Schwimmen für Triathlonanfänger – Interview mit Stephan Goldmann von triathlon-tipps.de

Schwimmen für Triathlonanfänger – Interview mit Stephan Goldmann von triathlon-tipps.de

Schwimmen. Für mich kleine Triathlonanfängerin noch echt mysteriöses Zeug. Aber ich will mich ja weiterbilden und vor allem beim Schwimmen im Chiemsee nicht untergehen, deswegen habe ich mir kompetente Hilfe geholt.

Stephan Goldmann – Journalist, Gründer von triathlon-tipps.de, Finisher der Langdistanz in Roth und einer der ersten, der mir einfällt, wenn es um Triathlon-Experten geht – hat sich dankenswerterweise bereit erklärt, mir ein paar Anfängerfragen zu beantworten. Seit 2004 ist er im Triathlonsport aktiv, von daher weiß er, von was er spricht!

Stephan Goldmann - Triathlon Tipps

Stephan Goldmann von Triathlon-Tipps.de. (Foto: Raimund Verspohl)


 

Ciclista: Ich hab ja immer Hemmungen und trau mich nicht so richtig, also: wer darf auf die Sportbahn im Hallenbad und gibt es da irgendwelche ungeschriebenen Gesetze?

Stephan: Ja und nein. Ich würde sagen, gesunder Menschenverstand und etwas Einfühlungsvermögen reicht schon.

Zu Beginn und für relativ statische Übungen, wie sich einfach aufs Wasser legen oder Sculling, sollte ich die Sportbahn meiden. Da werden meist feste Programme auch in bestimmten Tempi abgespult. Für die oft ehrgeizigen Triathleten ist es wichtig, dass sie diese Programme auch gut absolvieren. Und da lautet die Regel für Anfänger: „Behindere die Schnellen nicht“.

Das heißt, dass ich mich als Anfänger bemühe, möglichst am Rand der Bahn zu schwimmen, sodass schnelle Schwimmer vorbeikönnen. Oder am Beckenende nicht „in der Wende zu stehen“, also den Platz in der Mitte freizuhalten, damit andere dort die Rollwende absolvieren können. Einfach daran denken: Da sind hinter mir noch welche und die sind eventuell schneller.

Andersherum hat jeder Triathlet mal klein angefangen und kaum ein Triathlet ist ein WIRKLICH guter Schwimmer. Also sollten auch die besseren Schwimmer Rücksicht nehmen.

Konkret heißt das für Dich: Geh auf die Sportbahn, wenn Du Strecke machst. Auch wenn es langsam ist. Bei jedem, der Dich überholt und dabei vielleicht sogar trifft, stört oder nur deprimiert, denkst Du Dir einfach „das kommt im Wettkampf hundert Mal auf mich zu, danke für die Gelegenheit zur Übung!“

 

Stephan Goldmann - Triathlon-Tipps.de

Stephan Goldmann in Aktion.

Ciclista: Wie lange darf man Mitschwimmer unter Wasser halten, wenn einer (so richtig) reinrotzt oder auf der überfüllten Bahn plötzlich den Schmetterling macht? Oder gehört das da zum guten Ton?

Stephan Goldmann: Schwere Frage. Persönlich finde ich es nicht gerade lecker, wenn einer das so richtig ins Wasser macht. Aber gewöhn Dich daran, dass im Becken allerhand rumschwimmt. Denn auch im Wasser können wir unter Umständen Schweiß abgeben und der Rotz kommt eh aus der Nase bei Anstrengung. Nur sieht man es beim Schwimmen halt nicht so. Einige schnauben das am Beckenrand in den Ablauf des Wassers – besser so, als vor Dein Gesicht.

Und wenn einer plötzlich den Schmetterling macht, und dabei x Leute trifft, dann wird er schon eine Antwort bekommen. Allerdings habe ich mehr Angst vor Brustschwimmern, die einen weiten Beinschlag machen. Und Lagen gehören eben auch zum Sportschwimmen.

 

Ciclista: Sind die Schwimmer beim Triathlon denn genauso aggro wie auf der Sportbahn?

Stephan Goldmann: Ha! Noch mehr! Da haben alle den Tunnelblick und wollen sich gerade beim Start durchsetzen. Und wenn jemand im Weg ist, dann schwimmen sie auch teilweise über denjenigen drüber. Also: ja.

 

Ciclista: Na toll, große Freude! Was ist sonst der größte Unterschied zwischen Becken und Freiwasser? Und lassen sich die Zeiten im Becken nach draußen übertragen?

Stephan Goldmann: Nein. Wenn ich draußen einen Neo trage, bin ich am Ende vermutlich schneller als auf der Bahn. Ohne Neo kann es sein, dass die Zeiten langsamer sind im Freiwasser. Schließlich fehlt mir draußen beispielsweise der Schwung nach dem Abstoßen, den ich auf der Bahn habe. Im Freiwasser schwimme ich außerdem oft Umwege – kannst ja mal probieren: Fixiere im See ein Ziel, schließe die Augen und schwimme gefühlt darauf zu. Ich bin dabei schon mal einen Halbkreis geschwommen. Orientierung ist das große Ding, dass Du auf der Bahn kaum üben kannst. Und das wiederum vermasselt Dir die Schwimmzeit ungemein und wenn Du viel Umweg schwimmst, raubt es Dir Energie für die nächsten Disziplinen.

 

Ciclista: Wenn man beim Kraulen nicht so fit ist, darf man dann beim Triathlon auch brustschwimmen?

Stephan Goldmann: Logo. Tun viele auch beim ersten Triathlon oder streckenweise zur Sicherheit, etwa wenn sie Wasser geschluckt haben. Gegen Brust ist nichts einzuwenden, es ist halt auf lange Strecken kraftraubender.

 

Ciclista: Wenn man sich wie ich jetzt einfach vornimmt, sich jede Woche ein bis zwei Mal ins Nass zu wagen: Wie trainiert man da am besten? Einfach immer weiter schwimmen, bis man irgendwann die Wettkampfdistanz am Stück kraulen kann?

Stephan Goldmann: Willst Du nachhaltig trainieren? Dann reicht Strecke machen nicht. Ich würde behaupten, dass im Schwimmen die Technik und der Stil wichtiger sind als bei den anderen Disziplinen.

Wasserlage ist das A und O. Wasser bietet mehr Widerstand als Luft. Darum ist es umso wichtiger, eine hydrodynamische Haltung zu erlernen. Ich sehe auf der Bahn viele, die machen alles mit Kraft, nutzen gar schon Paddels, schlagen wie wild mit den Beinen, aber hängen fast im 30 Grad Winkel im Wasser. Sie verschwenden all ihre Energie, kommen schon müde aufs Rad.

 

Schwimmen für Triathlonanfänger - Stephan Goldmann Triathlon Tipps

 

Ciclista: Dann mal zur Ausrüstung – Ich bin ja von Natur aus faul, daher kommt mir der Aufwand mit dem An- und Ausziehen des Neoprenanzugs schon ziemlich übertrieben vor. Ich hab‘ ja mit Schwimmen und Laufen schließlich schon genug zu tun. Wie dringend braucht man denn so ein Neoprenteil, wenn man im sommerlichen Chiemsee 1,5 Kilometer schwimmen möchte und geht das auch ohne?

Stephan Goldmann: Klar geht das ohne auch. Der Neo bietet aber eben Vorteile gerade für Anfänger. Der Auftrieb des Neos bringt viele Schwimmer automatisch in eine bessere Wasserlage, dadurch werden sie schneller und verbrauchen weniger Energie.

Die andere Frage ist: Wie kälteempfindlich bist Du? Der Neo hat ja den Sinn Dich zu wärmen. Ich schätze mal, Du wirst um eine halbe Stunde herum benötigen. Seewasser kann Dir da schon die Wärme rausziehen.

Im Allgäu bin ich mal bei 16 Grad Wassertemperatur geschwommen. Glaub mir: Nicht ohne Neo! Das Schlimme war, dass es draußen neun Grad hatte. Ich wollte am liebsten den Neo zum Radfahren anlassen.

 

Ciclista: Ok, darüber sollte ich also noch nachdenken. Ein letzter Survivaltipp für Schwimmnoobs?

Stephan Goldmann: Fühl Dich nicht angegriffen im Wasser. Jeder versucht, sein Ding zu machen. Beobachte die anderen, ihre Armzüge, das Eintauchen der Hände, die Beine, die Wasserlage, wie viel sie Wasser aufspritzen lassen. Mit der Zeit siehst Du jemanden, der einen tollen Stil hat. Beobachte die Person.

Und dann noch ganz wichtig: Suche den Spaß und den Flow im Schwimmen. Schwimmen kann sich anfühlen wie Fliegen … wenn Du gleitest, fast ohne Widerstand, nur ab und zu angetrieben von einem Armzug und einigen zarten aber effektiven Beinbewegungen …

 

Ciclista: Das klingt gut – aber bis dahin hab ich wohl noch viel zu tun 😀 Vielen lieben Dank für Deine Antworten, Stephan!


Buch „Du kannst Triathlon“ von Stephan Goldmann

Stephan Goldmann hat ein Buch für uns Triathlonanfänger geschrieben:
Du kannst Triathlon*“, auch mit vielen Tipps zum Thema Schwimmen 😉

 

Happy Training!

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Sie haben das Ziel gefunden: Kurzdistanz beim Chiemsee Triathlon 2018

Sie haben das Ziel gefunden: Kurzdistanz beim Chiemsee Triathlon 2018

Ein Ziel, habe ich seit Wochen gejammert, ein Ziel fehlt mir! Tja, zu laut gejammert, jetzt hab ich eins. Ob das gut ist oder nicht, weiß ich auch noch nicht so genau. Es hat zwar mit Radfahren zu tun, was erst einmal gut ist, aber was ich besonders respekteinflößend finde: Laufen und Schwimmen sind auch noch dabei. Ein Triathlon, aaah!

Ziel 2018 Chiemsee Triathlon

Mindestens zwei der geforderten Sportarten sprechen also gegen mich. Seit dieser Woche bin ich für die Kurzdistanz des Chiemsee Triathlon am 24. Juni 2018 gemeldet (vielen Dank an dieser Stelle für das Sponsern des Startplatzes an den Veranstalter Wechselszene!). Das bedeutet:

1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen.

Und noch ein knappes halbes Jahr Zeit zur Vorbereitung.

Die Panik trieb mich in den letzten Tagen bereits je zwei Mal in die Laufschuhe und ins Hallenbad und mir wurde klar – oder besser, noch klarer: Es liegt richtig viel Arbeit vor mir. Dem Radfahren schaue ich recht entspannt entgegen, das kenne ich und weiß: Da komm‘ ich irgendwie durch. Aber 1,5 Kilometer Freiwasser-Schwimmen? Und 10 (!!) Kilometer Laufen? Am Stück? Im Wettkampf? Puh!

Triathlonerfahrung? Njoaa.

Triathlon Herzoman

2009 beim Herzoman – auch da war das Laufen nicht meine Lieblingsdisziplin.

Es ist nicht so, dass ich völlig unbedarft bin in Sachen Triathlon. 2009 wagte ich mich bereits an eine Volksdistanz (400m/20km/5km) beim Herzoman im fränkischen Herzogenaurach. Und da fühlte ich mich schon sehr heldinnenhaft. Nicht zuletzt aufgrund meines großartigen und lautstarken Fanclubs aus Freundinnen und Freunden.

Aber die doppelte Distanz bzw. beim Schwimmen sogar die dreifache Distanz ist doch eine andere Hausnummer und flößt mir gehörig Respekt ein. Dazu starte ich quasi bei 0, beim Radfahren vielleicht bei 1. 😉 Also da darf ich mich ranhalten, damit das nicht allzu peinlich wird.

 

Heimspiel am Chiemsee

Aber ich bin ganz ehrlich: Mit dem Chiemsee Triathlon hab ich schon länger geliebäugelt. Schließlich ist das als Wahl-Rosenheimerin quasi mein Heimtriathlon und mich verbindet mit dem See so einiges. Aber dass die Idee sich in diesem Jahr schon in eine ausgewachsene Kurzdistanz verwandelt, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet.

Jedenfalls möchte ich Euch ein bisschen teilhaben lassen an meinem Weg zum Chiemsee Triathlon, wie genau ich das mache, wird sich zeigen. Aber ich werde hier auf Ciclista.net einige schlaue Triathlonmenschen per Interviews befragen, wie man bei so einer Kurzdistanz nicht untergeht und wie man da vielleicht sogar Spaß haben kann. Und natürlich werde ich fleißig berichten, wie es mir mit dem Training so geht. Ich hoffe, es wird nicht zu traurig, für mich und für Euch. Drückt mir dir Daumen! 😀

 

In den sozialen Netzwerken könnt Ihr Statusupdates zum Chiemsee Triathlon übrigens mit dem Hashtag #CiclistaChiTri18 verfolgen -> Instagram, Twitter, Facebook!


 

Habt Ihr Triathlon-Tipps für mich? Welche Ziele verfolgt Ihr dieses Jahr? Lasst es mich in den Kommentaren wissen! 🙂


 

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Lazer O2 im Test: Rennradhelm mit Licht

Lazer O2 im Test: Rennradhelm mit Licht

Das mit dem Lazer O2 und mir war schon ein bisschen Liebe auf den ersten Blick: Eigentlich war ich Anfang der Saison 2017 zum Fahrradhändler meines Vertrauens in Passau getigert, um neue Bremsbeläge zu kaufen. Zurück  kam ich mit einem Rennradhelm. Upsi. Immerhin hatte ich die Bremsbeläge ganz nebenbei nicht vergessen.
 

Lazer O2 Rennradhelm Licht

 

Erst später recherchierte ich, dass ich da wohl einen richtigen Dauerbrenner des belgischen Herstellers erstanden hatte. Bereits 2008 erhielt Lazer für den O2 den Eurobike Award, seitdem ist der Helm in unterschiedlichen Ausführungen erhältlich und auch 2018 hat er seinen Platz im Sortiment.

 

Rennradhelm mit guter Belüftung

Oft habe ich das Problem, dass klobige Rennradhelme so gar nicht gut aussehen bei mir. Genau deswegen gefällt mit der Lazer O2: Der Helm wirkt filigran und trägt nicht auf, und das, obwohl er nicht zurückhaltend dunkel, sondern auffällig weiß ist. Dazu ist die Passform für mich genau richtig, der O2 trägt sich angenehm und fällt auch bei längeren Touren nicht negativ durch Druckstellen auf.

In Bezug auf die Belüftung durch die 24 Helmöffnungen hatte ich bisher nichts auszusetzen, auch bei sehr sommerlichen Temperaturen hatte ich nicht das Bedürfnis, mir den Helm vom Kopf zu reißen 🙂 Mit knapp 270g gehört der O2 sicherlich nicht zu den leichtesten, aber immer noch zu den akzeptabel leichten Helmen.
 


 

Größeneinstellung leicht gemacht

Die Größeneinstellung funktioniert etwas anders als bei vielen Helmen: Mithilfe eines Rädchens hinten oben am Lazer O2 kann man die Spannung von Kunststoffriemen (bei meinem Helm in rot gehalten) einstellen und damit den Helm auf den eigenen Kopfumfang anpassen. Lazer nennt das „Rollsys retention system“. Ich fand das sehr angenehm, da so auch die Größe bequem eingestellt werden kann, wenn man den Helm bereits am Kopf trägt, ohne dass man umständlich unten am Hinterkopf herumnesteln muss. Gerade, wenn man mal eine Mütze drunter trägt.

 

Die Helmriemen kann man gut einstellen, hier habe ich schnell die richtige Einstellung für mich gefunden. Die Riemen waren nur recht lang, sodass ich sie abschneiden musste.

 

Lazer O2 Helm mit Licht

Oben am Helm ist ein Verstellrad fürs Einstellen des Helms auf den Kopfumfang – am Rädchen ist außerdem ein Licht, das durch Druck auf das Lämpchen aktiviert wird.


 

Bonusfeature: Licht auf der Rückseite

Was mir am O2 außerdem gefällt, ist das kleine Licht hinten am Helm, das man mit einem Druck aktivieren kann. Je nach Einstellung blinkt oder leuchtet es dauerhaft und trägt so zu einer besseren Sichtbarkeit bei. Zwar ersetzt das sicherlich kein Fahrradlicht, wenn man im Dunklen unterwegs ist. Aber als Ergänzung oder tagsüber bei nicht optimalen Sichtverhältnissen hat das Licht meiner Meinung nach einen Sinn und lässt mich persönlich etwas beruhigter fahren.

Ich Heldin hab das Licht aber natürlich nach einer langen Ausfahrt vor lauter Erschöpfung nicht mehr ausgemacht und es leuchtete die ganze Nacht. Deswegen hat das Licht jetzt nach ca. einem Dreivierteljahr schon ziemlich an Leuchtkraft verloren. Die Batterien kann man aber ganz einfach auswechseln, indem man die Gummiabdeckung über dem Licht mithilfe der Fingernägel entfernt und das Licht dann herausnimmt.

 

Lazer O2 Batterie wechseln

 

Mein Fazit zum Rennradhelm Lazer O2

Der Lazer O2 gehört sicher nicht zum High-End-Segment, ist aber ein schicker und funktionaler Rennradhelm, der mit 119,99 Euro UVP auch kein Riesenloch in den Geldbeutel reißt, zumal es ihn oft mit Rabatt zu kaufen gibt. Ich habe meinen Spontankauf nicht bereut und kann den O2 mit Licht ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen, wenn Du gerade auf der Suche nach einem Helm fürs Rennradfahren bist.

 

 

Lazer O2 auf Amazon.*

 

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Cyclocross Overijse: Matsch, Bier, Fritten, belgische Radsportleidenschaft

Cyclocross Overijse: Matsch, Bier, Fritten, belgische Radsportleidenschaft

„Komm, hol das Lasso raus“ schallt es mittags durch das Festzelt – nur eben in der belgischen Version „Kom pak je lasso maar“, die sich genauso lächerlich anhört wie die deutsche. Après-Ski ohne Ski, dafür mit viel Matsch außenrum. Der Fanclub von Mathieu van der Poel schunkelt und singt lautstark mit, während wir unser Bier holen und die U23-Fahrer auf der Strecke hinter dem Absperrgitter mit dünnen Reifen durch den knöcheltiefen Dreck pflügen.

So sieht sie also aus, die typisch belgische Winterwochenendbeschäftigung: Bier, Fritten, Matsch, Cyclocrossrennen. Wie wunderbar! Ich darf auf Einladung des belgischen Sportbekleidungsherstellers Bioracer dabei sein beim Vlaamse Druivencross Overijse, „de moeder van alle crossen– der Mutter aller Crossrennen. Denn hier fing 1960 alles an mit diesem verrückten Wintersport in Belgien.


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Wintereinbruch in Overijse

Die Autofahrt vom Flughafen Köln/Bonn nach Overijse gibt uns bereits eine Idee davon, was uns bzw. die Athleten beim Rennen erwartet. Nämlich ein Wintereinbruch vom Feinsten – mit 50 km\h schleichen wir über die Autobahn bei geschlossener Schneedecke. Dass belgische Autofahrer nicht so wahnsinnig oft mit Schnee in Berührung kommen, bekommen wir in den 20 Minuten auf der Landstraße mit, die wir gefühlt knapp über Schritttempo hinter einem Kleinwagen verbringen.

Angekommen in Overijse werden unsere Erwartungen nicht enttäuscht. Die Rennstrecke hat sich mit den ersten Nachwuchsrennen bereits in ein einziges Schlammloch verwandelt. Entsprechend sehen die U23ies, die gerade die letzten Runden in Angriff nehmen, schon aus wie nach einer ausgiebigen, aber etwas spaßfreien Fangobehandlung.

Zusammen mit Stefan und Birgit von Bioracer und Harald von tri2b.com

Es sind noch nicht allzu viele Zuschauer da, die Gelegenheit nutzen wir erst einmal für original belgische Frietjes (Fritten) und Glühwein, zum Aufwärmen. Nicht nur davon fangen meine Augen an zu glänzen, denn Kameraleute auf Podesten an der Strecke schwenken unermüdlich ihre Aufnahmegeräte auf das Renngeschehen. Cyclocross in Overijse, obwohl auf dem Papier kein wirklich wichtiges Rennen, wird nämlich live im Fernsehen übertragen. Wie cool ist das denn? Kann ich das zuhause auch haben, bitte? Rosenheimer Crossrennen in der Sportschau, das wär doch was!

 

Gummistiefel wären die richtige Wahl gewesen

Am stetig wachsenden Besucherstrom merkt man, dass die Hauptrennen der Damen und Herren näher rücken. Der Schlamm breitet sich jetzt auch abseits der Strecke aus. Was mal eine vom Schnee angezuckerte Wiese war, wird langsam aber sehr sicher zu dickflüssiger brauner Soße. Ich habe zwar feste Schuhe dabei, unter solchen Extrembedingungen ist mein Vertrauen etwas limitiert. Also ziehe ich mir noch Plastiktüten über die Socken in die Schuhe, damit wenigstens die Füße trocken bleiben. Die Belgier, natürlich alle optimal mit kniehohen Gummistiefeln ausgerüstet, lächeln amüsiert bei diesem Anblick. „Originell“, grinst eine Dame im Vorbeigehen und stapft weiter durch den Matsch.

Nicht hübsch, aber wirkungsvoll

 

Das Damenrennen beginnt. Hochkaräter wie Pauline Férrand-Prevot und Cross-Weltmeisterin Sanne Cant sind dabei. Die Zuschauer kennen jede Fahrerin beim Namen und feuern leidenschaftlich an. So leidenschaftlich das mit einem Bier in der Hand eben geht, ohne es zu verschütten.

Das Feld zieht sich gleich in der ersten Runde stark auseinander. Die schlammigen Verhältnisse zeigen gleich in den ersten Minuten, wer mit fahrtechnischem Können gesegnet ist und wer eher weniger. Wer das Schlamminferno fahrend hinter sich bringt oder laufend und rutschend. Die Zuschauer wissen genau, wo es spektakulär werden könnte, daher stehen sie an den schlammigsten Abfahrten und Schlüsselstellen in Dreierreihen an der Strecke.

Sanne Cant Overijse Cyclocross

Sanne Cant in der Abfahrt.

Pauline Ferrand-Prévot dominiert das Rennen

Die Stimmung ist auffällig gut unter den Athletinnen. Da wird immer wieder zwischendurch gelächelt, wenn der eigene Name fällt und wer im Dreck landet, lacht sich meist selbst am meisten darüber kaputt. Sehr sympathisch! Von den Belgiern werden die Frauenrennen momentan als attraktiver betrachtet, weil bei den Männern sowieso immer nur Mathieu van der Poel gewinnt.

Obwohl sie eines der ersten Crossrennen seit zwei Jahren bestreitet, dominiert Pauline Ferrand-Prévot das Rennen. Von oben bis unten in Matsch gehüllt fährt sie jubelnd über die Ziellinie. Uff, das war aufregend. Erstmal noch ein Glühwein für uns, zur Beruhigung.

Pauline Ferrand-Prévot Cyclocross Overijse

Pauline Ferrand-Prévot kurz vor dem Sieg.

Die Temperaturen sind inzwischen auf 5 Grad gestiegen. Vom Schnee ist fast nichts mehr zu sehen, dafür umso mehr von nassem Erdreich. Vor dem Beginn des Männerrennens füllt sich der Streckenrand stetig mit jungem Partyvolk, das oft betrunken, aber immer freundlich, nie aggressiv daherkommt.

Weltklassesport als Volksfest

Welch große Bedeutung dieser Sport hierzulande hat, sehen wir auch an den vielen Fanclubs. Jeder Belgier scheint einem anzugehören und es sieht aus, als hätte jeder einzelne Fahrer seinen eigenen Supportersclub. Neben auch mir bekannten Namen wie van der Poel oder Pauwels stehen auf den meisten Winterjacken und Fahnen Namen, von denen ich noch nie gehört habe.

Trotzdem hat das hier nichts zu tun mit übertriebenem Fantum. Die Zuschauer freuen sich, wenn ihr Star vorbeiradelt, wenn sie ihm aber außerhalb des Rennens begegnen, ist da nichts aufdringliches oder aufgeregtes. Weltklassesport mit der Atmosphäre eines entspannten Volksfests.

Bei den Herren des Cyclocross ist die Stimmung jedoch merklich angespannter als bei den Frauen, da lächelt keiner während des Rennens, voll fokussiert. Sie stürzen sich auch wagemutiger die Abhänge hinunter. Wo man bei den Damen noch das ein oder andere Zögern sah, wird bei den Männern einfach im Schuss die kürzeste Linie genommen. Unglaublich, bei welchen Bedingungen die Profis sich auf den Rädern halten können.

Bereits kurz nach dem Start steht fest, wer hier gewinnt. Mathieu van der Poel im Trikot des Cyclocross-Europameisters zieht alleine vor dem Feld seine Runden. Nach kurzer Zeit wird es wegen des Drecks für uns jedoch echt schwierig, die Verfolger voneinander zu unterscheiden. Damit haben die routinierten Belgier gar keine Probleme. Die kennen ihre Cross-Pappenheimer.

Belgische Radsportkultur – beneidenswert

Von einem der Zuschauer werde ich (wahrscheinlich ob meiner staunenden Blicke) gleich als Touri erkannt und gefragt, ob ich extra fürs Crossrennen aus Deutschland angereist sei. „Ja klar!“, sage ich und ernte einen nach oben gereckten Daumen und ein stolzes Lächeln.

Mathieu van der Poel fährt das Rennen nach Hause.

Mathieu van der Poel fährt das Rennen souverän nach Hause, die Verfolger werden fleißig angefeuert während der letzten Runde. Wir kämpfen und flutschen durch Matsch und Gestrüpp noch einmal zum letzten Anstieg der Strecke und sind mitgerissen von der Begeisterung. Auf einem der Großbildschirme entlang der Strecke können wir sogar den Zielsprint direkt miterleben.

Schon ist alles vorbei und ich bin ein bisschen traurig darüber. Zusammen mit den anderen Zuschauern schliddere ich hinab Richtung Ausgang, eine Hand immer an der Streckenabsperrung, damit ich nicht vollends im Dreck lande. Wir sind uns einig: Eine solche Radsportkultur sollte es überall geben. Warum haben das andere Länder noch nicht verstanden?

Auf dem Rückweg zum Auto besprechen wir die Highlights der Rennen und vergleichen, wer den meisten Matsch in den Schuhen hat. Dabei kommen wir an einem Seniorenheim vorbei, durchs Fenster sieht man in den Aufenthaltsraum. Im Fernsehen läuft, na klar, gerade die Siegerehrung des Männerrennens, die nur wenige hundert Meter entfernt stattfindet. Hach, so ein bisschen Belgien würde ich gerne nach Hause mitnehmen.

 

Im Seniorenheim nebenan läuft natürlich Cross im Fernsehen.

 


 

Transparenzhinweis: Alle Kosten der Reise wurden von Bioracer übernommen.

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Zwift x Wahoo Deutschland Tour 2017 in München

Zwift x Wahoo Deutschland Tour 2017 in München

Eine Radsportparty! In München! Da muss ich hin, ganz klar. Zwift und Wahoo machten am Dienstag Station im Münchner Oberangertheater im Rahmen ihrer Deutschland Tour und ich ließ mir den Spaß natürlich nicht entgehen.

Angekündigt wurden Race-Stationen, an denen man sich virtuell per Zwift und auf dem Wahoo Kickr mit anderen messen kann. Die gab es dann natürlich auch, eine richtig coole Sache. Aber womit ich nicht gerechnet hatte: Auf einer Bühne. Ja, äh, gut. Dann werde ich wohl eher NICHT auf diese Bühne steigen und dem ganzen Theater meine nichtvorhandene Form präsentieren, sondern vertreibe mir lieber mit den leckeren Häppchen meine Zeit. Dachte ich.

Zwift Wahoo Tour München

Sportler, Blogger, Münchner Radlvolk

Jedenfalls gab es nette Gespräche und richtig beeindruckende sportliche Leistungen anzusehen. Antritte weit über 1000 Watt waren da eher die Regel als die Ausnahme. Schließlich wurde sogar der Jahresrekord an dem virtuellen Anstieg gebrochen, auf dem die Races ausgetragen wurden. Respekt dafür!

Natürlich dürfen die Münchner Blogger auf so einem Event nicht fehlen: Unter anderem Matthias von GPSradler und Christopher von Lieblingstouren mischten sich unters Münchner Radlvolk.

Ein entspannter Abend mit Häppchen, Getränken und ohne Bühnenperformance meinerseits? Tja. Da hatte ich die Rechnung ohne Wahooligan Frank und Matthias gemacht. Die beiden überredeten mich dazu, doch beim Medienvertreter-Race mitzuwirken.

Da war es also schlagartig vorbei mit Häppchen. Denn ich war jetzt halt aufgeregt und so ein Obazda auf nervösen Magen ist nicht die beste Idee. Die Presserunde sollte das letzte Rennen sein, also standen die Chancen zumindest gut, dass nicht mehr sooo viele Zuschauer meiner Nicht-Performance beiwohnen.

Und irgendwann war es dann soweit. Auf der Damentoilette hatte ich mich noch überhastet in mein Trikotset gezwängt (wenn schon lahm, dann wenigstens gut aussehen dabei 🙂 ), die Radschuhe angeschnallt und schon war ich oben auf der Bühne, zusammen mit Matthias, Johannes von der RennRad und Flo (leider weiß ich nicht, von welchem Medium. Zu nervös, um zu fragen).

Racetime!

Die Räder auf den Rollentrainern wurden von Rose Bikes gestellt, ein netter Zwift-Mensch wies mir gleich den Weg zum kleinsten Rad. Den Sattel noch ein bisschen tiefer gestellt und es passte perfekt. Ich stieg auf, versuchte halbherzig, mich warmzufahren mit ein paar kurzen Antritten und versuchte ansonsten zu vergessen, dass da unten vor der Bühne gerade Menschen stehen.

Gestern auf der ZwiftxWahoo Tour in München. Es gibt Racestationen, wurde angekündigt. Dass die auf einer Bühne sind, wurde nicht angekündigt 😱 Für mich war das Thema dann erstmal gegessen, aber letztendlich wurde ich doch noch überredet, in der Presserunde u.a. mit @mawosch und @radsport_rennrad anzutreten – eine glorreiche Leistung war es nicht, aber es hat seeeehr viel Spaß gemacht. Manchmal muss man sich einfach nur trauen 😊 __________________ #münchen #zwift #wahoo #inmyelemnt #wahooligans #indoorcycling #cycling #rennrad #rennradfahren #rennradliebe #lifeisgood #cyclingpic #cyclist #girlswhocycle #motivation #inspiration #passion #cyclinglife #stravacycling #foreverbuttphotos #chicasciclistas  #lifebehindbars #cyclingshots #cyclingpictures #bikestagram #lovecycling #pushhardpullharder #cyclinggirl #cyclingblogger #womenonbikes

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Moderator Sebastian Paddags („Dienstreise nach Frankreich„) gab irgendwann das Zeichen zum Start und schon ging es los. Von einem 1000-Watt-Antritt war ich natürlich weit entfernt. Wie man so schön sagt: „Schwach gestartet und dann stark nachgelassen“. So kam mir das in etwa vor. Ich versuchte zum Anfang noch halbwegs erfolgreich, stetig über 300 Watt zu treten, aber das war dann auch irgendwann utopisch.

Nach knapp drei Minuten war der Spaß dann vorbei – Überraschung: ich war nicht Letzte, weder in meinem Rennen, noch insgesamt unter den (leider nur vier) teilnehmenden Frauen. Woohoo! Und Spaß hat es schließlich doch gemacht, wer hätte es gedacht! Gewonnen habe ich in der Verlosung dann auch noch was – nämlich einen Zwift-Gutschein. Den kannst Du noch bis Sonntag, 26.11.2017, auf Facebook gewinnen – hier geht’s zum Gewinnspiel!

Ein richtig schöner Abend also. Wie das halt so ist, wenn lauter coole, fahrradliebende Menschen zusammenkommen. Hach.

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