Bundesregierung will Schwerlast-Cargobikes fördern

Bundesregierung will Schwerlast-Cargobikes fördern

Auf dem letzten Dieselgipfel hatte die Bundesregierung Ende November 2017 eine Förderung von gewerblich genutzten Cargobikes angekündigt. Jetzt gibt es erste Details.

Die Ressortabstimmung innerhalb der Bundesregierung sei noch nicht abgeschlossen, teilte die Pressestelle des Bundesumweltministeriums (BMUB) diese Woche auf Anfrage von cargobike.jetzt mit. Allerdings geht aus der Antwort hervor, dass eine Bundesförderung nur für „elektrisch angetriebene Schwerlasträder für gewerbliche Anwendungen“ geplant ist. Das bedeutet eine erhebliche Einschränkung der förderfähigen Cargobike-Modelle gegenüber der ersten Ankündigung. Bei der  Vorstellung des Aktionsprogramm für saubere Luft auf dem Dieselgipfel am 28. November war noch allgemeiner von „gewerblich genutzten Lastenrädern“ die Rede (siehe cargobike.jetzt-Beitrag vom Dezember).

Die Förderung soll innerhalb der Nationalen Klimaschutz-Initiative über die Kleinserien-Richtlinie abgewickelt werden. Diese wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) verwaltet und fördert ab 1. März 2018 die Anschaffung unter anderem von Kleinwasserkraftwerken und Geräten zur Wärmerückgewinnung aus Abwasser. Die Höhe der Kaufprämie variiert je nach Produkt zwischen 20 und 40 Prozent. Auch der Kreis der jeweils Antragsberechtigten ist jeweils unterschiedlich.

Welche genauen Förderkonditionen für große eCargobikes innerhalb der Kleinserien-Richtlinie geplant sind wollte das BMUB wegen der andauernden Ressortabstimmung nicht beantworten. „Noch nicht entschieden“ sei,

  • ob die Bundesförderung für große eCargobikes ebenfalls ab 1. März in Kraft tritt oder erst später,
  • wie Schwerlasträder von anderen Cargobikes abgegrenzt werden,
  • welches finanzielle Gesamtvolumen zur Verfügung steht.
BMVI-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU): Auf’s falsche Rad gesetzt – zumindest eine Kaufprämie plant die Bundesregierung nur für die großen Modelle.

Allerdings ist online bereits eine Ankündigung zu finden, in der förderungswürdige Schwerlasträder genauer definiert werden: „Mindest-Transportvolumen 1 m3 / Mindest-Transportgewicht 100 kg“.

Wie auch immer die Kaufprämie des Bundes für große eCargobikes im Detail ausfallen wird, sie ist

  • ein wichtiges politisches Signal: Erstmalig erhalten auch Fahrräder und nicht nur E-Autos eine Kaufprämie. Damit wird die Radverkehrsförderung und speziell das Cargobike politisch aufgewertet in der Debatte über geeignete Maßnahmen zur Luftreinhaltung.
  • ein wichtiger ökonomischer Anreiz: Die Nachfrage nach den technisch anspruchsvollen aber bisher in kleinen Stückzahlen produzierten und deswegen teuren Schwerlasträdern dürfte steigen. Das ermöglicht Investitionen der meist kleinen Hersteller und mittelfristig Skaleneffekte und niedrigere Preise dank größerer Stückzahlen.
      Damals Umweltminister, heute Kanzleramtsminister: Peter Altmaier (CDU) auf Cargobike, das keine Kaufprämie der Bundesregierung erhalten soll.
  • viel zu kurz gegriffen: Die Einschränkung auf große eCargobikes lässt das nochmal wesentlich größere Potential für die Luftreinhaltung, das in der Förderung der ganzen Bandbreite von Cargobikes liegt ungenutzt. Das Land Baden-Württemberg, die Landeshauptstadt München und weitere Kommunen zahlen inzwischen Kaufprämien für gewerblich genutzte Cargobikes – teilweise auch für privat genutzte oder nicht-motorisierte Modelle und für Lastenanhänger. Auf die eigenartige Idee einer Begrenzug auf Cargobikes mit besonders großer Zuladung ist bisher noch niemand gekommen.

Derweil berichtet die Süddeutsche Zeitung von einem Eklat innerhalb der Expertenrunden, die auf dem ersten Dieselgipfel der Bundesregierung eingerichtet wurden. Zitat eines Teilnehmers: „Was in den Expertengruppen bislang an angeblichen Lösungen auf dem Tisch liegt, wird Fahrverbote sicher nicht verhindern.“

Am 22. Februar fällt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein Grundsatzurteil über die Zulässigkeit von Dieselfahrverboten. Bereits am 30. Januar ist die Bundesregierung zum Rapport nach Brüssel bestellt. Die EU-Kommission verlangt überzeugende Maßnahmen gegen Überschreitungen der EU-Grenzwerte für Luftschadstoffe und kann andernfalls Strafzahlungen gegen die Bundesrepublik verhängen.

Beim parlamentarischen Abend des DIFU im September 2016 in Berlin: Nur für drei dieser Cargobikes gäbe es eine Kaufprämie der Bundesregierung.

Der Druck ist also groß. Je früher sich die amtierende und die zukünftige Bundesregierung zu einer entschlossenen Verlagerung von Kfz-Verkehr in Städten auf ÖPNV und Fahrräder durchringt, desto geringer der politische, ökonomische und gesundheitliche Schaden. Cargobikes aller Größen werden dabei im Wirtschaftsverkehr wie in der privaten Nutzung eine wichtige Rolle spielen müssen.

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Weniger Parkhäuser für Autos, mehr Cargobikes, mehr Wohnraum!

Weniger Parkhäuser für Autos, mehr Cargobikes, mehr Wohnraum!

Parkhäuser von Einkaufszentren werden oft im Hinblick auf die erwartete Nachfrage am letzten Samstag vor Weihnachten geplant. Grund für einen Ortsbesuch am Samstag, den 23. Dezember 2017 in Berlin-Neukölln.

Der Wohnraum in Nord-Neukölln ist knapp und die Mieten steigen rapide. Die Parkhäuser von Karstadt am Hermannplatz und der Neukölln-Arcaden in der Karl Marx-Straße sind mit 683 bzw. 650 Parkplätzen dagegen völlig überdimensioniert. Das gilt auch für den letzten Samstag vor Weihnachten. Die obersten Etagen waren am 23. Dezember 2017 gegen Mittag bzw. am Nachmittag teilweise komplett leer.

  • Auffahrt zum Parkdeck 7 in bei Karstadt am Hermannplatz am 23.12.2017
  • Parkdeck 5 in bei Karstadt am Hermannplatz am 23.12.2017
  • Parkdeck 6 in bei Karstadt am Hermannplatz am 23.12.2017
  • Parkdeck 7 in bei Karstadt am Hermannplatz am 23.12.2017
  • Parkdeck 4 in den Neukölln-Arcaden am 23.12.2017
  • Parkdeck 5 in den Neukölln-Arcaden am 23.12.2017

 

Doch die autogerechte Infrastruktur verleitet noch immer viele Menschen zur Einkaufsfahrt mit dem Auto. Das trägt zu überhöhten Luftsschadstoffwerten direkt vor den Kaufhäusern bei:

„[B]edenklich sind die NO2-Werte am Hermannplatz (56 µg/m3) und in der Sonnenallee (55 µg/m3). Auch in der Karl-Marx-Straße sowie in der Silbersteinstraße (beide je 50 µg/m3) liegen die Messergebnisse deutlich über dem zulässigen NO2-Grenzwert.“ (Facetten-Magazin Neukölln, 2.1.2018)

Am 23.12.2017: Großeinkauf bei Karstadt mit Hund und eCargobike

Dabei wäre doch alles so einfach: Fast alle privaten Einkäufe in Städten können emissionsfrei mit modernen Cargobikes erledigt werden. Dank Cargobikes mt E-Antrieb gilt das auch für bergige Städte. Dafür muss die Infrastruktur für autogerechtes Einkaufen zurückgebaut und endlich durch ausreichend sichere, gut erreichbare Fahrrad- und Cargobike-Stellplätze ersetzt werden. Zusätzlich braucht es attraktive Cargobike Sharingsysteme mit Stationen an Einkaufszentren wie in Wohngebieten. Auf den insgesamt dann frei werdenden Autostellplätzen können dann neue Wohnungen entstehen. Wie wär’s?

Zum Abschluss weitere Bildeindrücke von Parkplatznot für Fahrräder und Parkplatzüberfluss für Autos. Die Bilder entstanden im Laufe der Jahre 2016/2017 ebenfalls bei Karstadt am Hermannplatz und in den Neukölln-Arcaden. Viel Spaß und auf dass sich die Zustände bald ändern!

  • Wildes Fahrradparken vor den Neukölln-Arcaden
  • Mit dem Cargobike zur Neuköllner Stadtbibliothek in den Neukölln-Arcaden
  • Cargobike-Parken mit bester Aussicht in den Neukölln-Arcaden
  • Neukölln-Arcaden: Hier könnte Ihre Wohnung sein!
  • Ebenerdige Warenausgabe Media-Markt in den Neukölln-Arcaden
  • Abholung Spülmaschine in den Neukölln-Arkaden
  • Karstadt am Hermannplatz - Einfahrt Parkhaus von der Urbanstraße aus
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz - die einzigen Fahrradständer im Außenbereich
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz - die einzigen Fahrradständer im Innenhof
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Fahrradparken bei Karstadt am Hermannplatz
  • Karstadt am Hermannplatz: Parkhaus-Zufahrt vom Innenhof
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Karstadt am Hermannplatz: Im Parkhaus unter der Woche
  • Der Abgrund - Parkhaus von Karstadt am Hermannplatz
  • Die Preise für das autogerechte Einkaufen bei Karstadt am Hermannplatz

 

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Die schönsten Cargobike-Kritiken 2017

Die schönsten Cargobike-Kritiken 2017

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, demonstriert mit einem Lastenfahrrad, die absurde Vorstellung, man könnte auf große LKW für Baumaßnahmen verzichten.
Bild: obs/(c)ZDB/Thomas Ruffer

Jeder wichtige Trend braucht seine Kritiker. Da darf auch gerne mal pauschal und ahnungslos rumgeholzt werden. We love it! Meine Highlights des Jahres 2017.

Kritik an Cargobikes für die private Nutzung war 2017 eher selten. Mir ist vor allem ein Beitrag in der Hamburger Morgenpost im Oktober aufgefallen. In der Glosse Lastenrad – von peinlich bis praktisch beschreibt der Autor, was er sich unter einem Cargobike vorstellt:

Ihr wisst schon, die unförmig zusammengeschraubten Dinger, mit denen man erst die Kinder zur Kita, später die Getränkekisten nach Hause und zwischendurch so ziemlich alle anderen Verkehrsteilnehmer gegen sich aufbringt. Auf denen man immer zu aufrecht sitzt und die wegen ihrer Überbreite ungefähr so beliebt sind wie Studienräte auf Liegefahrrädern.

So schön der Autor hier mit vom Leder zieht, er verheddert sich im weiteren Verlauf in der Argumentation und man fragt sich am Ende, ob der Autor eigentlich lieber einen Geländewagen oder ein Cargobike hätte. Mir geht es wie einem Kommentarschreiber auf meiner Facebook-Seite:

Ich habe auch beim dritten Mal Lesen nicht raus, was er will …“

Unerreicht blieb 2017 das Meisterwerk Hipster-Eltern mit Lastenrädern: Hört bitte auf, eure Kinder in Schubkarren zu transportieren. Es erschien im Juni 2016 auf Focus Online:

Sie schwanken wie Schiffe auf stürmischer See. Ihre Höchstgeschwindigkeit ist fünf km/h. Sie blockieren Gehwege. Und verstopfen Radwege. Trotzdem erfreuen sie sich erstaunlicher Beliebtheit: Lastenräder. Früher wurden damit Säcke transportiert. Heute Kinder. Warum nur?

Ja warum nur? Weil Alternativen zum Cargobike den Hipstern „unpraktischer und weniger stylish“ vorkommen weiß die Autorin zu berichten. Interessant! Also sind Cargobikes doch praktisch und stylisch? Aber fünf km/h mit Schubkarre – ist das wirklich was für stylische Hipster? Und wer sind diese üblen Hipster überhaupt? Ein Beitrag von ZEITjUNG erklärt:

Die „Hipster-Karte“ wird immer dann ausgespielt, wenn es um eine Gruppe junger Menschen geht, die anders ist als der Rest. […] Es ist der Neid, der uns dazu bringt, andere so zu nennen. Wir sind neidisch auf den Mut dieser Menschen. Sie zeigen uns in persona unser Unvermögen. Das Unvermögen, Risiken einzugehen und in der Gesellschaft etwas Neues zu wagen. Sie entwickeln neue Trends, probieren sich aus und scheißen auf die Meinung anderer. 

Wechsel ins Ressort Wirtschaftsverkehr

Hier gab es 2017 deutlich mehr Cargobike-Kritiker. Angefangen bei inzwischen ex-Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth. Im Mai mahnte er auf der nationalen Konferenz Güterverkehr und Logistik laut Fachzeitschrift Logistra,

man solle sich auf die bisherige Stärke der Logistik besinnen und nicht „zu sehr auf die Kraft von Rikschas und Lastenrädern setzen, wie das Teile der Politik tun“.

BMVI-Staatssekretärin Dorothee Bär

Ob Dobrinth damit auch sein eigenes Ministerium meinte ist nicht überliefert. Das Bundesverkehrsministerium hatte Ende 2015 die Förderung von Cargolbikes in den Aktionsplan Güterverkehr und Logistik der Bundesregierung aufgenommen und 2016 eine Studie zum Potential von Fahrrädern im Wirtschaftsverkehr vorgestellt.

Ganz besonderes Engagement bei der Cargobike-Kritik zeigte die Fuhrgewerbe-Innung Berlin-Brandenburg. Anlass war der Koalitionsvertrag des neuen rotrotgrünen Berliner Senats:

Die Koalition wird ein neues Konzept für den Wirtschaftsverkehr (Citylogistikkonzept) erarbeiten. Innerstädtische Transporte sollen nach Möglichkeit gebündelt und auf umweltfreundliche Verkehrsmittel verlagert werden. Dazu gehört die Entwicklung von »Urban Hubs« und die Belieferung auf der »letzten Meile« mit Lastenfahrrädern, die schienenseitige Erschließung geeigneter Gewerbe- und innerstädtischer Logistikstandorte sowie die Nutzung der Wasserwege für die Belieferung der Innenstadt.“

Wenn das alles umgesetzt wird, ja was sollen die Mitgliedsunternehmen der Fuhrgewerbe-Innung denn dann noch mit Ihren schönen LKW anfangen? Die Verteidigungsstrategie der Fuhrgewerbe-Innung: Erstmal das Thema Cargobikes isolieren und deren Transportkapazität lächerlich machen. Also organisierte sich der Verband ein paar Cargobikes und drehte ein elfminütiges Video mit ein paar lustigen Cargobike-Szenen (ab Minute 6:12) und abschreckenden Rechenbeispielen. Die im Koalitionsvertrag genannten »Urban Hubs« – eine wesentliche Voraussetzung für das Zustellen großer Mengen kleinteiliger Sendungen per Cargobike – kommen im Video ebenso wenig vor wie die Nutzung von Gleisanlagen und Wasserwegen für die Belieferung der Innenstadt. Kurz nach Veröffentlichung von Video und Pressemitteilung am 29. September nahm der Verband das Video wieder aus dem Netz, Es dauerte über zwei Wochen bis das Video in neuer Version hochgeladen wurde. Nun sind die Logos eines öffentlich geförderten Cargobike-Projekts auf eingesetzten Cargobikes unkenntlich gemacht (siehe ab Minute 6:12).

Thermenchallenge in Österreich und Deutschland

Die Wirtschaftskammer Wien kritisierte im Januar per Pressemitteilung die angekündigte Cargobike-Förderung der Stadt Wien:

Auch für Maria Smodics-Neumann, Obfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Wien, gehen Transportfahrräder am Thema vorbei. Handwerksbetriebe werden durch die Parkraumbewirtschaftung und Anrainerzonen in ihrem Lieferverkehr laufend behindert. „Was wir brauchen, sind keine Fahrräder, sondern eigene Lieferzonen, Wirtschaftsverkehrsspuren und praxisnahe Ausnahmeregelungen bei Kurzparkzonen und Anrainerzonen“, sagt Smodics-Neumann. „Glaubt wirklich jemand, dass beispielsweise ein Installateur eine Gastherme mit dem Fahrrad liefern kann?“

„Nicht nur, dass wir das glauben – das können wir auch beweisen!“, verkündete die Radlobby Österreich und lieferte gleich zwei Gasthermen à 50 Kilogramm per Cargobike zur Wirtschaftskammer Wien. Hier das Video.

Das Social Media Team der Wirtschaftskammer ruderte in einem Facebook-Kommentar zurück:

Hoffentlich ist Ihnen aber klar, dass es unserer Spartenobfrau weniger um die wortwörtliche Frage ging, ob man mit einem Lastenrad zwei Thermen transportieren kann, als vielmehr um die allgemeine Frage, inwieweit Verkehrspolitik auch auf die Notwendigkeiten des Wirtschaftsverkehrs Rücksicht nimmt.

Am Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist die Wiener Thermenchellenge wahrscheinlich vorbeigegangen. Denn am 18. Oktober verkündete der Verband auf Twitter und Facebook das „Zitat der Woche“ seines Präsidenten Hans-Peter Wollselfer:

Es wird auch in Zukunft nicht möglich sein, Heizkessel auf dem Fahrrad oder in der U-Bahn zu transportieren.

In zahlreichen Social Media-Kommentaren erhielt der ZDH Aufklärung über Transportkapazitäten von Cargobikes.

Übrigens war auch die Wiener Thermenchallenge nicht die erste ihrer Art. Bereits im Mai 2015 hatte im Stadtrad von Hannover der FDP-Ratsherr und Klempner Wilfried Engelke laut Hannoverscher Allgemeine Zeitung gefragt: „Wie soll ich als Handwerker einen 40-Kilo-Heizkörper mit dem Rad ausliefern?“ Die Grüne Ratsfraktion machte es vor und verbreitete eine Pressemitteilung:

Um zu zeigen, dass es auch für HandwerkerInnen Alternativen zum Auto gibt, ließen die GRÜNEN symbolisch einen Heizkörper vom Fahrradkurierunternehmen „Radz Fatz“ zum Rathaus liefern.

Zur Verdeutlichung der Vorteile flexibler Verkehrsmittelwahl war mit Trockenausbaumeister Mark Kühne ein Handwerker bei der Aktion anwesend, der ein Lastenrad als Firmenfahrzeug nutzt: „Am ersten Tag bringe ich das Material mit einem Transporter auf die Baustelle. An den Folgetagen komme ich mit meinem Werkstattrad, auf dem ich alles Nötige unterbringen kann. So macht auch die Fahrt zur Arbeit Spaß.“

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Bundesförderung für gewerbliche Cargobikes kommt

Bundesförderung für gewerbliche Cargobikes kommt

Der Dieselskandal macht’s möglich: Gewerbliche Cargobikes bekommen Bundesförderung und die Bundeskanzlerin will die Verkehrswende. Jetzt schauen alle gespannt nach Leipzig.

Auf dem dritten Dieselgipfel hatte Bundeskanzlerin Merkel am 28. November das Sofortprogramm Saubere Luft der Bundesregierung vorgestellt. Das eine Milliarde Euro-Programm soll Kommunen dabei unterstützen, die gerichtliche Anordnung von Diesel-Fahrverboten zu verhindern. Bestandteil des Programms ist auch eine Bundesförderung von Cargobikes. Hier die knappe Ankündigung auf der Webpage der Bundesregierung:

Die geplante Förderung von gewerblich genutzten Lastenrädern erfolgt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums.

Noch gibt es keinen Termin für den Start des Förderaufrufs.

Kampagne des Fahrradblogs www.iswaf.de

Anders als bei der Kaufprämie für E-Autos soll also die private Nutzung bei Cargobikes nicht gefördert werden. Das bleibt eine sachlich schwer zu rechtfertigende Ungleichbehandlung. Interessanterweise enthält die Ankündigung aber keine Einschränkung auf Cargobikes mit E-Antrieb.

Wie die Bundesförderung konkret aussehen wird bleibt spannend. Das Land Baden-Württemberg hat kürzlich die Messlatte erfreulich hoch gehängt: Gewerbliche eCargobikes erhalten hier eine Kaufprämie von 50 Prozent – allerdings bezogen auf das jeweilige Grundmodell, also ohne nötige Aufbauten für die gewerbliche Nutzung. Auch mehrere deutsche Städte und die Regierung in Österreich haben bereits Kaufprämien für Cargobikes eingeführt (siehe Liste).

Vom Berliner Kurierkollektiv bis zu den global Players.

Die angekündigte Bundesförderung ist ein großer Erfolg für die Cargobike-Branche. Aber auch für die Radverkehrsförderung insgesamt. Im Bundestagswahlkampf hatten die Fahrradverbände und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine Kaufprämie für gewerbliche eCargobikes gefordert. Zusammen mit dem Fahrradblog www.iswaf.de hatte cargobike.jetzt Wahlprüfsteine erstellt, in denen die Parteien zur Kaufprämie für eCargobikes Stellung bezogen hatten.

Das BMUB-Projekt „Ich entlaste Städte“

Eine deutlich spürbare Verbesserung der Luftqualität in deutschen Städten ist durch die Bundesförderung für Cargobikes natürlich auf die Schnelle nicht zu erreichen. Und auch nicht durch die anderen – finanziell deutlich üppiger ausgestatteten – Maßnahmen des Sofortprogramms Saubere Luft. Immerhin hat sich Bundeskanzlerin Merkel auf der Pressekonferenz zum Sofortprogramm beiläufig zur Verkehrswende bekannt:

Alle waren der Meinung, dass dieses Sofortprogramm eine Facette ist, dass es aber zur Veränderung der gesamten Stadtmobilität natürlich über Jahre, auch im Rahmen der – so kann man es nennen – Verkehrswende, die wir in Deutschland Schritt für Schritt installieren müssen, weiterer Programme bedarf.

Doch für die Verkehrswende ist die Bundeskanzlerin wahrlich nicht der zentrale Treiber. Zu stark ist der politische Einfluss der Autolobby. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert deswegen das Sofortprogramm scharf:

Diesel-Fahrverbote werden mit den heute vorgestellten Ergebnissen wahrscheinlicher. Die Richter sehen, dass auch eine Bundesregierung es nach drei Diesel-Gipfeln nicht wagt, gegen den Widerstand der Autokonzerne die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die geeignet sind, noch in 2018 für ‚Saubere Luft‘ in unseren Städten zu sorgen.

Der große Showdown folgt nun in Leipzig vor dem Bundesverwaltungsgericht. Am 22. Februar 2018 verhandelt das oberste deutsche Verwaltungsgericht über die Rechtmäßigkeit von lokalen Diesel-Fahrverboten. Das Urteil wird bundesweite Präzendenzwirkung in über 40 Städten haben, die von der Deutschen Umwelthilfe wegen zu hoher Luftschafstoff-Belastung verklagt werden.

Nachtrag zum Titelfoto: Die Förderung gewerblicher Cargobikes soll zwar über das Bundesumweltministerium laufen. Im Titelfoto dieses Beitrags ist jedoch Staatsministerin Bär (CSU) aus dem konkurrierenden Bundesverkehrsministerium zu sehen. Wieso? Von Umweltministerin Hendricks (SPD) und ihrem zuständigen Staatssekretär Flasbarth sind mir nur Fotos mit einem Cargobike bekannt, das eher für die private als für die gewerbliche Nutzung prädestiniert ist. Aber vielleicht wird die geplante Bundesförderung ja wie in München und Regensburg bald auf private Cargobikes ausgeweitet?

Copyright: BMUB/Florian Gaertner
Copyright: BMUB/Sascha Hilgers

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International Cargo Bike Festival @VELOBerlin 2018

International Cargo Bike Festival @VELOBerlin 2018

Foto: Benjamin Georg/cargobike.berlin

What a location! Das International Cargo Bike Festival findet am 14./15. April 2018 erstmalig nicht im niederländischen Nijmegen sondern im Rahmen der VELOBerlin auf dem Flughafen Tempelhof statt.

Der VELOBerlin-Ausrichter Velokonzept schreibt zum Gastspiel des International Cargo Bike Festivals  (ICBF) in seinem jüngsten Newsletter:

Beim Zusammentreffen von Herstellern, Händlern und der internationalen Cargobike-Szene erwarten wir gemeinsam mit Organisator Jos Sluijsmans über 50 Lastenradmarken, ein spannendes Konferenzprogramm und jede Menge Cargobike-Action auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof.

Platz genug ist vorhanden! Hier ein Blick in einen von zwei Hangars und auf das überdachte Vorfeld, die von der VELOBerlin bespielt werden:

  • Flughafen Tempelhof, Hangar 5. Foto: cargobike.jetzt
  • Flughafen Tempelhof, überdachtes Flugfeld. Foto: cargobike.jetzt
  • Flughafen Tempelhof, "Rosinenbomber". Foto: cargobike.jetzt
  • ICBF-Ausrichter Jos Sluijsman beim ICBF 2016. Foto: cargobike.jetzt
  • Einige der ausgestellten Cargobikes beim ICBF 2016. Foto: cargobike.jetzt
  • Publikumstag beim ICBF 2016. ©Foto Grégory Delattre/www.ibikestrasbourg.com

 

cargobike.jetzt ist bei der VELOBerlin an der Gestaltung des Rahmenprogramms beteiligt und biete einen Cargobike-Gemeinschaftsstand an. Informationen für Cargobike-Aussteller gibt es in diesem Factsheet, einen Rückblick auf das ICBF 2016 in Nijmegen in dieser Reportage auf cargobike.jetzt.

Das ICBF wird 2018 nicht das einzige Cargobike-Highlight in Berlin bleiben. Für den Spätsommer ist das jährliche Rennen der Cargobike community inklusive Ausstellung und Rahmenprogramm geplant. Die Cargobike Berlin soll erneut in der Malzfabrik Schöneberg stattfinden.

 

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