Mit den Sternenbikern im Frau Holle Land

Mit den Sternenbikern im Frau Holle Land

Mit den Sternenbikern im Frau Holle Land

Mitten in der Sommerpause stand ein Tourentermin im Kalender der SG-Stern Kassel. Mit mir als Guide. Vorsorglich, damit niemand einen Hitzschlag erleidet, hatte ich die Streckenlänge schon mal etwas eingekürzt. Das sorgte für überraschte Gesichter, ist man von mir doch eher „komprimierte Mehrtagestouren“(*) gewohnt. Tja, ich kann auch mal anders 🙂  

Zum Fotografieren bleibt einem als Guide immer wenig Zeit. Es gibt aber auch deswegen wenig Bildmaterial, weil ich hier schon so vieles abgelichtet habe. Das Revier ist kein unbekanntes, der Kaufunger Wald – heißt jetzt Geo-Naturpark Frau Holle Land – direkt vor meiner Haustür. Ein paar Eckdaten dienen hier nur der Gedächtnisstütze. 99% der Sternenbiker nennen übrigens den Habichtswald als ihr Heimatrevier, also liegt es an mir, zu beweisen, dass es auch in anderen Waldregionen um Kassel, speziell im Osten, lohnenswerte Trails gibt. Mein ursprünglich angedachtes Ziel für eine Mittagsrast musste ich in der Planungsphase leider über den Haufen werfen. Die frisch restaurierte Waldgaststätte Rinderstall öffnet Sonntags nämlich erst ab 14Uhr, schade, viel zu spät für uns. Aber das ist kein Problem, ich ändere einfach das Strickmuster der Trails, vergrößere hier und da die Luftmaschen der „Transferabschnitte“ und kann trotzdem für eine Menge Abwechselung im Wald sorgen. Zu zehnt starten wir am am sonnigen Sonntagmorgen (22.Juli) in Heiligenrode. Zwei eBiker sind mit dabei, ein dritter hat kurzfristig den Stecker wegen anderer Verpflichtungen gezogen. Die „Stromer“ werden also spürbar mehr! Unsere Trailspots sind schnell erzählt: Kassel Steig, MaierTrail, Ingelheim, Barfußpfad Nienhagen, Hühnerfeld, Steinrode am Steinberg, Frau-Holle-Pfad. Die verdiente große Pause legen wir schließlich auf der Königsalm ein. Die 50 Kilometermarke haben wir ganz knapp verpasst, ebenso die 1000 Höhenmeter. Eine Besonderheit gab es aber noch: Auf den Feldern am Sensenstein haben sich mehrere Windhosen gebildet und für ein staubiges Spektakel gesorgt. Habe ich so noch nicht erlebt!

(*)Des Fliegers Zitat. Er hat mir mal unterstellt, ich würde eine an sich drei tägige Tour komprimieren, indem wir einfach schneller und ohne Pause fahren 🙂 🙂 

Einmal rund um Jena

Einmal rund um Jena

Einmal rund um Jena

Dass Jena für Mountainbiker so interessant sein könnte, habe ich mir im Traum nicht vorstellen können. Bisher hatte ich die Stadt nur mit den hochwertigen, optischen Gerätschaften von Carl Zeiss oder Jenoptik in Verbindung gebracht, die ich im übrigen sehr zu schätzen weiß. Jedoch ist die Skyline der Stadt aus Perspektive der A4 alles andere als einladend. Aber bekanntlich ist das mit rohen Diamanten ähnlich, die zeigen ihre wahre Schönheit auch erst nach dem Schleifen! Am letzten Juni-Wochenende habe ich die Stadt mit ihrer Umgebung von einer ganz neuen Seite kennengelernt.

Das Jena-Team. Vlnr stehend: Klaus S, Andreas, Nico, Jörg, Roland. Kniend: Dirk, Klaus Z, und DerMario

Seit längerem stand diese Bikerunde um Jena schon auf meiner ToDo-Liste. Der Andreas von den Funbikern erzählte mir irgendwann nämlich mal von einer nonstop-Wanderung rund um Jena herum. Diese trägt den Namen „Horizontale von Jena„. Dabei werden von den Teilnehmern 100 Kilometer nonstop zurückgelegt und nicht wenige davon haben das ambitionierte Ziel, unter 24 Stunden zu bleiben. Als dreimaliger Starter schwärmte Andi von den Hängen aus Muschelkalk und der einzigartigen Landschaft im Saaletal. Soso, dachte ich damals, Jena hat also tatsächlich etwas landschaftliches zu bieten? Dass es tatsächlich damit etwas auf sich haben muss, beweist auch die Tatsache, dass die Funbiker nun schon zum dritten mal in das Revier fahren. Und endlich passt es bei mir auch mal.

Mit nur noch leichter Skespsis steige ich also am Freitagnachmittag bei Trischi ins Auto ein, in das ich freundlicher Weise auch mein Fatty im Heck verstauen darf. Zu acht treffen wir uns im gebuchten Quartier, einer Ferienwohnung im Stadtteil Burgau. Andreas hat für den Abend ordentlich Thüringische Spezialitäten eingekauft, so dass wir uns um nichts weiter kümmern müssen.
Am Samstagmorgen starten wir nach einem Frühstück beim Bäcker um die Ecke unsere Tour. Der mittleren „Horizontalen“ wollen wir folgen, die sich sogar teilweise aus der Stadt heraus an einigen Stellen der steilen Felswände erkennen lässt. Gute 100 Höhenmeter müssen zunächst mal überwunden werden, bevor wir an der Ruine Lobdeburg auf den Wanderpfad treffen. Die Aussicht ist in der Tat grandios und mit Worten kaum zu beschreiben. Die trockene Luft leistet natürlich ihren Beitrag und ermöglicht eine beinah unendliche Fernsicht. Aber auch der Trail zaubert uns für den kompletten Tag ein Lächeln ins Gesicht. Am Fuchsturm gönnen wir uns mal eine Pause zum Auffrischen der Reserven. Obwohl wir die 400-Meter Marke kaum überfahren, so sammeln wir durch ständiges auf und ab ordentlich an Höhenmetern. Mit den acht Bikern sind wir nicht schnell unterwegs und es bleibt immer ausreichend Zeit für ein Foto. Am Nachmittag zeichnet sich schließlich eine unterschiedliche Leistungskurve ab. In der Papiermühle trennen wir uns deshalb nach knapp 50 Kilometer in zwei Vierer-Grüppchen auf. Die einen laben sich noch an der Thüringischen Kost, während wir (icke auch) noch ein wenig Strecke machen. Nach der Pause sind die Schenkel erstmal etwas bleiern und es braucht etwas, bis wir auf Touren kommen. Dann geht’s auch noch mal richtig zur Sache. In den folgenden 25 Kilometern drücken Klaus und Andi ordentlich aufs Tempo. Besonders der Anstieg auf den 400 Meter hohen Cospoth kostet richtig Körner. Am Ende des Tages kommen wir immerhin auf 72 Kilometer und haben über 1700 Höhenmeter gesammelt. Das Abendessen im nahe gelegenen Biergarten schmeckt jedenfalls sehr lecker. 

Der Sonntag startet zunächst mal mit einer Fahrt in die Innenstadt zum Frühstücken. Die Sonne meint es erneut so richtig gut mit uns. Eine ordentliche Schicht Sonnencreme ist eine gute Idee, um unterwegs nicht zu „verbrennen“. Die Anfahrt auf den Trail über die Lobdeburg gleicht fast der vom Vortag, jedoch biegen wir diesmal nicht links, sondern rechts ab. Heute kommen die Felswände also linker Hand, obwohl es diesmal gar nicht so viel davon gibt. Einer Umgewöhnung bedarf es trotzdem 🙂 Dafür überwiegen jetzt die waldigen Trails mit ordentlich Spaßfaktor. Wir staunen nicht schlecht, als wir bereits nach gut 20 Kilometern wieder das Ufer der Saale erreichen, genau an der Stelle, an der wir gestern auch schon vorbei gefahren sind. Damit haben wir die Saale-Umrundung also geschlossen. Vor der Heimfahrt gibt’s noch eine große Portion lecker Eis in der Jenaer Innenstadt.

Vielen Dank für die Orga Andreas, war super! 

Noch eine Anmerkung zum Schluss, wenn hier jemand Geschmack gefunden hat: Es handelt sich bei der Strecke um einen Wanderweg! Besondere Rücksicht gilt hier den Wanderern. Begegnungen auf der Strecke bedeuten an vielen Stellen, dass einer – Radler oder Wanderer – mindestens stehen bleiben und ausweichen, oder sogar ein Stück zurück gehen muss! Wir hatten das große Glück, wirklich nur sehr wenigen Personen begegnet zu sein und es gab überhaupt keine Konflikte. Ich hoffe sehr, dass das so bleibt. Außerdem sei noch angemerkt, dass es Stellen gibt, wo Schwindelfreiheit und sicheres Fahren angebracht ist. Im Zweifel besser schieben, was mit einem 720er Lenker aber auch manchmal nicht ganz einfach ist.

Neue Lektüre für Bikepacker

Neue Lektüre für Bikepacker

Neue Lektüre für Bikepacker

Eine Rezension ist mal etwas ganz Neues in meinem Blog. Ehrlich gesagt, ist das meine allererste Rezession überhaupt! Es geht in diesem Artikel um ein sehr spezielles Buch von Henrik Orre, auf dass ich vor einiger Zeit bei goodtimesroll aufmerksam wurde.


Der Trailer war schuld, dass ich einer sofortigen Bestellung von „outside is free“ einfach nicht widerstehen konnte. Die englische Sprache sollte nicht das große Problem darstellen, dachte ich zumindest und habe das für mich fremde „Fachvokabular“ etwas unterschätzt. Jetzt muss ich erst mal ein paar Übersetzungen handschriftlich nachtragen 🙂

[vimeo 271043957]

Velochef Outside is Free from Gawellförlag on Vimeo.

Das gute Stück ist ein waschechtes Kochbuch für Bikepacker. Richtig gelesen, ein Kochbuch mit 50 Rezepten, die sich mit „relativ wenig“ Aufwand unterwegs auf Tour über dem Gaskocher oder dem Lagerfeuer nachkochen lassen. Der Autor hat dabei die Rezepte unterschieden zwischen „on the bike“ und „in basecamp“. Das bedeutet, dass für die Gerichte im Basecamp ein paar mehr Zutaten und Equipment ganz hilfreich sind. Zusätzlich werden noch ein paar nützliche Tipps für die Outdoorküche geliefert. Wie unterwegs ein leckerer Kaffee gelingt wird ganz am Ende auch noch verraten.

Ein wenig Vorbereitung für die Gerichte ist zu Hause natürlich schon nötig, aber wer Spaß daran hat, draußen etwas leckeres zuzubereiten, findet in dem Buch tolle Rezepte. Diese stehen im krassen Gegensatz zu den sonst üblichen Fertig-Tütengerichten, die sich in der Szene meistens in den Taschen befinden. Wer natürlich auf Zeit unterwegs ist, penibel auf das Packgewicht am Bike achtet, muss schon genau überlegen, wofür er sich entscheidet: Quick and dirty oder selfmade und durchaus gesund -vor allem frei von Glutamaten und sonstigen ominösen Zusatzstoffen-.

Henrik Orre ist in der Radsportszene übrigens kein Unbekannter. Zum Beispiel war er als Koch für so bekannte Radsportteams wie „TeamSky“ tätig. Aber auch für angesehene Norwegische Restaurants hat er gekocht.

Die Gestaltung des Buches gefällt mir unheimlich gut, weil es nicht nur bebilderte Gerichte gibt, sondern auch zusätzlich schöne Bilder von irgendwelchen Bike-Touren. Auch der Druck auf dem dicken Papier gefällt. In der Lieferung ist neben einer Schutzhülle auch noch ein Göffel enthalten (mit 12gr ganz schön leicht). Eine lustige Idee! Erschienen ist das Buch im „Gawell förlag“ und im Shop [link] in den zwei Sprachen Schwedisch oder Englisch erhältlich. 

Der Mainfranken-Graveller 2018 #MfG18

Der Mainfranken-Graveller 2018 #MfG18

Der Mainfranken-Graveller 2018 #MfG18

Im letzten Jahr gab es beim ersten Mainfranken-Graveller lediglich „Beinah-Finisher“. Die komplette Runde hatte aus unterschiedlichen Gründen keiner der Starter geschafft. Umso reizvoller war natürlich ein Start in diesem Jahr bei der zweiten Auflage. Jochen Kleinhenz, der Ideenspender des Tracks durch die vier Mittelgebirge Spessart, Rhön, Hassberge und den Steigerwald, hat noch ein paar Optimierungen des Tracks einfließen lassen und den Start auf den Fronleichnamstag datiert. Eine gute Idee, denn in vielen Bundesländern ist das ja ein Feiertag. Sogar in Hessen! Damit hat sich auch für mich die Möglichkeit geboten, das Abenteuer durch Mainfranken anzugehen.

Die Startaufstellung des Mainfranken-Gravellers 2018. Bild: Fabian Gebert, Region Mainfranken GmbH


Die Zugverbindung nach Würzburg ist von Kassel aus tatsächlich nur mit dem ICE sinnvoll. Leider will dieser bei Fahrradmitnahme natürlich vorgebucht werden. Für den Rückweg ist mir das aber zu heikel, denn woher soll ich im Voraus wissen, wie lange ich für die 600 Kilometer benötige? Die Fahrt mit der Regionalbahn dauert irrwitzig lange. Also muss der Smart wieder herhalten. Jochen hat am Mittwochabend zum Pre-Camp eingeladen und eine prima Hütte für die Früh-Anreisenden klar gemacht. Fabian bringt Rostbratwurst aus Thüringen mit, Getränke besorge ich mit Jochen und dem Smartie. Es ist, wie neulich beim Candy auch: Einige kennen sich, andere sind neu, werden kennengelernt und jeder beäugt das Equipment des anderen. Fachsimpeleien ohne Ende, irgendetwas neues gibt es ja immer zu entdecken.

Am Donnerstagmorgen rollen wir gemütlich an den Start auf der Landesgartenschau und treffen dort auch auf den Rest der Teilnehmer, die am Morgen erst angereist sind. Empfangen werden wir alle von Asa Petersson, Geschäftsführerin der Region Mainfranken. Sie ist es auch, die uns um 10 Uhr mit den besten Wünschen auf die Reise schickt. Endlich geht’s los, die Sonnen brennt vom Himmel, kühlender Fahrtwind weht jetzt um uns herum. Die Temperatur ist bereits jenseits der 20 Grad und es verspricht ein schwül-heißer Tag zu werden.

In Würzburg wird das Feld durch den Ampelverkehr bald auseinander gerissen. Andreas ist weg, genauso Walter, Jochen, also eigentlich ganz viele derer, mit denen ich dachte, ein längeres Stück zusammen zu fahren. In Gedanken gehe ich Jochens letzte Infomail nochmal durch. Uff, das war viel Text und jede Menge Info zur Strecke. Wie war das doch gleich mit den Verpflegungsmöglichkeiten im Spessart? Mist, habe irgendwie alles vergessen, die Hitze hat offenbar sämtliche Gedächtniseinträge gelöscht. Aber Hunger ist auch gar nicht das Problem. Wasser, das ist viel wichtiger. Pünktlich zur Mittagszeit taucht mitten im Wald plötzlich eine bewirtschaftete Hütte (DAV Sylvan Hütte) auf. Genau, ich erinnere mich wieder. Klarer Fall: Hier wird Energie UND Wasser nachgeschoben. Boa, die Portion Bratwurst mit Kraut und Sauce ist riesig, die fränkischen Küche leistet. Hier treffe ich auch wieder Jolanta und Uwe. Essen wollen sie beide nicht, die Schlange ist schon zu lang. Sie fassen nur kurz Wasser und so starten wir gemeinsam in den Nachmittag. Natürlich war das opulente Mittagsmahl keine so gute Idee, so ähnlich muss sich Schwangerschaft anfühlen. Ich bin froh, in vorgebeugter Haltung noch den Lenker zu erreichen. Aber ein Mittagsschläfchen ist nicht drin, wer rastet, der rostet und außerdem liegen noch gut 500 Kilometer vor mir. Auf den Schotterpassagen habe ich ständig den Eindruck, einen Platten zu haben. Ein seltsam schwammiges Gefühl begleitet mich immer wieder, besonders in den leichten, eigentlich schnellen Kurven. Wie sich herausstellt, ist es aber nicht die fehlende Luft im Reifen, sondern der nicht verfestigte Untergrund, der für das unsichere Fahrgefühl sorgt. Stellenweise fühlt sich das bergauf an, wie in Brandenburgs Sandlöchern. Mit dem Geiersberg ist der höchste Gipfel (586m) im Spessart gemeistert. Meine Begleiter habe ich unterwegs irgendwo wieder verloren. Am späten Nachmittag verdichten sich die Wolken und es wird bedrohlich dunkel. Gerade als ich an den Fischteichen vor Frammersbach vorbei rolle, öffnet der Himmel seine Pforten. Leicht feucht geworden rette ich mich zum Unterstellen in die Fischerhütte. Gut 15 Minuten warte ich hier ab, bevor ich meinen Weg fortsetze. Den Spuren vor mir entnehme ich, dass vor kurzem hier mehrere Radfahrer durchgerollt sind. Es dauert auch nicht sehr lange, da  treffe ich zunächst auf „Jota“ (alias Jürgen) und etwas später auch wieder auf Jola und Uwe. Während wir zu dritt in Frammersbach eine kurze Pause für Kaffee und Kuchen einlegen, zieht Jota weiter des Weges. Die Pause hat meinem Hintern ganz gut getan und wir rollen gut gelaunt dem Abend entgegen. Ab jetzt bildet sich zwischen uns eine feste Dreisamkeit. Dunkle Wolkenberge am Himmel kündigen das nächste Unwetter an. Eine Schutzhütte ist weit und breit nicht in Sicht. Vor uns liegen einige Ortschaften, die aber eher als eine Häuseransammlung, als eine Gemeinde bezeichnet werden können. Das dunkle Gewittergrollen erhöht unsere Trittfrequenz. Für den morgigen Freitag ist komplett Regenwetter vorhergesagt und so wäre eine überdachte Unterkunft für die Nacht schon sehr angenehm, zumal ich Gewitter im Wald sehr unlustig finde! Ein unruhiges Gefühl bezüglich eines brauchbaren Spots zieht auf. In Roßbach melden unsere Navis eine Schutzhütte am Ortsrand, die sich dann aber nur als Bushaltestelle herausstellt. Ein Schutz vor Unwetter ist hier für drei Personen nicht gegeben. Im Ort gesichtete Scheunen sind es, die mich ein Stück zurück fahren lassen und in einem Hof treffe ich auf Herrn Schäfer. Auf meine Frage zur Übernachtung in einer der Scheunen will er nicht so richtig eingehen, aber dafür preist er uns seine Garage an. Na klar, nehmen wir, gar keine Frage und noch sehr viel besser für uns, wie sich später herausstellt. Eine völlig unerwartete Gastfreundschaft schlägt uns entgegen. Wir können uns weder gegen die gekühlten Getränke, die Dusche inklusive Handtücher noch die schnell gezauberte Gulaschsuppe von Frau Schäfer wehren. Sehr lecker alles! So blicken wir schließlich entspannt und gesättigt vom Balkon der Familie Schäfer dem aufziehenden Gewitter entgegen. Dieses entlädt einen Großteil seiner Energie an den hohen Bergen der Rhön, in der Nacht regnet es noch einmal heftig, was uns aber wenig stört.
– Liebe Familie Schäfer, wenn sie diesen Text lesen sollten, fühlen sie sich umarmt und ein herzliches Dankeschön nochmal für ihren einmaligen „Service“ –

Das Frühstück am Freitag morgen schlagen wir allerdings dann doch aus, denn wir verlassen unsere wunderbare Unterkunft schon um 6 Uhr in der Früh. Zuvor gab es einen Kaffee vom Gaskocher und etwas Porridge. Damit lässt sich Vormittags schon mal ein gutes Stück Weg bis zur nächsten Bäckerei überbrücken. Fündig werden wir im Tegut in Bad Brückenau. OK, jetzt können die Anstiege der Rhön kommen und die lassen auch nicht lange auf sich warten. Dreistelz haben wir ja schon vor Bad Brückenau hinter uns gebracht. Es folgen nun das Würzburger Haus und die Kissinger Hütte. Hier oben fahren auch Dirk, Alex und Steffen auf uns auf. Ein kleiner Plausch über die Erlebnisse, dann verlieren wir uns nach dem Kreuzberg wieder aus den Augen. Die Rhön ist anstrengend, kostet eine Menge Körnchen, aber es ist einfach nur schön. Unendliche Aussichten auf der Hochrhönstraße sind eine willkommene Abwechselung nach dem dichten Wald des Spessarts. Einen Teil unseres Tracks kenne ich durch den Rhön-Radmarathon, den ich eben wegen dieser wunderschönen Wegführung so sehr schätze. Bei Bad Königshofen verlassen wir auch schon die Rhön und rollen in die Höhenzüge der Hassberge. Hier war ich, zumindest bewusst, noch nie. Diese beginnen angenehm wellig, nicht zu steil, wunderbar fahrbar. Allerdings täuscht der Anfang, denn wenig später wechseln auch hier die Anstiege locker den zweistelligen Prozentbereich. Da hilft mir meine extra installierte Bergübersetzung mit 32:40 dann auch nicht mehr weiter, so dass ich ab und an mal in den Schiebemodus wechsele – Das kommt dafür dem Hintern zu Gute – Unser Abendessen genießen wir im Biergarten eines hübschen Gasthofes. Unerwartet treffen wir hier auch Dirk, Alex und Steffen wieder. Lustig, wir haben sie an irgendeiner Stelle wohl überholt, als sie auf einer „Runde Espresso“ waren. In Hofheim verproviantieren wir uns für den Abend. Uwe und ich gönnen sich den Luxus von Dosenbier, dass wir an unserem Spot, wo immer dieser auch sein möge, trinken wollen. Die Höhenzüge der Hassberge machen total Spaß, hinter Sulzfeld geht es auf einer Art Kammweg auf feinstem Schotter wieder leicht hoch und runter. Mit der untergehenden Sonne erreichen wir Königsberg in Bayern. Wir begegnen einem historischen Stadtrundgang und bekommen ein wenig Anfeuerung wegen des echt steilen Anstieges zur Burg. Wir passieren eine Jugendherberge (hier haben sich Dirk und Alex eingemietet. Wie wir über den Social-Media-Funk erfahren, hat Dirk inzwischen sein Schaltwerk geschreddert 🙁 ) Das ist aber nicht das einzige Schicksal des Abends. Am Rand der Burgmauer wollen wir unser Nachtquartier beziehen. Hier gibt es eine Art Pavillon, der für zwei Personen ausreichend ist, im Schutz der Dunkelheit will ich im Burggraben mein Zelt errichten. Zuerst aber trinken Uwe und ich das mitgeschleppte Bier. Eine Sitzgruppe mit fabelhafter Aussicht über den Ort ist genau die richtige Stelle dafür. Der Nachtwächter aus der zuvor genannten Gruppe kommt noch einmal bei uns vorbei und plaudert ein wenig. Auch Werbung hat er für uns dabei. Außerdem preist er uns noch einen weiteren wunderbaren Platz zum Nächtigen an, den wir dann aber wegen des Wärmestaus als ungeeignet befinden. Gerade als wir bei schon fortgeschrittener Dämmerung unser Lager bereiten wollen, verkündet Uwe den Verlust seiner Geldbörse. Die ist weg, mit allem! Uff, ein Schock für uns alle drei, auch zweistündiges Suchen bringt die Börse nicht zurück. Wie er diese aber genau verloren oder verlegt  haben will, weiß keiner so genau. Was im weiteren Verlauf des aufregenden Abends geschehen ist, das ist eine echte Story für’s Lagerfeuer und die will ich Uwe hier auch nicht vorweg nehmen. Freut euch also auf den nächsten Overnighter mit ihm und Jolanta! Das Wichtigste ist, dass die Börse inklusive ihrem kompletten Inhalt um Mitternacht plötzlich und unerwartet wieder aufgetaucht ist. Der „Nachtwächter von Königsberg“ spielt in der Geschichte auch eine Rolle 🙂  Achja, unser Quartier haben wir schließlich direkt am überdachten Burgbrunnen aufgeschlagen. Sehenswert ist dieser, mit seinen 50 Metern Tiefe! Ausgeleuchtet! Reingefallen ist zum Glück nichts!

Am Morgen nach dem Schrecken gibt’s wieder Hafer und Kaffee zum Frühstück. Anscheinend bin ich der Einzige, der wirklich gut geschlafen hat. Wir haben heute sogar etwas spät dran und beeilen uns, auf die Räder zu kommen. Eine tolle Stimmung liegt in der Luft. Leichte Nebelschwaden ziehen über die Baumwipfel und hindern die Sonne noch am Durchkommen. Ich mag das sehr, dieser Morgen hat beinah schon meditativen Charakter. Beinah andächtig rollen wir zu dritt dahin und genießen einfach nur. Irgendwann baut sich vor uns die Burgruine Altenstein auf. Laut Jochen ein sehenswertes Gemäuer, das eventuell auch Bikepackern Schutz bieten könnte. Und so erkunden wir die Ruine erstmal und genießen den fabelhaften Rundumblick. Ein mögliches Frühstück finden wir hier leider nicht. Ebenso erfolglos bleiben wir in den folgenden vier Ortschaften, bis ein geöffneter Biergarten nahe dem Sträßchen auf dem wir fahren unsere Blicke auf sich zieht. Ein alter Gutshof mit kleiner Teichanlage wirkt geradezu magnetisch auf uns. Hier stärken wir uns, denn es ist ohnehin fast schon Mittag.
Den Main überqueren wir zwischen Ebelsbach und Eltmann. Hier werden wir während einer Getränkepause sogar von fremden Mountainbikern auf den Mainfranken-Graveller angesprochen. Irgendwie sähen wir mit unseren Rädern und dem Gepäck nach Teilnehmern aus. Die örtliche Presse hat anscheinend gute Werbung gemacht. Mit der Überquerung des Mains verlassen wir dann auch die Hassberge und steigen nun ein in den Steigerwald. Auch den kenne ich nur vom gleichnamigen Autobahnrasthof auf der A3. An diese Region kann ich mich jetzt bei der Aufarbeitung des tracks gar nicht mehr an spezielle Erlebnisse erinnern. Die Burgruine Zabelstein ist hängen geblieben, die wir ein wenig inspiziert, aber keine weitere Verpflegung in der dort ansässigen Gastronomie aufgenommen haben. Vielleicht war ich etwas unaufmerksam, Wasser wäre nämlich durchaus angebracht gewesen und so stoppen wir unterwegs an einem Friedhof, um die Pullen wieder aufzutanken. Bis Geiselwind rollen wir in hübschen Schleifen durch ebensolche Örtchen. Hinter dem Ferienpark, der vielen Familien bestimmt ein Begriff ist, geht’s noch mal ordentlich aufwärts. Weinberge lassen grüßen und kurz Aussichten genießen. In Castell führt unser Track direkt an einer Gastwirtschaft mit sehr schönem Biergarten vorbei. Es ist bereits Abend und gegen ein ordentliches Essen hat auch niemand etwas einzuwenden. Der Wirt signalisiert zwar etwas Wartezeit, aber wir sind ja nicht auf der Flucht. Die Schenkelchen, die Hintern dürfen sich auch mal ein wenig Ruhe gönnen. Und als wir so gemütlich beisammen sitzen, überrascht es nun kaum mehr, dass plötzlich zwei alte Bekannte um die Ecke biegen. Einen weiteren Espresso gönnen sich Dirk und Alex, Steffen ist irgendwo „abwegig“. Wir unterhalten uns über einen möglichen Übernachtungsspot, den wir bald aufsuchen wollen. Es gibt diesmal mehrere Optionen und vielleicht finden wir einen, der sogar für uns fünf passt. Möglichst unter Hundert Kilometer wollen wir am Sonntag noch fahren, so ist die einhellige Vorstellung. Wie sich später herausstellt, sind die Bedingungen der Spots aber doch nicht ganz so üppig, wie ursprünglich gedacht und so kommt es wieder zu einer Teamaufteilung. Jolanta, Uwe und ich entscheiden uns für eine kleine Hütte mitten im Wald, ausgestattet mit Tisch und Bank, sowie ausreichend Platz für mein Zelt davor. Schließlich will ich das wenigstens einmal aufbauen, um es nicht völlig umsonst mitgeschleppt zu haben 🙂 Wir flüchten ziemlich schnell in unsere Schlafsäcke, denn Heerscharen von Moskitos drohen uns aufzufressen.

Gegen 6 Uhr in der Früh sitzen wir wieder im Sattel. Unsere Schlussetappe hat begonnen. Heute wollen wir spätestens bis zur Mittagszeit Würzburg erreichen. Nachdem wir zunächst ein gutes Stück Trail bergauf schieben müssen, kommen wir dann aber doch recht zügig voran. Die richtigen Berge haben wir hinter uns gelassen. Heute folgen dafür viele Kilometer durch offenes Feld. Der Untergrund ist gut für schnelles Rollen, nur ein paar „Sonntagsfahrer“ bremsen uns heute auf den Radwegen etwas aus. Erstaunlich, wie viele Menschen heute unterwegs sind. In fast allen Ortschaften sind außerdem Fronleichnamsprozessionen unterwegs. So viel Schmuck an der Straße habe ich bei uns zu Hause noch nie gesehen! Weil das Frühstück wieder etwas knapp ausgefallen ist, sind wir auf der Suche nach essbarem. Werden aber weder in einem großen Gasthof noch ein einer Gastwirtschaft fündig. Hier gibt’s höchstens einen Frühschoppen. Nicht mal ein Weißwurtsfrühstück ist im Angebot, wir sind doch hier in Bayern! Erst in Röttingen in der Bürgerstube bekommen wir nach hartnäckiger Verhandlung ein frühes Mittagessen. Wir sitzen auf dem Marktplatz und genießen die Ruhe. Ab und an rollen ordentlich bepackte Fahrradtouristen vorbei, sonst ist hier nicht viel los. Kaum 10 Minuten später, nachdem ich meine Gedanken über die „Espresso-Gang“ ausgesprochen habe, kommen erneut Dirk und Alex aus einer Nebenstraße heraus und gesellen sich zu uns. Irgendwie ist das inzwischen schon magisch. Bis Würzburg sind es jetzt nur noch etwa 50 Kilometer. Nicht wenige davon führen am Main entlang, wo wir auch ordentlich Tempo bolzen. Etwas Wehmut kommt auf, das war es dann schon mit Mainfranken Graveller. Noch nicht ganz am Ziel angekommen, wirbeln mir die letzten Tage durch den Kopf. Unegwohnt ist der Trubel in der Stadt, auf der Mainbrücke ist gar die Hölle los! Wir rollen weiter bis zum Ende unseres Tracks, den Frankonia Brunner vor der Residenz. Und den Trackern sein Dank bekommen wir sogar einen großartigen Empfang bereitet. Asa und Frank sitzen im Schatten der Residenz und heißen uns Willkommen. Stark, das ist echt klasse! Hinter uns sind noch Dirk, Alex, Steffen, Jota, Walter und Jochen und?? unterwegs. Auch Jota können wir zusammen im Ziel begrüßen. Den Abschluss des zweiten Mainfranken-Gravellers feiern wir gebührend in der Eisdiele mit Blick auf die Residenz.

Vielen, vielen Dank an dieser Stelle an alle, die diese Tour möglich gemacht haben. Besonders möchte ich die klasse Arbeit von Jochen Kleinhenz hervorheben, die er in die Ausarbeitung des Tracks gesteckt hat. Seine Nachbearbeitung, basierend auf den Erfahrungen des letzten Jahres haben sich sowas von gelohnt! 

Ein weiteres ganz großes Dankeschön gilt meinen beiden Begleitern, Jolanta und Uwe, die mich ja fast über die gesamten dreieinhalb Tage ertragen haben. Es war mir wirklich eine große Freude, mit euch fahren zu dürfen!

Vielen Dank für’s Mitnehmen, Uwe und Jola. Bild: Fabian Gebert, Region Mainfranken GmbH

Es hat auch wieder sehr viel Spaß gemacht, neue Gesichter der Bikepacking-Szene kennen zu lernen. Unter anderem auch einen treuen Leser meines Blogs, Christian, mit dem ich aber leider nur am Vorabend des Starts ein wenig plaudern konnte. Schon kurz nach dem Start trennten sich unsere Wege, wusste ihn jedoch in guter Begleitung von Andreas, Walter und Jochen….

Und einen Glückwunsch möchte ich auch noch loswerden: Rene, du warst einmal mehr die Speerspitze des Feldes. Wie du diese Fahrzeiten auch in dem nicht ganz einfachen Gelände hinbekommst, ist schon der Hammer! Echt super gefahren!!

Ganz zum Schluss meines Erfahrungsberichtes noch ein paar Daten, die ich dem Garmin entlockt habe. Dass es nicht exakt 600 Kilometer oder mehr geworden sind, liegt neben normalen Toleranzen beim Aufzeichnen auch daran, dass wir unterwegs nicht mit allerletzter Konsequenz die Abzweige zu sämtlichen Sehenswürdigkeiten mitgenommen haben. Diese anzufahren, stand den Fahrern frei!

31.05.2018: 148km, 2400Hm, 8:57h reine Fahrzeit
01.06.2018: 175km, 2900Hm, 11:11h reine Fahrzeit
02.06.2018: 150km, 2500Hm, 9:47h reine Fahrzeit
03.06.2018: 112km, 900Hm, 5:38h reine Fahrzeit

#MfG18 Fertig für den Mainfranken-Graveller

#MfG18 Fertig für den Mainfranken-Graveller

#MfG18 Fertig für den Mainfranken-Graveller

Morgen, am Fronleichnamstag, den 31. Mai, startet die zweite Auflage des Mainfranken-Gravellers. Jochen Kleinhenz hat eine Streckenlänge von rund 600 Kilometern und satten 9.000 Höhenmetern ausbaldowert und führt die Fahrer in einer großzügigen Runde um die Region „Mainfranken“. Dabei werden vier Mittelgebirge (Spessart, Rhön, Haßberge, Steigerwald) durchquert.

Quelle: https://www.followmychallenge.com/trackers

Der Streckenverlauf ist durch Wald- und Schotterwege geprägt. Nur dort, wo es keine sinnvolle Möglichkeit für die Strecke durch die Landschaft gibt, wird auf asphaltierten Radwegen oder Feldwegen, ganz selten mal auf normaler Kreisstraße, gefahren. Dies ist, wie auch der Candy B. Graveller, eine Selbstversorgertour, bei der es keinerlei Unterstützung in Form von Verpflegungspunkten oder Lagern gibt. Jeder ist unterwegs für sich selbst verantwortlich. Für die Fahrer gibt es lediglich einen GPS-track, der im Vorfeld der Tour verteilt wurde.

Was echt super ist: Es gibt als Service für die daheim gebliebenen oder alle Interessierten ein „Live-Tracking“. Der Anbieter ist Followmychallenge. Dies ist der link.  

Mein Specialized Sequoia ist fertig gepackt und freut sich mindestens genauso wie ich auf die spannende Tour 🙂