Lebensgefühl Mountainbiken

Lebensgefühl Mountainbiken

Schon öfters hatte ich über meine Haltung zum Biken bei widrigen Wetterverhältnissen geschrieben und mich ganz klar als Schönwetterbiker geoutet. Meines Erachtens gibt es im Winter einfach schönere Freizeitaktivitäten als das Mountainbiken - jedenfalls bei mir zuhause in Südtirol. Bei Schnee und Eis auszufahren heißt, mich mit matschigen Wegen, erhöhter Sturzgefahr, dreckigem Bike und nassen, kalten Kleidern zu quälen. Und diese Dinge stehen ganz weit unten auf der Liste meiner Begehrlichkeiten.
Das Gefühl von Freiheit
Somit fallen auch meine Beiträge im Blog in den Wintermonaten spärlich aus. Natürlich könnte ich über alternative Sportarten für den Erhalt der Fitness und deren Nutzen als Vorbereitung für das Biken schreiben. Skitour, Langlauf, Schwimmen, Joggen, Fitnesstudio - all diese Dinge sind für den Erhalt und den Aufbau der Kondition sicher wertvoll. Außerdem ist das Training auf dem Fahrradergometer zu nennen. Damit ist auch schon sehr viel über meine alternativen Bewegungskonzepte geschrieben. 
Unendliche Weiten
Um aber mit meinem Lieblingssport in Kontakt zu bleiben, lässt sich im Winter gut am Bike tüfteln und schrauben, es lassen sich Touren recherchieren und planen. Und ich liebe es, mir Bilder über bereits gefahrene Touren anzusehen und über das Biken allgemein zu sinnieren. Wie schon zu erkennen ist, gibt es heute weder einen Tourenvorschlag noch einen Testbericht. Dafür einige Gedanken zum Lebensgefühl Mountainbiken, gepaart mit einigen Bildern. Was macht dieses innere Empfinden und das Bewusstsein, auf dem Bike am Leben teilzuhaben, aus? 
Dolomitenblick
Ist es die Technik, die man nutzt? Das 26er, 27,5er oder 29er? Das Hardtail oder Fully? Die Dreifach-, Zweifach- oder Einfachkurbel? Ist es das neue Premium-Bike, auf dem man sitzt? Sind es die Daten, die unsere elektronischen Helferlein sammeln, aufbereiten und wiedergeben (Geschwindigkeit, Steigung, Puls, Trittfrequenz, Höhenmeter u. v. m.)? Geht es um den Wettbewerb, mehr Höhenmeter, Kilometer, Touren? Oder geht es vielleicht sogar um die Befriedigung des Selbstdarstellungsdranges, der durch die Veröffentlichung auf Strava, Komoot, Runkeeper, Endomondo, Runtastic, Facebook, Twitter, Instagram usw. sein Ventil findet? 
Karwendelblick
Dies alles hab ich mich schon gefragt. Aber entscheidend ist wohl, was mit mir passiert, während ich unterwegs bin, mit einem ruhigen, runden Tritt, den schwebenden Gedanken nur bei dem, was ich gerade mache. Was löst das in mir aus? Ist das vielleicht die vielzitierte Leichtigkeit des Seins? Fakt ist, dass ich in diesen Momenten so in der Gegenwart aufgehe, dass Alltagsfragen, Konflikte, Sorgen oder andere Grübeleien nicht zu mir durchkommen und ich vollkommen frei von negativen Empfindungen bin. Nicht einmal ein fantastisches Panorama lenkt mich von dieser Freiheit der Gedanken ab, sondern verstärkt diese und lässt im Alltag flüchtige Gedanken von alleine zu Ende denken. So empfinde ich die Harmonie und den Flow beim Mountainbiken. 
Über dem Sarntal
Halt – keine Sorge, ich bin jetzt nicht unter die Esoteriker gegangen. Natürlich habe ich auch Freude an einem coolen Mountainbike, der neuesten Technik, einem kniffligen Trail, einer harten Tour oder auch daran, mich mit den Kumpels zu matchen. Außerdem habe ich Freude daran, besondere Erlebnisse auf diesem Blog zu teilen. Und natürlich geht auch mir manchmal die Puste aus oder es zwickt im Rücken oder zuckt in den Beinen. Aber daran denke ich danach nie mehr, denn übrig bleibt die große Zufriedenheit nach jeder Tour. Und das nächste Frühjahr kommt bestimmt und damit auch die Gewissheit, wieder erstklassige Erlebnisse auf dem Mountainbike zu erleben.
2018 - neuen Zielen entgegen

Leogang: Besuch im Bikepark

Leogang: Besuch im Bikepark

Leogang liegt im Pinzgau im österreichischen Bundeland Salzburg und grenzt am Grießenpass an das Bundesland Tirol. Das alte Bergbaudorf grenzt aber auch an die Bike Region Saalbach Hinterglemm, der Ort Leogang hat sich allerdings selber über den ausgezeichneten Bikepark und als Austragungsort der UCI Mountainbike WM in der MTB Szene etabliert. 
Blick vom Asitz auf das Birnhorn
Rund um das Mountainbiken hat sich ein tolles Komplettangebot entwickelt, das vom Bikepark, Bikeverleih, Bikeschule, Bikeguides und vielen spezialisierten Hotels getragen wird. Das Ganze wird noch hervorragend von den Bergbahnen unterstützt, die - ausgehend von der Fraktion Hütten (840 m) - die Biker auf den Asitz auf 1.760 Meter Meereshöhe befördern. Dort starten Trails verschiedener Schwierigkeitsstufen mit fantasievollen Namen wie Flying Gangster, Hangman, Bongo Bongo, Speedster oder Flow Link. Laut Auskunft der Bergbahnen werden von den gut 300.000 Fahrten im Sommer bereits mehr als die Hälfte von Mountainbikern generiert. 
Bikepark Leogang
Pumptrack an der Talstation Asitzbahn
Einsteiger Trails an der Talstation
Auch im hervorragenden Bikeverleih Sport Mitterer direkt an der Talstation sieht man, dass die Ausrichtung des Mountainbikens hier sehr abfahrtsorientiert ist. Die hervorragende Auswahl an etwa 250 Freeride- und Downhill Bikes, Protektoren für den ganzen Körper und Fullface-Helmen spricht eine klare Sprache: es geht hauptsächlich um das Abfahren und den Bikepark. Für die Einsteiger gibt es an der Talstation auf dem Rookie Trail, Contessa Trail, der Voltage Line oder dem Greenhorn Trail viele Möglichkeiten, sich an die richtigen Trails heranzutasten. Ein Pumptrack vervollständigt das Angebot. Und natürlich unterstützen auch hier ein Förderband und ein Schlepplift (!) die MTB-Anfänger beim Aufstieg. Wie selbstverständlich fügt sich auch eine Waschstation für die MTBs in das Bild.
Verleih mit vorwiegend Freeride/DH Bikes
Einstieg in den Trail mit Guide
Hot Shots Trail - ein Versprechen
Flow Link - der Name ist Programm
Wenn man eher in Richtung MTB-Tour gehen möchte, ist man schnell an der Grenze der Möglichkeiten, wenn man nur in Leogang bleibt. Allerdings sind in der Region viele Optionen da, um abwechslungsreiche Tagestouren in Angriff zu nehmen. So kann man beispielsweise in Leogang in die Big 5 Bike Challenge Tour einsteigen. Oder man startet vom Asitz und steigt in eine der vielen Touren von Saalbach Hinterglemm ein. Der Bikezirkus konzentriert sich vor allem in der Fraktion Hütten, rund um die Talstation scharen sich eine Vielzahl hervorragender und bestens auf Mountainbiker eingerichtete Hotels.
Sagenhafte Unterbringung im Naturhotel Forsthofgut - High End
Fazit: Leogang hat sich als reizvolle MTB Destination gemausert, orientiert sich vor allem an den abfahrtsorientierten Spielarten des Mountainbikens. Das Produkt ist sehr stimmig, Bergbahnen, Hotels und Dienstleister spielen ein harmonisches Konzert und sorgen für MTB-Feeling pur im Ort.
Beherbergungskonzept Mama Thresl - urban soul meets the Alps


Toskana: Mountainbiken rund um Massa Marittima

Toskana: Mountainbiken rund um Massa Marittima

Mountainbiken in der Toscana ist wunderbar anders. Speziell im Frühjahr, wenn in den Alpen noch Schnee liegt oder im Herbst, wenn hierzulande die Nebel um die Gipfel hängen, lädt die Toscana mit der begünstigten Witterung zum frühen Saisonstart oder zur Saisonverlängerung. Nicht nur das milde Klima, auch das besondere Licht und nicht zuletzt die Kulinarik haben Anteil am Reiz dieser Region, ganz besonders auch für Mountainbiker.
Massa Marittima vom Monte Arsenti (580 m)
Rund um den Ort Massa Marittima wurden in den letzten Jahren viele Trails angelegt. Ausgehend vom Bike Hotel Massa Vecchia gibt es Touren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen und von unterschiedlicher Länge. Das Territorium wird winters sogar von den Top-Athleten aus dem Weltcup-Zirkus zum Training genutzt. Kein Matsch, sondern staubtrockene Trails sind die Visitenkarte der Region.
Tourenauswahl reicht für einige Tage
Die Touren bestechen weder durch spektakuläre Ausblicke, denn man fährt sehr oft in der undurchsichtigen Macchia, noch durch lange und harte Anstiege. Aber auch das ständige Auf und Ab sind fordernd. Der höchste Berg in der Umgebung ist der Monte Arsenti (580 m). So heißt auch die halbtägige Enduro-Tour, die sich im Uphill über Schotterstraßen und im Downhill über teilweise recht knifflige Trails durch die Büsche schlängelt. Diese Tour fährt man gerne auch zweimal hintereinander als Tagestour, denn sie bietet viele Varianten.
Die Touren sind nicht für ihre Aussicht berühmt …
… aber technisch anspruchsvoll
Die Pesta Tour führt über Schotterstraßen und Trails in Richtung Süden und kann mit der Lago Tour kombiniert werden. Eine Rast am wunderschönen Lago dell‘ Accesa ist ebenso Pflicht, wie ein Stopp im einfachen und typischen Ristorante La Pesta, unweit vom See in der kleinen Ortschaft La Pesta. 
Der Lago dell’Accesa lädt …
… zur Erfrischung
Bilderbuchlandschaft beim Agriturismo Poggio Corbello
Kurz vor der Ankunft in Massa Vecchia fährt man als Krönung der Tour durch den „Canyon“ ab, einem tiefen Hohlweg mit Steilkurven und 100 % Spaßgarantie! Da kann man nicht widerstehen und kurbelt auch nach einem langen Tag auf dem Bike die 15 Minuten noch einmal hinauf für eine zweite Abfahrt. 
Ab in den Canyon
Im Canyon
Essen und Trinken gehören in der Toskana zum Biken wie der Sand zum Meer. Fantastisch essen lässt sich in der Trattoria Villa la Boccia direkt am Kreisverkehr an der Auffahrt nach Massa Marittima. Landestypische Antipasti, Vor- und Hauptspeisen machen Lust auf mehr, dem Hauswein aus der Karaffe kann so mancher 7/10 Flaschenwein kaum das Wasser reichen. Ein Muss ist die „Fiorentina“, das Rückensteak vom heimischen Chianina Rind, einfach sagenhaft. 
Biken die Kür, Essen die Pflicht
Fiorentina roh 1.500 g

medium rare auf dem Grill gebraten, mmmh!

E-Mountainbike: Wohin geht die Reise?

E-Mountainbike: Wohin geht die Reise?

Die E-Mobilität entwickelt sich beständig und schwappt dabei von den urbanen Räumen auf die Berge über. Ausdruck dafür ist die stetig ansteigende Präsenz von E-Bikes im alpinen Gelände. Die Verkaufszahlen der Bikes mit Elektrozusatzantrieb steigen rasant an und auch die Fahrradverleiher setzen voll auf den Trend. Zweifelslos auch eine neue Herausforderung für die Touristiker. Das wurde auch beim Travel Talk auf der Eurobike 2017 diskutiert, wo es hieß: „e-Mountainbike – Wie ein kleines e den Tourismus ins Schwitzen bringt“. 

Die Touristiker hatten es gerade eben so recht und schlecht geschafft, alle Nutzergruppen der Natur aufeinander einzustimmen, quasi Wanderer & Co. mit den Mountainbikern auszusöhnen. Wo notwendig, wurden sogar getrennte Wege ausgewiesen. Diese konnten oft erst nach langwierigen Verhandlungen mit Grundbesitzern und anderen Interessenvertretern erschlossen werden. Als ob damit nicht schon genug wäre, muss jetzt zusätzlich noch eine Lösung für die E-Mountainbiker her?
Dazu müsste die Frage geklärt sein, ob E-Biker andere Anforderungen an die Wege- und andere Infrastruktur haben oder ob sie einfach wie klassische Mountainbiker behandelt werden können. Zu dieser und zu weiteren Fragen hat es in Südtirol bereits im April eine E-MTB Tagung in Latsch gegeben, eine weitere Auflage ist für das Frühjahr 2018 geplant. Beim Travel Talk auf der Eurobike in Friedrichshafen, der größten Fahrradmesse Europas, war E-MTB und Tourismus ebenfalls ein heiß diskutiertes Thema. Im September gibt es zudem eine Auseinandersetzung mit dem Thema in der öffentlichen Verwaltung Südtirols sowie im Tourismusmarketing bei IDM-Südtirol. Man sieht also, dass man sich der Brisanz bewusst ist, aber noch keine Konzepte vorliegen hat. 
Für klassische MTB-Strecken gibt es eine Reihe von Kriterien, wie z. B. die Singletrail-Skala, mit dieser wird der Schwierigkeitsgrad von MTB-Strecken beschrieben. Für E-Bikes gibt es  bislang noch keine Kriterien für „richtige“ E-Bike Strecken. Außerdem gibt es noch keine umgesetzten E-MTB Konzepte, wobei in Graubünden derzeit an einem Gesamtprojekt namens „E-Mountainbike Graubünden“ gearbeitet wird. Fest steht, dass sich für die durch den E-Antrieb und die Batterien wesentlich schwereren E-MTBs Strecken mit Schiebepassagen kaum eignen. Fakt ist aber auch, dass durch die Batterieunterstützung wesentlich längere Strecken gefahren werden können. Ein E-Mountainbiker schafft etwa das zweieinhalb- bis dreifache der Tagesleistung eines Mountainbikers ohne Zusatzantrieb. Mehr Fahrkilometer pro Biker bedeuten aber mehr Druck auf die Wege durch höhere Frequenzen. Zudem benötigen höhere Reichweiten auch andere Tourenkonzepte für E-Mountainbiker. Und die Etappenplanung muss an den Reichweiten der Batterien und an den Lademöglichkeiten ausgerichtet werden. Diese Dinge lassen darauf schließen, dass die Anforderungen an die Strecken zwischen MTB und E-MTB doch unterschiedlich sind. Fest steht, dass das E-Bike das Radfahren und ganz besonders das Mountainbiken verändern wird.
E-MTB soweit das Auge reicht – gesehen auf der Eurobike 2017

Bei den E-Mountainbikern kristallisieren sich derzeit zwei große Nutzergruppen heraus:

Erstens sind das die sportlich ambitionierten Umsteiger, die bereits mit dem Mountainbike unterwegs waren und die mit dem Biken im alpinen Gelände vertraut sind. Diese entdecken die Leichtigkeit und Mühelosigkeit, bisher beinahe Unfahrbares auch bergauf zu bewältigen und somit den erhöhten Spaßfaktor dieser neuen Spielart des MTB. In dieser Nutzergruppe wird das Bike mit dem E-Bike ersetzt oder beide abwechselnd genutzt. Das bedeutet deshalb keinen Zuwachs bei den Wegnutzern, aber eine höhere Frequenz durch die größere Reichweite. Außerdem ist für diese Nutzer der Uphill-Trail eine Herausforderung, leider mit Konfliktpotenzial, denn bisher gab es auf vielen Trails noch keinen Gegenverkehr!
E-Bike Typ: sportlicher ambitionierter Umsteiger
Zweitens kommt eine nicht zu unterschätzende Gruppe hinzu, die „neuen Radfahrer“. Diese haben bisher kaum Erfahrung mit dem Biken im Gelände, haben keine Mountainbike- und wenig Bergerfahrung. Außerdem sind sie mit der Technik nicht vertraut und können kleine Pannen nicht ohne fremde Hilfe beheben. Diese Nutzer entdecken, wie scheinbar mühelos die Fortbewegung mit Motorunterstützung ist. Ihnen erschließen sich plötzlich ganz andere alpine Regionen und sie können in Gegenden vorstoßen, die für sie bisher unerreichbar waren. Familien, Senioren, Städter,… diese neuen Nutzer, werden den Boom bei den E-Mountainbikes anschieben und sind gleichzeitig eine große Herausforderung. Denn für die Sicherheit dieser unerfahrenen Nutzer werden breite Forstwege und Forststraßen von allergrößter Bedeutung sein. Eine gut ausgebautes und gut durchdachtes Wegenetz muss angeboten werden, die es auch einem ungeübten und unerfahrenem E-Mountainbiker ermöglicht, sicher in die Berge und wieder heil zurück zu kommen. Diese Nutzer benötigen aber auch neue Services, wie Einführung in Biketechnik und Fahrtechnik, Tourenbegleitung/Guiding/technische Assistenz, Sensibilisierung/Trail Etikette usw.

E-Bike Typ: „neuer Radfahrer“
Dabei muss darauf geachtet werden, dass das mühsam erarbeitete – oder immer noch im Aufbau befindliche – Image der Mountainbiker plötzlich nicht durch noch mehr Menschen, die noch schneller auf den Wegen unterwegs sind, leidet und Wanderer & Co. vergrault werden. Die Wege werden durch die gestiegenen Nutzerzahlen auf schwerem Gerät mit großer Reichweite spürbar stärker frequentiert werden. Auf bisher nur bergab befahrenen Wegen werden jetzt auch bergwärts E-Mountainbiker unterwegs sein. Das birgt die Gefahr, dass die Akzeptanz des Mountainbikesports insgesamt eine negative Entwicklung nehmen könnte. Zollte der Wanderer dem athletischen Biker, der sich seine Höhenmeter mühsam im Schweiße seines Angesichts erkämpft hatte, noch Respekt und sah ihn meist als gleichwertigen Alpinisten an, mit dem er am ehesten bereit war „seine“ Wege zu teilen, kann der E-Biker mit dieser Anerkennung kaum mehr rechnen.

Es braucht also ein Konzept für den Umgang mit den E-Bikes in den Bergen! Dies beginnt bei der Infrastruktur (Wege, Ladestationen, …), verbesserten Services rund um das E-Bike (Beherbergung, Gastronomie, Bikeshop, Bikeverleih, Bikeguide, E-MTB-Kurse, Transport, …) und einer neuen Bikekultur (E-MTB als Teil der E-Mobilität, Trail-Regeln, Akzeptanz/Toleranz, …).

Fazit: Wohin die Reise wirklich geht? Ich weiß es nicht! Aber ich gehe davon aus, dass sich der Boom fortsetzen wird. In Mountainbikerkreisen sind die Vorbehalte m. E. bereits weitgehend verschwunden. Vielfach wird mit der Anschaffung eines E-Bikes – eventuell als Zweitbike – geliebäugelt. Die Überschrift im Editorial der Fachzeit EMTB drückt es ganz treffend aus, wenn es heißt „lächelnd bergauf“.  Denn das Fahrvergnügen beim E-Mountainbiken ist einfach unbeschreiblich.  Das Biken wird quasi demokratisiert, indem jung mit alt oder fit mit weniger trainiert, gemeinsam das Erlebnis teilen können und Höhenmeter wie Kilometer ihren Schrecken verlieren.

Eurobike 2017: Ein Rückblick

Eurobike 2017: Ein Rückblick

Alle Jahre wieder trifft sicher das Who's Who der Fahrradindustrie in Friedrichshafen am Bodensee. Drei "Business Days" für Fachbesucher und ein "Festival Day" für das bikebegeisterte Publikum.  Händlerkontakte, Suche nach Vertriebspartnern, Order, Imageaufbau, Nabelschau - unterschiedliche Motive gibt es für die Aussteller, sich zu präsentieren. Auch das Rahmenprogramm kann sich sehen lassen, Fashion Show, Travel Talk, Award, Academy usw. Neu auch die Blogger Base im Foyer Ost, danke an dieser Stelle an den Wriders Club für die tolle Organisation und Betreuung (Infomaterial, Networking-Frühstück, Gadgets, Standbesuche). Gewohnt katastrophal gestaltete sich wieder einmal die An- und Abfahrt zur und von der Messe. Die 1,5 Stunden am Morgen für die letzten 15 Kilometer lassen sich nicht mit dem Regentag erklären!

Wider erwarten (lange Schönwetterperioden im Frühjahr und Frühsommer) hatte der Fahrradhandel in Deutschland zwischen Jänner und Juni 2017 laut Angaben des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) einen leichten Rückgang der Verkaufszahlen im Ausmaß von 2,2 Prozent auf 2,64 Millionen Fahrräder (inklusive E-Bikes) zu verzeichnen. Als Gründe für den Rückgang werden der bereits hohe Bestand von etwa 73 Millionen Fahrrädern, die längere Haltbarkeit der Fahrräder, die Substitution klassischer Bikes durch E-Bikes und die alternde Bevölkerung genannt. Die reinen Verkäufe der E-Bikes boomen jedoch weiter mit einem geschätzten Absatz von 540.000 Einheiten im ersten Halbjahr und einem satten Verkaufs-Plus über 12 Prozent. Jedes fünfte in Deutschland im ersten Halbjahr verkaufte Fahrrad war ein E-Bike. Durch die höheren Verkaufspreise der E-Bikes sind die Umsätze des Handels leicht im Plus.

Entsprechend diesen Tatsachen war auch der Messeauftritt der Hersteller. Gefühlte 50 Prozent der ausgestellten Bikes waren E-Bikes. Auffallend war die weiter fortschreitende Integration des Antriebs und der Batterie in die Rahmen, das E-MTB wird langsam erwachsen und auch ein eigenständiges Produkt - anstatt eines Mountainbikes mit angeflanschtem Elektromotor und Akku.
Schöne Integration von Motor und Akku in den Rahmen
Aber der optische Auftritt der E-MTBs wird martialischer: vorwiegend grobstollige Plus-Bereifung, opulente Rahmen, langhubige Federung und flache Lenkwinkel kennzeichnen die neue Genertation der E-MTBs. Die folgenden Bilder zeigen exemplarisch die Entwicklung.
Martialischer Auftritt
Assoziation zu Motorrad - gewollt oder zufällig?
E-MTB oder Motorrad?
Anleihe im eigenen Haus - KTM Moto?
Für alle, die schon ein MTB haben und lediglich einen Umbau auf E-MTB vornehmen möchten, gibt es jetzt mehrere Möglichkeiten. War das ursprünglich nur mit einem Nabenmotor zu bewerkstelligen, gibt es jetzt neue Systeme, wie z. B. einen Mittelmotor, der auf das Tretlager aufgebaut werden kann. 
E-MTB Nachrüstkit mit Motor und Batterie
Eingebaut wirkt das Fahrrad kaum wie ein E-Bike
Und auch für die Biker, die sich (noch) genieren, mit einem E-MTB an den nicht motorisierten Mountainbikern (oder bei eventuellen E-Bike Verboten an den Trailwächtern) vorbeizuziehen, gibt es vom Dämpferspezialisten "German Answer" ein adäquates Produkt. Die Bikes aus der Serie "incognito" kommen nach der Messe auf den Markt und verbinden E-Antrieb und konsequenten Leichtbau mit diskreter MTB Optik.
german:a - E-MTB incognito series - unerkannt bleiben, eben incognito
german:a - E-MTB incognito series - auf den ersten Blick nicht als E-Bike zu identifizieren
Unauffällig als E-Mountainbiker unterwegs mit "incognito series"
Die Elektrifizierung macht auch vor Rennrädern nicht halt. Nicht nur Bianchi gibt seinem Rennrad mehr Schub mit Elektropower, wo ein unauffälliger, kompakter E-Antrieb zuwerke geht.
Rennrad mit E-Power
Kompakter italienischer 250 W Motor
Eine von diesem Anbieter eigentlich unerwartete Innovation wurde von Continental präsentiert. Das Unternehmen war in meiner Wahrnehmung bisher mehr Reifenhersteller als Technologieunternehmen. Umso mehr überrascht, dass Conti ein komplettes E-Bike System anbietet und einen neuen 48-Volt-Elektroantrieb mit einem vollautomatischen und stufenlos schaltenden Getriebe kombiniert, einfach genial. Diese Neuerung hätte ich eher bei einem Anbieter wie Shimano angesiedelt. Die Entwicklung belegt, dass die Unternehmen an die E-Moblilität glauben und in diesen Markt investieren wollen. Dieser Entwicklungsschritt ist m. E. richtungsweisend, damit entfallen für die E-Bikes nämlich alle externen Schaltkomponenten und integrieren diese in den Motor. Der Gedanke war mir schon vorher beim Besuch von Pinion gekommen, Getriebe in Kombination mit E-Motor - unschlagbar. Und Conti hat's gemacht!
Conti E-Bike System mit Motor-Getriebeeinheit
Interessant ist das Angebot an E-Bikes für Kinder. Diese E-Bikes können sogar per Fernbedienung in ihrer Leistung limitiert werden, z. B. die Höchstgeschwindigkeit zwischen 10 und 25 Km/h, und trotzdem wird den Kids eine Tour mit den Eltern durch die E-Unterstützung ermöglicht. Auch eine Möglichkeit, den Mädels und Jungs das Fahrrad näher zu bringen.
E-Bike für Kids
Nicht vermissst habe ich auf der Eurobike 2017 die spärlichen Auftritte der Gravel-Bikes, die zuletzt in der Presse gehypt wurden. Persönlich schätze ich, dass diese Bike-Spielart mehr Modeerscheinung denn nachhaltiger Trend ist und aus der Nische nicht herauskommen wird (wie bei den Fatbikes geschehen).

FAZIT: Wahrscheinlich sieht der Betrachter verstärkt das, was er sucht. Trotzdem kann festgestellt werden, dass sich auf der Eurobike 2017 sehr viel um das E-Bike in all seiner Jugend und Vielfalt gedreht hat. Das E-Bike zaubert nämlich derzeit nicht nur den Bikern, sondern auch den Händlern und der Industrie ein Lächeln ins Gesicht!