Der Navigucker

Der Navigucker

Dialog mit einem, der an der Radlerampel am Ausgang Eberhardstraße zum Tagblattturm anhielt. 

Ich formulierte es einfach: "Sie sind da jetzt gegen die Einbahnstraßenrichtung gefahren."
Er: "Ja, ich habe keinen Navi."
Ich: "Aber da stehen Schilder."
Dazu fällt ihm nichts sein.

Es war übrigens nicht der Fahrer dieses Wagens, der auf dem Bild abgebildet ist. Das Bild steht für eine typische Situation in der Fahrradstraße Eberhardstraße. Und es es war einer mit einem Nummernschild von anderswo.


Gehwegfahrten sind extrem riskant

Gehwegfahrten sind extrem riskant

Fußgänger hassen sie: Radfahrer auf Gehwegen. Also bleibt weg von den Fußwegen! Auf der Fahrbahn ist es eh viel sicherer für Radfahrer. 

Ich bin selber mal wochenlang mit Krücken unterwegs gewesen und hatte immer Angst, dass mich aus Versehen jemand anstößt (weil ich dann umgefallen wäre) oder ein Fahrrad meine mangelnde Wendigkeit falsch einschätzt. Diese Angst dürfen wir Radler Menschen mit Gehhilfen nicht machen. Ich bin als Radlerin mal sehr langsam (und erlaubt), aber mit doch nur einem Meter Abstand hinter einer alten Frau durchgefahren. Sie hat sich fürchterlich erschreckt, sie ist regelrecht zusammengefahren und ins Taumeln geraten. Es tat mir sehr leid. Ich wusste zwar selber, dass keine Gefahr bestanden hatte, aber das hat die alte Frau eben gar so nicht erlebt. Deshalb finde ich, sollten wir Radfahrenden Gehwege meiden, auch wenn sie vielerorts leider erlaubt sind. Gehwege sind ohnehin extrem unsicher für Radler.

Unnötig: Das ist doch kein ängstlicher, ungeübter Radler
Aus Hauseingängen können plötzlich Leute treten, die nicht mit Radlern rechnen, sondern mit einem Fußgängertempo auf dem Gehweg. Autos kommen aus Grundstückseinfahrten oder biegen in ihre Hofeinfahrt ein, ohne mit Radfahrern zu rechnen. Und sie müssen auch nicht mit Radfahrern rechnen. Auf Gehwegen herrscht Querverkehr, und der ist immer gefährlich für Radler. An Kreuzungen biegen Autos ab, ohne den Radfahrer zu erkennen, der hinter geparkten Autos auf dem Gehweg kommt. Fährt jemand aus einer Einmündung hinaus auf eine Vorfahrtsstraße, guckt er nach dem Autoverkehr, nicht aber nach Radlern, die womöglich noch von rechts vom Gehweg runterkommen. Das Unfallrisiko ist für Radler, die fahrbahnfern, also auf Radwegen oder Gehwegen in Gegenrichtung zur Autofahrtrichtung der parallelen Straße fahren zwölf mal höher als auf der Fahrbahn.

Überflüssig: Muss sich der Radler hier so durch die
Fußgänger drängeln? Nebenan ist Tempo-30-Straße
Und vor Gericht bekommen Radfahrer in solchen Situation nicht Recht. Gerade in den letzten Jahren eines offensichtlich drastisch zunehmenden Radfverkehrs, sind etliche Urteile gefallen, die sich mit Unfällen von Radlern befassen, die auf Gehwegen oder Fußgängerfurten fuhren. Die Gerichte geben Radfahrern da oft eine erhebliche Mitschuld am Unfall, wenn nicht sogar die ganze Schuld. Die grundsätzlich größere Betriebsgefahr eines Autos (die bedeutet, dass ein Autofahrer immer mitschuld ist, wenn er einen Unfall mit einem Radfahrer oder Fußgänger hat), tritt dann zurück hinter die Fahrlässigkeit des Radlers.

Muss nicht sein: Fahrt über Fußgängerfurt und weiter
auf dem Gehweg bergauf.
Über Fußgängerfurten muss man schieben, wenn man wie ein Fußgänger geschützt sein und Vorrang vor dem einbiegenden Verkehr haben will. Man kann sich nicht darauf berufen, dass die Fußgänger Grün hatten als man selber fuhr. Man genießt auch keinen Vorrang, wenn man auf dem nicht erlaubten Gehweg parallel zu einer Vorfahrtsstraße und bei Fußgängergrün auf die Fußgängerfurt radelte. Der Autofahrer, der den Radler dann anfährt (meist nicht absichtlich), bekommt Recht. Denn auf Gehwegen darf man halt nicht fahren. Der Autofahrer musste nicht mit einem Radfahrer rechnen. Auf einer nicht für Radler ausgelegten (und nicht für Radler beampelten) Fußgängerfurt verliert man als Radfahrer all seine Rechte als Verkehrsteilnehmer, die man hätte, wenn man auf der Fahrbahn oder einem Radweg oder Radstreifen fahren würde, und muss seinen Schaden alleine tragen. (/OLG Frankfurt am Main v. 16.09.1998, (OLG Koblenz v. 28.04.2011: und AG Wiesbaden v. 01.10.2015)

Gefährlich: Geisterradler fährt auf Einmündung
von rechts zu. 
Das gilt auch, wenn man auf einem nicht freigegebenen Gehweg mit dem Rad in ein Auto donnert, das unvermittelt aus einer Grundstückseinfahrt herauskommt (OLG Karlsruhe v. 14.12.1990:), auch wenn im Einzelfall ein Gericht dem Autofahrer dennoch mal eine Mitverantwortung geben könnte, weil auch der aufpassen muss.

Fährt ein Radfahrer entgegen der Fahrtrichtung (linksseitig als Geisterradler) auf einem Radweg oder Radfahrstreifen, dann bekommt er zur Hälfte Schuld, wenn er dabei mit einem Auto zusammenstößt, das aus einer Einfahrt kommt (OLG Karlsruhe v. 29.03.2016:). Der Autofahrer musste nicht damit rechnen, dass von rechts was kommt, er schaut beim Einfahren in eine Straße ja zuerst nach links in den nahenden Verkehr.

Hier findet ihr noch mehr Urteile zum Thema Radfahren und Unfälle.





Neue Fahrradwerkstatt in Stuttgart Süd

Neue Fahrradwerkstatt in Stuttgart Süd

Es geht los mit der offenen sozialen Fahrradwerkstatt im Süden. Dort reparieren Geflüchtete Fahrräder, die gespendet wurden. 

Nach der Reparatur werden die Räder im Viertel weitergeben. Auch wer selber seinen Platten flicken möchte, findet in der Werkstatt das nötige Material und Werkzeug. Und wer sich kein Fahrrad leisten kann, aber eines braucht, kann nachfragen, ob es eines für ihn oder sie gibt.

Der Freundeskreis Flüchtlinge Süd  hat endlich einen Raum gefunden und lädt deshalb zur Gründungsveranstaltung ein für morgen, 18. Januar, um 18 Uhr in den Gemeinschaftsraum der Flüchtlingsunterkunft Schickardstraße 35-37. Die liegt zwischen Schöttle-Platz und Schabtunnel. Wer mitmachen oder sich auch nur informieren will, ist herzlich eingeladen. Und alle, die ein Fahrrad übrig haben, wissen jetzt, wo sie es demnächst in Stuttgart-Süd hinbringen können.





Wer haftet, wenn .mein Kind mit dem Fahrrad …

Wer haftet, wenn .mein Kind mit dem Fahrrad …

Bei meinem Bericht über exzessives Gehwegparken tauchte die Frage auf, wer eigentlich haftet, wenn ein Kind bim vorbeiquetschen mit dem Rad den Lack verkratzt.

Ich hatte keine Ahnung und habe mich auf der Seite Verkehrslexikon.de kundig gemacht. Dort steht auch noch anderes zum Thema Kind und Radfahren. Ab welchem Alter darf man Kinder alleine zur Schule fahren lassen? Und wer haftet, wenn das Kind einen Unfall verursacht oder ein Auto beschädigt? Dabei bin ich auf einen interessanten Begriff gestoßen, das Haftungsprivileg für Eltern von Kindern, die mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnehmen. Der Gesetzgeber will nämlich unbedingt, dass Eltern ihren Kindern Freiraum geben, sie auch mal fahren und springen lassen. Deshalb dürfen sie nicht für alles in Haftung genommen werden, was Kinder auf Rädern anrichten.
Kinder unter sieben Jahren haften nicht.
Also haften auch  die Eltern nicht, wenn sie ihre Aufsichtspflicht nicht vernachlässigt haben. Sind die Kinder älter, muss bis zum 18. Lebensjahr genau geprüft werden, ob Kinder und Jugendliche  genügend Einsicht in die Folgen hatten, um verantwortlich gemacht zu werden. Ist im Einzelfall sicher schwierig. Dieses Haftungsprivileg gilt nur für den rollenden Verkehr (Auto, Straßenbahn, Bus etc.), nicht aber uneingeschränkt für den ruhenden, also bei Schäden an geparkten Autos. Allerdings müssen Eltern nicht damit rechnen, dass ein Kind den Autolack zerkratzt, es ist ein ungewöhnliches, kein vorhersehbares Ereignis: Es kann halt passieren, wenn Kinder auf Rädern sich etwas von den Eltern entfernen. (AG München v. 11.11.2003). Allerdings müssen Eltern wenigstens stimmlich noch Einfluss nehmen können auf ein Rad fahrendes Kind (AG Traunstein v. 27.10.2004) unter sieben Jahren.
Eltern müssen hier nicht bereitwillig, die Schadenssersatzansprüche eines Fahrzeughalters erfüllen. Sie dürfen aber. Für Schäden, die Kinder anrichten, hat man in der Regel auch eine Haftpflichtversicherung, die dann einspringt. Ein Autofahrer, dessen Auto von einem Kinderrad (Kind unter 7-10 Jahre) verkratzt oder verbeult wurde - egal, ob regelwidrig oder ordnungsgemäß geparkt - hat Glück, wenn die Eltern den Schaden der Haftpflichtversicherung melden und die zahlt. Einen Anspruch hat er nicht.

Kinder unter 8 Jahren dürfen alleine zur Schule radeln.
Es ist allgemeine Rechtssprechung, dass ein 8-jähriges Kind alleine zur Schule radeln darf, wenn es hinreichend sicher Rad fahren kann, sich bereits eine gewisse Zeit im Verkehr bewährt hat und eindringlich über die Verkehrsregeln unterrichtet wurde (LG Osnabrück v. 02.07.2008). Und wenn ein Kind seit über einem Jahr unfallfrei und ohne Vorkommnisse mit dem Rad zur Schule fährt, müssen die Eltern den Beweis auch nicht mehr antreten, das sie das Kind ausreichend belehrt und kontrolliert haben (LG Osnabrück v. 17.05.2005).
Ab dem sechsten Lebensjahr dürfen Kinder am Straßenverkehr teilnehmen, auch alleine mit dem Fahrrad, wenn keine besonderen Gefahrenstellen auf dem Weg sind und wenn ihnen der Weg vertraut ist, weil man ihn mit ihnen geübt hat.

Man hört immer wieder, dass Rektor/innen von Stuttgarter Schulen den Eltern Briefe geschrieben haben, in denen sie behaupten, es sei verboten, Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren zu lassen, bevor die den Kinderfahrrad-Führerschein gemacht haben. Das ist definitiv falsch. Schulen sollten die Eltern vielmehr ermuntern, ihre Kinder zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen zu lassen, weil das gut ist für die Entwicklung von Kindern, für ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen und für ihre Gesundheit und Wachheit im Unterricht. Schulen sollten alles tun, um den Eltern-Taxi-Verkehr vor der Schule zu unterbinden. Es sind die vor den Schulen rangierenden Autos, die das Fahrradfahren gefährlich machen. Es ist Aufgabe unserer Gesellschaft, Gefahren für Kinder zu minimieren.

Übrigens dürfen Eltern mit ihren Kindern unter 8 Jahren zusammen auf dem Gehweg fahren. Diese Fahrten werden naturgemäß langsam sein. Eltern dürfen ihre Kinder auch ein paar Meter hinter sich fahren lassen. Die meisten werden das Kind allerdings vorausradeln lassen und mit Zurufen dirigieren. An den Straßenkreuzungen sollen Kinder vom Rad absteigen und das Fahrrad über die Straße schieben.

Bis 10 Jahre dürfen Kinder noch auf nicht für Radfahrer freigegebenen Gehwegen radeln, danach müssen sie runter auf die Straße, die Radwege oder die Radstreifen.
Radeln auf der Nordbahnhofstraße

Radeln auf der Nordbahnhofstraße

Am Milaneo darf man ja überall mit dem Fahrrad durch. Sehr schön. 

Vor zwei Wochen habe ich geschaut, wie es jetzt Richtung Nordbahnhofstraße geht, seitdem die Stadtbahnhaltestelle in Betrieb ist.  Die Stadtbahnbrücke über den Budapester Platz wurde vor vielen Jahren geplant, als man Radfahrer in Stuttgart noch gar nicht kannte. Heute hätte man sie vielleicht breiter geplant und mit einem Zweirichtungsradweg versehen.
So aber ist sie schmal und für Radler nur freigegeben. Und er bergab will, muss sich zwei mal über die Stadtbahnschienen winkeln.



Diese Übergänge sind für Fußgänger ausgelegt, damit sich ihr Gesicht beim Drübergehen der anrollenden Stadtbahn zuwendet. Der Drehradius von Radler ist aber größer, sie sind schneller auf dem zweiten Schienenstrang und gucken zu spät in die Richtung der Stadtbahn, wenn sie nur ihrem Lenker folgen. Radfahrer müssen hier extra wachsam den Kopf wenden. (Es hat auf so einem Z-Übergang im vergangenen Jahr in Cannstatt einen tödlichen Radfahrerunfall gegeben). Wenn ich hier jeden Tag runter radeln müsste, würde vermutlich sogar ich recht bald nur noch linksseitig als Geisterradlerin runterollen. Denn unten geht es mit dem Gewinkel ja gerade so weiter. Gaaaaaanz schlecht!

Unten kommen wir auf einen neuen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Fußgänger haben hier einen superbreiten Gehweg zur Verfügung. Der Luxus endet nach knapp 200 Metern an einer Gehwegfreigabe. Immerhin zeigen drei weiße Striche, dass man auf der Fahrbahn weiterradeln kann. Wer in die Rosensteinstraße abbiegen will, macht das vermutlich. Wer die Nordbahnhofstraße hoch will, muss sich an der Kreuzung Rosensteinstraße auf der linken Fahrspur einordnen und aufstellen, und macht das vermutlich nicht. Auch weil sich hier Autos gerne stauen.
Die Querungs-Radler-Infrastruktur (Ampel und Radstreifen) ist leider wieder mal ans Gehwegradeln gekoppelt, wobei es sich hier eben nicht um einen Radweg, sondern nur um einen freigegeben Gehweg handelt. Finde ich nicht gut. Aber vielleicht kriegen wir ja hier doch noch einen durchgehenden Radstreifen.

Einen Abzweig in die Friedhofstraße gibt es von dem Abgang und dem Radweg aus nicht. Linkssabiegen für Radler unmöglich. Da muss man sich Fußgängerüberwege suchen und dann vom Fußgängerüberweg auf die Fahrbahn schlingern. Eine der typischen ungelösten Situationen, die Radfahrer zu Pfadfindern machen und regelwidrige individuelle Lösungen fördern.

Der Schutz- oder Angebotsstreifen, der die Nordbahnhofstraße hinauf führt, endet, wie Radler das ja soooo lieben, dort, wo Parkplätze die Fahrbahn schmaler machen. Ich weiß nicht, wie stark hier der Autoverkehr ist, an dem Samstag, wo ich da fuhr, war er gering.



Die Bahnhofstraße wieder runter, Richtung Rosensteinstraße, ist der Schutzsstreifen durchgehend. Weil halt Platz da ist. Wobei die Situation unten kurz vor der Kreuzung mit den senkrecht geparkten Autos nicht unkritisch ist. Wer hier rückwärts ausparkt, ist schon mit dem Heck auf dem Streifen, bevor er einen Radfahrer kommen sieht.

Wo die Rosensteinstraße auf die Nordbahnhofstraße trifft, ist schon wieder Schluss mit Fahrbahn radeln. Da zwingt ein Radwegschild uns auf den Gehweg. Aufwändig und pompös werden Radler hier per Radstreifen über die Kreuzung auf den Fußweg geschickt. Übrigens vom Gehweg entlang der Rosensteinstraße zum nächsten Gehweg. Nicht gut für Fußgänger!

Das Ganze endet in Baustelle und einer Radfreigabe. Wer als Radler von hier wieder rüber zur Stadtbahnbrücke und zum Milaneo hoch radeln möchte, darf wieder mal eine Fußgängerampel bemühen.


Ab hier geht es für mich auf der Fahrbahn weiter, wenn ich in die Wolframstraße möchte. An der Ampel  zur Wolframstraße trifft man auf eine freigegebene Gehwegecke und kann sich auf den Radweg begeben, der immer hart von Autos bedrängt, die Wolframstraße bis zur Heilbronner Straße hoch führt. Aber Platz gibt es wenigstens.