpergewicht, versuche, nicht zu bremsen und rolle hinterher. Ich komme an! Es hat geklappt! Yay!

Mittlerweile sehe ich mit den ganzen Schlammspritzern im Gesicht aus wie das Sams, und Schnurri und meine Klamotten tragen eine Modderschicht. Das macht einen Schweinespaß! Allerdings haben die Pfützen, die wir ständig durchtauchen, für klatschnasse Füße gesorgt. Hmm, ob wir vielleicht doch bald ankommen?

img_5569

Nass, kalt und sehr dreckig. Kurz: eine gelungene Tour.

Ich fahre tapfer weiter, verpasse vor lauter auf-den-Weg-achten zwei Rehe und überlege, wo wir wohl sein mögen. Es geht jetzt ständig leicht bergab. Ein gutes Zeichen, glaube ich. Claudia warnt mich vor fiesen Querrillen. Eine sehe ich zu spät, bin aber gerade ziemlich in Fahrt. Mein Glück. Es rummst nur kurz, ich federe ab und fahre weiter. Passt doch.

Da, die gelbe Brücke und die “Keksdosen” der Uni Duisburg. Ich kenne mich wieder aus! Der Asphalt hat uns wieder. Wie einfach man hier doch fahren kann. Wenn die Autos nicht wären. Im Hof der Cycle Culture Company wartet bereits Holger auf uns.

img_5571

Fazit: 29 Kilometer, 333 Höhenmeter und ein paar Kubikmeter Schlamm.

Er schießt ein Nachher-Foto und serviert uns Pfefferminztee. Herrlich! Wir schlürfen Heißgetränke, wärmen uns die Finger an den Tassen und merken erst jetzt, dass es tatsächlich regnet und ziemlich kalt ist. Dann rollt Holger ein paar Meter Schlauch aus und befreit unsere Mountainbikes von ihrer Schlammschicht. So sauber wie selten hieve ich Schnurri in den Kofferraum.

img_5570

Gibt es auch Helme, die nicht wie halbierte Bowlingkugeln das komplette Outfit zerstören? Frage für eine Freundin.

Holger gibt mir noch Tipps fürs nächste Mal: Reifen nicht zu prall aufpumpen; Sattel (extreme Begeisterung ob dieses Sattels, übrigens!) erstmal waagerecht ausrichten und von da weiterarbeiten. A propos “nächstes Mal” – ich freue mich schon riesig auf die nächste Mountainbiketour!

 

Gestatten, Bonnie

Gestatten, Bonnie

Ich habe Bonnie in den letzten Monaten ein bisschen vernachlässigt. Ein bisschen sehr. Aus Gründen. Doch im April machen wir wieder den Niederrhein unsicher. Bis dahin bekommt Bonnie schon mal einen eigenen Blogpost, schließlich habe ich sie noch gar nicht richtig vorgestellt. Also: Bonnie – Blogleser, Blogleser – Bonnie.

bonnie-und-ich

Der DHL-Bote weigerte sich übrigens zu glauben, dass das Paket ein Fahrrad enthalten sollte: “Viel zu leicht!”

Nachdem ich im vergangenen Jahr einsehen musste, dass Nessi (Corratec RT Corones) eine Nummer zu groß für mich war, freundete ich mich langsam mit dem Gedanken an, dass ich ein neues Rennrad brauchte. Ich wälzte ein paar Kubikmeter Rennradzeitschriften (wenn ich nicht gucke, versucht C. sie als „Altpapier“ deklariert in die Mülltonne zu schmuggeln) und verlor mich recherchierte in Rennradinternetforen.

Mein Vorteil: dank des fantastischen Bikefittings bei Ralf Kleckers wusste ich buchstäblich auf den Millimeter genau, wie mein zukünftiger Renner gebaut sein und worauf ich achten sollte. Meine Wahl fiel deshalb auf ein Rennrad von Rose (Rose Xeon Team GF-300/Ultegra) Bezahlbar! Top-Qualität und Ausstattung! Toller, kompetenter Service! Und vor allem konnte ich direkt meine Sonderwünsche (z.B. den Ritchey Steem Lenker, gaaanz schmal) konfigurieren.

bonnie

Ich vertrieb mir die Wartezeit damit, dieses Foto anzustarren und mir herrliche Touren auszumalen.

Dann kam der schlimmste Teil des Rennradkaufs: das Warten. Eeeendlich, irgendwann im April, erreichte mich schließlich ein großes, federleichtes Paket. Bonnie! Noch in der Agentur drehte ich stolz und glücklich grinsend eine Runde zwischen den Regalen. Fantastisch! Und so schön! Ich radelte verliebt nach Hause und meldete mich direkt, wie mit Ralf vereinbart, zum Bikefitting an.

“Perfekt, das sieht doch gleich ganz anders aus”, begrüßte er mich, noch bevor er mit seinen Lasermessschwertern hantieren konnte. Pedalen, Spacer, Lenker – Ralf kümmerte sich um das Feintuning, montierte den Sattel, den er mir empfohlen hat (in der Konfigurierung bei Rose leider nicht zu haben, deshalb bei bike24 bestellt) und guckte so zufrieden wie ich mich fühlte, bevor er uns auf die Straße entließ.

126193_03_c

I found my Sattelglück! (Foto: bike24)

Ich flitzte kittelgleich nach Kempen und präsentierte C. mein Rennrad. Er lobte alles sehr fachgerecht, dann blieb sein Blick am Sattel hängen. “Hast du dir da einen Spaten drangeschnallt?” Zugegeben, die länglichen Sattel sehen etwas schnittiger aus. Aber das hier ist das beste, bequemste und tollste Teil ever, auf dem mein radelndes Hinterteil je Platz genommen hat! Und dann noch die Carbon-Sattelstütze! Ich feiere das mal in einem Klischee ab: Ein Unterschied wie Tag und Nacht!

Genau wie Ralf es vorhergesagt hat (“Mit einem richtig eingestellten Rad wirst du locker zwei Kilometer pro Stunde schneller”) bin ich tatsächlich schneller geworden. Ich bringe mehr Energie auf die Straße, denn ich muss nicht mehr irgendwelche Körperteile in Position rücken oder meine Schultern zusammenkrampfen, weil meine Hände auf den weit entfernten Bremshörnchen liegen. Und ich kann mich so richtig in den Unterlenker hängen.

Exif_JPEG_PICTURE

Auch wenn es Bonnie mir sehr leicht macht, treten muss ich immer noch selber. Zum Beispiel beim 1. Kendel Radrennen in St. Hubert. Ächz. (Foto: Ehrenflamingo Martin)

Inzwischen habe ich zirka 2000 Kilometer auf Bonnie zurückgelegt. Hoch, runter, weit, kurz, schnell, sehr schnell. Mein Fazit: Fantastisch! Und falls Ihr Euch wundert – nein, Rose bezahlt mich für diese Lobhudelei nicht (ähm, Ihr Bocholter, falls Ihr mitlest: ich teste aber gern mal einen Crosser für Euch. Oder habt Ihr ein Team? Ich fahr mit! Voll schnell, versprochen!)

P.S.
Und das Aussehen?! Bonnie ist matt schwarz und die Lackierung sehr unempfindlich. Außerdem ist das Rad so leicht, dass sich mir die Carbon-Alu-Gretchenfrage erst gar nicht gestellt hat. Zudem befindet sich die hintere Bremse hübsch versteckt recht weit unten am Rahmen, für den cleanen Look.

bildschirmfoto-2018-01-12-um-10-25-16

Und zu schwarz kann man ja alles tragen. #sockdoping #buyallthesocks #idid

 

“Ich kann alles am besten!”

“Ich kann alles am besten!”

Dieser Satz ist ein Insider zwischen C. und mir. Er bezieht sich auf mein ebenso grenzenloses wie unbegründetes Selbstbewusstsein, das ich an den Tag lege, wenn es darum geht, etwas zu können. Diese Worte zitiert C. stets, wenn ich wieder mit irgendeinem Unfug ankomme – Marathon laufen, ein Kriterium fahren, einen Triathlon machen. Einen Triathlon?! Na klar, kann ich! Sofort anmelden! Da spricht doch alles dafür: Ich fahre super Rennrad! Laufen kann ich auch! Ich liebe Schwimmen! Heimvorteil! Mehrere Freundinnen machen ebenfalls mit! Außerdem hat Maren gesagt, Triathlon sei toll! C. rollte noch mit den Augen, als ich längst meine Startnummer (13!) für den Eyller-See-Triathlon in Aldekerk im vergangen Juli in den Händen hielt.

fjyzbswelqzbperog6nb3ufainsi7jfq5czsi3kyar4-2048x1480

Falls alles schiefgeht, habe ich eine hervorragende Ausrede.

Ich wähne mich bestens gerüstet: Während der sonnigen Monate fahre ich mehrmals in der Woche Rennrad. Meist sogar schnell. Jeden Mittwoch rackere ich mich unter Ehrenflamingo Martins strenger Aufsicht auf der Tartanbahn ab. Ab und zu gehe ich ins Freibad und kraule vergnügt durch die Fluten.

img_4979

Ich passe bei der Streckeneinweisung strebermäßig auf. Daran soll es nicht scheitern.

Außerdem schwimme ich, als Generalprobe sozusagen, mit einer triathlonerfahrenen Freundin von den Ciclisti eine Runde durch den Eyller See. Bisschen trübe, aber warm. Und mein Radelanzug/Triathlonanzug in spe sitzt auch. Dann lese ich mich zur Sicherheit noch durch sämtliche triathlonrelevante Blogs (und ignoriere dabei großzügig den Begriff “Koppeltraining”). Das dürfte an Vorbereitung genügen. Ich packe sehr viele Quetschbeutel in meine Tasche, pumpe Bonnie auf und los geht’s.

Am Eyller See, ganz bei uns in der Nähe, sind erstmal Plaudern und Wiedersehensfreude angesagt. Denn neben Rebekah und Saskia von den Ciclisti sind auch Julia und Naomi mit von der Partie. Alle haben schon mindestens einen Triathlon hinter sich und gehören zur äußerst fixen Fraktion.

img_4994

Während Naomi wunderbar entspannt lacht, ziehe ich nervöse Grimassen. (Das Foto stammt von meinem ehemaligen Redaktionskollegen, Gerhard Seybert. Danke, Gerry!)

Damit ich Bonnie später im Gewusel wiederfinde, merke ich mir (wie auf einschlägigen Blogs empfohlen) unseren Standort ganz genau. Angesichts der Tatsache, dass dieser Triathlon eher klein und gemütlich-familiär ausfällt, war das eventuell ein bisschen übertrieben. Zumal ich Schuhe und Co. auf einem nicht zu übersehenden, himmelblauen Pandabär-Badehandtuch drapiere (besonders ordentlich übrigens, zwecks besseren Handlings später).

2017-07-15_aldekerk2-400x300

Bonnies knallpinke Bidons bieten auch einen ziemlich guten Anhaltspunkt. Das Foto stammt von Silke Cosler vom Brander SV, auf deren Foto ich mich zufällig wiedergefunden habe.

Ich finde mich ein bisschen dämlich, weil ich noch kein einziges Mal die Kombination Kontaktlinsen-Schwimmbrille getestet habe. Premiere also. Naomi und ich stratzen in den lauen braunen See, wegen der Wassergewöhnung, und damit ich stundenlang an meiner Brille fummeln kann. Irgendwann hat sie sich, wahrscheinlich für immer, an mein Gesicht gesaugt. Ich hoffe, der Startschuss fällt bald, denn mit jeder Sekunde beschlägt die Brille stärker.

img_4991

Ich renne fröhlich ins Verderben.

PENG! Ich laufe allen anderen blindlings hinterher, im wahrsten Sinne des Wortes. Mein sorgfältig ersonnener Plan sieht vor, erst ein paar Züge Brust zu schwimmen, wegen des zu erwartetenden Gemetzels beim Start, um dann meinen Kraulrhythmus zu finden. Zur Entspannung will ich nur auf der Schokoseite (links) atmen, aber zur Orientierung ab und zu hochblicken.

Als ich endlich ein bisschen Platz habe (Spoiler: sehr weit hinten) fange ich an zu kraulen. Doch bevor ich auch nur ansatzweise in so etwas wie einen “Rhythmus” verfallen könnte, habe ich Schnappatmung. Auch psychisch. Ich sehe nichts! Wasser im Mund! Ich werde sterben! Ich reiße mir die Schwimmbrille vom Gesicht. Ein Wunder! Ich kann wieder sehen – aber leider nicht mehr kraulen, weil wegen Wasser überall. Also Brust. Meine spontan erworbene Abneigung gegen Wasser im Gesicht hindert mich leider an der Ausführung korrekter Schwimmzüge. Ich gehe dazu über, mich großmuttermäßig und mit giraffenhaft gestrecktem Kopf vorwärtszuächzen und versuche, Augenkontakt mit dem DLRG-Paddler herzustellen, weil ich bestimmt gleich wiederbelebt werden muss.

dsc_0042

Immerhin: Ich weiß jetzt, wie sich Walrösser fühlen, wenn sie sich an Land wälzen.

Irgendwann ist Land in Sicht. Land! Alle zwei Zentimeter stoppe ich und probiere, ob ich bereits mit den Füßen den Boden berühre. Ha! Zwar auf Zehenspitzen, aber da ist er. Also “laufe” ich die letzten Meter und muss mich beherrschen, nicht auf die Knie zu fallen, um weinend die Erde zu küssen. Jetzt wird alles besser, denn gleich darf ich Rennrad fahren. Leider gibt es ein Problem. Wie komme ich vom Strand zu Bonnie? Am Liebsten würde ich auf allen Vieren vorwärts kriechen. Das macht aber sonst niemand. Waren die alle im Höhentrainingslager? Die Option scheidet also aus. Ich wähle die Variante “Schleichen wie ein Faultier”.

Exif_JPEG_PICTURE

Aktive Schwimmtrauma-Verarbeitung auf dem einzig wahren Sportgerät.

Einen Vorteil hat mein Versagen: Ich muss Bonnie nicht lange suchen. Ich sause los. Yay! Ich trete in die Pedalen, winke meinen pfeifenden und fotografierenden Fans (C., Ehrenflamingo Martin, Mama und Papa, Marder Manfred) und fange an, andere Radler zu überholen.

img_4997

Natürlich habe ich auch massig Fans. Beispielsweise Manfred, den Marder.

Warum eigentlich vorher Schwimmen, wenn Rennrad fahren allein so glücklich macht? Ich sinniere vor mich hin, als ich plötzlich C. höre: “Da vorne ist Naomi, komm, die kriegst du noch!” Muhahaha, denke ich, ziehe an und überhole sie kurze Zeit später tatsächlich. Die Freude währt natürlich nicht lange.

Fast forward auf die Laufstrecke: Nach wenigen Metern rast Naomi gazellengleich an mir vorbei. Lächelnd, wie immer. Ich fühle mich wie ein Elefant, stampfe aber vergnügt weiter. Inzwischen haben Julia und ich uns auf der Strecke gefunden, und wir absolvieren die letzte Runde gemeinsam.

img_4995

Julia und ich beweisen: Triathlon macht Spaß.

Die Aussicht, dass die Strapazen gleich ein Ende haben, machen uns auf den letzten Metern noch ein bisschen schneller. Die Stimmung ist fantastisch, meine Mutter bläst munter in eine Trillerpfeife, die einst meinem Urgroßvater gehörte, der damit Züge am Duisburger Bahnhof zum Weiterfahren brachte, sodass auch das Kerkener Umland in den Genuss der Triathlon-Atmosphäre kommt.

Nach 1:21:44 (zeitgleich) bekommen wir, was wir verdient haben: Schorle, Kuchen und eine Massage. Fazit: Geil! Aber bitte nie wieder.

P.S.
“Nie wieder” hieß immerhin knapp zwei Monate. Dann habe ich mich beim Weseler Triathlon an den Start gewagt.

 

 

Call me Kittel!

Call me Kittel!

Ich schmeiß alles hin und werde Radprofi! C. weiß es noch nicht, und ein Team habe ich auch noch nicht gefunden. Aber mit diesem Artikel wird sich beides ja ganz schnell ändern. Jedenfalls: Bonnie und ich sind am 3. Oktober nach Münster gefahren, um am weltberühmten Münsterlandgiro teilzunehmen. Ehrenflamingo Martin und unser Freund Peter waren mit von der Partie.

fullsizerender-1

Ich trage eine schicke Mütze und werde auch noch schick umrahmt.

Zunächst verhielt ich mich jedoch sehr unprofessionell (interessierte Teams wie Katusha Alpecin oder BORA-hansgrohe – diesen Absatz jetzt bitte überspringen). Nachdem ich meine Startnummer an meiner neuen, flamingopinken Jacke gefixpointed und an Bonnies schmalen Lenker geknüpft habe, musste ich noch den Transponder für die Zeitmessung an der Gabel befestigen. Dank der im Starterset befindlichen Kabelbinder war auch das kein Problem. Super, wir können losrollen! Theoretisch. Praktisch habe ich den Transponder nicht nur an der Gabel, sondern auch an einer Speiche festgezurrt.

fullsizerender-5

Eine große Schmach in meiner Radsportkarriere.

Ich kann mich glücklich schätzen, dass Ehrenflamingo Martin in seinem Auto stets eine umfangreiche Werkzeugsammlung und Tape mitführt. Zudem tröste ich mich mit dem Gedanken, dass ich demnächst als Radprofi solche profanen Aufgaben nicht mehr selbst erledigen muss. Es könnte auch eventuell sein, dass mich dieses Schicksal nicht als einzige ereilte.

Doch danach ging es auf meiner “Feeling like a Radprofi”-Skala stetig aufwärts. Allein das Gefühl, im Startblock D der 95-Kilometer-Strecke ganz hinten zu stehen fand ich wundervoll. Überall Menschen, die genauso gerne Rennrad fahren wie ich. Die Polizei dirigierte selbstherrlich Autofahrer vondannen, und wir hörten den Countdown, …möööp… wir fahren!

sportograf-110261894

Meine neuen Strava-Freunde. (Foto: sportfotograf.com)

Und zwar im Sonnenschein, auf trockenen und gesperrten Straßen! Darüber hatte ich vorher gar nicht nachgedacht. Kein Auto weit und breit! Stattdessen: Polizeimotorräder, Notarztwagen (die leider ein paar Einsätze hatten) und Technischer Service. Freie Bahn! Rennrad rulez! Endlich kann ich ballern!  Und wir ballern! Pedalieren! Überholen! Treten! Flitzen! Sehr geil. Irgendwann pendeln wir uns mit einer kleinen Gruppe ein, und wir wechseln uns mit Windschatten geben ab. Ich auch, allerdings lässt das Gesamttempo dann immer ein wenig nach. Dafür ziehe ich bei Rückenwind ein längeres Stück und hoffe, dass das auch gilt.

sportograf-110208609

Ehrenflamingo Martin gibt alles, damit ich gut wegkomme. (Foto: sportfotograf.com)

Weitere Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass ich mich fühlte wie bei der Tour de France:
Die Zuschauer.
Sie jubeln, tröten, klatschen, rufen und scheinen komplett vergessen zu haben, dass sie eigentlich ruhige, sture Münsterländer sind. Ich winke dauernd begeistert zurück, muss dies aber aus Sicherheitsgründen bald unterlassen. Leider.
Der Zwischensprint.
Ich habe zwar nicht ganz geblickt, ob der 1000 Meter lang ist, in 1000 Metern anfängt und wenn ja, wo. Ich bin einfach weiter schnell gefahren.
Die Verpflegungsstation.
Wie jetzt? Absteigen und Eierwaffeln essen wie bei einer RTF? Nichts da! Am Straßenrand standen mutige Helfer und streckten uns Bananen und Müsliriegel entgegen, die es galt, während der Fahrt möglichst elegant und komplett zu erhaschen. “Mein” Helfer lebt noch, und (Achtung, Team in spe) ich glaube, dass ich Musettes sogar noch leichter ergreifen könnte. Profipotenzial also!
Erwähnte ich die gesperrten Straßen?

sportograf-110261897

Windschatten lutschen tat zwischendurch ganz gut. Ich gebe es zu. Aber das macht man doch so als Teamkapitänin, oder? Oder?! (Foto: sportfotograf.com)

Ich habe heute wirklich gute Beine! Ob das mein Marathontraining macht? Jedenfalls trete ich durch und wenige Kilometer vor dem Ziel wird das Tempo nochmal deutlich schneller. Dann taucht ein Schild auf: “Noch 20 km”.

sportograf-110257562

Ich wie ich mich saumäßig quäle. (Foto: sportfotograf.com)

Ich möchte völlig unprofessionell zusammenbrechen. Eventuell weinen.
“Das Schild gilt nicht für unsere Strecke”, sagt Martin, während er an mir vorbeizieht, um mich für den Schlussspurt mitzunehmen. Oh.

sportograf-110241043

Geschafft! Aber total! (Foto: sportfotograf.com)

Und dann rasen wir auf das Ziel zu! Links und rechts Werbebanden und dahinter jubelnde Zuschauer. Da muss man doch Profi werden wollen! Nach 2:57 h piepst der an die Gabel getapte Transponder, und wir rollen in die Chillzone. Ich bin völlig euphorisch, auch wenn meine Zeit das nicht hergibt (liebes zukünftiges Team: das wird besser, weil ich ja bald nur noch trainiere). Meine Platzierung und mein gefühlter Einsatz decken sich nicht.

fullsizerender

Nach der Zieleinfahrt ist vor dem Start 2018. Mission “Da geht noch was”.

Aber das ist völlig wurscht. Es hat so unfassbar viel Spaß gemacht, auf dieser tollen Strecke, bei dieser genialen Stimmung und dieser fantastisch organisierten Veranstaltung zu fahren! Wir umarmen unsere Mitfahrer und bedanken und beglückwünschen uns gegenseitig. Dann taucht noch die ganze Düsseldorfer Gang auf. Na klasse!

fullsizerender-3

Jan und Maren sind die 65 Kilometer geflitzt und Christian war uns auf den 95 meilenweit voraus. Darauf Bier und Cola!

Wir füllen unser Kalorien- und Kohledydratdefizit  (Martin reicht sogar Flamingomuffins) und fachsimpeln über Strecken, Räder und Zeiten. Und Ziele. Meins: Radprofi werden. Bei jedem Rennen solche Bedingungen, da bin ich dabei. Falls das nicht klappt sofort klappt, macht nix. Hauptsache, ich bin im nächsten Jahr wieder am Start!

P.S. Tiersichtungen
– sehr viele hübsche Hunde

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken