CRITICAL MASS San Francisco

CRITICAL MASS San Francisco

Die beiden Art Nouveau Plakate sind von Mona Caron für das Jubiläum der Critical Mass (mehr zur Geschichte der Critical Mass siehe HIER) in San Francisco entstanden, die am 25. September 1992 das erste Mal stattfand.

Mona Caron lebt in San Francisco lebende Künstlerin und gestaltet hauptsächlich Wandgemälden im öffentlichen Raum..

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KURT STÖPEL

KURT STÖPEL

Heute möchte ich wieder einmal ein Buch vorstellen. Geschrieben hat es Kurt Stöpel und trägt den vielsagenden Titel: „Tour de France – Ein Erlebnisbericht von der Grande Boucle 1932„. Für mich der authentischste Bericht über die Tour, geschrieben von einen Teilnehmer.

153_03Am 12. März vor 110 Jahren wurde Kurt Stöpel in Berlin geboren. Er war der erste deutsche Radrennfahrer, der eine Etappe der Tour de France gewann: Am 7. Juli 1932 von Caen nach Nantes über 300 Kilometer. Er lag nach dem Sieg der zweiten Etappe der 26. Tour de France (6. bis 31. Juli 1932) an der Spitze des Teilnehmerfeldes und war somit auch der deutsche Radrennfahrer, der das Gelbe Trikot trug.

Die 26. Tour de France führte auf 21 Etappen über 4.520 km (2017, 21 Etappen über 3.540 km).

Die dritte Etappe von Nantes nach Bordeaux über 387 Kilometer gewann der übertragende Akteur der Tour 1932, André Leducq, da Kurt Stöpel seine Spitzenposition nach mehreren Reifenpannen nicht verteidigen konnte und damit auch das Trikot des Führenden an den späteren Gewinner André Leducq abgeben musste. Kurt Stöpel erreichte das Ziel in Paris als Gesamtzweiter mit drei Sekunden Rückstand auf den Sieger.

Leducq gewann gemäß der offiziellen Tourstatistik mit 24 Minuten und drei Sekunden Vorsprung vor Stöpel. 24 Minuten hat er durch Zeitgutschriften bei Etappensiegen (in errungen. Drei Sekunden. Ein Atemzug. Zehn Meter. Oder die Zeit, die man braucht, um den folgenden Satz zu lesen: „In Paris nimmt Leducq den Strauß, den er bei der Ehrenrunde bekommen hat, und überreicht ihn meiner Frau: „Madame Stopel“, sagte er bescheiden, „wir beide, Kurt und ich, haben die Tour gewonnen!“ Was für ein nobles Duell.

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Kurt Stöpel (* 12. März 1908 in Berlin-Charlottenburg; † 11. Juni 1997 Berlin-Spandau) feierte seinen ersten großen Sieg 1927 beim 275 km langen Radrennen Berlin-Stettin-Berlin. 1928 wiederholte er seinen Sieg bei Strassenrennen Berlin-Stettin-Berlin und gewann zudem noch die Radrennen: Berlin-Leipzig, den Großen Semper-Straßenpreis von Norddeutschland, den Großen Mifa-Straßenpreis von Thüringen, den Großen Semper-Straßenpreis von Nordwest-Deutschland, den Großen Opel-Straßenpreis von Hessen-Nassau und den Großen Semper-Straßenpreis von Berlin.

1930 begann Kurt Stöpel seine Berufsradrennfahrer-Laufbahn. Im selben Jahr wurde er Vierter bei den Weltmeisterschaften in Lüttich (Belgien). 1931 nahm er an seiner ersten Tour de France teil und nach 5.095 Kilometer belegte er den 16. Platz mit einem Rückstand von 2:05:58 (Std.) auf den Sieger Antonin Magna aus Frankreich.

153_02Kurt Stöpel startete insgesamt fünf Mal bei der Tour de France:

  • 1931: Platz 16,
  • 1932: Platz 2,
  • 1933: Platz 10,
  • 1934: Platz 21
  • und 1935: bei seiner letzten Tour-Teilnahme zwang ihn ein schwerer Sturz zur vorzeitigen Aufgabe.

153_041932 erreichte er beim Giro d’Italia den fünften Platz, beim Kopfsteinpflaster-Klassiker Paris-Roubaix über 255 Kilometer fuhr er an 28. Stelle ins Ziel und belegte den neunten Platz bei Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Auch im Jahr darauf startete beim Giro d’Italia und endete das Rennen auf dem achten Platz.

1934 wurde Kurt Stöpel Deutscher Meister und gewann im selben Jahr das Traditionsrennen Rund um Köln sowie Rund um Berlin, den ältesten Klassiker des deutschen Straßenradsports.

1938 beendete er seine Karriere als Radsportler. Am 6. Mai 2008 wurde Kurt Stöpel posthum in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Nach dem Krieg arbeitete Kurt Stöpel, fließend Englisch, Französisch und Spanisch sprach, als Dolmetscher beim Alliierten Kontrollrat und beim Berliner Senat. Auf seine alten Tage sattelte er nochmals um und wurde Taxiunternehmer. Er liebte es, ausländischen Gästen Berlin zu zeigen.

Am 11. Juni 1997, drei Wochen bevor die Tour begann, auf der Jan Ullrich als erster Deutscher die Tour gewinnen sollte, wollte sich Kurt Stöpel in seinem Altersheim „Hottengrund“ etwas zu trinken holen. Aus Versehen griff er zu einer Flasche Reinigungsmittel. Er starb noch am selben Tag.

Kurt Stöpel schrieb, als er 1932 an der Tour teilnahm, Tagebuch. Es ist mir rätselhaft, wie er Zeit und Kraft dafür fand. 4.506 Kilometer lang war die Tour in diesem Jahr. Die längste Etappe begann bei Fackelschein um zwei Uhr morgens, führte über 387 Kilometer von Nantes nach Bordeaux und dauerte dreizehn Stunden. Stöpel schaffte es trotzdem irgendwie, abends in Abrissen die epischen Unwetteretappen und lebensgefährlichen Abfahrten, die Hitzeschlachten in den Pyrenäen und sein Duell mit André Leducq zu skizzieren. Zwanzig Jahre später holte er seine Aufzeichnungen wieder hervor und machte daraus ein Buch, das 2004 im Covadonga-Verlag neu aufgelegt wurde.

Tour de France – Ein Erlebnisbericht von der Grande Boucle 1932“ ist wohl der packendste, der literarisch anspruchsvollste Tourbericht, den es von einem ehemaligen Teilnehmer gibt. „Es ist eine tragische Nacktheit, das zerklüftete Felsgestein scheint uns angrinsen zu wollen. Die Wolken hüllen uns ein, als hätten sie Mitleid mit uns keuchenden Ameisen, die es wagen, die Riesen der Bergwelt herauszufordern.“ Die Riesen der Bergwelt, die tragische Nacktheit – aus Stöpels Naturbeschreibungen spricht ein spätromantisches Pathos, das heutigen Lesern fremd sein mag. Aber wie spannend lesen sich seine Beschreibungen im Vergleich zu den Sätzen, die Jan Ullrich in seiner Autobiographie absondert.

Im Pyrenäenort Luchon besucht ihn sein Kontrahent Leducq. „Er ist in seinem Schlafanzug über die Straße gekommen. Wir sprechen kaum über das Rennen, sondern über schöngeistige Dinge“, berichtete Stöpel. Radprofis, die sich im Schlafanzug besuchen und über „schöngeistige Dinge“ reden?

Was für eine Zeit, dieses Jahr 1932! Was für Protagonisten!

KURT STÖPEL: Tour de France. Ein Erlebnisbericht von der „Grande Boucle“ 1932. Covadonga-Verlag, Bielefeld 2004, ISBN 978-3-936973-10-5, 188 S. 24,80 Euro.

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Lust auf einen Ausflug nach Tuktoyaktuk im Winter?

Der Kurzfilm von Ben Page ist während seiner Reise um die Welt mit dem Fahrrad entstanden. Er zeigt seine Winterreise in die kanadische Arktis, als er seine Radtour auf den amerikanischen Kontinent absolvierte. Nach Jack Londons Behauptung „jeder Mann, der ein Mann ist, kann alleine reisen“, versuchte er ein Abenteuer der vollkommenen Einsamkeit. Als er zu der Erkenntnis kam, waren die harten Wahrheiten des Reisens in solch einer Umgebung weit entfernt von den romantischen Bildern, die er von diesem Land hatte.

The Frozen Road ist eine ehrliche Reflexion über eine Solo-Reise; von dem Wunder, dem Terror und der Frustration, die er erlebte, als er durch die gnadenlose Leere einer der „letzten großen Wildnis“ der Welt gefahren ist.

Anmerkung:
Tuktoyaktuk oder Tuktuyaaqtuuq (wörtlich sieht aus wie ein großes Karibu), Kurzform Tuk (Eigennennung), ist eine Ortschaft in Kanadas Nordwest-Territorien und die nach Taloyoak zweitnördlichste Gemeinde auf dem kanadischen Festland. 2006 hatte Tuktoyaktuk 870 Einwohner. Die Siedlung liegt auf einer Höhe von rund fünf Meter über dem Meeresspiegel an der zur Beaufortsee gehörenden Kugmallit Bay und ist von einer Vielzahl kleiner Seen umgeben. Fünf Kilometer westlich des Ortes liegt das Pingo Canadian Landmark.

Termine im Februar 2018

Auch für den Monat Februar habe ich wieder eine Reihe von Veranstaltungen herausgesucht, die meine Leser*innen interessieren könnten.

Auf jeden Fall werde ich bei einigen Veranstaltungen anwesend sein.
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Donnerstag, 1. Februar 2018

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Freitag, 2. Februar 2018

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Samstag, 3. Februar 2018

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Sonntag, 4. Februar 2018

  • Schauen: SIX DAY Kopenhagen 2018
  • Schauen & Kaufen: von 11 bis 19 Uhr, Gütermarkt mit Berliner Fahrradmarkt, ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik, Siemensstraße 27, 10551 Berlin
  • Schauen & Kaufen: von 10 bis 15 Uhr, Fahrradmarkt auf dem Winterfeldplatz, 10781 Berlin-Schöneberg

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Montag, 5. Februar 2018

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Dienstag, 6. Februar 2018

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Mittwoch, 7. Februar 2018

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Donnerstag, 8. Februar 2018

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Freitag, 9. Februar 2018

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Samstag, 10. Februar 2018

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Sonntag, 11. Februar 2018

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Rosenmontag, 12. Februar 2018

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Faschingsdienstag, 13. Februar 2018

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Aschermittwoch, 14. Februar 2018

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Donnerstag, 15. Februar 2018

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Freitag, 16. Februar 2018

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Samstag, 17. Februar 2018

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Sonntag, 18. Februar 2018

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Montag, 19. Februar 2018

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Dienstag, 20. Februar 2018

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Mittwoch, 21. Februar 2018

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Donnerstag, 22. Februar 2018

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Freitag, 23. Februar 2018

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Samstag, 24. Februar 2018

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Sonntag, 25. Februar 2018

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Montag, 26. Februar 2018

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Dienstag, 27. Februar 2018

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Die Termine für März 2018 erscheinen am 27. Februar 2018

Wenn auch Sie Termine haben, die ich veröffentlichen soll, dann schreiben Sie eine Email an: radundkultur(at)gmail.com.

Auf nach Riga, Erkundung der Route

Auf nach Riga, Erkundung der Route

logo-cmwc2018Dieses Jahr findet vom 22. bis zum 25. August die CMWC 2018, die Weltmeisterschaft der Fahrradkurier*innen in Riga, der Hauptstadt Lettlands, statt. Es werden die 26. Cycle Messenger World Championships sein. Fahrradkurier*innen tragen jährlich ihre Weltmeisterschaften aus.Alles begann in den 1990er Jahren. Damals griff der Chef des Berliner Kurierdienstes messenger Achim Beier die Idee einer Kurierweltmeisterschaft auf und organisierte mit einem Team das Treffen, die 1. CMWC 1993 in Berlin. Rund 600 Teilnehmer*innen aus den verschiedensten Ländern kamen damals nach Berlin gereist. Neben den verschiedenen Wettkämpfen gab es auch vielseitige kulturelle Aktivitäten, von Konzerten, Diskussionsrunden oder Live-Performances von Streetart-Künstlern.

Dieses Jahr meint es gut mit den Fahrradkurier*innen in Berlin. Die Deutsche Meisterschaft finden in Greifswald und die Europameisterschaft in Stettin statt. Bei Austragungsorte liegen quasi vor der Haustür und sind locker mit dem Rad anzufahren. Die Strecken dorthin bin ich wie wahrscheinlich viele Berliner Fahrradfahrer*innen in den verschiedensten Varianten schon oft gefahren, egal ob gemütlich oder geballert.

Die Strecke nach Riga war für mich Neuland und es galt sie zu erkunden. Denn wie auch letztes Jahr als ich zur ECMC nach Wien mit dem Rad gefahren bin möchte ich auch dieses Jahr mit dem Fahrrad nach Riga anreisen. Da Anfang September eine andere Radtour geplatzt ist hatte ich mich entschieden die fünf Tage zu nutzen und den Landweg von Berlin nach Riga zu erkunden.

Aber vorab zu den Möglichkeiten von Berlin nach Riga zu kommen:

  1. Mit dem Flugzeug, die Variante für Umweltsäue: RYANAIR 59,- / AIRBALTIC 50,- / LOT 117,- / SAS 132,- / KLM 185,- (Fahrradmitnahme sollte vorab geklärt werden)
  2. Mit dem Bus: dauert ca. 22 Stunden und kostet ca. 55 Euro bei Ecoliner oder Eurolines (Fahrradmitnahme sollte vorab geklärt werden)
  3. Mit der Bahn: ist möglich wird, jedoch nicht angeboten. Mensch muss seine Verbindungen durch Polen, Litauen und Lettland selbst zusammenstellen. Geht am besten im Reisebüro.
  4. Mit dem Auto: kommt nicht in Frage!
  5. und zuletzt die beste Möglichkeit nach Riga zu kommen. Mit dem Fahrrad:

a. mit dem Rad auf dem Landweg: ein bisschen mehr als 1.200 km

b. mit dem Rad und dem Schiff: von Berlin nach Travemünde ~290 km mit dem Rad, danach Travemünde – Liepaja mit der Fähre für 30 bis 55 Euro, Dauer 26 bis 27 Stunden und dann nochmals~ 250 km mit dem Rad von Liepaja nach Riga.

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Für meine Erkundungstour im September 2017 habe ich die Variante 5a gewählt.

Am Abend des 4. September war das Fahrrad, ich wählte diesmal mein Race-MTB, gepackt und am sehr frühen Morgen des 5. ging es los. 1.300 km in wollten Tagen gefahren werden.

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Von Berlin ging es nach Küstrin-Kietz und nach ca. 105 km fuhr ich über die Elbe nach Kostrzyn nad Odra in Polen. Die nächsten Orte waren Witnica, Gorzów Wielkopolski, Krzyz Wielkopolski, Binak und Trzcianka. Kurz hinter Trezcianka und knapp 270 km machte ich mein erstes Biwak am Jezioro Lesne, einen kleinen idyllischen Waldsee kurz vor Pila Glowna. Für heute war die geplante Strecke geschafft.

Zur Navigation hatte ich mir diesmal ein Roadbook geschrieben, die ich mir auf das Oberrohr geklebt hatte. Deshalb war der Verlust des Smartphones schon nach 50 km nicht so tragisch, ausser dass ich im Notfall nicht telefonieren und Fotos machen konnte. Da ich auf Radtouren, zumal wenn ich alleine unterwegs bin, eh zu faul zum Fotografieren bin, hält sich der Verlust an Fotos in Grenzen.

Am zweiten Tag bestieg ich um 6 Uhr morgen das Rad und los ging es. Nach Pila Glowna rollte ich durch einsame von der Landwirtschaft geprägte Gegend mit kleinen Dörfern und erst ungefähr 100 km rollte ich durch die Stadt Koronowo, wo ich einen Kaffee genoss. Weiter ging es über Land bis ich bei Swiecie die Wisla (Weichsel) erreichte der ich bis zur Brücke bei Grudziadz folgt, dort die Flussseite wechselte. In Grudziadz (Kilometer 450) ass ich mit Heisshunger eine warme Mahlzeit, um danach die letzten 100 Kilometer des Tages in Angriff zu nehmen. Als nächste größere Orte kamen Ilawa und Ostróda. Im Wald kurz vor Olsztyn fand ich einen See an dessen Ufer ich mich mit dem Schlafsack legte. Die Temperatur des Szelqzek-Sees war so gerade eben noch zum Baden geeignet. Die ersten 580 km waren geschafft. Das Wetter war optimal, es war nicht zu warm und nicht zu kalt, es war windstill und trocken. Es war ein Genuss durch eine ebene Landschaft mit wenig Verkehr zu rollen.

Am dritten Tag ging es wieder sehr früh morgens los. Ich wollte die Grenze zwischen Polen und Litauen erreichen. Der erste größere Ort durch den ich am Morgen rollte war Olsztyn, danach kamen Biskupiec und Ryn und die Gegend wurde immer einsamer und weiter und menschenleerer. Kurz vor Mittagszeit erreichte ich nach ca. 120 km den Ort Gizycko. In einem Stehimbiss verschlang ich hungrig ein Paar fette Würste und trank Kaffee dazu. Gizycko sollte der letzte größere Ort für die nächsten 200 km sein. Die Landschaft hinter Gizycko war wahnsinnig schön und ich ärgerte mich so wenig Zeit für die Schönheiten zu haben. Aber ich werde in diesem Jahr nochmals dorthin fahren und mit Zeit nehmen die Gegend zu geniessen. In Becejly, einem winzigen Dorf, schlug ich mein Biwak am öffentlichen Badestrand auf. Es waren noch ca. 30 Kilometer bis zur Grenze und die wollte ich nicht bei Dunkelheit überqueren. Etwas über 820 km standen auf dem Tacho und ich war gut im Zeitplan.

Der vierte Tag begann mit einem kleine Ritt auf der Autobahn, auf der ich die Grenze von Polen nach Litauen überquerte. Danach kam noch eine etwas ungemütliche Fahrt bis Kalvarija. In einem Café neben einer Tankstelle trank ich meinen ersten Litauischen Kaffee! Ich ass noch ein Brötchen zum zweiten Kaffee und weiter ging es nach Marijampole, Pilviskiai, Sakiai und Jurbarkas wo ich den Fluss Nemunas überquerte. Es ging jetzt fast immer nach Norden. Die Strassen waren nicht immer so wie in Polen aber die Befürchtungen, die ich auf Grund diverser Texte hatte, haben sich nicht bewahrheitet. Wenn auch die Nebenstrassen auf denen ich streckenweise fuhr unbefestigt waren, so waren sie doch gut und vor allen schnell zu befahren. Auch mit dem PKW-Fahren hatte ich keinen Stress. Der LKW-Verkehr war in Litauen etwas nervig, aber wo ist das der LKW-Verkehr nicht? Kurz hinter der größeren Ortschaft Raseiniai suchte ich mir in dem winzigen Dorf Lioliai einen Platz um mein müdes Haupt zu betten und ich fand es in einem schönen, gemauerten Buswartehäuschen. Nach dem Abendessen legte ich mich im Schlafsack auf die Bank und schlief sofort ein.

Am Morgen des fünften Tages meiner Fahrt nach Riga wurde ich sanft geweckt. Jemand rüttelte an meinem Schlafsack. Als ich die Augen aufmachte sass auf der Bank an meinem Fußende eine alte Frau mit einem Tablett. Darauf stand eine dampfende große Tasse Kaffee und ein belegte Brötchen. Es war für mich! Es war mein Frühstück!

Wir unterhielten uns mit fremden Worten, vielen Gesten und Zeichen und irgendwie verstanden wir uns! Es war für mich wie ein kleines Märchen und es ist es immer noch. Ich werde so oft gefragt, ob ich keine Angst habe so alleine in einem fremden Land auf einer Wiese oder Bank oder wo auch immer in der freien Natur zu nächtigen. Nein und jetzt weiss ich auch warum. Warum soll ich auch vor einer alten Frau, die mir Kaffee und belegte Brötchen bringt, Angst haben?

Nach dem Überraschungsfrühstück ging es weiter. Heute war das Ziel: Riga! Es waren nur noch ca. 250 km und ich wusste dass ich in die Dunkelheit hineinfahren musste. Nach dem bisherigen Tempo würde ich ca. 12 Stunden Fahrt vor mir haben. Ich fuhr bis nach Siauliai. Dort machte ich eine kurze Pause, trank einen Kaffee und ass ein Wurstbrötchen.

Danach ging es wieder zurück auf die Strasse und nach der Ortsdurchfahrt von Jelgava näherte ich mich auch schon meinem Zielort. Zwischendurch überquerte ich noch die Grenze nach Lettland. Die letzten 150 km waren etwas monoton da die Strecke fast immer geradeaus ging, bretteben war und auch die Landschaft neben der Strasse sehr gleichmäßig war. Mitten in der Nacht erreichte ich Riga und um Zeit zu sparen fuhr ich die letzten 30 bis 40 km auf der Autobahn in die Stadt hinein. Niemanden störte es. Am nächsten Tag erzählte mir jemand, dass es in den Baltischen Staaten normal sei auf dem Randstreifen der Autobahn zu fahren. Anders kommt Fahrradfahrer oft nicht zum Ziel.

Der Tacho zeigte 1.297 km an als ich meinen Biwakplatz auf der Insel Kipsala erreichte.

Am nächsten Tag war noch Stadtbesichtigung angesagt. Am Abend ging es mit dem Flieger zurück nach Berlin. Mein Fahrrad kam eine Woche später nach Berlin zurück. Ich hatte es einer Spedition anvertraut.

Hier die Strecke als GPS-Datei.