Frontal 21 guckt auf die Fahrradstadt Stuttgart

Frontal 21 guckt auf die Fahrradstadt Stuttgart

Wer nichts besseres vorhat, könnte heute Abend um 21 Uhr im ZDF Frontal 21 gucken. Es geht auch ums Radfahren

Die Redaktion hat sich gefragt, wieso es zum Beispiel in Stuttgart mit dem Radverkehr nicht so recht vorangeht, wo die Stadt doch "grün regiert" wird.  Im Lauf der Recherche wurde dem Reporter klar, dass es der Gemeinderat ist, der in Stuttgart über den Radverkehr entscheidet. Wir standen an der geplanten Hauptradroute 2 Wangen-Hedelfingen, und ich habe ihm erklärt, warum es die immer noch nicht gibt. Weil nämlich im zuständigen Ausschuss (UTA) für die Strecke entlang der Ulmer- und Hedelfinger Straße bisher zwar einmal eine Mehrheit zustande kam, die aber für eine neue Prüfung wieder gekippt wurde.

Die Grünen stellen nur 15 von 60 Stadt/rätinnen. Jeder Fahrradmaßnahme muss also immer auch die SPD und SÖSLi Plus zustimmen. Sonst wird das nichts. Es könnten natürlich auch andere Parteien zustimmen, aber da ist die Wahrscheinlichkeit geringer.

Diese HRR2 ist ein schönes Beispiel dafür, wie das in Stuttgart, aber auch anderen Städten meist läuft. Generell wollen alle den Radverkehr fördern, doch wenn es um den Platzkonflikt Radsteifen contra Parkplätze oder eine Autospur geht, dann werden die Projekte von CDU, FDP, Freien Wählern, den Ultrarechten und oft leider auch vom Stadtisten abgelehnt.

Wir werden auf Nebenstrecken verwiesen, hier die Nätherstraße, wo es aber eklatant an sozialer Sicherheit und an Bequemlichkeit fehlt. Da geht es hinter Betrieben durch die Finsternis und später steil durchs Grün. Selbst, wenn man das alles beleuchtet, es bleibt nachts ein Angstraum. Wenn hier jemand eine 14-Jährige auf dem Heimweg von einer Party um 23 Uhr vom Fahrrad holt, dann kann sie schreien, so viel sie will, es hört sie niemand.

Die radfahrenden Männer, mit denen ich bisher darüber diskutiert und die ich auf das Problem dieses Angstraums für Frauen hingewiesen habe, zuckten mit den Achseln. Die 14-Jährige kann ja nachts auf der Straße (Ulmer Straße ohne Radstreifen) fahren, da sind ja keine Autos unterwegs. Auch deshalb meine ich, wird es dringend Zeit, dass es eine Fahrradbürgermeisterin gibt, oder anders  gesagt, dass viel, viel mehr Frauen Radpolitik machen.
Was, liebe Herren, antwortet ihr der Mutter, deren Tochter an so einer Stelle vom Rad gerissen und vergewaltigt wurde und die euch fragt, warum eine Hauptradroute durch eine so abgelegene Gegend verlegt wurde? Sie hätte ja auf der Straße fahren können?

Übrigens, wollte man tatsächlich von Stuttgart Ost die Radler durch diese Hinterhof-Nätherstraße schicken, dann müsste man entlang der Strecke ebenfalls ungefähr 40 bis 50 Parkplätze wegnehmen, sonst wird es gefährlich für Radfahrende in der Konkurrenz zum morgendlichen und abendlichen Parkplatzsuch- und Ein- und Ausparkverkehr. Ab Höhe Otto-Konz-Brücken müssen Radler zudem eine hochprozentige Steigung bewältigen und sind dann wieder nachts in Angsträumen unterwegs.

Hauptradrouten können keine Grünrouten sein, sie müssen zu jeder Tageszeit und Jahreszeit (bei Schnee und Eis) befahrbar sein und auf kürzestem und bequemsten Weg von A nach B führen. 


Fontal 21 hat mich interviewt, aber auch den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Gemeinderat, Alexander Kotz. Er betonte, dass die Parkplätze entlang der Hedelfinger Straße benötigt und eine Alternative geprüft werden müsse. Außerdem wurde zusammen mit Florian auch an verschiedenen Orten in Stuttgart gedreht. Ich bin gespannt, was für ein Beitrag daraus entstanden ist. Um Radlerbashing geht es jedenfalls diesmal nicht.

Was diese Parkplätze entlang der Hedelfinger Straße betrifft, so werden sie nicht so dringend benötigt, wie es die Gegner der HRR2 immer wieder erklären. Sie sind alles andere als voll belegt, es gibt viele Lücken (obere Bilder in der Collage), und es stehen Fahrzeuge einer privaten Autovermietung auf öffentlichem und kostenlosem Parkraum. Außerdem  gibt es entlang der Hedelfinger Straße und in den Nebenstraßen Richtung Hafen viele Parkplätze und Firmenparkplätze (untere Bilder), die teils leer stehen. Es ist mit Nichten so, dass Gefahr besteht, dass die Wohnstraßen Richtung Hang zugeparkt werden. Außerdem fährt hier auch noch die Stadtbahn. Und für die, die ohne ihr Auto gar nicht her gelangen können, wird es immer noch genügend Stellplätze geben.
Kluge Stadtplanung hilft

Kluge Stadtplanung hilft

Blogger David Grünewald ist mit dem Fahrrad in Groningen gewesen und berichtet beeindruckt und begeistert. 

Eine kluge Stadtplanung entkrampft die Verkehrsverhältnisse und steigert den Fahrradanteil enorm. Es ist nicht so sehr die Frage, ob von vorn herein Platz für Radwege da ist, sondern, wie man den Platz unter den Verkehrsteilnehmer/innen verteilt. Wenn man sich Davids Fotos anschaut, sieht man, dass in Groningen die Verkehrswende gelungen ist. Viele Straßen für die Autos sind nicht mehr so breit, dafür haben Radler und Fußgänger mehr Platz bekommen. Radfahren ist nicht nur ziemlich sicher, sondern fühlt sich vor allem auch so an. Viel mehr will ich zu seinem Bericht nicht sagen, lest ihn am besten selbst.

In den Niederlanden hat man sich ja schon vor dreißig bis vierzig Jahren entschlossen, dem Auto weniger Raum und den Fußgänger/innen und Radfahrerinnen mehr Raum in den Städten zu geben. Auch in diesen Städten gibt es alte Stadtkerne, enge Gassen und Leute, die Autos haben und parken wollen. Aber nicht die Bedürfnisse von Autofahrenden dominieren hier die Stadtplanung, sondern der Gedanke, dass Menschen sich gerne und sicher bewegen können sollen. Radfahren wird hier bequem gemacht, es ist sinnvoll organisiert, meist auf eigenen Fahrbahnen. Radfahrende können hier links abbiegen (was bei uns von rechts verlaufenden Radwegen, Radstreifen oder gar Gehwegen meist nur über viele Fußgängerampeln möglich ist), sie haben Kreuzungsregelungen, sogar Bodenwellen, um sie vor Gefahrenstellen abzubremsen. Der Radverkehr ist hier ein echter Verkehr, der ernst genommen und deshalb auch überall geregelt ist. Davon sind wir Jahrzehnte entfernt und mental vermutlich siebzig Jahre. 

Wir könnten aber, wenn wir wollten. Der Platz ist da. In Stuttgart wird etwa die Hälfte der versiegelten Fläche von Autostraßen belegt, die andere von Gebäuden. Gern behaupten wir, wegen der Kessellage könnten wir keine Radwege bauen, dafür gebe es keinen Platz. Der Irrtum besteht darin, dass wir zugleich meinen, der Autoverkehr müsse genauso viel Platz behalten, wie er derzeit hat. Den braucht er aber gar nicht, wenn mehr Menschen mit dem Fahrrad fahren und nicht mehr mit dem Auto.


Es ist so verdammt leicht, Radwege zu sperren

Es ist so verdammt leicht, Radwege zu sperren

Acht Spuren für Autos, aber der Radweg fällt der Baustelle zum Opfer. So geschehen auf der Gaisburger Brücke. 

Dort müssen Brückengeländer und Gehwege saniert werden. Das Ganze soll laut Baustellenkalender bis September dauern. Radfahrer und Fußgänger müssen die Gehwegseite wechseln. Das aber scheint derzeit für Radfahrende nicht so gut organisiert zu sein. Blogleser Taube (Name von mir geändert) hat einen verzweifelten Brief geschrieben. Die Gaisburger Brücke ist Teil seins täglichen Fahrrad-Pendler-Weg, der eine Stunde dauert. Er ist im Lauf der Woche, immer wieder auf eine andere Situation gestoßen (Fotoserie unten). Taube sah sich am dritten Tag sogar gezwungen, irgendwie, quasi querfeldein, über die Kreuzung zu fahren, weil er keinen Weg fand, sie als Radfahrer StVO-konform zu bewältigen. Hier sein Protokoll, immer aus Ost Richtung Cannstatt gesehen:

Montag: Alles Okay.
Dienstag: 2 Mal Ampel mit 1-m²-Bentonklotz mittig auf dem Radweg
Mittwoch: Fahrradverbot auf benutzungspflichtigem Radweg (Widerspruch in sich), Gelbe Karte an Stadt.
Donnerstag: Noch mehr Fahrradverbote auf benutzungspflichtigem Radweg: Keine Möglichkeit mehr den Neckartalradweg zu erreichen, Keine Umleitungsschilder, keine Querungsmöglichkeit, um auf Straße zu wechseln, gegenüberliegender Gehweg ist jetzt plötzlich benutzungspflichtiger Radweg, 5 cm hohe und scharfe Kanten zum Auffahren, keine Fahrradampel auf Radweg und keine Möglichkeit zur Sicht auf allgemeine Ampel (Fußgängerampel gilt ja net)."

Im Baustellenkalender heißt es zu dieser Baustelle nett: "Entfall einer Fahrspur in Fahrtrichtung Stuttgart Ost. Alle Verkehrsbeziehungen bleiben erhalten." Das gilt aber leider nur für den Autoverkehr. Den Radfahrenden kommt da keine Information zu. Sie werden wieder mal kurz zu Pfadfindern gemacht. Sie wissen nicht, ob sie am Ende der Umleitung auf ihren vertrauten Weg zum Ziel gelangen. Sie finden die Querung nicht, zumindest nicht beim ersten Mal. Und die Umleitung ist hindernisreich und umständlich.

Ich meine: Es geht nicht an, dass Radfahrende auf ihrem morgendlichen Weg zu Arbeit sich plötzlich einem Labyrinth gegenübersehen. Eine Umleitung für Radfahrende muss vom ersten Moment an so gestaltet sein, dass sie im Schlaf befahrbar ist. Das heißt, man muss im Rollen erfassen können, wie die neue Streckenführung ist. Für Autofahrer macht man das doch auch so. 

Eine Umleitungsstrecke für Radfahrer muss erkennbar, machbar und frei von Hindernissen sein. Bordsteine müssen für Radfahrende präpariert werden, die Ampeln müssen passen und sichtbar sein. Die bisherigen Strecken müssen weiterhin erreichbar sein, und zwar ohne großen Umstand.

Wir können nicht immer nur die Autofahrende pampern, wir müssen endlich anfangen, unsere Radfahrenden zu mögen und auf gefälligen Strecken zu leiten, auch dann, wenn es eine Baustelle gibt,  für die wir alle Geduld und Verständnis mitbringen. Dann aber zeige man doch auch ein bisschen Verständnis für unsere Belange. Große Ansprüche stellen wir ja nicht, und wir brauchen auch gar nicht viel Platz. 
Zu viel Verführung zum Gehwegradeln – Möhringen

Zu viel Verführung zum Gehwegradeln – Möhringen

In Möhringen am Freibad und an der Straße zum Fasanenhof ist das Radfahren neu organisiert worden. 

Es gibt eine schöne Verkehrsinsel für alle, die von den Feldern (aus Leinfelden) kommend auf der Hechinger Straße Richtung Möhringen Zentrum weiter wollen. Eine nette Aufmerksamkeit für Radfahrende! Gut auch, dass das Radwegschild auf dem Gehweg durch ein Rad-frei-Schild ersetzt worden ist. Das beendet eine absurde Situation.

Leider führt aber die Radfreigabe des Gehwegs auf der rechten Seite Richtung Fasanenhof gehörig in die Irre. Denn dieser  Gehweg führt an kein Ziel und verkümmert und versickert hinter der Kurve.
Spätestens jetzt müssen Radler auf die Fahrbahn, und das ausgerechnet hinter der auch vom Busfahrer nicht einsehbaren Kurve. Hier wäre ein Sicherheitsstreifen auf der Fahrbahn die bessere Lösung gewesen, Bus hin oder her.

(Falls der Gehweg beradelbar sein soll, weil es Grundstücksfahrten gibt, so sind die für mich nicht auszumachen gewesen. Was aber auch daran liegen mag, dass am Gebäude gebaut wird.)

Das sieht so aus, als wolle man unbedingt mit aller Macht verhindern, dass sich irgendein Radler hier auf die Fahrbahn verirrt. Vermutlich glaubt man, die Radfahrenden seien in der Kurve in Gefahr. Aber ich kenne schwierigere Strecken als diese. Zumal es ja gar keine andere Möglichkeit gibt, wenn ich die Hechinger Straße auf der Fahrbahn gekommen bin und über die Lohäcker Straße zum Fasanenhof radeln will.

Ein paar Meter weiter wird der Radler an der Überquerungsampel per Radwegschild energisch auf den hoppeligen Gehweg entlang der Lohäckerstraße gezwungen, der als Zweirichtungsradweg fungiert. Auch diese Regelung gehört dringend aufgehoben. Solche Radwege sind eine Zumutung.

An einem Ausflugswetter-Samstag habe ich übrigens Radfahrende gesehen, die diese Radfreigabe bis zur Bordsteinabsenkung an der Gebäudeausfahrt genutzt haben, um dort auf die andere Straßenseite zu queren, die ihnen offenbar als die bessere erschein. Die hübsche Verkehrsinsel ließen sie dabei links liegen. Sie sind nicht nur ungeschickter gefahren, sondern haben sich dabei auch mehr in Gefahr begeben. Zu so was führen Radfreigaben auf Gehwegen, wo man Radler besser auf der Fahrbahn fahren ließe.

Wer sich auskennt, fährt übrigens am Freibad geradeaus über die Feldwege in den Fasanenhof, aber es kennt sich halt nicht jeder Radler immer überall aus.
Radfahrer anfordern – Hä?

Radfahrer anfordern – Hä?

Es gibt ein paar Stellen in Stuttgart, wo Radfahrende Drücker sehen, aber keine Ampeln. Damit kann man den querenden Autoverkehr stoppen. 

Er bekommt Rot. Das sieht man allerdings nur daran, dass die Autos unmotiviert anhalten. Man selber bekommt kein Signal. Dieser Drücker ist relativ neu und steht im Westen an der Forststraße, wo sie die Schwabstraße quert. Im Gegensatz zu anderen solcher Stellen sehr schön ist die Gehwegnase, auf der der Drücker steht. Es kann ihn also kein Auto zuparken. Grundsätzlich aber muss man mit solchen Dingern umgehen lernen. Und dieser hier hält eine besondere Überraschung bereit.


Auf der Tafel steht nämlich: "Radfahrer bitte anfordern." Nein, das heißt nicht, hier bitte Radfahrer anfordern. Vielmehr sollen Radfahrer etwas anfordern. Die Frage ist aber schon was eigentlich?  Das steht da nämlich nicht.* Und so beginnt das Rätselraten.

Blogleser Matthias, von dem auch die Fotos stammen, schrieb mir dazu: "Ich wusste ja, dass man Mails abrufen kann und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, aber Radfahrer? Drücke ich auf den Taster und dann kommt ein Radfahrer angefahren? Ich probierte es aus. Der Taster leuchtete rot auf, und kurz Zeit später blieben die Autos auf der Schwabstraße stehen. Aber wo war mein Signal, dass ich jetzt losfahren durfte? Dann fuhren die Autos wieder los. Also nochmal drücken. Von der einen Seite sieht man nur die rote Fußgängerampel und eine rote Abbiege-Ampel, und von der anderen Seite gar nichts und fährt dann halt nach Gefühl los, oder wenn der Taster ausschaltet. Hm, war wohl eine gut gemeinte Lösung und sicher recht teuer, aber ich würde glaube ich einfach ohne Ampeldrücken bis an die Kreuzung vorfahren, gucken und wenn es frei ist rüberfahren. Gut, bei viel Verkehr mag die Ampel gut sein, aber dann hätte man auch die Fußgängerampel nehmen können."

Mathias ist kein ungeübter Radler. Und trotzdem hat er das originelle Gadget des Stuttgarter Radverkehrs nicht gleich kapiert. Wie ergeht es an solchen Stellen dann eigentlich Sonntagsausflüglern auf Rädern? Oder Familien mit Kindern? Wie kann die vorausradelnde Mutter oder der Vater abschätzen, wie schnell man die Kinder über die Schwabstraße treiben muss, damit alle drüben sind, bevor die Autos wieder starten? Man sieht ja keine Ampel auf der eigenen Seite (auch keine parallele Fußgängerampel), die rot geworden ist und so anzeigt, dass der Rest der Radlertruppe besser zurückbleibt.

Und woran sich eigentlich orientieren, wenn gar keine Autos kommen? Klar, ist, dass ich immer fahren darf, wenn keine Autos kommen. Aber der Drücker suggeriert jetzt wieder was anderes. Nämlich warten und irgendwas anfordern, das nicht beschrieben wird. Er verführt auch dazu, genau dort stehen zu bleiben, schätzungsweise fünf Meter hinter der Einmündung. Viel besser aber wäre es, man würde zur Haltelinie an der Einmündung der Forststraße in die Schwabstraße vorfahren. Das ist ja nicht verboten, kein Rotlicht hält mich davon ab. Dann hat man Einblick in die ganze lange Schwabstraße rauf und runter, und man ist auch schneller drüben, wenn man merkt, dass die Autos angehalten haben.

Auf den ersten Blick denkt man bei diesen Drückern immer: "Ah, nett! Gute Idee, da hat jemand an Radler gedacht." Aber ich halte diese Konstruktion für nicht ungefährlich. Sie schiebt dem Radler auch irgendwie den Schwarzen Peter zu. Wenn es zu einem Zusammenstoß kommt, kann er sich auf gar nichts berufen. Schon gar nicht darauf, dass der Autofahrer  - zum Beispiel von rechts - Rot hatte. Das hat er nämlich nicht sehen können. Er konnte es nur daraus schließen, dass beispielsweise zwei Autos auf der Spur von Links gehalten haben. Hier schützt mich eben auch keine Fußgängerampel, an deren Grünphase ich mich orientieren könnte.

Zwei ältere solcher Drücker-Konstruktionen kenne ich. Die eine steht in Degerloch, wo das Königssträßle die Jahnstraße überquert. Hier habe ich wenigstens die Zeichen auf der Fußgängerampel, um sicher zu sein, dass Autofahrer Rot haben. Dennoch kommt es zu kritischen Situationen, weil die Autofahrer von der Waldau her sich über die von Radlern angeforderte Lücke im Querverkehr freuen, durchstarten und in alle Richtungen abbiegen. Außerdem nutzen immer wieder Linksabbieger aus Richtung Fernsehturm die Lücke, um ins Königssträßle Richtung Waldau abzubiegen, obgleich ihre Ampel tatsächlich Rot zeigt.

Auch in Cannstatt im Veielbrunnenweg gibt es so einen Anforderer. Auf dem Schild steht wie in Degerloch auch übrigens: "Radfahrer bitte Fußgänger-Grün anfordern." Das ist doch mal ein Wort.

Und kein Haltegriff verführt hier den Radler, am Drücker stehen zu bleiben. Man fährt natürlich vor zur Haltelinie. Blöd nur, dass der Drücker auf dem Gehweg steht und Autofahrer sich gerne davor stellen und parken. Dann kommt man gar nicht hin.

Vermutlich gibt es an ein paar entlegenen Ecken des Stuttgarter Verkerhsnetzes noch einige solcher Dinger. Ich nehme gerne Meldungen und Fotos dazu entgegen.

Für diesen Drücker in der Forststraße hat der Bezirksbeirat über drei Jahre lang gekämpft. Nun ist er da. Gut: Er kann nicht zugeparkt werden. Schlecht: Er verführt dazu, genau dort stehen zu bleiben. Dann aber fehlt der volle Einblick in die Schwabstraße. Und Gaga: Der Text ist absurd, komisch und völlig sinnfrei. 

*Die Komik und Absurdität liegt in der falschen Grammatik. "Anfordern" ist ein transitives Verb, das gerne ein Akkusativ-Objekt hätte (anfordern, wen oder was?). Weshalb man den Satz zwangsläufig so verstehen muss, als solle man einen Radfahrer anfordern. Ein Komma hätte hier schon mal geholfen, dieses Missverständnis zu beseitigen: "Radfahrer, bitte anfordern." Allerdings wäre dann noch deutlicher geworden, dass etwas Entscheidendes fehlt, nämlich das Was. Zum Beispiel: "Radfahrer, bitte Rot für Querverkehr anfordern!"