Die Sache mit den Fahrradgaragen

Die Sache mit den Fahrradgaragen

Die ist jetzt angelaufen. Bei den Haushaltsberatungen vor einem Jahr hat der Gemeinderat ja Geld für Fahrradgaragen in Wohngebieten bereitgestellt. 

Sie sollen in dicht besiedelten Gebieten wie dem Westen von Anwohner/innen für wenig Geld angemietet werden können, die ihr Fahrrad draußen abstellen müssen, weil sie keine Garage haben oder keinen Keller oder das Pedelec nicht in den Keller tragen können.




Die Idee dahinter: Es tun sich vier Parteien in einer Nachbarschaft zusammen, die insgesamt 8 Fahrräder oder je ein Lastenfahrrad abstellen wollen. Für die wird dann eine kleine Fahrradgarage am Straßenrand aufgestellt. Wie die aussieht ist noch nicht klar. Sie könnte aber so aussehen wie diese von Cervotec. Die vier Parteien bekommen den Schlüssel dafür, andere können ihre Räder dort nicht abstellen.

Räder müssen nicht auf dem Gehweg stehen
Als Voraussetzung hatten wir uns ausgedacht, dass diese Leute keine Parkraumberechtigung in Anspruch nehmen oder eine zurückgeben. Das ist rechtlich nicht machbar, wie sich jetzt nach einer juristischen Prüfung herausgestellt hat. Denn jeder Anwohner hat ein Recht auf diese Parkbrechtigung. Also gilt diese Voraussetzung nicht mehr. Thomas Becker von Plattsalat hat inzwischen über 200 Interessent/innen gesammelt, und es gibt im Westen, aber auch im Heusteigviertel inzwischen etliche Gruppen, die so eine Fahrradgarage haben wollen. Dieses Engagement hat enorm geholfen. Vielen Dank dafür.

Viele Räder passen auf einen Parkplatz
Die Stadt gründet nun ein Projekt, das diese Anträge koordiniert und das Vorgehen festlegt. Nach derzeitigem Stand sollen die Bezirksbeiräte der jeweiligen Ortsteile entscheiden, wo die Antragssteller/innen ihre Radgarage hinbekommen, wo sie also aufgestellt werden können. Wie schnell das geht, kann ich noch nicht sagen. Nach meiner Erfahrung dürfte das in den Bezirksbeiräten nicht ohne Diskussionen abgehen, wie immer, wenn zugunsten des Fahrrads ein Parkplatz wegfällt. Allerdings ist genau das, nämlich viele Radabstellplätze, die sicher sind, die Voraussetzung dafür, dass Menschen in solchen Wohngebieten aufs Auto verzichten, das Auto abschaffen und aufs Fahrrad als Mobilitätsmittel setzen. Damit verringert sich die Zahl der Autos, die einen Parkplatz brauchen. Solche Maßnahmen läuten eine Wende in der Parkplatzmisere mancher Stadtteile ein. Und hübscher als die Blechwand von Autos an den Straßenrändern sind hier und da diese lichten Radgaragen allemal.

Heute Abend im Radforum ist das Projekt Fahrradgaragen Auch Thema. 18 Uhr Rathaus, 4. Stock, Zimmer 406. Alle sind willkommen.

Radabstellen leicht gemacht

Radabstellen leicht gemacht

Da ist man in Chile in der Atacama-Wüste doch schon ein bisschen weiter als wir vielerorts in Stuttgart. 

Blogleser David hat mir aus dem Valle de la Luna dieses Foto geschickt. Der mit dem Rad anreisende Tourist kann sein Fahrrad sicher an Bügeln anschließen. Muss auch sein, denn Laternenmasten, Bäume, Geländer oder Fenstergitter gibt es hier keine.

Sehr gut.


In Stuttgart sucht man etwa bei der Liederhalle, an der Oper, bei Kinos, rund um Kneipen und Clubs oder während des Volks- oder Frühlingsfests Radbügel in ausreichender Menge vergeblich.

Macht ja nichts. Wir haben ja reichlich Geländer und Schildermasten. Und offenbar gefällt das wilde Anbinden von Rädern uns allen viel besser als diese Radbügelgerippe. Oder?


Stuttgarter Familien stürzen sich auf Lastenradförderung

Stuttgarter Familien stürzen sich auf Lastenradförderung

Dreihundert Familien haben im Oktober den Zuschuss der Stadt beim Kauf des Lastenrads in Höhe von insgesamt 2.000 Euro beantragt. Jetzt muss der Gemeinderat nachlegen. 

Das Geld, das die Grünen im Haushalt für die Förderung für Familien beantragt haben, betrug eine Viertelmillion Euro. Das reicht nur für 165 Familien und Lastenräder. Die Stadt hat aber festgelegt, dass alle, die sich im Oktober anmelden, auch Geld bekommen. Erst ab November sollte das Windhundprinzip gelten (wer zuerst kommt, kriegt zuerst). Ich hatte schon den Verdacht, dass es im Oktober schon mehr sein würden, als wir fördern können.  Die Grünen wollen aber, dass alle die volle Summe bekommen.

Schließlich ist es ein Unterschied, ob ich mir das teure Lastenfahrrad im Hinblick auf 1.500 Euro jetzt und 500 Euro in drei Jahren kaufe oder im Hinblick auf 800 Euro jetzt und 500 in drei Jahren. Deshalb hat die grüne Fraktion im Gemeinderat sofort beantragt, dass die restlichen 195.000 aus einem Topf zur Förderung von nachhaltiger Mobilität bereit gestellt wird. Das zuständige Amt wird einen entsprechenden Vorschlag machen. Darüber soll Ende November im Verwaltungsausschuss abgestimmt werden.

Bisher sind erklärtermaßen nur SÖSLi-Plus (die im Herbst dem gesamten Haushalt abgelehnt haben) mit dabei. Für eine Mehrheit reicht das noch nicht. Ich hoffe sehr, dass die anderen Partien, zum Beispiel SPD und CDU,  die Familien auch unterstützen, die ihr Auto abschaffen (oder keines haben) und dafür ein Lastenfahrrad kaufen.

Auch die Stuttgarter Zeitung hat darüber berichtet.
Es wird kalt und nass

Es wird kalt und nass

Alle Jahre wieder. Und sofort sind auch die Artikel da, die Gründe fürs Radfahren im Winter aufzählen.

Sieben, acht, zehn oder zwölf gute Gründe, jetzt nicht nicht wieder den Autoschlüssel zu nehmen, zählen verschiedene Zeitungen auf. Die geschliffensten Gründe stammen dieses Jahr von bike-bild. Radfahren ist gesund, Radler kommen schneller durch den Berufsverkehr, Radfahren hält fit und schlank, Radfahrende lernen ihre Umgebung kennen, Radler leisten einen Umweltbeitrag, Radfahren spart Geld, Radfahren spart Platz, Radfahren verbessert die Gehirn-Aktivität, Radfahrer entschlacken den Autoverkehr und das Rad ist auf dem Vormarsch.

Na, wenn das nicht genügend gute Gründe sind, sich die Handschuhe anzuziehen ...
Gerade bei Wind und Wetter ist das Radfahren schön. Der Körper freut sich, wenn er auch mal gefordert wird, sich gegen Kälte zu wappnen. Wir können das nämlich sehr gut, uns auf Temperaturen einstellen. Wir müssen es nur wollen. Wer einmal den Winter durch geradelt ist (von Tagen abgesehen, wo es heftig schifft oder schneit oder Glatteis hat), der oder die möchte darauf nicht mehr verzichten. Denn es macht uns eigentlich Spaß, draußen zu sein und das Wetter zu erleben.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung.
Eigentlich muss man es nicht mehr extra sagen: Aber für den Weg zur Arbeit (wenn er so zwischen 3 und 10 km liegt), braucht man keine Sportausrüstung, schon gar nicht, wenn man Pedelec fährt. Man braucht nur Windschutz und Regenschutz, am besten einen regendichten Kittel, den man auch über einen Wintermantel ziehen kann, und weite Regenhosen, die man leicht über die Hosen kriegt, wenn es mal richtig schüttet. Eine Mischung aus Poncho und Mantel mit Ärmeln wäre das hier. Billig und leicht zum immer dabei haben. Ich persönlich finde reine Ponchos als nicht so günstig. Es sammelt sich Wasser in den Kuhlen zwischen den Armen, und die Arme sind in der Bewegung eingeschränkt. Die Drachenhaut schützt die Beine, aber man muss sie am Lenker (und damit sich selbst) festmachen. Aber vielleicht ist das doch was für euch. Für Kinder (und Erwachsene) gibt es hier hübsche, und wie es scheint, wirkungsvolle, Regenüberzüge und -Mäntel. Tucano bietet auch den Magic Parka (schick ohne Regen, über die Knie erweiterbar bei Regen, aber sehr teuer). Auch das kann eine Investition für Winter-Vielradlerinnen sein. Ich radle mit einem leichten Reitmantel. Allerdings schlagen auch da die Mantelschöße im Gegenwind hoch, und es gibt nasse Knie.

Das größte Problem sind für die meisten Radler/innen die Hände. 
Die Fingerspitzen werden schnell eiskalt, vor allem wenn man zuerst länger den Berg runterfährt. Denn die meisten Handschuhe haben die Nähte an den Fingerspitzen. Ich radle bei richtiger Kälte mit Motorradhandschuhen, mit denen ich gerade noch die Tasten fürs Pedelec bedienen kann. Es gibt auch beheizbare Handschuhe wie diese hier. Für den, der oft lange strecken bei Kälte radelt, lohnt sich die Investition vielleicht schon.
Ich habe auch diese Stulpen für Motorradlenker getestet, in zwei Varianten. Beide Male fand ich sie zu groß für den Radlenker, und ich fand das Wiederhineinschlüpfen, nachdem man die Hand vorm Abbiegen rausgestreckt hat, zu mühselig. Es fordert zu viel Aufmerksamkeit. Außerdem kann man mit dem Daumen nicht die Gangschaltung oder die Pedelecschaltung bedienen. Bei diesen hier kann man das, weil es ein Daumenstück gibt, aber es gilt, das Zurückfinden ist nicht einfach. Übrigens bietet Tucano auch Lenkerstulpen für Fahrräder an. Vielleicht ist da ja doch was drunter, was euch Mut macht, es auszuprobieren.

Kalte Füße
Manche neigen dazu, manche nicht. Grundsätzlich werden auf dem Fahrrad die Füße nicht warm, weil man auf das Pedal selten so viel Druck auf die Zehen ausübt, wie man das beim Gehen tut. Warme Stiefel gibt es zuhauf zu kaufen, auch solche, die praktisch arktische Temperaturen abfangen und dabei sogar auch elegant oder zumindest stylisch aussehen. Ein Statement sind sie in jedem Fall. Kurze Strecken (ca. 5 km) übersteht man immer, bei längeren sollte man sich in der Tat warme Boots anziehen. Es gibt auch schöne Boots mit Goretex, das gegen Nässe schützt. Übrigens hilft auch: eine Plastiktüte über die Socken (oder über die Schuhe) ziehen und dann in die Stiefel rein (blockt den Wind, isoliert) oder klassisch: Zeitung über die Zehen. Auch Galoschen, die es reichlich für Radfahrende gibt, über den Schuhen oder Stiefeln helfen gegen Nässe und Kälte.

Sich warm halten
Letztlich schadet eine halbe Stunde Kälte an Füßen oder Händen den meisten Menschen nicht, solange der Körper warm ist. Übrigens bleiben Hände und Füße dann länger warm, wenn der Rumpf warm genug gehalten wird. Ist der Rumpf (Brust, Bauch, Rücken) nicht warm genug, versorgt der Körper alsbald die Hände und Füße schlechter mit warmem Blut, um die inneren Organe warm zu halten. Als Unterwäsche im Winter empfehle ich Merinowolle (darin bleibt man immer warm, ohne zu überhitzen, und man produziert beim Waschen kein Mikroplastik) oder hochwertige Techno-Textilien, die den Schweiß wenigstens schnell vom Körper weg transportieren. Kann sein, dass man im ersten Winter da etwas zu viel Geld ausgibt beim Probieren bis man das richtige Material gefunden hat, das beim Radeln warm hält und nicht verlangt, dass man sich bei Ankunft am Ziel umziehen muss. Aber im zweiten Winter klappt es dann.
Radfahrer absteigen!

Radfahrer absteigen!

Das ist ein Schild, das in der Straßenverkehrsordnung nicht vorkommt.  Es ist allerdings im Verkehrszeichenkatalog unter Teil 7, Zusatzzeichen aufgeführt. Dennoch bedeutet es nichts. 

Eine Zuwiderhandlung wird nicht bestraft, es gibt nichts dazu im Bußgeldkatalog. Die Bedeutung des Zeichens bleibt damit nebulös, wie Bernd Sluka in seiner unnachahmliche Art ausführt. Es handelt sich nämlich um ein Zusatzzeichen (also so etwas wie "Rad frei" unter dem Fußgängerschild), das unter einem Gebots- oder Verbotsschild hängen muss und dort Radfahrenden etwas erlaubt, was der Anordnung des Verkehrszeichens widerspricht.



Und darin liegt die Krux: Es gibt viele eindeutige Zeichen, die sagen, was Radfahrende nicht dürfen oder müssen. Aber es gibt kein Verkehrszeichen, dem das "Radfahrer absteigen!" widersprechen könnte.

Nicht einmal das Radwegschild kann so eines sein. Denn wo ein Radweg ist, müssen Radfahrer fahren. Steigen sie ab, sind sie Fußgänger, und Fußgänger dürfen nicht auf dem Radweg gehen.

Alle anderen Schilder sind klar: Wo ein Fußgängerschild (ohne Radfreigabe) steht, dürfen Radfahrende nicht fahren. Da braucht es das "Radfahrer absteigen" als Zusatzschild nicht. Wo Fußgänger nicht gehen dürfen, dürfen Radfahrende, nachdem sie abgestiegen sind, auch nicht gehen, denn dann sind sie ja Fußgänger. Und wo gar kein Fahrzeug fahren darf, dürfen auch Räder nicht fahren. Und steht ein Radfahr-Verbotsschild da (auf an Fahrbahnen), wäre das Zusatzzeichen ein weißer Schimmel. Zumal das Absteigen dann bedeuten würde, dass Radler auf der Fahrbahn gehen.

Steht das Schilda aber nun ganz für sich allein irgendwo, so wie hier die letzten Jahre (dieses Jahr nicht mehr) am Abgang von der König-Karls-Brücke zum Wasen während des Volksfests, dann bedeutet es bestenfalls eine Empfehlung. Ein Gebot kann es nicht sein.

Denn steige ich hier ab, dann bin ich Fußgänger mit Fahrrad an der Hand, und schon gilt das Schild nicht mehr für mich. Ich kann wieder aufsteigen. Und zwar deshalb, weil das "Radfahrer absteigen" später nirgendwo aufgehoben wird durch ein "Radfahrer aufsteigen" (Oder "Absteigen Ende"). Wo ich aufsteige, nachdem ich das Schild passiert habe, kann ich selber bestimmen. Muss ich sogar.

Schon klar, meist soll so ein Schild vor einer Gefahr durch eine Engstelle warnen, die wir als solche auch erkennen. Weil wir das so verstehen (ohne, dass es uns explizit gesagt wird), steigen wir danach wieder auf. Aber wenn wir nur vor etwas gewarnt werden sollen, dann braucht es den Befehl abzusteigen nicht. Juristisch könnte sich die Behörde, die so ein Schild aufhängt, absichern wollen, falls es zu einem Radlerunfall kommt. Es scheint aber keine Gerichtsurteile dazu zu geben, wenn ich dem kenntnisreichen Bernd Sluka glauben darf.