Neues zur NIGHTOFTHE100MILES

Neues zur NIGHTOFTHE100MILES

Alle Fotos beim Borbäcker: Jahn Frohne

Ich, beziehungsweise muss ich hier sagen WIR, sind total baff. Die NIGHTOFTHE100MILES sprengt tatsächlich all unsere Erwartungen. Was als 2-Mann-Idee zum Ende letztens Jahres begann, wird nun zu einer tollen, sportlichen, aber auch coolen und spannenden „Nacht-Radtour“ mit zahlreichen Rad-Begeisterten. Eine außergewöhnliche Radtour während einer der kürzesten Nächte des Jahres. Das Ziel: den Sonnenaufgang auf einer Halde bei Kaffee und einem leckeren Frühstück zu genießen. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen.

Die Organisation wird bei so vielen Teilnehmern dann auch etwas größer und aufwendiger, was uns aber auch einen riesigen Spaß bereitet. Wir haben so etwas zwar noch nie organisiert, aber wir geben bis zum Schluss unsere Bestes. Genauso sieht es mit unseren Partnern und Sponsoren aus, die uns mit Rat und Tat zur Seite standen und stehen. Zwei der Sponsoren möchten wir an dieser Stelle einmal kurz vorstellen.

 

NIGHTOFTHE100MILES,Bäckerei Siebers,Borbäcker
Eine tolle Zusammenarbeit. bikingtom, Bäcker Robert Siebers und Daniel Bässler, ebenfalls Organisator der NIGHTOFTHE100MILES. (v.l.)

 

Ein hungriger Radfahrer ist unausstehlich, das sollte am Ende der Tour definitiv nicht der Fall sein! Und damit dies nicht passiert, dafür sorgt unser Partner, nämlich die Bäckerei Siebers, der sogenannte „BORBÄCKER“. Übrigens ein Wortspiel mit dem Essener Stadtteil Borbeck. Nach einigen Gesprächen und E-Mails waren wir schnell zu dem Entschluss gekommen, das sie genau der richtige Ansprechpartner sind. Die Backwaren sind hier in der Region äußerst beliebt und vor allem lecker. Kein 08/15, sondern mit viel Kreativität und Handwerkskunst gebacken. Dazu ist die Bäckerei Siebers sehr heimatverbunden, das sieht man auch in den Filialen, wo die Bergbaugeschichte des Ruhrgebiets allgegenwärtig ist. Da passen wir also gut zusammen. Der „BORBÄCKER“ übernimmt für uns die komplette Frühstücks-Logistik, die Radfahrer werden mit einem umfangreichen Frühstück versorgt werden. Dafür an dieser Stelle auch einmal vielen Dank an Herrn Robert Siebers, der sofort für unsere Idee zu begeistern war. Am letzten Montag kam es deswegen auch einmal zu einem lustigen Foto-Shooting, ein paar Bilder davon möchte ich euch da nicht vorenthalten und den „BORBÄCKER“ einmal vorstellen. Alle Teilnehmer können sich also auf ein wirklich leckeres Frühstück freuen. 

 

NIGHTOFTHE100MILES,Bäckerei Siebers,Borbäcker
Vielleicht eine Alternative um Brötchen auszuliefern 😉

 

NIGHTOFTHE100MILES,Bäckerei Siebers,Borbäcker
Das wir Spaß beim Fotoshooting hatten ist nicht zu übersehen.

 

Ein weiteres Dankeschön geht auch an Konrad Weyhmann, Manager Öffentlichkeitsarbeit bei PAUL LANGE & CO, für die freundliche Unterstützung und Übersendung der Smartphonehüllen/ Zipperbeutel von SHIMANO für unsere „Schnitzeljagd durch die Nacht“. Damit bleiben die einzusammelnden Kassenbons absolut trocken und können wunderbar leicht überall verstaut werden, wie zum Beispiel in der Trikottasche. Vielen Dank also! Daumen rauf!

Paul Lange & Co,Shimano,NIGHTOFTHE100MILES
Mit den Zipperbeuteln von SHIMANO kann die „Jagd“ nach den Kassenbons starten!

Und dann kommen wir kurz zum Thema „Streckenführung“. Vor ein paar Tagen haben wir die Streckenführung noch einmal mit dem Rad genau in Augenschein genommen. Wir wollten eventuelle vorhandene Baustellen oder andere Hindernisse ausfindig machen, die eine Streckenänderung nötig machen würden. Nun sind wir vollends zufrieden und richtig guter Dinge. Eigentlich würden wir sagen „das wird geil“! Die große Runde ist eine sportliche Herausforderung, das ist klar. Die Wege sind nicht immer einfach zu fahren, gutes Licht ist unerlässlich und ein absolutes „MUSS“. Doch die Kulisse, in der gefahren wird, sollte alle Mühen belohnen. Ich selber bin schon sehr gespannt wie das Nachts sein wird! 

Auch die „Bummelrunde“, wie wir sie nennen, wird einige Highlights zu bieten haben. Da wird die Kulisse nicht minderwertiger sein und bestimmt das ein oder andere „Ah“ oder „Oh“ den Teilnehmern entlocken. Die Strecke wird zwar etwas entspannter zu fahren sein, aber trotzdem auch ein paar „trickige“ Meter zu bieten haben, wo etwas Geschick erforderlich sein wird. Und auch hier sagen wir „das wird echt geil!“. Die Leute werden auf ihre Kosten kommen!

Wir freuen uns also auf die erste NIGHTOFTHE100MILES und sind, wer sollte uns das verübeln, irre aufgeregt und vielleicht auch etwas nervös… 😉 Am 7. Juli ist es soweit…

Wenn der Vater mit dem Sohne

Wenn der Vater mit dem Sohne

Der Mai bot im Jahre 2018 ein paar schöne Möglichkeiten um ein langes Wochenende zu verbringen. Den Feiertagen sei dank! Was gibt es schöneres diese dann mit dem Fahrrad zu genießen? Trotzdem kann ich ja auch nicht nicht immer alleine durch die Walachei fahren. Aus diesem Grund hatte ich beschlossen, das Pfingst-Wochenende zu nutzen um eine schöne Radtour mit meinem Sohn zu machen. Schließlich hatte er sich ja schon darüber beschwert, das ich die letzten Wochen so viel unterwegs gewesen wäre. Das geht natürlich mal gar nicht. Und da er die Idee hatte auch mal mit mir Radfahren zu wollen, war das doch eine tolle Chance. Nur Vater und Sohn. Also ein Wochenende mit totaler Eskalation und Absturz.

Natürlich ein Scherz und mit Sicherheit wegen Altersgründen und auch so nicht auf unserer Agenda. Statt dessen wollten wir unsere beiden Hobbys miteinander verbinden. Flugzeuge gucken und Radfahren ist deshalb rund um den Frankfurter Flughafen gar keine schlechte Idee! Denn wer sich zum Beispiel mal auf dem Kartenmaterial von opencyclemap umschaut, der wird erkennen, das es dort einige interessante Wege rund um den Flughafen gibt. Mit denen der FRAPORT sogar teilweise selber auf seinen Seiten wirbt. Den Track habe ich zwar selber zusammen gezimmert, aber wegen Tipps habe ich auf deren Website gerne zurückgegriffen. Heraus kam dabei eine Radtour von 35 Kilometern länge. Sehr flach, für Familien mit Kindern gut zu fahren. Das vorweg.

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Für die Kids äußerst spannend…für die Großen aber auch!

 

Los ging es vom Hotel in Flughafennähe. Der unmittelbar dort verlaufene Radweg führte erst kurz zum Main weg, aber ging dann direkt wieder rauf zum Mönchwaldsee. Und weil der auch als Löschteich dient und er nicht ganz so klein ist, MUSS die Flughafenfeuerwehr sogar dort ein richtiges Rettungsboot unterhalten. Also wenn da jemand mal baden geht, Rettung naht! Außerdem liegt er wiederum schon ziemlich nah an der Start- und Landebahn. Da wurden die Augen natürlich direkt riesengroß, als die ersten Flugzeuge doch in relativ naher Entfernung aufsetzten. Der Radweg führt dort direkt am Flughafenzaun entlang und man hat einen klasse Blick auf die nahenden Jets. 

Einen Spaß für Groß und Klein kommt schon einige wenige Meter weiter. Denn da steht man direkt hinter der Start- und Landebahn. Das war echt irre, als die großen Flugzeuge so direkt wenige Meter über unseren Köpfen hinweg donnerten! Wenn Erwachsene das in diesem Moment äußerst spannend finden, dann kann mich sich ja vorstellen, wie das auf Kinder wirken muss! Deshalb standen wir auch ziemlich lange dort und staunten bei jedem landenden Flugzeug aufs Neue und duckten unsere Köpfe, obwohl das natürlich Quatsch war.

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Am Flughafen gibt es nicht nur Flugzeuge!

 

Doch der Frankfurter Flughafen hat natürlich nicht nur eine Start- und Landebahn. Getrennt werden sie  aber durch die Autobahn A3. Die überquerten wir über eine Brücke, von wo aus Kinder dann noch als Bonus auf ein- und ausfahrende ICE’s gucken können. Die Bahnstrecke führt nämlich hier direkt parallel neben der Autobahn her. Was die Kinder manchmal für ein Glück haben können…

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Es ist schon beeindruckend den Jets beim Starten zuzusehen.

 

Kurz darauf kamen wir zu einem extra gebauten Aussichtspunkt an der Startbahn West. Auf einer treppenartigen Erhöhung können die Leute von hier einen hervorragenden Blick auf diese Startbahn und die Flugzeuge erhaschen, die sich direkt vor einem in den Himmel bohren. Faszinierend. Das fanden auch zahlreiche andere Leute so, denn dieser Punkt war sehr gut besucht. Viele mit Fernrohr und Fotoapparat  ausgestattet. Viele von ihnen Planespotter. So etwas möchte man ja auch irgendwie festhalten. Und dank dieser Leute findet man auf einschlägigen Apps auch immer das passende Foto zu dem Flugzeug, welches gerade über einem fliegt. 

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Mit dem Rad an der Startbahn West entlang.

 

Ruhiger wurde es aber sofort wenige Meter weiter. Mit dem Fahrrad fuhren wir nun parallel die ganze Startbahn West entlang. Und man hat so auch weiterhin einen guten Blick auf die bunten Vögel der Lüfte. An der Spitze umrundeten wir die Piste und radelten ein kleines Stück wieder in die entgegengesetzte Richtung um kurz darauf in den Wald abzubiegen. Und der war wunderschön. Mir wurde da auch klar, warum Naturschützer so vehement gegen einen weiteren Ausbau des Flughafengeländes sind. Die Kiefern spendeten einen angenehmen Geruch, der allerdings auch manchmal mit dem von Kerosin vermischt wurde! 

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Direkt hinter dem Flughafen geht es durch diesen schnuckeligen Wald!

 

Doch wir entfernten uns nun ein Stück vom Flughafengelände und der Kieferngeruch setzte sich durch. Nur das imposante Donnern der startenden Flugzeuge liess zwischendurch erahnen, das wir uns immer noch nah am Flughafengelände befanden. Da muss man auch schon mal an die Tiere hier im Wald denken. Und wenn der Sohn einen dann fragt, wo sich die Tiere denn verstecken, würde ich am liebsten antworten, daß sie sich bestimmt wegen der permanenten Unruhe mit Sack und Pack vom Acker gemacht haben. Zumindest ich hätte das an deren Stelle schon längst getan.

An Tieren haben wir also keine gesehen, außer einen Ameisenhaufen. Da war ordentlich Gewusel auf und am Wegesrand. Und bevor die kleinen, kräftigen Tierchen uns in die Hosenbeine krabbeln konnten, waren wir aber schon wieder auf unseren Fahrrädern unterwegs durch die schöne Natur des Waldes. Viele einladende Wege gibt es übrigens dort, die man allesamt anscheinend auf dem Rücken eines Fahrrads gut erkunden kann! Die Wegqualität ist ziemlich gut. Abstecher sind somit jederzeit möglich.

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Nicht nur für Flugzeug-interessierte, auch für Zeppelin-Fans gibt es etwas auf dieser Tour!

 

Oberhalb von Mörfelden-Walldorf überquerten wir die Autobahn A5, trugen die Fahrräder eine kleine Treppe hinunter, und fuhren auf dem Radweg weiter in Richtung Zeppelinheim. Dort gibt es, wie es der Name schon vermuten lässt, ein Zeppelin-Museum. In der Zeit der Luftschiffe starteten vom Rhein-Main-Gebiet die imposanten Zeppeline in Richtung Nord- und Südamerika. Die vielen Angestellten brauchten Unterkünfte. So entstand dieser Ort. Im Museum kann man einige interessante Dinge über diese Zeit erfahren.

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Kult: das „Terminal 4“, ein wunderbarer Biergarten, am Rande des Flughafens und Startpunkt des Candy B Gravellers.

 

Wenige Meter später erreichten wir einen beliebten Pausenstopp bei Radfahrern. Das „Terminal 4“ ist eine kleine Holzhütte mit angrenzenden Biergarten. Sehr gemütlich waren die Liegestühle direkt vor der Hütte und wir konnten sehr bequem die Flugzeuge sehen, die gerade gestartet waren und hier über den Baumwipfeln erschienen. Das alles, bei einer leckeren Portion Pommes und einer Bratwurst, war dann schon eine nette Belohnung für die bisher gefahrene Strecke. Direkt vom Terminal 4 sind vor kurzem übrigens erst die Teilnehmer des „Candy B Gravellers“ nach Berlin aufgebrochen. Ich habe darüber erst kürzlich im meinem Artikel von der VELOBerlin berichtet.

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Einer der legendären Rosinenbomber!

 

Hintergrund war, das der eingeschlossene Teil Berlins kurz nach dem zweiten Weltkrieg von den sogenannten „Rosinenbombern“ der US-Armee angeflogen wurde um die dortige Bevölkerung zu versorgen. Eine absolut logistische Meisterleistung. Am nur wenige hundert Metern entfernten Luftbrückendenkmal stehen noch zwei Maschinen, mit denen damals von hier aus geflogen wurde und es wird an dieser Stelle den Menschen gedacht, die damals im Einsatz waren und teilweise dabei sogar ums Leben gekommen sind. Der Candy B Graveller sieht eine Tour in dem einstigen Luftkorridor in Richtung Berlin vor. Das ebenfalls für einen guten Zweck. Eine tolle Sache. So können auch Kinder noch in Geschichte etwas dazulernen. Nicht unwichtig.

Und auch ein weiterer Aussichtspunkt ist etwas oberhalb des Luftbrückendenkmals gelegen. Einen tollen Ausblick haben hier Groß und Klein auf fast das ganze Flughafengelände. Teilweise rollen die Flieger auf dem Weg zu ihren vorbestimmten Positionen hier nahe am Zaun vorbei. Oder man sieht wie wir, das größte Passagierflugzeug der Welt, den Airbus A380, sanft und elegant über einen abheben. Absolut empfehlenswert also diese Stelle.

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Von diesem Aussichtspunkt überblickt man fast den ganzen Flughafen.

 

Dicht am Flughafenzaun führte uns der Radweg nun entlang in Richtung Terminal 2. Dort gibt es auch die neu gebaute Besucherterrasse, von wo aus man noch einen weiteren Ausblick auf das Vorfeld des Flughafens genießen kann. Da gibt es allerdings dann zum Ende hin doch noch ein Problem. Laut Karte auf der Website des FRAPORTS soll es Abstellmöglichkeiten für Fahrräder am Flughafen geben. Und zunächst waren wir guter Dinge, da der Radweg ziemlich nahe am Terminal vorbeiführt. Doch wir fanden keine Möglichkeit annähernd zu solchen Plätzen zu gelangen. Im Gegenteil. Plötzlich endete ein Weg unerwartet im Nichts und es ging nicht mehr weiter. Das empfand ich dann etwas unglücklich, da gerade am Terminal 2 doch viele Besucher nur zur Aussichtsterrasse wollen. Die Radwege ringsherum sind ja nicht ganz so schlecht um auf alternative Weise dorthin zu gelangen. Doch das hier war für uns etwas ernüchternd und wir brachen die Suche nach den Abstellplätzen ab. 

 

Vater,Sohn,Fahrradtour,Flughafen,Flugzeug
Eine wunderbare Vater-Sohn-Radtour ging zu Ende.

 

So radelten wir die letzten drei Kilometer zurück zum Hotel zwischen grünen Feldern und durch kleine Wäldchen. Die Ruhe auf diesen Wegen war angenehm, von den Flugzeugen war so gut wie nichts zu hören, obwohl wir noch immer nicht weit vom Flughafen und parallel zur Landepiste fuhren. So endete schließlich unsere rund 35 Kilometer Flughafen-Runde wieder am Hotel. Für Familien ist dies garantiert eine spannende Tour. Die vielen verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen sind alles andere als langweilig. Kombiniert mit der Natur rund um das Gelände ist die Tour doch recht abwechslungsreich. Uns hat es sehr gut gefallen und wir hatten einen schönen Tag. Wer die Runde auch einmal radeln möchte, der findet den Link zur gpx-Datei unter dem Bericht. Ein Tipp aber noch an dieser Stelle: Vorsicht beim durchstreifen der Wiesen und Wälder, denn es könnten auch Zecken auf potentielle Opfer warten. Ich habe das am eigenen Körper feststellen können, hatte aber noch Glück. Die Zecke hatte sich noch richtig in die Haut verbohrt. Alles gut 😉 Abendliches absuchen des Körpers sollte aber Pflicht sein!

EIN PAAR INFO-LINKS:

Der Flughafen als Ausflugsziel

Zeppelin-Heim

Download GPX-Track

Zu meinen weiteren Touren

Was kann das neue Fahrradmagazin KARL?

Was kann das neue Fahrradmagazin KARL?

Vor kurzem flatterte mir eine email von der Motor Presse Stuttgart ins Postfach. Der Verlag bringt nun auch ein Fahrradmagazin heraus, genannt „KARL“, und würde mir gerne ein Exemplar unverbindlich zukommen lassen. Gerne könnte ich auf meinem Blog darüber schreiben, es wäre aber keinerlei Verpflichtung dies auch wirklich zu tun! Nach ein paar Tagen Bedenkzeit – schließlich könnte das ja auch als eine Art Schleichwerbung angesehen werden – stimmte ich dem aber zu. Mein Gedanke war, das die Zeitschrift entweder was kann oder halt nicht. Mit dem Ergebnis müssten sie dann so oder so leben. Damit wären hoffentlich alle Zweifel an dieser Stelle beseitigt. Ihr lest also hier meine kurze, persönliche Einschätzung der ersten Ausgabe dieser neuen Zeitschrift.

Die Aufmachung ist frisch und modern. Auf umweltfreundlichen Papier gedruckt ist es in dem Sinne Up-to-Date. Als „Reisser“ oder Aufhänger ist der Schauspieler Jürgen Vogel auf dem Titelblatt zu sehen. Titelstory: „Ebikes sind einfach geil – Warum der Schauspieler aufs Auto verzichtet“. Wie sollte es momentan auch anders sein, das Thema Ebike oder Pedelec darf natürlich nicht fehlen. Manchmal wirkt der immer gleiche Aufhänger „E-Bike“ schon etwas nervig. Für mich entpuppte sich die Titelstory auch eher als ein Text aus einer Werbebroschüre. Nicht schlecht, aber irgendwie zu auffällig. Beispiel:“…Wo ich früher noch das Motorrad genommen hätte, ist jetzt mein E-Bike von COBOC erste Wahl…“ Dazu gibt es eine Seite vorher auch einen extra Kästchen, in dem kurz über die Marke COBOC geschrieben wird. Ok, das kann man sehen wie man will, aber das ganze liest sich halt nicht wie ein richtiges Interview. Nicht so richtig echt. Das geht besser.

 

KARL,Fahrradmagazin,Zeitschrift
Auch mal andere Artikel als sonst üblich zu bringen. Das finde ich gut.

 

Ansonsten muss ich aber sagen, macht das Magazin – Untertitel: „Bike – Life – Style“ – aber einen durchaus positiven Eindruck. Die Bilder sind frisch, die Berichte gut ausgewählt. Da gibt es welche über die Critical Mass-Bewegung, einen weiteren über das Radfahren in Kopenhagen oder auch einen über die schwer in Mode kommenden Lastenräder. Sogar auch ein paar Seiten sind an Kinder gerichtet. Obwohl das eher nicht die Kauf- und Zielgruppe ist. Aber die Eltern können das ja dann auch gerne mal weiterreichen! 😉

Jedenfalls sind das alles Themen, die momentan angesagt sind. Und auch in unterhaltsamer Weise geschrieben wurden! Sehr gut fand ich die Geschichte über den Mitarbeiter bei BOSCH, der einst dort mehr oder weniger das erste E-Bike entwickelte, doch zunächst nicht so ernst genommen wurde. Das sind Stories, die ich gerne lese. Stories, bei denen aus dem Nähkästchen geplaudert wird, mit netten Anekdoten. Das finde ich immer spannend. 

Insgesamt finde ich das neue Fahrradmagazin KARL, übrigens benannt nach Karl Drais, doch recht lesenswert. Wichtig ist, das man nicht versucht irgendwelche versteckten Werbebotschaften als geführtes Interview oder anderweitig unterzubringen. Das merken die Leser! Es bleibt aber unterm Strich ein interessantes Fahrrad-Magazin, das noch ausbaufähig ist, aber mit guten Ansätzen und frischen Artikeln punkten kann. Wenn diese Auswahl weiterhin klappt, könnte KARL meiner Meinung nach ein Lichtblick im Blätterwald der „Fachpresse“ werden. Wir werden sehen.

#19.5.2018

#19.5.2018

Uff, das ist jetzt doch schon eine Weile her, das ich ins Logbuch geschrieben habe. Doch einige größere Artikel sind ja trotzdem in der Zwischenzeit erschienen. Nicht vergessen möchte ich aber auch nicht die vielen kleineren Geschehnisse während des letztens Eintrags hier. Deshalb an dieser Stelle eine kleine Zusammenfassung, quasi auch als Notiz an mich.  😉

Die Ruhr2Northsea-Challenge rückt immer näher. „300 Kilometer an deinem Tag“, heißt es so schön. Doch wie ist der Stand der Dinge bei mir? Wie sieht die Fitness aus? Ich fühle, das ich auf dem richtigen Weg bin. Mit einem Team-Mitglied habe ich bereits eine „kleinere“ Probe-Tour unternommen. 170 Kilometer standen da auf dem Programm. Teilweise auch mit widrigeren Verhältnissen wie Regen, Kälte, Hunger, Sturz und Panne. Trotzdem liefen unsere Fahrräder ausgezeichnet und wir meisterten diese Runde sogar in einer akzeptablen Zeit von 7h27m. Teilweise bummelten wir aber auch auf dem Rückweg von Venlo irgendwie. Und auch ein kurzer Durchhänger war dabei. Doch hinten raus gab‘s dann wieder Kraft in den Beiden. Durch diese Runde wissen wir jetzt, was wir noch verbessern müssen/können und was uns eventuell noch bevorsteht. Das nehmen wir mit für das weitere Training.

Positiv: müde Beine hatte ich nicht. Auch keinerlei Muskelkater. Also in der Hinsicht alles gut. Die Frage bleibt bei mir wahrscheinlich dann: macht der Kopf irgendwann eher schlapp als der Rest des Körpers? Man wird sehen. Auch das Set-Up des Crossers wird noch mit ein wenig Feintuning versehen. Unnötigen Ballast möchte ich am Fahrrad vermeiden. Da sowieso zahlreiche Versorgungsstationen unterwegs aufgebaut werden, sollte es mit der Verpflegung nicht allzu schwer werden. Natürlich dürfen Energie-Riegel und Getränke aber unterwegs nicht fehlen. Die sind schon sehr essenziell.

bikingtom,R2NC,Radfahren
Mein Test-SetUp über 170 Kilometer. Das muss noch verbessert werden!

Dazu werde ich wohl nicht mehr dabei haben als den Wahoo Elemnt Bolt zur Aufzeichnung und Navigation, einen Power-Akku und das Smartphone. Also alles auf nur das wesentliche reduziert. So ist der Ansatz und ich denke, damit werden wir insgesamt gut fahren. Wortwörtlich.

Aber auch anderes ist in den letzten Wochen passiert. So war ich Anfang Mai unterwegs mit vielen anderen Radfahrern zur ADFC-Sternfahrt NRW nach Düsseldorf. Das habe ich auch schon im letzten Jahr gemacht. Und es war irgendwie cool. Und auch in diesem Jahr trafen sich in der Landeshauptstadt Düsseldorf an die 4000 Radfahrer, die darauf aufmerksam machen wollten, das es auch noch anderen Verkehr auf der Straße gibt als den der Autos. 2018 ging es aber etwas ruhiger zu. Auch die Menschen, die auf der berühmten Einkaufsstraße Kö flanierten und mit fetten Autos glänzten, waren dieses mal entspannter als noch in 2017. Alles in allem war es also ein recht stressfreier Ausflug mit gutem Wetter und netten Menschen auf dem Fahrrad. Das typische Bild mit den älteren Herrschaften des ADFC wurde hier etwas gerade gerückt. Denn auch viele jüngere Menschen mischten sich unter die Teilnehmer. Nur die Warnwesten-Träger…ja, da kann man dann halt doch drüber diskutieren.

Und schon ein paar Tage später ging es direkt weiter zu Sternfahrt Bochum und der Veranstaltung „Fahrradsommer“ der Industriekultur vor der dortigen Jahrhunderthalle. Die Zubringerfahrt in die Nachbarstadt war lustig. Auch wenn für den Tag Unwetter angesagt waren. Wir hatten da echt Glück. Nachdem wir durch die Straßen Bochums geradelt waren mit etwa 800 Teilnehmern und an der Jahrhunderthalle ankamen, öffneten sich auch schon die Schleusen des Himmels und Blitze zuckten. Was hatten wir also für ein Massel. Für die Aussteller war das aber nicht so toll, denn die konnten auf dem Außengelände direkt wieder alles einpacken. Die Abschlussrede des Oberbürgermeisters wurde ebenfalls abgesagt. So standen wir einfach vor der Halle und warteten bei einem Stück Kuchen besseres Wetter ab. Denn zu sehen gab es ja hier nix mehr bei der Veranstaltung. Eine Stunde später fuhren wir dann wieder in einer kleinen, lustigen Gruppe zurück nach Essen. Irgendwo um uns herum musste wohl der Regen niedergehen, aber wir blieben tatsächlich während des ganzen Tages furztrocken. Echt Dussel gehabt!

Zu berichten gibt es auch noch etwas von der Reifenpannen-Front. Da ich ja, wie oben bereits geschrieben, auf den 170 Kilometern einen weiteren Plattfuss hatte, habe ich mich entschlossen, einen anderen Reifen-Typ auszuprobieren. Das kann man ruhig mal ausprobieren, wenn man in ein und demselben Reifen bereits das vierte Loch hat! An den Schläuchen wird es nicht gelegen haben. So hatte ich mir den Schwalbe G-One Bite ausgeguckt. Der ist noch zusätzlich mit verstärkten Flanken ausgestattet. Das kommt mir auch ein wenig entgegen, denn ich gehe gerne mal am Berg aus dem Sattel.

Man sollte aber nicht glauben, wie schwierig es war, diesen Reifen zu beschaffen! Mein Händler des Vertrauens hat ihn selbst im Großhandel nicht bekommen. Sogar nach Rücksprache bei Schwalbe selber war es nicht möglich einen einzigen zu bekommen. Er scheint noch recht neu zu sein. Gesehen habe ich ihn aber schon im Schwalbe-Prospekt auf der EUROBIKE im vergangenen Jahr! Merkwürdige Firmenpolitik. Aber wie der Zufall so will, im Internet findet man halt alles. Auch wenn ich gewisse Dinge lieber vor Ort schaue. Aber na gut. Zwei Tage später war der Reifen da! Und da ich eh noch Ersatzschläuche brauchte, habe ich meinen Händler des Vertrauens gefragt, ob er dann nicht eben den Reifen aufziehen könnte. War mir natürlich zunächst etwas unangenehm, doch das war tatsächlich kein Ding. Für ein Appel und ein Ei ging das dann über die Bühne und mein Fahrrad hatte einen neuen Schluffen.

Der erste Eindruck: die verstärkten Flanken machen sich bemerkbar. Denn die Bremsscheibe kommt wesentlich seltener an die Bremsbeläge wenn ich aus dem Sattel gehe! Das ist schon ein großer Unterschied und man merkt die bessere Stabilität! Des weiteren hat der G-One Bite nach kurzem einfahren guten Grip entwickelt, der Geschwindigkeit auf Asphalt tut das gröbere Profil bisher übrigens keinen Abbruch! Der Reifen fährt sich sehr schnell und angenehm, ohne das Gefühl zu haben gegen einen gewissen Widerstand ankämpfen zu müssen. Gefällt mir bisher gut, mal schauen was die Haltbarkeit angeht. Ihr werdet es ja lesen, wenn was passiert.

Zum Schluss noch etwas zur NIGHTOFTHE100MILES! Die Anmeldungen laufen wirklich gut. Nach drei Wochen hatten wir bereits unsere erhoffte Teilnehmerzahl überschritten! Wir freuen uns riesig über den Zulauf! Im Sack ist auch die Organisation des Frühstücks! Das wird wirklich gut werden. Dazu berichte ich aber bald noch einmal etwas ausführlicher! Noch sind übrigens ein paar Teilnehmerplätze frei! Wer also noch Bock auf so eine geile Geschichte hat, der sollte sich bald anmelden. 😉

Moor & Heide im DümmerWeserLand

Moor & Heide im DümmerWeserLand

Ich habe zu Hause gesessen und überlegt, wo ich denn die nächste Radtour machen könnte. Ich habe da so ein kleines „Archiv“ mit einigen Prospekten und Flyern verschiedener Radregionen. Das stöber ich gerne mal durch und finde dort eigentlich immer eine Inspiration. Und so war es auch diesmal. Mir fiel ein Heft des „DümmerWeserLand“ in die Hände. Eine Landschaft, die von Moor und Heidelandschaften geprägt ist. Das – und die Fotos im Heft – gefielen mir auf Anhieb und flugs saß ich vor dem PC und studierte die Gegend für eine schöne, knackige Runde. Und so ging es zwei Tage später auch schon los auf die Radtour.

Rund zwei Stunden vom Ruhrpott entfernt liegt diese überraschenderweise verdammt flache Landschaft. Unmittelbar hinter Osnabrück, dem bergigen Tecklenburger Land und den Dammer Bergen meint man nicht so eine platte Ebene wie in den Niederlanden vorzufinden. Dafür pfiff mir der Wind aus südöstlicher Richtung leicht ins Gesicht, nachdem ich am Dümmer See startete. Der See hat übrigens eine Besonderheit. Er wird von der Hunte durchflossen! Das heißt, die Hunte fließt im Südwesten ein und im Norden wieder hinaus! Mit einer Wassertiefe von nur rund 1,4 Metern ist er nicht gerade tief. Dafür ist er vor rund 12.000 Jahren entstanden, zur letzten Eiszeit. Heute ist er ein beliebtes Erholungsgebiet und es gibt einige Campingplätze dort. Ich verließ den See mit dem Fahrrad. Aber wie bereits erwähnt zunächst in Richtung Südost. Ich sollte erst am Abend, am Ende der Tour, dort ein Stückchen entlang fahren.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Wunderbarer Morgen.

 

Zunächst ging es an ein paar ruhigen Straßen aus Hüde, meinem Startpunkt, hinaus um weiter durch Lehmförde, Marl (Dümmer) und Brockum in die unendlichen Weiten an Feldern und Mooren entlassen zu werden. Auf den Straßen war kein Mensch unterwegs, vielleicht lag es auch daran, das Karfreitag war. In den kleinen Dörfern war es wie ausgestorben. Dafür gab es hier schon mal kurze Kopfsteinpflaster-Passagen wie beim Straßenrennen Paris-Roubaix! Außerdem entdeckte ich an einer Abbiegung einen interessanten Findling, einen sogenannten „Sühnestein“! Hier fanden im Mittelalter Gerichtsverhandlungen statt und die Verurteilten wurden genau hier an den Pranger gestellt! Sie mussten den Hohn und Spott und teilweise sogar Schläge der Dorfbevölkerung ertragen. So stand es auf einer kleinen Info-Tafel zu lesen. Ich hatte jedenfalls nichts getan, konnte hier nicht verurteilt werden und niemand konnte mich auf meinem Fahrrad aufhalten um mir einen drauf zu geben. Es war ja auch niemand da! Also ging es schnurstracks weiter.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Paris – Roubaix war gestern (l.), am Pranger stand man einst an dieser Stelle (r.)

 

Bald darauf gelangte ich zum Oppenweher Moor, einem Moor in der großen Diepholzer Moorniederung. Dieses Gebiet bietet vielen Tieren und Vögeln einen großartigen Lebensraum. Gerade als Brutgebiet für viele gefährdete Vogelarten ist diese Landschaft, die über Jahrtausende gewachsen ist, sehr bedeutend. Doch der Torfabbau in diesem Hochmoor hat deutlich Spuren hinterlassen. Das Gleichgewicht ist aus den Fugen geraten und man versucht mit viel Anstrengung dieses Gebiet zu renaturieren. Anscheinend mit Erfolg, denn die Natur beginnt sich zu erholen. Und so findet man hier auch Tiere wie die Kreuzotter oder den Moorfrosch. Im Herbst rasten hier tausende an Kranichen auf ihren Weg in den Süden.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Das Oppenweher Moor, Heimat vieler Vögel und Tiere!
Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Beobachtungspunkt am Oppenweher Moor

 

Auf gravelartigen Pfaden erreichte ich am Rande des Moors einen kleinen Beobachtungspunkt. Da ich mich in der Natur sowieso meist sehr leise bewege, konnte ich hier viele Vögel zumindest hören, die sich irgendwo im Dickicht verbargen. Es war richtig schön dort und ich konnte die kleine Pause richtig genießen.

Und wo Moor ist, ist bekanntlich das Wasser nicht weit. Mein weiterer Weg am Rande dieses Naturschutzgebietes war deutlich mit Wasser getränkt. Nur wenige Zentimeter breite Stellen dieses Pfades waren befahrbar. Trotz Crossbikes. An einer Stelle musste ich sogar absteigen, über einen sehr schmalen Baumstamm balancieren und dabei mich auf das leicht einsinkende Rad abstützen. Wer mich da so gesehen hätte, der hätte wahrscheinlich lauthals angefangen mich auszulachen. Doch ich kam trockenen Fußes über diese kleine Moor-Passage! Und schon ging es weiter.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Mit dem Crosser durchs Moor!

 

Und kurz darauf war ich auch schon wieder auf sehr angenehmen, asphaltierten Feldwegen unterwegs. Im Zick-Zack-Kurs ging es mal mit, mal gegen den Wind, mitten durch zahlreiche Felder. Zwischendurch immer mal vereinzelt ein Gehöft, aber niemand war hier zu sehen. Dabei war das Wetter ja recht gut, aber nicht ein Wanderer oder Radfahrer kam mir entgegen. Ich hatte die ganze Landschaft für mich alleine.

Bei Wehe kam ich zu einer sehr schönen Bockwindmühle, die bereits um 1650 errichtet wurde! Sie hatte einige Besitzer in all der Zeit bevor sie im Jahre 1953 stillgelegt wurde. Der Heimatverein Wehe nahm sich ihrer an und sie wurde in vierjähriger Arbeit restauriert. Heute finden dort viele Veranstaltungen statt. Da wird im angrenzenden Backhaus gebacken, schon mal ein Volkstanzfest oder ein Theaterstück aufgeführt. Es sah mir sehr nett dort aus, obwohl auch hier an diesem Tag ganz und gar niemand zu sehen war.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Die Bockwindmühle in Wehe.

 

Selbst als ich nun auf eine breite Landstraße fuhr, an der kein Radweg angrenzte, fuhren nur zwei Autos an mir vorbei bevor ich Nordel erreichte. Da habe ich mich schon gefragt, ob das die dortige Normalität wäre mit so wenig Verkehr. Doch ein paar traurige Kreuze am Straßenrand lehrten mich da eines besseren. So verkehrsarm konnte es hier wochentags wohl doch nicht sein.

Ich kam nach Essern und bog in Richtung Naturschutzgebiet Uchter Moor ab. Ebenfalls ein Hochmoor, welches erst seit 2007 unter Schutz steht. Das Moor war jahrhundertelang sehr wichtig für die Bevölkerung. In anstrengender Handarbeit wurde hier Torf abgestochen. Als Brennmaterial für die Bewohner der Umgebung. Im 20. Jahrhundert wurde der Abbau durch mehrere Firmen industriell vorangetrieben. Doch heute gibt es nur noch ein einziges Unternehmen, die Firma Wintershall AG, die das Torfwerk Gewerkschaft Uchte im Jahre 1931 gründete. An dem Werk mit seiner Feldbahn, die den Torf aus dem Moor abtransportiert, kam ich am Ende meines Besuches ebenfalls vorbei. Zuvor radelte ich durch die deutlich gekennzeichnete Natur. Der Abbau hat hier deutlichste Spuren hinterlassen. Tiefe Gräben wurden hinterlassen, nur langsam holt sich die Natur ihr Gebiet zurück.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Eindrücke aus dem Großen Uchter Moor

 

Ich kam zu einem weiteren Beobachtungsturm. Dort machte ich Rast  und genoss den friedlichen und sehr stillen Ausblick aus luftiger Höhe in die Weite des Moores. Von hier oben konnte ich mir einen sehr guten Überblick über die Ausbeutung der Natur machen. Krumme Schienen von der ehemaligen Moorbahn konnte ich auch erkennen. Seit 2006 werden mit der ehemaligen Bahn Touristen in das Gebiet gebracht und ihnen wird die Natur des Moores näher erläutert. Momentan fuhr sie aber nicht und es waren keine Touristen zu sehen.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Netter Rastplatz…

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
…um sich mal eine krassen Überblick zu verschaffen!

 

Dazu wurde im Jahr 2000 eine Moorleiche während des Torfabbaus entdeckt. Zunächst wurde von einem Kriminalfall ausgegangen. Erst fünf Jahre später wurde der archäologisch wertvolle Fund erkannt und die Leichenreste eines etwa rund 16-jährigen Mädchens auf das Jahr 650 v. Chr. datiert werden! Das Mädchen erhielt den Namen Moora. Die spannende Geschichte zum Fund der Moorleiche gibt es hier!

Am Werk des Torfabbau-Unternehmens konnte ich mir Gedanken darüber machen, wie wichtig der Torf für die Menschen dieser Region war bzw. noch ist. Schließlich hängen heute auch noch einige Arbeitsplätze daran. Viele befüllte Loren parkten direkt am Radweg auf den schmalen Schienen und warteten auf die Weiterverarbeitung. Doch an diesem Feiertag ruhte der Betrieb im Werk.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Hier in der Fabrik wird der Torf verarbeitet.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Vor den Loren mit all dem Torf.

 

Das Werk bildete nun auch den Wendepunkt der Radtour. Von nun an blies mir der Wind in den Rücken, nachdem er mich vorher manchmal auf offenen Passagen geärgert hatte. Ich bemerkte auch das er deutlich zunahm. Besser an diesem Punkt , als schon ein ganzes Stück vorher. Und so ging es nun über tolle, einsame Straßen mit gutem Tempo zügig voran. Ein Tempo weit jenseits der 30 Stundenkilometer war kein Problem.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Und viele weitere beladene Loren warten noch auf den Abtransport zum Werk.

 

Ich passierte einige kleine Gehöfte, fuhr entlang kleiner Wald- und Moorlandschaften und hatte dabei immer guten Asphalt unter den Reifen. Die Geschwindigkeit machte natürlich Spaß, doch auf Freiflächen konnte der Wind schon mal kühl über den Rücken wehen. Der nächste Stopp war der Nordpunkt NRW. Das ist der aller, aller nördlichste Punkt von Nordrhein Westfalen. An dieser Stelle steht ein Fahnenmast mit der Fahne und dem Wappen NRWs. Ich hatte mich zwar die ganze Zeit meistens auf niedersächsischer Seite bewegt, doch die Grenzen der beiden Bundesländer verschwammen schon mal. An dieser Stelle kann man wunderbar eine kleine Rast machen. Man kann verschiedene Sonnenuhren ausprobieren, die dort aufgestellt wurden. Darunter sogar eine, die aus einem Fahrrad gebaut wurde. Durch Bewegung der Gabel kann man sowohl Uhrzeit als auch Jahreszeit ablesen. Coole Konstruktion!

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Hier ist der allernördlichste Punkt von NRW, auch NRW-Nordpunkt genannt. Mit Kunst, Kitsch und Fahne versehen.

 

Ich hatte richtig Spaß auf dem Fahrrad, die bereits gefahrenen Kilometer machten mir nichts aus. Der ganze Tag fühlte sich gut an. Weitere Kilometer später kam ich nach Wagenfeld. Auch dort fand ich eine alte Mühle vor, die allerdings erst im Jahre 1905 erbaut wurde und heute schon mal als Hochzeitsmühle des Standesamts dient. Nett anzusehen ist sie allemal.

Ein alter, eingefallener Bauernhof ein paar Meter weiter dagegen versprühte einen ganz anderen Charme. Das alte Fachwerkhaus hatte seine beste Zeit längst hinter sich. Teile des Dachstuhls waren eingefallen. Ein großer alter und knorriger Baum, wie er so typisch an alteingesessenen Höfen Norddeutschlands ist , ließ seine Äste trostlos übe die dicken Mauern der Umzäunung hängen. Ein dickes Vorhängeschloss am Tor zur Einfahrt auf dem Hof versperrte mir den Weg für weitere Ansichten. So blieben mir nur Fotos vom Tor aus zu machen.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Verlassenes Gehöft, geliebtes Fahrrad.

 

Der späte Nachmittag war erreicht. Doch einen Aussichtsturm in einem weiteren Moorgebiet hatte ich noch auf der Karte. Das Rehdener Geestmoor ist ein Regenerationsgebiet. Der Torfabbau ist auch hier allgegenwärtig und war ebenfalls wichtig für die naheliegenden Dörfer der Umgebung. Doch ab 1984 wurde die Renaturierung vorangetrieben, Gräben verfüllt, kleine Staudämme gebaut, die Gegend entbirkt und dadurch versucht, das Wasser des Moores zu stauen, damit die einzigartige Moorlandschaft erhalten bleibt. Auch Schafherden spielen eine große Rolle bei der Beweidung der Moor- und Heideflächen. So wird das Gebiet offen gehalten und viele Vogelarten kehren dadurch zurück. 2004 wurden die Maßnahmen erfolgreich beendet, eine weitere Beweidung ist aber weiterhin von Nöten.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Am Rehdener Geestmoor.

 

Infotafeln am Fuße des Turms veranschaulichten das Leben im und mit dem Moor. Als ich gerade weiterfahren wollte, kamen mir zum ersten Mal Leute entgegen, die auch diesen Punkt besuchen wollten. Doch da trat ich schon wieder in die Pedale und verschwand auf weiteren Wegen zwischen Feldern und riesigen Windrädern, die über mir Kreise zogen. An einem Reiterhof hatte ich eine kleine Zeitreise, denn da stand eine alte Telefonzelle als „Museumsstück“ vor der Einfahrt. Noch mit alten Telefonbüchern, die man früher da mit drin hatte. Krass.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Zurück in die Zukunft.

 

Jetzt war es nicht mehr weit. Ich erreichte Lembruch am Dümmer See. Es war schon Abend geworden, Wolken waren aufgezogen, die Sonne blinzelte nur noch sparsam durch die Wolkendecke und würde bald untergehen. An der Promenade am See angelangt, sah ich zum ersten Mal eine richtige Ansammlung von Menschen, die dort spazieren gingen. Der angelegte Sandstrand war leider von Vögeln ziemlich zugek…kt und war nicht wirklich schön. Alles sah bei dem trüben Tageslicht etwas heruntergekommen aus, bei strahlendem Sonnenschein ist das vielleicht anders.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Am Ende des Tages gelangte ich wieder zum Dümmer See.

 

Radfahren,Moor,DümmerWeserland,bikingtom
Langsam neigt sich der Tag am Dümmer See dem Ende entgegen.

Es war schon spät, eine Umrundung des Sees war leider nicht drin. Vielleicht hätte es dort auf der anderen Seite ein wenig anders ausgesehen. Doch trotzdem war es ein ausgezeichneter Tag und eine tolle, informative Radtour, als ich am Startpunkt in Hüde wieder ankam. 104 Kilometer mit vielen Foto-Stopps waren das. Wer das mit seinem Fahrrad nachfahren möchte, dem sei der gpx-Track zum Download ans Herz gelegt. Man kann aber auch jederzeit die Tour abkürzen, zum Beispiel wenn man über den Ort Preußisch Ströhen fährt. Die Moorgebiete – und es gibt noch einige andere in der Gegend! – sind aber einen Besuch absolut wert! Spaß macht es natürlich wie bei mir mit dem Fahrrad, aber auch schöne Wanderrundwege gibt es dort einige. Mir hat das sehr gut gefallen und ich denke, ich werde irgendwann diese Landschaft und die Region noch einmal besuchen.